Klaus-D. Heid

Die Rolle der Geschlechter im Wandel der Zeit

Liebe beginnt immer mit den allerschönsten Worten – und endet oftmals mit dem Schleifspuren, die eine Frau in der Unterhose ihres Mannes findet! Wenn sie dann noch allnächtlich Ohrenstöpsel in die Gehörgänge stopfen muß, weil das Schnarchen ihres Göttergatten zu einem unerträglichen Kahlschlag ausartet; wenn sie sich angeekelt fühlt, weil sein morgendlicher Hustenschleim steinhart auf dem Porzellan des Waschbeckens klebt; wenn sie Ausschlag davon bekommt, daß sie die Folgen seines ‚Stehend pinkeln‘ beseitigen muß – und wenn sie benutzte Kondome in seiner Manteltasche findet, obwohl er ihr immer wieder versichert hat, daß er eine Gummiallergie hat...

...dann ist man bereits mittendrin im ehelichen Alltag, der zwar lieblos, aber auch endlos, andauern kann, bis daß der Tod die beiden scheidet!

Was sich noch in der ersten Flirt-, Berührungs-, und Geilheitsphase hinter Sitte und Anstand versteckt, entpuppt sich schleichend zu einem ‚Nimm mich, wie ich bin‘ – Gefühl, das keinerlei Rücksicht mehr auf die Schmerzgrenzen des Partners nimmt! Verstaute die Frau anfangs noch ihre gebrauchten Binden sorgfältig in einer kleinen Plastiktüte, läßt in der Regel auch diese Pietät immer mehr nach und es genügt ihr, die Binden in einem bereits überquellenden Bindeneimer zu verstauen, bis der Gestand selbst ihr unerträglich wird! Hing sie einst an ihrem neuen Freund, hängt nun ihr Bauch; reizte sie ihn früher gerne mit ihrem Aussehen, reizt sie ihn jetzt nur noch mit Worten wie „Saufkopp“, „Schlappschwanz“ und „Arschgesicht“!

Alles hat einen Zustand normaler ‚Selbstverständlichkeit‘ erreicht, in der das Furzen, Rülpsen und kratzen am Sack des Mannes ebenso dazugehört, wie das ungewaschene Haar der Frau, das knotig und strähnig ihren Kopf – und auch ihre Achselhöhlen schmückt! Jetzt endlich hat das ständige Suchen nach Kosenamen ein Ende gefunden! Wie nervend war es doch, immer wieder Alternativen zu „Schnucki“, „Purzel“, „Hasi“ und „Schatzi“ zu erfinden! Viel einfacher ist es nun, sich auf ein dauerhaftes „Alter“ und „Alte“ zu einigen, oder? Besonders eingefleischte Paare haben sogar die Wahl getroffen, sich nur noch mit ‚Männe‘ und ‚Frau‘ anzusprechen, um ein für alle Mal die Hierarchie im Haushalt klarzustellen! Das klingt dann etwa so:

„Mach mal’n Bier auf, Frau!“
„Sicher, Männe! Ich beeile mich ja schon...!“

Eindeutig, stimmt’s? Die Fronten sind geklärt! Es steht fest, wer der Herr im Hause ist! Er trinkt das Bier – sie holt es! In den meisten Haushalten, in denen die Partner länger als zehn Jahre zusammen sind, ist das der bittere Alltag! Allerdings nur in den meisten Haushalten! Ab und an und immer öfter kommt es vor, daß genetische Veränderungen für eine völlig andere Aufteilung verantwortlich sind. In solchen Fällen hört sich das gleiche Beispiel dann so an:

„Möchte denn meine Zuckischnucki noch ein Gläschen Likörchen vernaschen...?“
„Frag nicht so blöd – und sieh zu, daß das Glas bald auf’m Tisch steht, Alter! Aber zackig!“

Klare Rollenverteilung auch hier, allerdings in umgekehrter Zuordnung einer Patriarchenrolle! Wo steht es auch geschrieben, daß es immer der Mann sein muß, der den ‚Boß‘ mimt? Was meinen Sie? Es steht in dem Buch der Bücher? Dort steht, daß der Mann sich die Frau untertan machen soll? Sogar beim ‚Highlander‘ heißt es schließlich: „...es kann nur Einen geben!“ und nicht: „...es kann nur EINE geben!“? Was faseln Sie da vom ‚schwachen Geschlecht“ und von diesem Nietzsche? „Wenn Du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht!“? Es soll ein uraltes Naturgesetz sein, daß die Frau alles zu kochen hat, was der Mann nach der Jagd auf den Tisch wirft?

Aber wirklich! Ich bitte Sie! Wo leben Sie denn!

Das sind doch olle Kamellen und Schnee von gestern! Im Zeitalter der Emanzipation und des Internet sind derartige Weisheiten nicht nur gesetzwidrig, sondern auch verabscheuungswürdig! Heutzutage ist es keine Seltenheit mehr, daß die Karrierefrau ihren arbeitslosen Mann unterstützt, nachdem sie die Scheidung eingereicht hat! Es ist völlig normal, wenn eine Frau von ihrem Mann angezeigt wird, weil sie ihn gewaltsam zum Abarbeiten der ‚ehelichen Pflichten‘ gezwungen hat!

Die Frau von heute ist nicht nur gleichberechtigt – sie ist auch unterhaltsberechtigt, wenn sie sich für ein besseres Exemplar der Gattung ‚Mann‘ entschieden hat! Paßt ihr der ‚Alte‘ nicht mehr, kommt eben ein ‚Neuer‘ in jenes Haus, das der ‚Alte‘ natürlich seiner Frau überlassen mußte, damit ausreichend Platz für den ‚Neuen‘ vorhanden ist!

Schon aus den eben genannten Motiven heraus, ergibt sich, daß die Rolle der Frau nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem untertänigen Weibe zu tun hat, das über Jahrtausende vom Manne gequält und gepeinigt wurde! Im Gegenteil! Immer mehr häufen sich Berichte, in denen Männer den Schutz sogenannter ‚Männerhäuser‘ suchen, um sich vor brutalen Zugriffen der Ehefrauen zu schützen! Vereine wurden ins Leben gerufen, die nichts anderes zum Ziel haben, als den Schutz des schwachen, männlichen Geschlechtes! Lediglich dem Einfluß unserer südländischen Bevölkerung ist es zu danken, daß der Mann nicht vollends zum Haustier mutiert ist, das in Käfigen gehalten, mit vitaminhaltigem Trockenfutter ernährt, die Zeugungsfähigkeit zu erhalten hat, bis es durch eine Injektion von seinem Dasein erlöst wird!

Haben Sie vielleicht geahnt, daß ‚Viagra‘ von einer Frau erfunden wurde? Nein?

Der Mann hat es seit Ewigkeiten mehr oder weniger gut geschafft, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen! Auch, wenn er einmal streßbedingt ‚versagt‘ hat, stand er doch am nächsten Tag wieder voll in Saft und Kraft! Mit ein wenig Unterstützung der Angetrauten schaffte er es immer wieder, seinen körperlichen Unterschieden zum weiblichen Gegenstück einen gewissen praktischen Sinn zu geben! Dann jedoch trat die Frau auf den Plan! Sie störte sich immer mehr an den Fingerfertigkeiten und Lippenbekenntnissen, die nötig waren, einen Mann voll gebrauchsfertig zu bekommen! ‚Genießen ohne Mühe!‘ hieß die neue Marschrichtung, die Frauen einschlugen, seit eine Frau ‚Viagra‘ erfunden hatte.

Hat noch vor einigen Jahren der Mann gebrüllt, daß seine Bettgenossin gefälligst die Pille schlucken soll, damit er nicht für die Früchte seiner Lust zur Kasse gebeten wird, ist es heute die Frau, die sorgfältig darauf achtet, daß der Mann ‚seine‘ Pille schluckt! Fehlt ihm dann zu allem Unglück das nötige Kleingeld, um die ersehnte Pille kaufen zu können, hat er eben Pech gehabt! Alternativen zu ihm finden sich an jeder Straßenecke und in jedem Bordell, das immer mehr von Frauen frequentiert wird, die sich Auswahl leisten können! Sie glauben mir nicht? Dann sollten Sie einmal aufmerksam verfolgen, wie sich die Kontaktanzeigen in Tages- und Wochenzeitungen verändert haben! Neuerdings steht da nämlich nichts mehr von Kerlen, die ‚stundenweise Entspannung von der Ehe‘ bei einem hemmungslosen Blind Date suchen! Moderne Kontaktanzeigen lauten nämlich in etwa so:

„Gelangweilte Ehefrau Mitte fünfzig sucht drei bis vier Männer, um sich von den Strapazen des Alltags zu erholen! Bevorzugt werden gutgebaute Modelle, die nicht älter als fünfundzwanzig sind und die mindestens zehn mal hintereinander...“

Denken Sie sich den Rest! Ich glaube, Sie verstehen, was abgeht, oder? Männer haben lediglich eine Rolle zu erfüllen, in der sie ein Gebrauchsgegenstand sind! Es wird nicht mehr lange dauern – und Männern wird eine Art ‚TÜV – Plakette‘ auf den Hintern geklebt, damit die Frau beim ersten Sichten erkennt, wie frisch ihr Fleisch ist, das sie gerade preiswert im ‚Lady’s Shopping Center‘ erstanden hat...! Wenn Sie nun meinen, ich male den Teufel an die Wand, sollten Sie bedenken, daß der nächste Krieg vielleicht schon vor der Tür steht! Wie nach jedem Krieg werden dann sechzig Prozent der Männer in Pflichterfüllung fürs Vaterland sterben – und die verbleibenden vierzig Prozent werden dann – je nach Leistungsstärke und ‚Qualifickation‘ – auf einhundert Prozent Frauen verteilt! Liegt es angesichts solcher Zukunftsaussichten nicht nahe, daß Frauen Kriege inszenieren, um dadurch eine globale Übermachtstellung zum Mann zu erhalten?

Wie gesagt...

...die Ausnahme bestätigt die Regel, und die Regel ist gleichfalls eine ständige Erinnerung daran, daß Frauen schon immer mit dem Blutvergießen besser fertig wurden, als Männer! Schon deshalb liegt es nahe, der Frau jene Stellung zukommen zu lassen, die ihr gebührt! Soll sich doch der schwache Mann damit abfinden, daß er letztendlich nichts anderes ist, als eine Erektion mit Verfallsdatum!

Dann nämlich wird er begreifen, wie wichtig es ist, mit dem Furzen im Bett aufzuhören, etwas gegen sein Schnarchen zu tun und endlich seinen Arsch mit Klopapier abzuputzen, als mit der Unterhose! Erst wenn er verstanden hat, daß das Pinkeln im Stehen die Vormachtstellung des Weibes fördert, wird er eine winzige Chance erhalten, nicht in einer Onanierfabrik als Spermienspender zu enden...!

Hoffen wir das Beste für uns Männer!

Was sagen Sie? Sie sind eine Frau und fühlen sich durch meinen Artikel in Ihrer persönlichen Entfaltungsfreiheit eingeengt und diskriminiert? Sie erwägen gar ein Anzeige gegen mich, weil Sie das Gefühl haben, ich sei ein ‚Frauenhasser‘?

Ich?

Weit gefehlt! Seit über dreißig Jahren bin ich glücklich verheiratet und kann voll Stolz behaupten, daß meine Frau mich als ‚besten Ehemann der Welt‘ bezeichnet! Jeder, der mich und meine Frau kennt, weiß, wie liebevoll und verständnisvoll ich meiner Frau gegenüber bin! In unserer Ehe gibt es keinerlei Rivalität und keine Machtkämpfe! Jeder hat seine Aufgaben, die er fröhlich und bereit erfüllt! Ich trage meine Frau auf Händen, um ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen – und, ich freue mich über jede liebevolle Zuwendung meiner Ehefrau noch genauso, wie am ersten Tag unserer Ehe!

Ohne Übertreibung kann ich sagen, daß ich ein typisches Musterbeispiel für einen Mustergatten bin! Wären alle Männer so wie ich, könnte es gut sein, daß Mann und Frau ein harmonisches Miteinander und Nebeneinander führen würden, das niemals solche schändlichen Worte wie ‚Scheidung‘ oder ‚Fremdgehen‘ erfahren würde! Alles in unserer Beziehung ist von Freiwilligkeit und Freundlichkeit geprägt! Ehrlich!

Können Sie sich vorstellen, daß ich vom vielen Quatschen einen tierischen Durst bekommen habe? Ich habe einen Brand wie eine Bergziege...! Bier wäre jetzt nicht schlecht...! Wo schleicht bloß meine Alte herum? Ist die denn nie da, wenn ich sie mal brauche?

„Erna? Was treibst Du denn gerade? Setz mal deinen fetten Arsch in Gang – und schlepp ’n Bier aus ’m Keller! Aber ’n bißchen flott, ja? Oder muß ich hier alles selbst machen...?“

So! Wo war ich noch gleich stehen geblieben?

Ach so! Also:

Meine Frau und ich führen eine harmonische Ehe...

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