Vanessa Skrzypczak

Im Flüstern der Nacht

 

08.06.2009

 

Im Flüstern der Nacht

 

„Hey, alles okay?“ fragte er sehr leise. Besorgt… Ich drehte meinen Kopf und sah ihn an. Sein Blick ruhte auf mir. Wie lange schon? „Ich kann nicht schlafen“, flüsterte ich, schloss kurz die Augen und starrte dann die Decke an. Er schwieg, doch ich spürte seinen Blick noch stärker als zuvor.
„Komm“, sagte er schließlich, erhob sich und reichte mir die Hand, „lass uns eine Runde drehen“.
Er ließ meine Hand nicht los, auch draußen nicht, hielt sie einfach fest. Hielt sie fest und gab mir Kraft. Irgendwann begann ich dann zu erzählen. Ich sagte ihm alles, alles was passiert war, meine ganze Geschichte. Hin und wieder durchfuhr ein Zittern meine Stimme, kaum bemerkbar, fast nur ein Hauch und dann wieder stärker, eher ein schwaches Beben denn ein Zittern. Doch ich weinte nicht, nicht wieder, diesmal nicht. Und er? Hielt einfach meine Hand, hörte mir stumm zu, stumm, ohne mir das Gefühl zu geben ihn mit meinen Worten zu langweilen, ohne mir das Gefühl zu geben ich solle besser meinen verdammten Mund halten, ohne mir das Gefühl zu geben… Einzig meine Stimme im Flüstern der Nacht.
Als meine letzten Worte schließlich verklangen, schwieg er noch immer. Aber es fühlte sich nicht falsch an so, mit seinem Schweigen sagte er so viel mehr, als er es je mit irgendwelchen erzwungenen Ratschlägen hätte tun können.
Plötzlich stolperte ich, das Kopfsteinpflaster stand an einer Stelle etwas hervor. Ich fiel nach vorne, mein Gesicht nahte sich dem kalten Stein – er fing mich auch, er hielt mich, er hielt mich…er hielt mich. Wir waren uns so nahe, seine starken Arme umschlossen mich noch, lass mich nicht los… Ich näherte mein Gesicht dem seinen, atemlos, bis nur noch die schmale Sichel des Mondes zwischen uns zu erkennen war und sich alles um uns herum verlor…im Flüstern der Nacht.



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