Peter J. Müller

Eine Spazierfahrt für spanische Tomaten

Dass es in der Transportbranche immer wieder zu eigentlich völlig verrückten und auch unnötigen Beförderungsfahrten kommt, durfte ich auch schon einige Male selbst erleben.

Das krasseste Beispiel, was ich selbst in dieser Art erlebte, ereignete sich während meiner Zeit als Kühlzugfahrer 1988 in Spanien.

Im Vorfeld, bevor ich nach Spanien gelangte - und da wären wir passenderweise auch gleich bei derselben Thematik - hatte ich in München im Großmarkt direkt aus einem griechischen LKW eine komplette Ladung Weintrauben geladen. Was meinen Sie, wohin?

Ausgerechnet nach Spanien, das selbst ein namhafter Erzeuger von Weintrauben ist! Diese Ladung wurde ich schließlich in Nordspanien los.

Dann hieß es nach Südspanien fahren und eine Ladung Tomaten übernehmen - für Münster in Norddeutschland. Die Beladung gestaltete sich eigentlich ganz unproblematisch und meiner Meinung nach war mit den geladenen Tomaten auch alles in Ordnung.

Die Anweisung lautete, die Tomaten dann erst in Nordspanien - etwa 800 km weiter - zu verzollen und begutachten zu lassen. So machte ich das dann auch. Auf dem dortigen Zollhof musste ich zwar ganz schön lange warten, bis ich dran kam, aber dann kam bei der Begutachtung durch die Zöllner der ganz große Knaller: Man ließ mich wissen, dass man mich mit diesen Tomaten nicht das Land verlassen lassen würde. Ich selbst vermutete, dass dies mit dem Reifegrad der Tomaten zusammenhängen musste.
Und ich dachte schon, der Disponent meiner Spedition, den ich ja davon verständigen musste, würde am Telefon explodieren, wenn ich ihm diese Meldung zukommen ließ. Schließlich war es ja notwendig, die ganzen langen 800 km in den Süden Spaniens unverrichteter Dinge zurück zu fahren, um eine andere Ladung Tomaten zu erhalten! Aber der nahm es erstaunlicherweise ganz ruhig auf und gab sein Okay zu der Sache.

Tags darauf kam ich also wieder bei der Firma an. Der Chef dort ließ mich wissen, dass am heutigen Tag (es war der 1. November - auch in Spanien ein hoher Feiertag!) nicht gearbeitet wurde und der Austausch der Ware erst am nächsten Tag stattfinden würde. Überdies erhielt ich sogar umgerechnet von ihm rund 40 DM Trinkgeld! Sowas erhält ein Fernfahrer nur höchst selten...

Ich hatte also unerwartet fast einen ganzen freien Tag. Den Auflieger ließ ich auf dem Firmengelände stehen und fuhr mit der Zugmaschine an die nahe Mittelmeerküste. Bei dem milden Klima und rund 20 Grad Temperatur eine angenehme Geschichte. Schade nur, dass ich keinen Photoapparat dabei hatte - die Mercedes-Zugmaschine unter Palmen hätte ein Supermotiv abgegeben!

Am nächsten Tag fand also der Austausch der Ladung Tomaten statt - und diesmal war es doch tatsächlich möglich, die Verzollung und Beschau bei einem Zollhof in der Nähe durchführen zu lassen! Man hätte sich den Aufwand von vergeblichen über 1600 km und zwei Arbeitstagen meinerseits sparen können, wenn man das alles von vorneherein bei dem Zoll in der Nähe arrangiert hätte. Aber der Kunde ist halt König - und was zählt, ist sein Wille. In diesem Fall wird dies ihn viel Geld extra gekostet haben!

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