Marcel Hartlage

Schwarz

Mir war verdammt kalt. Die Bettdecke wärmte überhaupt nicht und ich starrte ohne jegliche Müdigkeit in mein Zimmer. Es war alles dunkel. Die Vorhänge waren zugezogen, und nur ein blasser, dünner Schein des Vollmondes drang in diese Dunkelheit … in diese Schwärze.
Mein Bett stand an der rechten Wand, gegenüber war die Tür. Neben meinem Bett war mein Schreibtisch, dahinter der Kleiderschrank. Es war kein besonderes Zimmer, sondern nur das Zimmer eines siebzehnjährigen Schülers mit dem Namen Melvin Harris.
Ich schaute auf meinen Radiowecker: es war zehn Minuten vor zwei. Seit zehn Uhr liege ich hier nun schon, und ich schaffe es einfach nicht ein zu schlafen! Was war daran den nur so schwer? Ich hatte einen anstrengenden Tag vor mir, da war es wichtig …
Ich hörte ein Quietschen.
Erschrocken fuhr ich zusammen. Wo kam das her? Kam es von der Tür? Woher auch sonst? Vielleicht vom Kleiderschrank? Oder hatte ich es mir nur eingebildet?
Da war es schon wieder. Nur diesmal lauter. Es kam nicht von der Tür, auch nicht vom Kleiderschrank.
Es kam von meinem Bett.
Wie konnte es nur möglich sein, dass sich selber ein Mensch einen Schrecken einjagen kann? Meine Matratze quietschte hier so, nur weil ich mich unruhig bewegt hatte. Es war nichts weiter.
Plötzlich leuchtete es durch die Fenster, Sekunden später grollte der erste Donner eines typischen Sommergewitters. Dann prasselten dicke Regen-tropfen auf die Fensterscheiben. . Wie Hagelkörner hörte es sich an, und der Donner gab seinen Senf zu einer durchaus unheimlichen Stimmung ab. Nah gut: ein Quietschen und ein Gewitter war ja noch zu verkraften, oder?
Benommen schaute ich aus eines der beiden Fenster. Eines befand sich vor meinen Schreibtisch, eines direkt hinter meinem Bett, sodass ich nur meinen Kopf drehen brauchte, um in Nacht zu blicken, auf eine dunkle Kleinstadt, ohne Licht.
Gerade als mein Blick in die Dunkelheit viel, blitze es erneut.
Auf der Fensterbank saß jemand.
Erschrocken sprang ich zurück, gepackt von der Angst saß ich wie gelähmt auf meiner Bettdecke. Da war es auch schon wieder dunkel, und durch das blase Licht des Mondes (Der nun halb von Gewitterwolken verborgen war) erkannte ich niemanden, oder irgend etwas auf der Fensterbank. Hatte mir meine Fantasie wieder einen Streich gespielt. Ich sah meine Situation bei der morgigen Klausur schon kommen. Vor Müdigkeit würde ich auf eines der Arbeitsblätter schlafen.
Jetzt hörte ich Schritte.
Was zum Himmels Willen sollte den noch passieren? Eine kreischende Stimme oder derartiges? Damit dieser Unsinn so schnell wie möglich aufhörte, rieb ich mir die Augen. Jetzt war ich wach, und die Schritte waren verstummt.
Aber das waren sie nicht.
Sie waren noch immer da.
Und sie waren lauter.
Langsam bekam ich es mit der Panik. War es doch keine Einbildung gewesen? Wer hätte den so spät in der Nacht auf eine Fensterbank im dreizehnte Stock klettern können? Und das bei Regen?
Die Schritte kamen von der Treppe, soviel stand fest. Sollte ich nachsehen? Lieber nicht, den so etwas kennt man ja aus allseits bekannten Horrorfilmen. Derjenige, der nach sieht, hat immer eine gut detaillierte Sterbeszene im Kasten …
Aber die Schritte verharrten plötzlich. Und das vor meiner Zimmertür.
Jetzt quietschte die Tür also doch. Was eben noch Vorstellung war, wurde jetzt Realität. Das glaubte ich zumindest.
Eiskalter Schweiß lief mir den Rücken hinab. Noch immer saß ich da auf meiner Decke und starrte auf die Tür, deren Knauf sich langsam drehte. Dann wurde sie einen Spalt weit aufgestoßen. Sie quietschte. Gelähmt vor Angst beobachtete ich das ganze. Meine Herz raste wie wild, und mein Puls könnte explodieren. Nun war die Tür ganz auf.
Ich sah nichts, den genau in diesem Moment verschwand der Mond hinter einer Regenwolke. Es war nun alles im Raum schwarz.
Auf meinen Laminatboden hörte ich leise Schritte. Sie waren direkt neben mir. Ich konnte nichts mehr machen, die Panik stand mir bis zum Hals. Mein Körper zitterte. Das ganze Bett war schon nass geschwitzt.
Dann blitze es wieder.
Mitten im Raum stand eine schwarze Gestalt und zeigte auf mich.
Erschrocken schlug ich die Augen auf. Es war nichts, nichts war passiert. Das alles war nur ein Traum gewesen. Und nun, im dünnen Licht des Vollmondes, lachte ich über meine eigene Angst, über meine eigene Panik vor einem gewöhnlichen Alptraum.
Aber plötzlich hörte ich Schritte auf der Treppe.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.06.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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