„Signorina, su pasaporte, per favore!“
Es war früh am Nachmittag, die Sonne schickte ihre schönsten Sommerstrahlen vom Himmel und ich stand in einer Bank in Italien um Deutsche Mark in italienische Lire zu tauschen. Das man dafür einen Ausweis benötigte, war mir neu.
Nun gut, ich kramte umständlich das Portemonnaie aus meiner Handtasche und übergab dem Kassierer das gewünschte Dokument. Er bedankte sich mit einem tiefen und langen Blick in meine Augen, bevor er sich wieder seiner Tätigkeit widmete.
Irritiert schaute ich mich um, hinter mir reihten sich immer mehr Leute ein, aber den Kassierer schien das nicht sonderlich zu kümmern. Sein Interesse an meinem Ausweis war jedenfalls größer, denn er studierte ihn sehr aufmerksam.
„Sie haben einen sehr schönen Namen, Nina!“ Er hob seinen Kopf und schickte wieder einen seiner langen und tiefen Blicke in meine Augen! So langsam wurde mir dieser Kerl aber unheimlich. „Sind Sie im Urlaub hier, Signorina?“ Ich drehte mich um und bemerkte dass die Anwesenden uns interessiert und gespannt zuhörten. „Ja, warum?“, fragte ich ihn genervt, im gleichen Moment lachte ich über mich selbst. Nina, sei doch nicht so unfreundlich, du bist im Urlaub!
Ich lächelte ihn an, „ich wohne im Hotel Valentino in Grottamare, kennen Sie das?“ „Si Certo, ein sehr schönes Hotel für eine sehr schöne Signorina tedesca“, er strahlte mich aus seinen tiefschwarzen Augen an. Oh Dio, warum mussten diese Italiener immer so kitschig sein?
Mit flinken Fingern zählte er mir mein Geld aus und schob es mir zu, natürlich nicht, ohne einen langen, tiefen Blick in meine Augen zu bohren. Ich steckte das Geld hastig in meine Geldbörse. Und jetzt nix wie raus hier, sonst würden mir noch die eindringlichen Blicke dieses italienischen Machos auf den Magen schlagen. Das wäre sehr schade, hatte ich mir doch eben erst einen leckeren Latte Macchiato gegönnt.
Ich wollte mich gerade auf dem Absatz umdrehen, da fragte er mich, „Nina, haben Sie nicht Lust mit mir später einen Spaziergang durch den Ort zu machen? Ich könnte Ihnen ein paar nette Sehenswürdigkeiten von San Benedetto del Tronto zeigen?“ Ich suchte angestrengt nach einer passenden Antwort. Ich konnte mir schon vorstellen, was er mir außerdem noch gerne zeigen würde, davon war ich ziemlich überzeugt. Plötzlich rief einer der Umstehenden, ein älterer Herr, „Si, Signorina, warum nicht?“
Die anderen Kunden nickten zustimmend. Ich gab mir einen Ruck und wir verabredeten, uns in zwei Stunden vor seiner Bank zu treffen.
Endlich trat ich ins Freie. Puh, was hatte ich da nun wieder getan? Ich hatte etwas versprochen, was ich gar nicht vorhatte einzuhalten! Das war zwar nicht die feine deutsche, zuverlässige Art, aber ich wollte meine Ruhe vor italienischen Machos haben.
Nachdem ich durch die wunderschöne Altstadt und ein paar höchst interessanten (für meinen Geldbeutel, da er ja wieder aufgefüllt war) Boutiquen geschlendert war, trat ich anderthalb Stunden später den Rückweg zum Hotel an.
Hungrig und mit brennenden Füßen kam ich dort an, als ich eine mir bekannte Stimme vernahm, die mehrmals hintereinander meinen Namen rief. „Nina, Nina!“ Die Rufe tönten aus einem Auto, das an der Straße gegenüber dem Hotel parkte. Verblüfft erkannte ich darin den italienischen Macho aus der Bank von heute Nachmittag. Mit Händen und Füßen erklärte ich ihm, dass ich jetzt leider keine Zeit für ihn hätte, doch damit wollte er sich nicht zufrieden geben. Im nächsten Moment entschwand ich aber schon im Hotel, wo ein leckeres Abendessen auf mich wartete.
Frisch geduscht stand ich zwei Stunden später ohne an etwas Böses zu denken wieder draußen. Ich wollte in meiner Lieblingsbar, die direkt am Strand lag, einen Schlummertrunk zu mir nehmen. Dort sprangen immer viele Kinder herum und man konnte interessante italienische Schimpfwörter von ihnen lernen. Wer weiß, wann man sie mal brauchte.
Ich traute meinen Augen und Ohren nicht! Es war wie im Film.
Auf der anderen Straßenseite thronte der italienische Bankmacho in seinem Auto. Er lehnte sich lässig aus dem Fenster und schob seine Sonnenbrille ins Haar. „Ciao Bella, voi passegare?“ Also auf einen Spaziergang hatte ich nun wirklich keine Lust, das einzige worauf ich Lust hatte, war diesen aufdringlichen italienischen Hengst loszuwerden. Ich ging schnellen Schrittes und hoch erhobenen Hauptes die Straße hinunter, als ich bemerkte dass er nun langsam mit seinem Auto hinter mir herfuhr. Das ging nun wirklich zu weit! Empört überquerte ich direkt vor seinem Auto die Straße und lief in den nahe gelegenen Park. Selbst hier konnte ich immer noch seine Rufe hören, die dann aber endlich verhallten und samt Auto und seinem Hengst aus meinem Blickwinkel verschwanden. Erleichtert atmete ich auf. Jetzt hatte ich mir wirklich ein Glas Vino Biancho verdient und eine Lektion italienischer Schimpfwörter. Und italienische Lire würde ich mir jetzt woanders holen.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.06.2009.
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