Norbert Wittke

Der Nabel der Welt

 

 

In den unendlichen Weiten des Stillen Ozeans liegt das
Eiland Rapa Nui. Die Ureinwohner nennen es den Nabel
der Welt. Als Touristenziel ist diese Insel noch nicht so
entdeckt. Sie ist voller Geheimnisse, die sie sich bis heute
bewahrt hat.

Mein Nabel liegt in der Mitte meines Körpers. Ist wie bei
allen anderen Menschen eine Geburtsnarbe, die von der
Abtrennung der Nabelschnur herrührt. So lange wir uns
noch nicht aus dem Körper der Mutter heraus getraut
haben, war sie unsere Verbindung und die Versorgungs-
leitung zu der Placenta, die uns im Mutterleib genährt hat.
Nach der Geburt in unsere Welt, ist uns dieses Andenken
als Narbe geblieben. Einige haben den Nabel nach außen
gekehrt, die meisten Menschen haben ihn nach innen
gestülpt.

Dieser Nabel ist meine Mitte. Ich nenne ihn Ego, denn viele
Entscheidungen im Leben werden aus dem Bauch heraus
getroffen. Mein Nabel nach innen gestülpt, lässt manches
Fingerspiel zu. Aber wer daran kommt bestimme ich. Es
ist ja schließlich mein besonderes Gebiet.

Je nach Gewicht ist der Nabel durch die Wölbung des
Bauches mal flacher und mal tiefer. Männer mit etwas
Bauch gelten ja bei einigen Völkern als vertrauens-
erweckend und weise. Deshalb halte ich mir immer ein
wenig dieser Weisheit um meine erweiterte Taille.

Was sieht der Nabel auch so komisch aus, bei diesen ganz
dünnen Menschen, wo man sich fragt, was macht die Haut
denn da mit den Knochen? Zu dick ist nicht schön und zu
dünn auch nicht. Aber davon lebt mit einem dicken Bauch
die Pharmaindustrie, die für beide sogenannte Hilfsmittel
erforscht und verkauft.

Zu einem Arzt mit etwas Bauch habe ich ein wenig mehr
Vertrauen, weil ich sehe, dass er lebt. Zu seinen Aufgaben
gehört es nun, dem Patienten zu erklären, was es für Folgen
ergibt, wenn er zu korpulent ist. Nicht gut für die Knochen,
nicht gut für den Blutzucker, einfach nicht so gut.

Mein Arzt sprach nun bei mir dieses Thema an. Unsere
Bäuche sind wohl etwa gleich dünn-dick. Gleichzeitig
stellte er mir seinen neuen Kollegen vor, der in seine
Praxis von ihm aufgenommen worden ist. Dieser nicht
so groß, sehr sehr dünn, eher schon ein wenig knochig.

Mein Arzt fing nun mit dem Thema Gewicht an. Schaute
mich an, ich schaute ihn an. Er wusste wohl was ich
dachte. Ich sagte zu beiden: "Ich Begrüße ihren Kollegen
hier herzlich." Fasste an meinen Bauch und sagte:"Und
hier herum wird er sich auch noch mehr Verantwortung
bekommen."

Beide mussten lachen. Ein Mittel aus beiden hätte auch
das richtige Gewicht nach dem Body-Maß-Index.
Ich überlege mir, ob ich auch einen Kompagnon dieser
Dünne aufnehmen soll, damit wir beide zusammen das
richtige Gewicht haben.

28.06.2009                    Norbert Wittke

 

 

 

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