Norbert Wittke

Nazis, Stasi und andere verdiente Bürger


Aktuell im Gespräch ist zur Zeit die Tatsache, dass tausende
ehemalige Stasimitarbeiter in den Öffentlichen Dienst übernommen
worden sind. Ich frage mich, wo ist da das Problem?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden massenhaft ehemalige Nazis in
den Öffentlichen Dienst eingestellt. Gegen eine geringe Geldstrafe
wurde ihnen die staatliche Absolution erteilt. Ein Onkel von mir war
seit 1927 Parteimitglied in der NSDAP. Sofort nach dem Krieg bekam
er wieder eine Stelle bei der Finanzbehörde des Landes Schleswig-
Holstein.

Mein Vater dagegen,  der vor Hitler im jahre 1932 Berufssoldat beim
Hunderttausendmannheer geworden ist, da ausschließlich im Sanitäts-
dienst diente, bekam nach dem Krieg keine Anstellung und wurde von
manchem Bürohengst als Kriegsverbrecher bezeichnet. Als Berufs-
soldat durfte er dabei keiner Partei angehören, hatte auch als solcher
kein Wahlrecht. Erst nach dem Krieg konnte er das erste Mal wählen.
Dagegen hatten ja manche brave Bürger Hitler mit ihrer Stimme an die
Macht gebracht.

In der Amerikanischen Gefangenschaft traf mein Vater auf einen Nazi, der
stolz im Kriegsgefangenenlager noch sein goldenes Parteiabzeichen trug.
Er wurde als erster von den Amerikanern entlassen und als Bürgermeister
in einem Ort in der Amerikanischen Besatzungszone eingesetzt.

Ich begreife daher nicht die Empörung in der Öffentlichkeit unseres biederen
Staates, wo als Bundeskanzlerin auch eine Person der ehemaligen DDR
funktioniert. Zu DDR-Zeiten wurde bekanntlich vielen ein Studium ver-
weigert. Frau Bundeskanzlerin konnte studieren und ist in Zeiten der DDR
auch nicht als Protestlerin aufgefallen, war aber über die CDU in der Einheits-
partei. Ob sie das verdächtig macht, mag jeder für sich entscheiden.

Es ist doch nur stimmig, dass unser Staat selbstverständlich Stasimitarbeiter
eingestellt hat. Weshalb hätte es auf einmal demokratische Entscheidungen
geben sollen?

Die Entscheidungen in unserer Demokratie waren bisher meistens nicht
gerade für den Bürger freundlich. Sie richteten sich fast immer gegen die
Schwachen. Deshalb sind das alles nur Normalitäten.

11.07.2009                             Norbert Wittke



 

 

 

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