Jessica Witzke

Nah und doch so fern

Noch etwas benommen von meinem Traum, öffnete ich meine Augen. Unsanft drang das Licht der Sonne in mein Zimmer. Ich wälzte mich noch einmal hin und her. Doch die Bilder meines Traumes wollten nicht verblassen.

Ich stand auf einer Waldlichtung. Sattes Grün umgab mich. Die Sonne tänzelte zwischen den hohe Tannen zu mir herunter. Ungeduldig zupfte ich die Grashalme aus dem Boden. Ich wusste nicht, warum ich hier war. Mir war auch nicht bekannt, wer mich ständig durch den undurchsichtigen Busch direkt vor mir beobachtete.
Dauerndes Rascheln machte meine Neugier nicht kleiner. Ich zwang mich sitzen zu bleiben. Schließlich war ich alleine in einem Wald und hörte raschelnde Büsche. War ich verrückt? Nein, dachte ich mir. So sprang ich also auf, um nachzusehen.
Ich tastete mich vorsichtig an den Busch, um das wahrscheinliche Tier nicht zu verschrecken. Langsam schob ich einige Äste und Blätter beiseite. Na klasse, drang es durch meinen Kopf. Ein kleiner Bach floss hier entlang. Ein großer Stein lag am Uferrand. Das Wasser peitschte dagegen. Das erklärte das vermeintliche Rascheln. Seufzend blickte ich weiter in die Ferne vor mir.
Dort sah ich einen Mann an einem Baum lehnen. Er hob seine Hand und schien mir zu zuwinken. Zögerlich und etwas perplex hob auch ich meine Hand. Er schien sich vom Baum zu lösen und auf mich zu zugehen. Immer mehr durchdrang mich meine Neugier. So machte auch ich mich auf den Weg. „Mist“, schimpfte ich. Ich hatte den Bach vor mir vergessen.
So stand ich also da und wog meine Argumente ab. Was spricht dafür, zu diesem Mann zu gehen und was nicht. Wirklich gute Argumente ließen sich in diesen wenigen Sekunden nicht finden. Außer: meine Neugier.
Ich schlüpfte aus meinen Sandalen und schob meinen Rock etwas höher. Grazil sprang ich von dem großen Stein zum nächsten und dann ans andere Ufer.
Als ich meinen Blick wieder zu dem Mann aufrichten wollte, erschrak ich. Stolpernd fiel ich einen Schritt zurück. Jetzt lag ich dort auf dem Gras und schaute den Mann, der nun direkt vor mir stand, verdutzt an.
„Darf ich?“, fragte er und reichte mir eine seiner schönen Hände. Diese länglichen, dünnen Finger waren wie geschaffen für diese Hand. Solch schöne Hände habe ich zuvor noch nie gesehen.
Lächelnd nickte ich ihm zu und schob meine Hand in seine. Sanft zog er mich aus dem Gras. Er erwiderte mein Lächeln und ich wäre fast wieder zurück gefallen. Blendend wie die Sonne blitzten seine weißen, perfekten Zähne unter diesen makellos geschwungenen Lippen hervor.
Ich wanderte mit meinem Blick über seine doch etwas krumme Nase, die aber seinem sonst schönen Gesicht keinen Abbruch machte, bis hin zu seinen Augen. War an diesem Mann etwa alles so wunderschön? Wie das satte Grün der Lichtung strahlte das Augenpaar mich an. Eine Strähne seiner schwarzen lockigen Haare fiel auf seine Stirn.
Ich glaube, ich stand mit offenem Mund vor ihm und sah weiter verdutzt aus.
„Alles in Ordnung?“, fragte die zärtliche, aber dennoch männliche Stimme.
„Ja, ja...“, stammelte ich vor mich hin.
„Wisst ihr, wie ich den Weg nach London zurückfinde?“ Etwas Sorge klang in seiner Stimme mit. Natürlich brachte ich vor lauter Bewunderung keinen Ton heraus.
„Verzeiht, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist Robert, mit wem habe ich die Ehre?“, sagte er mit britischem Akzent und verbeugte sich in diesem Moment, als ob er einen Knicks machen wollte.
Geschmeichelt wollte ich meinen Namen nennen. Aber nein – natürlich musste ich in diesem Moment von der quälenden Sonne geweckt werden.

London... Robert... Schön...

Es war mein erster Tag meines lang ersehnten Urlaubs. Wie passend dieser Traum doch war. Denn an diesem Tag ging mein Flug nach London. Wahrscheinlich war es also nur eine Art Vorfreude auf London – und dessen Männer.

Um Punkt acht Uhr stand ich am Terminal unter vielen anderen gehetzten Touristen und folgte dem Schwarm zum Ausgang des Londoner Airports.
Ich versuchte mich durch zu fragen, wie ich zu meinem Hotel kommen würde. Natürlich hatte ich nicht das Teuerste gebucht und somit auch nicht den Luxus eines Abholservice.
So wütete ich mich an die Spitze des Getümmels und sprang vor das nächste Taxi. Genervt schaute mich der Fahrer an und wies mich mit seiner Hand zu den Hintertüren. Er schien diese ganze Hektik an diesem Flughafen nicht nachvollziehen zu können und schüttelte über jeden potentiellen Fahrgast den Kopf. Ich stieg ein und sagte dem Fahrer den Namen meines Hotels. Kurz nickte er und düste los.
Wenige Momente später standen wir vor dem abgelegenen, etwas ranzigem Hotel. Ich bat den Fahrer kurz auf mich zu warten. Wieder genervt blickte er in den Rückspiegel. „Just 5 minutes, Lady.”, brummelte er in seinen jahrelang gewachsenen Bart. Lächelnd schob ich mich aus dem Fahrzeug. Ich lief in das Hotel, checkte ein und ließ mir den Schlüssel zu meinem Zimmer geben. Dankend lächelte ich der Dame am Empfang zu und stiefelte die unendliche Treppe hinauf. Selbstverständlich gab es keinen Fahrstuhl in die 2. Etage. Etwas nach Luft schnappend kam ich oben an. Ich wollte so viel von London mitnehmen, wie ich konnte. Also schloss ich die Tür auf und sah einen kurzen Moment das kleine, kläglich eingerichtete Zimmer an. Dann schmiss ich meine Reisetasche auf das Bett, dass danach einmal kurz knackte und somit meine verwunderte Aufmerksamkeit erhaschte, und huschte dann wieder hinunter zum Ausgang. Die Dame schaute mich verdutzt an, da sich die meisten wohl erst einmal einige Stunden von dem Flug entspannten. Tja, ich nicht, dachte ich.
Winkend ging ich aus der Tür und stieg wieder in das Taxi.
„Waterloo Place, please.“
„Okay, M’am.“
Sodann setzte der Bärtige wieder seinen Bleifuß auf das Gaspedal und schoss los. Er nahm die Kurven, als hätte ein Laster vor ihm Tonnen von flüssiger Butter verloren. Ich verkrampfte meine Finger in dem Sitz und blickte nervös aus dem Fenster. Es musste natürlich an meinem ersten Urlaubstag anfangen zu regnen. Gut, sonderlich erstaunt war ich darüber nicht, schließlich war ich in London. Wirklich gutes Wetter konnte man im Herbst wohl nicht erwarten. Der Regen prasselte spielend an das Fenster. Einige Regentropfen bildeten einen Kreis. Ein mutiger Tropfen sprang in die Mitte des Kreises. Dann nahm der Fahrer die nächste Kurve und der Kreis verlief im Nichts.
„Waterloo Place, M’am. 20 $, please.”, sagte der Mann und schaute grimmig zu mir. 20 $ erschienen mir etwas viel für diese kurze Strecke, aber ich wollte dem Herren den Tag nicht noch mehr versauen.
Ich gab ihm das Geld und flüchtete aus dem Taxi. Der Regen ließ nicht nach. So trottete ich also über den Waterloo Platz und suchte nach einer Gelegenheit, mich zu schützen, um nicht all zu nass zu werden.
Wie sich herausstellte – vergebens. Ich schlürfte bis zur Pall Mall East. Meine Kleidung war nun mehr als nass, ich konnte fast als Swimming Pool durchgehen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mein Geist mich zu einer bestimmten Stelle drängen wollte. So bog ich also bei der nächsten Gelegenheit um die Ecke und entdeckte dort ein kleines Café. Katies, murmelte ich in meinen Gedanken. Hört sich klein und nett an, nicht zu teuer laut aushängender Karte und wenn man hineinblickt, ist auch nicht all zu viel los. Passend – da ich nicht irgendwo hinein gehen wollte und dem Gelächter, welches sicher gefallen wäre, ausgeliefert zu sein. Ich musste einfach schlimm aussehen.
„Ich hätte gerne...“ Hallo wir sind in England, flüsterte meine innere Stimme. „One coffee“, sagte ich und versuchte meinen falschen Start mit einem Lächeln zu überbrücken.
Eine etwas ältere Dame stand dort hinter dem Tresen. Sie starrte mich an und lächelte dann zurück.
„Damn rain.“, sagte sie. „The last week fell more rain than ever.”, seufzte sie. In dem Moment stand auch schon mein fertiger Kaffee auf der Theke.
„Thanks.“, stammelte ich und begab mich zu einem freien Tisch am großen Fenster zur Straße.
Einige wenige Menschen stapften durch den Regen. Versuchten krampfhaft ihren Regenschirm festzuhalten, da der Wind anscheinend stärker geworden war. Eine Frau und ihr kleines Kind liefen eilig Hand in Hand zur nächsten U-Bahn-Station. Eine hübsche Frau. Mitte dreißig, schlank, braune lange Haare. Gut gekleidet und vor allem – t r o c k e n. Mein Blick ging an mir herunter.
Stöhnend ließ ich mich mehr in meinen Stuhl sinken.
Ich fragte die Frau hinter dem Tresen, der unmittelbar hinter mir war, wo die Toilette wäre. Sie deutete auf den hinteren Teil des Raumes. Dankend zog ich mich dorthin zurück.
Ein Handtrockner! Meine Rettung. Ich beugte mich über das Waschbecken und wrang meine Kleidung soweit aus, bis kaum mehr Wasser herausspritzte. Dann nahm ich meine Haare und quetschte sie ebenso aus.
Ich drückte den Knopf des Trockners und veranstaltete merkwürdige Verrenkungen darunter. Möglichst viele Stellen wollte ich trocknen. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, zumindest halbwegs, trocken zu sein. Ich stellte mich vor das Waschbecken und betrachtete mich in dem kleinen Spiegel. Meine Haare sahen aus, wie die einer Vogelscheuche. Ich kramte in meiner Hosentasche und fand ein Haargummi. Provisorisch schön band ich es um meine Haare. Besser als Vogelscheuche, dachte ich.
Mutig ging ich wieder aus der Toilette heraus in den Raum. Etwas stolzierte ich jetzt sogar. Die Frau hinter dem Tresen lächelte mich an. Erleichtert über mein nun trockenes Dasein, lächelte ich zurück. Auf dem Weg zu meinem Platz stoppte ich plötzlich. Mein Kaffee stand noch dort, mittlerweile glich er wahrscheinlich einem Eiskaffee. Doch etwas anderes war auch da, was ich aber nicht dort hinterlassen hatte.
„Entschuldigung, M’am, aber das restliche Café ist voll und hier war noch ein Platz frei...“, sagte eine freundliche, zarte Männerstimme.
Ich sah mich um. Tatsächlich, ich schien eine halbe Ewigkeit im Waschraum gewesen zu sein. Der gesamte Raum war voll. Nur der kleine Platz an dem Fenster, welcher meiner war, war noch frei. Zum Glück hatte dieser Platz zwei Stühle.
Zögernd setzte ich mich auf meinen Stuhl. In diesem Moment traten heftige Gefühle durch meinen Bauch. Ich zog meine Augenbrauen zusammen und verstand nicht, was gerade passierte.
„Alles in Ordnung?“, drang wieder diese Stimme hervor.
„Ja, ja...“, stammelte ich. Äh, Moment, sagte meine innere Stimme.
„Verzeihung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist Robert, mit wem habe ich die Ehre?“, sagte er mit britischem Akzent.
Zeitnah mit seinem letzten Wort klappte mein Mund auf. Déjà-vu?, lachte ich innerlich.
„Äh...“, versuchte ich meine Worte wieder zu finden, dieses Mal konnte ich nicht einfach aufwachen. „Ich heiße Violet.“
„Schön, Dich kennen zu lernen.“, sagte er und reichte mir seine Hand.
Jetzt erklärten sich meine Gefühle – eine Art Schmetterlinge?
Ich ergriff sie und errötete leicht. So sanfte Hände, fast genauso wie in meinem Traum. Lange, schöne Finger.
London... Robert... Schön..., drang es wieder durch mich durch.
Er lächelte mich an. Zaghaft lächelte ich zurück.
„Lebst Du hier?“, fragte ich.
„Ja, einige Straßen von hier entfernt. Und Du?“
„Nein, ich verbringe meinen Urlaub hier.“
„Fliegen hübsche Frauen nicht immer dorthin, wo die Sonne ist?“
„Ja,“, prustete ich, „mag sein. Hübsche Frauen tun so etwas vielleicht.“
„Was machst Du dann hier?“, grinste er mich an.
Verschämt blickte ich an die Seite. „Ich... mag den Regen.“
Er schien mir so vertraut. Als ob er wirklich eine Art Ausgeburt meiner Träume wäre.
„Hättest Du Lust mich ein Stück zu begleiten oder möchtest Du hier bleiben?“, fragte er mit einem Blick auf meinen kalten Kaffee.
„Ich würde Dich gerne eine Weile begleiten.“, ermunterte ich ihn.
Er stand auf und reichte mir seine Hand. Ich nahm sie entgegen. Mein Arm wurde prompt unter seinen gelegt.
Auch wenn ich diesen Mann kaum kannte, fühlte ich mich sehr zu ihm hingezogen. Wir unterhielten uns etwas. Es stellte sich heraus, dass er nur einige Jahre älter war als ich und in seiner Kindheit in Deutschland gelebt hatte. So sprachen wir viel über meine Heimat und auch seine.
Einige Straßen weiter hielt er an.
„Hier wohne ich.“
Eine schicke Gegend, altertümliche Bauart. Eine relativ klein geratene Eingangstür spähte aus dem sonst so großen Haus hervor.
„Wenn Du möchtest, kannst Du gerne noch mit hoch kommen. Es sei denn es ist dir… irgendwie unangenehm.“, lächelte er mich an.
Kurz überlegte ich. Was hatte ich zu verlieren? Ich war seit Jahren alleine, hatte niemanden mit dem ich reden konnte, dem ich mich anvertrauen konnte. Er machte einen so sympathischen Eindruck, dass ich nicht daran dachte, das er irgendetwas im Schilde führen würde. Ja, in diesem Moment wollte ich einfach mal naiv sein und nickte ihm lächelnd zurück.
Er wohnte im zweiten Stockwerk. Wieder erinnerte ich mich an mein Hotel und dachte mir: Super, jetzt ist deine Kondition gefordert…. Wo bist du Kondition?
Endlich dort angekommen, wo wir ankommen sollten, stellte ich mich an die Wand. Ich holte mehrere Male tief Luft.
„Treppen bist Du wohl nicht gewohnt, was?“, lachte er laut los.
Nach Luft schnappend antwortete ich: „Wie man‘s nimmt.“ Und stieg mit in sein Lachen ein.
Er öffnete eine der Türen zu den Appartments. Vorsichtig schlich ich ihm in seine Wohnung hinterher. Wahrlich, der Mann musste Geld haben. Und das nicht zu wenig. Einige Kunstwerke hier, einige edle Skulpturen dort. Ein modernes Sofa zierte den ersten Raum. Davor ein gemütlicher kleiner Kamin.
„Setzen wir uns doch.“, forderte er mich auf.
Still begleitete ich ihn zum Sofa und setzte mich neben ihn. Ich muss wohl sehr erstaunt ausgesehen haben, zumindest ließ er mich einen Moment alles bewundern.
„Interessierst Du Dich für Kunst?“
„Ein wenig. Ich habe nicht wirklich Ahnung davon, aber schön anzusehen ist es.“
„Das ist wohl wahr. Ich habe viele dieser Dinge auf dem Flohmarkt oder im Internet ersteigert.“
„Da hast Du aber gute Fänge gemacht.“, grinste ich ihn an.
„Ja, das habe ich.“, plusterte er sich auf eine amüsante Art und Weise auf.
Wir verklinkten uns wieder in unser Gespräch.
Nach einigen Stunden reden und nicht wenigen Flaschen Wein schaute er mir in meine Augen.
„Schon komisch, aber halt mich nicht für verrückt, okay?“, sagte er zögernd.
„Nein, werde ich nicht.“, ermutigte ich ihn.
„Ich fühle mich Dir irgendwie verbunden. Hört sich wahrscheinlich total blöd an. Du denkst Dir bestimmt: Ach, der Typ macht einen auf Harmonie um mich ins Bett zu kriegen.“
„Ehrlich gesagt, empfinde ich genauso. Auch wenn wir uns erst seit Kurzem kennen.“
Froh über meine Antwort zog er meine Hand auf seine.
„Wobei ich vom Letzteren nicht abgeneigt wäre…“, flüsterte ich und lief rot an.
Er lachte kurz und schaute mir dann wieder in meine Augen. Er strich mir sanft über die Wange. Mein Herz begann zu flattern, als wolle es in den Himmel fliegen wollen.
Sodann schlang er seine maskulinen Arme um meinen Körper und begegnete mir langsam mit seinem Gesicht. Ich schloss meine Arme um seine Schultern. Er löste sich noch einmal für einen kurzen Moment, um wieder über meine Wange zu streichen. Dann küsste er mich. Zärtlich prallten seine Lippen auf meine. Wie ein Feuerwerk ausgelöst, erwiderte ich seinen Kuss.
Voller Gier stürzte ich mich auf ihn.
Als ich begann meine Bluse aufzuknöpfen, hielt er meine Hände fest.
„Nimm es mir nicht übel, aber ich möchte ungern etwas überstürzen.“, meinte er nun mit ernster Miene.
Er hatte ja so recht… aber meine Gier war so groß. Nach ihm, nach seinem Körper. Seine Hände auf meinem Körper. Dieses Feuerwerk… unbeschreiblich.
Er küsste mich auf die Stirn und sagte: „Wenn Du möchtest, kannst Du die Nacht hier verbringen. Ohne… na ja, ohne zu viel zu riskieren.“
„Gerne.“, stürmte meine Antwort heraus.
Ich war mir klar, dass dieser Abend in sexueller Hinsicht, zumindest physisch, nichts anrichten würde. Aber dieses angenehme Gefühl, an seiner Seite zu sein, verlangte danach, die Nacht hier zu verbringen.
Irgendwie fühlte ich mich … banaler Weise … verliebt. (?)
In seinen Armen schlief ich nach einiger Zeit ein.

Am nächsten Morgen wurde ich mal wieder unsanft von der Sonne geweckt. Wow, Sonne in London.
Ich sah mich um.
„Was?“, schrie ich aus vollstem Empfinden.
Ich sah mich noch einmal um.
Seufzend fiel ich in mein Bett zurück. Der perfekte Mann war an meiner Seite. Wohl bemerkt war.
Verdammt, dachte ich mir.
Ich zwang mich wieder einzuschlafen, um den wundervollen Traum von Robert weiter zu träumen.
Mein Urlaub war nun nach fast einem Monat vorbei. Ich war weder in London, noch lernte ich einen Mann namens Robert kennen. Ich hasste solche Art von Träumen. So real, so nah. Fast zum anfassen.
Ich starrte auf den Wecker. Schon kurz nach sieben Uhr. Ich musste mich beeilen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. So stürzte ich mich aus meinem warmen Bett.
Ich hastete zur Küche und wollte mir noch schnell einen Kaffee zubereiten. Wenigstens um ein bisschen munter zu werden.

Irgendwie war ich wütend. Wütend auf mich selbst.

Auf Arbeit angekommen, stieg ich in den Fahrstuhl. Gott sei Dank musste man hier nicht Treppen steigen.
Ich hielt einen Pappbecher mit Kaffee in der Hand, den ich mir auf dem Weg hierher geholt hatte. Meine Finger schienen fast zu verglühen, so heiß war er noch.
Das typische „Pling“ sprang aus dem Lautsprecher des Fahrstuhls. Ich stieg aus und ging in Richtung meines Büros. Kurz bevor meine Tür kommt, steht ein Kopierer. Wie immer war er in Benutzung.

„Violet, Du hast Deinen Kaffee fallen lassen.“, lachte Nick los. Als ich immer noch wie erstarrt da stand, kam er auf mich zu und nahm mich in den Arm.
„Schön, dass Du wieder da bist. Wie war Dein Urlaub? Ich habe Dich sehr vermisst, weißt Du?“
„Man, Nick, gib es endlich auf, Violet steht nicht auf Dich.“, klang eine genervte Stimme aus dem Nebenraum.
„Nick…“, stammelte ich und drückte ihn fester an mich.
„Äh… ja, das bin ich.“ Sein Grinsen wurde immer breiter.
„Ich… ich muss mich setzen.“, stotterte ich weiter.

Nick - seit Jahren Kollege und Freund von mir. Eher unscheinbar, total verknallt in mich, zuvorkommend. Und, was mich am meisten irritierte: Der Mann meiner Träume.
Ich glaube, in diesem Moment habe ich mich verliebt.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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