Marina Braun

Marina Braun übertreibt mal wieder!

Ja, ich liebe Übertreibungen! Sie sind das Salz meiner literarischen Suppen und untermauern die Berechtigung meines humoristischen Daseins.

 

Was sich für Andere als eine harmlose Rolle Toilettenpapier präsentiert, mutiert bei mir zur längsten Serviette der Welt.

 

Was ich als eine verdeckte Ermittlung deklariere, nennt ein normaler Mensch die Suche nach dem verlorenen, zweiten Strumpf in der Waschmaschine.

 

Manche Leute machen einen kleinen Verdauungsspaziergang über einen winzigen Hügel. Für mich ist es die Besteigung des Mount Everest.

 

Ja, ich bin extrem. Extrem nicht nur in meinen schriftlichen Ausführungen, sondern auch in fast allen persönlichen Lebensbereichen. Ich rauche nicht - nein, ich qualme wie ein Schlot. Ich trinke nicht - nein, ich saufe wie ein Kamel. Nur mit dem Essen halte ich mich zurück, denn das bisschen, das ich esse, kann ich auch trinken.

 

Beispiele meiner literarischen Übertreibungen sind in meinen ersten Geschichten  wieder zu finden, in denen ich sehr oft schrieb „Ich war dort gewesen.“

Friedrich, einer meiner besten Freunde und seines Zeichens Professor für Vergleichsliteratur tadelte mich anfangs mehr als 20 Mal.

„Marina, du hast schon wieder ein unnötiges Plusquamperfekt benutzt.“

 

Natürlich war ich nicht nur „dort“, sondern sogar „dort gewesen“, um die Tatsache meiner Anwesenheit deutlich zu unterstreichen.

Für mich gibt es auch keine einzige Liebe, nein, es ist die „einzigste“.

 

Zum Glück bin ich nicht in der Werbebranche tätig. Millionen von Firmen würden um meine Gunst ringen und mich Tag und Nacht belästigen. Ebenso bin ich auch keine Schauspielerin. Meine komplette Gage, meine gesamten Ersparnisse, die übersichtliche Summe meiner Erbschaft, sowie zahlreiche Kredite würden bei der Bezahlung der vielen Bodyguards draufgehen, die mich vor dem unüberschaubaren Heer meiner Fans beschützen müssten.

 

Mein unendlich geistiges Potential als Humoristin, Kolumnistin und Schriftstellerin wird leider verkannt. Ich werde niemals in den Genuss kommen, einen eigenen Fanclub zu bekommen, ja noch nicht einmal in der Fleischerei bevorzugt behandelt zu werden.

 

Sogar meine beste Freundin lässt sich nicht dazu erweichen, meine Kolumnen zu lesen. Letzte Woche meinte sie noch: „Du bist mir auch ohne Kolumne schon anstrengend genug.“

 

Meinem besten Freund und seiner Frau zeige ich meine Kolumnen erst gar nicht, denn sonst würden sie einen Großteil ihrer eigenen Sprüche dort wiederfinden, wie zum Beispiel „Das soll ein Krabbensalat sein? Der Größe der Krabben nach sollte man ihn Eintagsfliegen-Salat nennen.“

 

Oh ja, sie haben es drauf! Ich frage mich, warum sie ihr geistiges Potential als Dozenten verschwenden.

Lulu ist nicht nur der süßeste, sondern auch der verfressenste, der blödeste, der faulste, der treueste, der verlausteste, der verschmusteste und der intelligenteste aller Hunde. Kein Wunder, es ist ja auch mein Hund, beziehungsweise der meiner süßesten und „einstigsten“ Tochter.

Für die Liebe, die ich zu meiner Tochter empfinde, gibt es keine Worte.  Nein, jedes Wort würde einer Untertreibung gleich kommen.

 

Im Büro bin ich der am besten aussehende weibliche Clown, den je eine Redaktion gesehen hat.

 

Aber wie fühlt man sich am Fuße des Ruhmesberges, obwohl man ganz oben an der Spitze stehen müsste? Alleine, sehr alleine! Ich bin ein verkanntes Genie. Das verkannteste Genie aller Zeiten! Nur die Tatsache, dass ich auch gleichzeitig der humorvollste aller Menschen bin, hält mich von Depressionen ab, ob meines verkannt Werdens.

 

Zum Glück übertreibe ich nicht in allen Bereichen. Wenn ich zum Beispiel putzsüchtig wäre oder einen Schönheitswahn hätte, würde ich keine Zeit mehr finden, meine genialen Geschichten, übrigens die genialsten Satiren aller Zeiten, zu schreiben. Wäre das nicht ein wahnsinniger Verlust für die gesamte Menschheit?

 

Schlussendlich bin ich eine fast normale Durchschnittshausfrau, eine fast normale Mutter, eine fast normale Hundehalterin und eine fast normale Autorin. Wer es nicht glaubt, kann es im Guinnessbuch der Rekorde nachlesen.

 

Copyright by Marina Braun. Nachdruck und Vervielfältigungen nur mit meiner schriftlichen Genehmigung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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