Adalbert Nagele

An mein Blatt Papier

 

Du weißes, unbeflecktes Blatt, liegst steril und unbenutzt vor mir. Du bist schön, sagst aber nichts aus, bist nichtssagend.
Ich habe Angst etwas auf dir zu schreiben, vielleicht zu zerstören. Du zwingst mich, schön zu schreiben und weil du so sauber daliegst, möchte ich dich nicht sorglos behandeln.
Deshalb schreibe ich jetzt etwas Schönes auf dich und schmücke dich mit meiner Schrift.
Doch was soll ich schreiben? Natürlich Sachen, die mich bewegen und womit auch du Freude haben kannst. So schreibe ich halt über die Liebe, die jeder Mensch braucht und die sich jeder sehnlichst wünscht.
Jetzt siehst du schon interessanter aus, mein liebes Blatt Papier und ich fühle mich, nachdem ich dich geschmückt habe, besser und vollkommener; denn bevor ich auf dir schrieb fühlte ich mich wie du, wie ein leeres Blatt Papier.

© Adalbert Nagele




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