Norbert Wittke

Das Millenium

 


Neun Jahre ist es nun her, dass das Neue Jahrtausend mit einem Schlag
der Uhr um Mitternacht gestartet ist. 
Wir hatten frühzeitig bei einem heimischen Busunternehmen zu diesem
Anlass eine Fahrt nach Berlin mit 3 Übernachtungen gebucht. Das Unter-
nehmen hatte diese Übernachtungen noch günstig gebucht. Das Hotel
war im Sommer 1999 neu erbaut eröffnet worden und lag in Berlin-
Weissensee. Das ein neues Jahrtausend bevorstand, war den Betreibern
vorher nicht aufgefallen. Als sie ihren Preis dann nachbessern wollten,
war es zu spät, denn bekanntlich ist Vertrag ja Vertrag. Das Millenium
als Ereignis wollten viele Menschen erleben, so waren die Übernachtungs-
preise auch in Berlin auf ein unverschämtes Niveau gestiegen. Auf einmal
verlangte man für eine Übernachtung im Einzelzimmer zwischen 600,00
und 800,00 DM. Eine wahre Inflation der Übernachtungspreise.

Für uns war das für die Busfahrt sehr angenehm. Der Bus war, obwohl
er paradoxer Weise halbleer war, ausgebucht. Leute vom ZDF, die aus
Berlin berichten wollten, hatten dieses Angebot entdeckt und gebucht, weil die
Busfahrt mit Übernachtungen preiswerter war als nur Übernachtungen.
So reisten sie auf eigene Kosten an.

In meinen Gedanken hatte ich mich schon  lange vorher mit diesem Jahr-
tausendereignis beschäftigt, das mich und alle anderen Menschen mit einem
Schlag zu einem Menschen aus einem vorigen Jahrhundert, ja sogar Jahr-
tausend machte. Alleine die Vorstellung, dass unsere Supertechnokids eines
Tages zu mir sagen würden,: "Typisch, der hat Ansichten aus einem früheren
Jahrtausend!" ließen mich auf einmal sehr, sehr alt aussehen. Andererseits
machte mich das ja auch zu einem Menschen aus zwei Jahrtausenden, und
das können und konnten ja nicht viele von sich behaupten.

 

Berlin ist immer wieder eine Reise wert. So oft man dort hin kommt, gibt
es immer wieder viele neue Dinge zu entdecken. Da wir schon öfter da
waren, gingen wir auf eigene Faust los. Das Hotel, ein sehr schönes Viersterne-
haus, lag sehr günstig zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, die in Berlin ja fast
einmalig sind.

 

Der Silvesterabend wurde im Hotel mit einem bunten Programm gefeiert. Das
angebotene Buffet war auch vom Angebot her sehr gut. Da wir Leute aus
Nassau im Bus hatten, wurde mir der Begriff " Nassauern" richtig verständlich.
Dreist hatten sie von zuhause ihren Sekt mit gebracht und verlangten dann nur
Sektgläser. Solche Menschen mag ich besonders gerne. Der Abend verlief wie
im Fluge.

Dann gegen Mitternacht ging alles nach draußen, weil ein großes Feuerwerk
angekündigt war, mit dem das Neue Jahrtausend begrüßt werden sollte. Aber
dichter Nebel hüllte ganz Weissensee und sicher auch Berlin ein. Man hörte
es knallen, aber mehr war nicht. Keine bunten Raketenbilder waren am Himmel
zu entdecken. Dafür lag der Gestank der Raketen in der Luft. Diese Begrüßung
des Neuen Jahrtausends ging dadurch etwas in die Hose.

Entschädigt wurden wir dann durch weitere Unterhaltungspunkte im Hotel und ein
neu aufgefülltes Buffet. Aber insgesamt war dieser Übergang von einem in das andere
Jahrtausend sehr harmonisch verlaufen.

Als wir dann im Neuen Jahrtausend die Heimreise antraten,  wollte ich doch noch
die Hilfsbereitschaft dieser Nassauer prüfen. Ich fragte: " Können sie mir bitte sagen
für meinen Eintrag in mein Tagebuch, wie dieser Ort hier eigentlich heißt. Ich habe
es ganz und gar vergessen." -- "Weissensee " kam es wie aus der Pistole geschossen.
"Nein, das meine ich nicht. Da gibt es doch einen anderen Oberbegriff. "  --
"Berlin" kam die Antwort.-- "Ich danke ihnen herzlich. Da habe ich doch glatt den Namen
von diesem Dorf vergessen."  Na ja , die mitfühlenden Gesichter sprachen Bände.
Hilfsbereit waren sie also doch meine Nassauer.

22.07.2009               Norbert Wittke

 

 

 

 

 

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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