Werner Wadepuhl

Ein Törn entlang der jugoslawischen Küste.

 

Sonja, eine baumlange Jungingenieurin aus Saarbrücken hatte mit Hilfe unseres Vereines den BR-Schein, die Lizenz für die Küstenschifffahrt erworben und sich eine Mannschaft aus jungen Leuten gewählt, um mit ihnen einen Segeltörn entlang der damals noch durchgehend jugoslawischen Küste zu unternehmen. Irgendwie hat sie sich dann aber entschieden, auch mich als alten Skipper mit auf die Crewliste zu setzen, quasi als Pate für ihren ersten Törn in eigener Verantwortung. Als Yacht diente unsere damalige, vereinseigene Bavaria 320. Wir rätselten dann bald, was wir ihr wohl als Erinnerung mitgeben könnten, aber lesen sie doch selbst...

 

Es saßen drei in einer Kneipe und sprachen von dem forschen Weibe,

das sie, als gute Kameradin, hierher gebracht ins ferne Skradin.

Wie wär´s, fragt Iris, wenn wir alle an Sonja schicken einen Gruß

mit Dankeschön, als Ansichtskarte, die sie zu Haus´ dann lesen muss.

 

Nicht schlecht, sagt Guido, doch er meinte, wir stellen ihr ein Zeugnis aus,

das sie, versehn mit Bilderrahmen, stolz zeigen kann in ihrem Haus.

Doch dann ist die Idee geboren, ein Sonderlogbuch ihr zu schreiben.

Der Dritte wurde auserkoren, dem diese Arbeit würde bleiben.

 

Der trank dann noch zwei Schoppen Wein und dachte tief in sich hinein,

was wohl in so ein Logbuch passte, und machte seinen ersten Reim:

 

Samstag/Sonntag 16./17. September 1989

 

Zum Start hast Du zwar Grund berührt, das hat ein wenig irritiert,

doch dann kam Dir der Mond entgegen und auch Poseidon gab den Segen,

den Du mit Rum von ihm erbeten, damit es fröhlich weitergeht.

Auch Rasmus´ Hilfe war von Nöten, da sonst kein Wind die Segel bläht.

 

Mit Gott Vertrau´n und Zuversicht fährst Du Dein Boot in tiefe Nacht.

Zur Morgenstund’ bei Ilovik war schlaflos eine Nacht verbracht.

Zu Mittag Du in Zadar weiltest, tankst für den Motor reichlich Sprit.

Mit allen durch die Altstadt eiltest und nur der Alte ging nicht mit.

 

Der dachte sich: „Wie soll das geh´n“ und teilt die Zeit in Stücke ein.

„Oh Herr, die woll´n ja so viel seh´n, wie passt das in die Woche rein“.

Als dann mit heiterem Gemüt Du und die Mannschaft wieder kam,

da reichte Dir Dein Patenskipper als Vorschlag einen Fahrtenplan.

 

Der Sonntag ist noch nicht zu Ende. Der Plan jagt Dich nach Biograd,

wo die Marina Deinem Schiffe stellt einen Liegeplatz parat.

Der A-C-Ypsilon hat leider hier keinen Anspruch auf Besitz.

Drum musst Du zahlen! Tu es heiter, zu spät kam der Erkenntnis Blitz.

 

Nach langer Fahrt brichst Du zusammen. Du schläfst ganz plötzlich bei uns ein

Und lullst Dich fest in Morpheus Armen, nur Paul empfindet das gemein.

Seit einem Jahr verehelicht verspürt er noch gewisse Triebe.

Er frisst den Kummer still hinein und sehnt sich nach ein bisschen Liebe.

Spontan beschließt er mit zu gehen, als Stefan, Iris, Guido fragen,

um sich im Städtchen um zu sehn, wo so die Jugoslawen tagen.

Am Volksfestplatz der Autoscooter entlädt in ihm geballte Kraft.

Hätt’ der Besitzer nicht geschrien, drei Autos hätt’ er leicht geschafft.

 

Der Tag fand schließlich dann sein Ende in Biograd am Jungfernstieg,

wo bei den bunten Kneipenlichtern der Rest der Bordkasse verblieb.

 

Montag, 18. September 1989

 

Nach ruhiger Nacht geht es dann weiter in einen neuen Segeltag.

Doch leider schläft Gott Rasmus weiter, weil er Dich heute noch nicht mag.

So tuckerst Du von Biograd vorbei an Murter, Sepurin

den Sibenik Kanal hinauf bis schließlich hierher nach Skradin.

 

Nicht ohne eine Badepause im Prokljansko Jezero

Mit Schwimmen, Blödeln, Sonnen, Aalen und Dosenbier ja sowieso.

Kurz vorher zeigte Paul uns noch, dass er als Puddingkoch erfahren.

Doch was macht dieser Pudding bloß bei Guido in des Bauches Haaren?

 

Das Skradin sei ein nettes Städtchen hat man sehr häufig schon erwähnt.

Doch sollte man hier auch erzählen, wie laut Ihr durch die Nacht getönt.

Man kann sie nicht alleine lassen, Sonja und Iris, uns’re Mädchen,

drum schicken wir den Guido mit noch mal ins Weinlokal im Städtchen.

 

Man hört Euch schon von weitem kichern, vom Weine reichlich angefüllt.

Doch Österreichs Männer heiß Begehren wird offensichtlich nicht gestillt.

„Oh Sonja, Traumweib“ fleht es draußen, „I bin der Ossi“ sagt der Depp,

„Vergiss aus Deinem Leben alles“, da schickst Du, zögernd zwar, ihn weg.

 

Es hat noch ziemlich lang gedauert, bis ihr so in die Kojen krabbelt,

schwer war es nur, sich vorzustellen, was sich da abspielt, wenn ihr babbelt.

Von Sonja hört man nur Befehle: „Geht schlafen jetzt, schaut auf die Uhr“.

Kein Wort von Guido, denn der liegt schon. Rätselhaft bleibt Iris nur...

 

für die, die in der Koje liegen, von Müdigkeit noch keine Spur.

Lacht, weint, küsst, rauft oder was macht sie. Was sind das für Geräusche nur.

Sie hat auch in den nächsten Tagen wie eine Sphinx geschwiegen.

Drum ist der wahre Sachverhalt verborgen uns geblieben.

 

Bleibt heute nur noch nachzutragen, dass Ihr den Paul zum Arzt getragen,

denn seine Nieren wollten nicht, drum hat ´ne Spritze er gekriegt

 

Dienstag, 19. September 1989

 

Besichtigung der Wasserfälle ist Dienstag Morgen angesagt.

Der Alte holt die Schiffspapiere und hat den Wetterfrosch befragt.

Der warnt mit der Gefahr von Nebel und kündet Wind mit drei bis vier,

nur leider aus der falschen Richtung, so, Sonja, ist das meistens hier.

 

 

Piskera musst Du heut erreichen, so zeigt’s der vorgegeb’ne Plan,

damit am Samstagmorgen pünktlich der Nächste übernehmen kann.

Die Fahrt dorthin hat keine Tücken, teils hilft der Kompass, teils die Sicht.

Im Keller brummt der Yanmar fleißig und nur der Wind, der rührt sich nicht.

 

Wenn Nebel kommt, dann kommt er Abends. Noch sehn wir viel von der Natur.

Nur taugt die Strecke nicht für Pausen, die Meilen streiten mit der Uhr.

Die Sonne steht am Horizont, da machst Du in Piskera fest.

Du hast es wiederum gekonnt, auch wenn Dich keiner segeln lässt.

 

Piskera liegt wie ´ne Oase ganz mitten drin in den Kornaten.

Wir saßen lange erst beim Wein, bis wir uns doch entschieden haben,

die Speisekarte zu studieren, um dann nach etwas her und hin

für jeden Essen zu bestellen. Nur Paul, der findet das ganz schlimm,

 

denn auf dem Schiff, die vielen Dosen, die würden bis zur Heimkehr schlecht.

Doch uns die Stimmung zu vermiesen entzog man lautstark ihm das Recht.

Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass wir bis weit nach Mitternacht

bei vielen interessanten Themen den Weinvorrat zu End’ gebracht.

 

Mittwoch, 20. September 1989

 

Am Mittwoch auf nach Dugi Otok, Tcelacica, und zwar Bucht Mir.

Dort mänädscht Du ne Badepause und auch zu essen gibt es hier.

Apropos Pantry, Trinken, Essen! Darüber könnt man vieles Schreiben.

Wie Du und Paul uns da verwöhnt habt, wird lange in Erinn’rung bleiben.

 

Prolaz Proversa kam nach Mir, da wurde Dosenbier geboten,

dann kam Ma-estral, drei bis vier, der hat sechs Meilen lang geschoben.

Dann war vorbei der Segelspaß, das Boot wieder motorgetrieben.

Die Tankanzeige macht Dich blass, wo ist der Kraftstoff denn geblieben?

 

Daher wird rasch umdisponiert, statt Veli Iz nun Zdrelac Enge,

das Schiff nach Zadar dirigiert. Dort gibt es Diesel jede Menge.

Der Kahn säuft siebenundsechzig Liter. Die andren kaufen derweil Brot

Und, da auch Durst mitunter bitter, wird Wein gekauft von Farbe rot.

 

Um Liegegeld auch mal zu sparen wird Vitrenjak jetzt angepeilt

Und auf dem Bauplatz der Marina die Yacht fest mit Beton verseilt.

Du hättest weiter fahren wollen, doch leider ging das Buglicht nicht.

Es hätten noch mehr Meilen zwar sollen sein, doch Licht ist Pflicht.

 

Da Vidrenjak im abseits liegt von Zadar und noch unbewohnt,

hat sich an Bord die Selbstverpflegung für Paul mal wieder recht gelohnt.

Die Küche arbeitete bombastisch und es gelingt ihr noch vor zehn

Ein Abendessen aufzutischen, bevor wir alle schlafen gehen.

 

Der Aufwand hatte sich gelohnt, das Essen war bemerkenswert,

nur dass im Klo dann Wasser steht zeigt, irgend was war dort verkehrt.

Drum merke, Sonja, es gibt viele Verfahren, Schiffe zu versenken.

man muss sogar noch auf dem Klo an alle Möglichkeiten denken.

Donnerstag, 21. September 1989

 

Am nächsten Morgen war die Lampe recht schnell wieder mit Strom versehn.

So konnte der Kanal Skadarski Dich bald nur noch von achtern sehn.

Durchs Seegebiet von Virsko More zielstrebig pflügst Du die Gewässer.

Du hoffst auf Wind, möglichst aus West, doch auch vor Molat wirds nicht besser.

 

Drum zeigt der Bug nun nach Zapuntel, wo man recht gut vor Anker liegt

Und Deine Crew nach kühlem Bade schon wieder viel zu essen kriegt.

Du hast bewiesen, dass auch ohne die Funktion eines Echolotes

am rechten Platz der Anker findet den Halt zur Sicherheit des Bootes.

 

Punkt zwei Uhr kommt der Pflugscharanker wieder empor ans Sonnenlicht.

Und wieder schiebt der Motor weiter, denn Wind? Den gibt es einfach nicht.

Du machst paar Striche in die Karte, wirfst auf den Kompass Deinen Blick

Spielst mit dem Autopilot weiter und zwingst ihn zu Kurs Ilovik.

 

Vor Ilovik ein letztes Mal auf diesem Törn: vor Anker liegen

und wir nach drei, vier Stunden Arbeit schon wieder was zu essen kriegen.

 

Freitag, 22. September 1989

 

Borina heißt die kleine Bora, die uns vor Morgengrauen weckt,

weil unsre Ankerkette rumpelt, das Großfall an dem Maste schlägt.

Hurra, doch noch ein Segeltag! Es weht aus Nordost noch am Morgen.

Doch lässt es schon allmählich nach, bis unser Anker ist geborgen.

 

Bis wir dann südlich vor Losinje langsam in den Kvarner pflügen,

wird die See ganz plötzlich glatt, kommt die Bora zum erliegen.

Wieder nichts von Rasmus Gnaden, täglich glatte See wie diese.

Sonja tröstet: „Nicht verzagen, dann gibt’s eben Dieselbrise“!

 

Backbord Susak und rechts Unje, letzte Inseln ziehn dahin.

Pünktlich nachmittags um drei grüßt die Bucht von Medulin.

Kurz vor Ende dieses Törns zittern erstmals Deine Glieder:

„Werner, schau bloß mal zum Heck, was ist das denn nun schon wieder“?

 

Eines dünnen Seiles Ende wirbelt lustig durch das Wasser.

„Ob die Schraube was erwischt hat“? Deine Nase die wird blasser.

„Wär’s ein dicker Tampen, Sonja, wär der Schaden sicher schlimm“.

„Aber schau, das bisschen Schnürchen ist doch, Gott sei Dank, recht dünn.

 

Dennoch zeigt das Tauchergebnis einen dicken Klumpen Seil

Um die Schraube fest gewickelt, doch der Sail Drive, er blieb heil.

Ohne Steine zu berühren fährst Du sicher uns nach Haus.

AC-Ypsilon, Platz zwanzig, Leinen fest, der Törn ist aus.

 

 

 

 

 

Zu guter Letzt war noch das Großfall im Top des Mastes fest verklemmt.

Da habt ihr mit dem Bootsmannsstuhl den Alten an die Dirk gehängt.

Von Iris sorgenvoll begleitet, mit Pauls und Guidos Bärenkraft

habt ihr es immerhin gemeistert und ihn zwölf Meter hochgeschafft.

 

Schnell war dort das Malheur behoben, das Fall zum rechten Platz geführt,

derweilen Stefan auf der Suche nach Gas und Diesel sich verirrt.

In Pula und darum herum verfährt er vierzig Kilometer.

Er hat zwar Diesel schnell gekriegt. Nur Gas, das führt nun mal nicht jeder.

 

Nachwort:

 

Die Crew, die Du versammelt hast, intelligent, sympathisch, heiter,

sie hat rundum zu Dir gepasst. drum Sonja, mache nur so weiter.

Mit Krebs und Steinbock, dessen Nieren die Stierfrau pflegte mit Bedacht,

auf Harmonie stets aus die Waage, der Zwilling, der so herzhaft lacht,

 

der Schütze, der zwar Außenseiter, doch glaubt, er hat nicht viel gestört,

er blieb bewusst im Hintergrunde, sofern man ihn nicht reden hört.

Der Törn mit Euch, er war echt schön. Doch leider lief nur der Motor.

Ihr solltet auch mal Segeln gehen. Dazu wünsch ich Euch vier Beaufort.

 

Und? Haben Sie den Törn mit dem Finger auf der Landkarte verfolgt? Ist zwar nicht mit Homers Odyssee vergleichbar, hat aber viel Spaß gemacht, mal ein Logbuch in dieser Art zu schreiben, wobei für mich am erstaunlichsten war, wie sich all die verqueren slawischen Ortsnamen unterbringen ließen. 

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