Evelyn Goßmann

Lars besorgte Fragen

Lars kommt aus der Schule heim. Er hat gehört dass es Mütter gäbe die Kinder` kaufen` oder anders herum, dass es Leihmütter gibt die dafür Geld bekommen dass sie für andere Frauen Kinder zur Welt bringen, und Frauen die aus Not ihre Kinder verkaufen würden.

Das hatte den kleinen Kerl ganz durcheinander gebracht. Der Mutter war gleich aufgefallen dass mit ihrem kleinen Nimmersatt etwas nicht stimmte. Er stocherte im Essen herum und war irgendwie abwesend, sonst hingegen war er voller Tatendrang was er alles machen um nicht zu sagen aushecken wollte. Sein Kopf war pausenlos voller Ideen und lustiger Pläne.

Seine Gedanken purzelten immer durcheinander, meist aber konnte er sich nicht lange zurückhalten mit Fragen die ihm auf der kleinen Seele brannten, so auch jetzt.

Unruhig rutschte er auf dem Küchenstuhl hin und her, doch lange hielt er es nicht mehr aus und platzte mit der Frage heraus: "Mamaaa, war ich teuer?"

Seine Mutter glaubte ihren Ohren nicht zu trauen und sagte völlig entgeistert:  "Wie meinst du das, teuer?" Er ignorierte die Gegenfrage weil die anderen Fragen in ihm ungeduldig wild durcheinander wirbelten. " Mama bin ich dein Kind?" "Ja aber sicher mein Kleiner, wie kommst du denn auf so was?"

Dann sprudelten die Fragen und Antworten abwechselnd nur so zwischen Lars und seiner Mama hin und her. Lars: "Was kosten Kinder?" Mutter: " Kinder kauft man nicht, sie sind Gottesgeschenke wenn man sich sehr lieb hat." Lars: "Ich weiß das ja, aber es gibt doch welche die kaufen sie!!!" Seine Mama ahnt etwas und erklärt: "Aus großer Not in armen Ländern kommt es vor. Man adoptiert  Kinder damit sie es woanders in einer Familie besser haben können oder unterstützt sie dort." Lars, der immer sehr wissbegierig ist will es genauer wissen, das reicht ihm nicht: "Leihmutter, was ist das, leihen die ihre Kinder aus?"

Mutter erklärt geduldig warum es diese Möglichkeit gibt und was sie bedeutet.

Lars:" Also doch Kinder für Geld?" Sein etwas ungehaltener Tonfall erweckt den Eindruck als stampfe er mit den Füßen auf dem Boden auf um seinen Fragen Nachdruck zu verleihen. Beharrlich war er schon immer der kleine Bursche. Mutter räusperte sich etwas unbehaglich ob seiner Ungeduld: "ja schon...weil...wenn...also..."

Lars unterbricht sie unwirsch, das dauert ihm alles viel zu lange: "Nimmst du auch Geld für mich, weil ich alles schmutzig mache, du das wieder reine machen musst - oder wenn ich Löcher in die Jeans oder Pullis reiße, Regenwürmer, Frösche und Schnecken in Hosentaschen aufbewahre oder mit heimbringe, naschen, in den Zoo, auf die Kirmes, einen Roller haben möchte, oder so einen ferngesteuerten Hubschrauber vielleicht??? Mit weit aufgerissenen Augen wartet er gespannt auf die Antwort seiner Mutter.

Nachdenklicher, etwas langgezogen klingt es bald weil ihm so langsam einiges dämmert bei seiner gewaltigen Aufzählung: "Du bringst mich ins Bett, tröstest mich, klebst Pflaster auf meine aufgeschlagenen, blutenden Knie..." Erschreckt hält er inne und fragt dann, " oder gibst du mich auch ab für Geld?" Die Frage lässt ihm keine Ruhe. Man merkt deutlich dass er nachdenkt bei dieser langen Liste.

Mutter ist gerührt: "Du bist unser großer Sonnenschein, ein größeres Glück gibt es nicht.

Niemals würden wir dich hergeben, du bist unser Leben, wir gehören auf immer zusammen, du, Papa und ich. Eine günstige Gelegenheit denkt sie dann und fährt fort: "Du wünschst dir doch schon lange so sehr ein Geschwisterchen, nun wirst du gleich zwei auf einmal bekommen."

Lars schaut mit weit aufgerissenen Kulleraugen ziemlich verdutzt und entgeistert drein weil er doch etwas durcheinander ist von all den Neuigkeiten heute: "Wie, du willst gleich zwei Kinder kaufen damit ich Spielkameraden bekomme? Du und Papa kauft also auch Kinder?" Entsetzt schaut er hoch, etwas verwirrt, total irritiert.

Die erleichterte Mama lacht, nimmt ihren Tausendsassa herzlich in die Arme, streicht ihm durch das immer etwas wirre, verstrubbelte Haar. Sie erklärt ihm dann in Ruhe dass zwei Babys in ihrem Bauch heranwachsen, weil sie und der Papa ihren Lars so lieb haben und gerne weitere Kinder möchten. Sie dürfen auch gern die Köpfe voller Ideen und Streiche, aber auch ein riesengroßes Herz auf dem rechten Fleck haben, und viel Freude in ihr Leben bringen wie ihr Lars hier. Sie hält den kleinen Sohn zärtlich im Arm. Es würde ständig etwas los sein, sie wären eine große glücklich Familie, und ganz bestimmt gibt es auch niemals Langeweile.

"Eins reicht aber erst mal zum Spielen, hab ja auch noch Freunde" meint der Pfiffikus großzügig und sehr ernsthaft.

Seine Mama kann kaum mehr aufhören zu lachen und erklärt das sei nicht möglich, die Babys wachsen ja schon heran, nimmt seine kleine braune Hand und legt sie auf ihren Bauch. Lars spürt gleich die Bewegungen seiner Geschwister, nimmt sie verzückt wahr, und freut  sich nun gleich doll auf die Zwillinge. Er ist fasziniert, in dieser Sekunde ist der große Bruder in ihm erwacht. Stolz schaut er drein.

"Na Gott sei dank Mamilein das ist schön, ich dachte du würdest mich dann auch verkaufen,

wenn ich soviel Unfug, Streiche mache oder sowas...aber wenn du das so doll findest dass du noch mehr solche Kinder willst.... Tschüß...ist ja prima. Hast du mal Geld für den Eismann?

Geh dann mal eben mit Paulchen auf den dicken Baum klettern, bist ja nicht böse wenn die Hose kaputt geht??? Ach, und Kaulquappen habe wir auch endeckt, ich bring welche mit. Mama drückt ihm Geld für ein Eis in die Hand und bekommt einen dicken Schmatzer. Alle seine Sorgen sind wie weggeblasen.

Wie ein unbändiger Wirbelwind ist er gleich aus der Türe und laut schallt sein Freudenruf, der eher schon dem Kriegsgeschrei von Indianeren ähnlich klingt, über die ganze Straße: " Mama und Papa finden mich sooo toll, auch meine kaputten Hosen und Regenwürmer, Frösche und einfach alles, darum kriegen wir noch zwei solche wie mich, aber dann bin ich der Große."

Na, nun wusste gleich jeder Bescheid. Er war einfach unverbesserlich aber wunderbar. Wie schützend, mit einem wundervoll geheimnisvollen glücklichen Lächeln legte Lars Mama die Hände auf ihren kleinen schon etwas gerundeten Bauch.

Ihr Lars war wieder er alte. Gott sein Dank, Kinder sind doch solch ein Glück! Man muss sie einfach lieben!

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Evelyn Goßmann).
Der Beitrag wurde von Evelyn Goßmann auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Kleiner Spatz was nun von Karin Rokahr



Ein Gedichtsband über Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen einer Verliebten, angereichert mit Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens, geschrieben von einer ganz normalen Frau.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Leben mit Kindern" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Evelyn Goßmann

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Hausarrest von Evelyn Goßmann (Kindheit)
Engelzeiten von Rainer Tiemann (Leben mit Kindern)
Autobiographie *b* ER-LEBEN * I I * KLEINKIND * Kap.1-15 von K.N.Klaus Hiebaum (Autobiografisches)