Daniela Nitz

Verloren und wiedergefunden

Es war bereits nach 22 Uhr, als mir auffiel, dass die Hunde nicht mehr auf der Terrasse waren. Zu der Zeit schlief mein Freund bereits, da er nachts nach Hamburg musste und ich wollte ihn deswegen nicht wecken. Ich ging also auf die Terrasse und rief nach ihnen. Nichts geschah; ich rief noch ein paar Mal und lauschte nach dem Klingeln ihrer Halsbänder.

Stille, nur das Rauschen der Windmühlen und der Verkehr, der von der Autobahn herüber wehte war zu hören. So ging ich also mit einer Taschenlampe bewaffnet los und suchte das gesamte Grundstück ab.

Fehlanzeige!

Dazugesagt, am Tage waren wir mit dem Radlader zugange und ließen das hintere Tor offen, da wir ja am nächsten Tag weitermachen wollten. Es ist kein richtiges Tor in dem Sinne, sondern eher ein Zaun, den man zur Seite zieht.

Nun haben wir rund um das Grundstück auch den sogenannten Kuhzaun gezogen, damit die Hunde erst garnicht auf die Idee kommen auszubüchsen, denn das passierte leider viel zu oft. Wie gesagt, ließen wir es offen, denn unsere Hunde wissen, wenn der Draht an ist, trauen sie sich nicht so nahe an den Zaun, aber Gelegenheit macht Diebe und unser älterer Hund Packo geht gern auf Wanderschaft und unsere Jüngere trottet ihm jedesmal hinterher.

Ich lief einmal um das Grundstück herum, doch ich wusste längst, dass sie wieder unterwegs waren. Die Zeit schritt voran und als mein Freund aufstand, war es bereits 2 Uhr morgens gewesen und erzählte ihm natürlich was passiert war.

Er zog sich an und fuhr die Gegend mit dem Auto ab, während ich dies zu Fuß tat. Ich war noch nicht weit von unserem Haus entfernt, als mir ein Auto entgegen kam und anhielt. Der Fahrer fragte mich, was ich denn suche und ich antwortete ihm „unsere Hunde“. Daraufhin fragte er, ob sie schwarz und braun wären und ich bejahte dies, worauf er mir erzählte, er habe sie zwischen unserem und einem Nachbarort auf der Straße entlanglaufen sehen und jemand hätte sie in unser Dorf zurück gelotst und jetzt müssten sie also irgendwo im Ort sein. Kam mir zwar etwas komisch vor, wie man Hunde zurücklotsen könnte, sagte es aber nicht laut, sondern bedankte mich und ging weiter. Kurz danach tauchte mein Freund auf und erzählte ihm, was ich gehört habe. Ich stieg ein und wir fuhren die genannte Straße entlang. Doch wir waren uns einig, nachdem wir schon eine Weile fuhren, dass die Hunde unmöglich soweit gelaufen sein könnten und fuhren wieder zurück, wobei wir die ganzen kleinen Straßen abfuhren. Dabei stießen wir auf eine weitere Zeitungszustellerin und fragten, ob sie zwei Hunde gesehen hätte und sie erzählte uns das Gleiche.

Wir fuhren diese Straße nochmal entlang, aber es war vergebens und so fuhren wir erstmal wieder nach Hause, in der Hoffnung, sie wären schon zurück, denn manchmal war dem so. Ich sollte mich irren.

Er fuhr nochmal los zum alten LPG Gelände und ich hörte wie er nach ihnen pfiff, während ich hoch zu unserem Feld am Zaun lief und mit der Trillerpfeife zugange war. Es schalte laut über die Felder. Langsam wurde es hell und ich gab die Hoffnung schon auf, sie je wiederzusehen, denn schließlich waren sie noch nie die ganze Nacht über weg gewesen. Während ich darüber nachdachte, rannen mir Tränen über die Wangen, einerseits aus Wut, darüber, dass sie es schon wieder getan hatten und andererseits sehr vermisst hätte.

Ich unternahm noch einen letzten Versuch, auch wegen der Jäger, die wieder unterwegs waren und ging nochmal die Straße ab, als, ich war schon fast an der Hauptstraße angekommen, das mir vertraute Klingeln hörte. Und dann sah ich sie am Baum und rief nach ihnen. Sofort kamen sie angerannt und als ich mich mit Beiden auf den Heimweg machte, rief ich meinen Freund an und sagte ihm, dass ich sie bei mir habe. Er war schon in Fürstenwalde, um das Auto zu wechseln, mit dem er nach Hamburg fahren sollte, denn schließlich war er durch diese Aktion schon viel zu spät dran gewesen und er konnte diesen Auftrag ja schlecht abweisen um halb vier Uhr morgens und er hatte ja auch schon zugesagt.

Insgeheim weiß ich natürlich, dass er sehr froh war, als er hörte sie seien gefunden und er hätte sie ebenfalls vermisst.

Diesen Beitrag empfehlen:

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Daniela Nitz).
Der Beitrag wurde von Daniela Nitz auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Unser Literaturinselchen - An vertrauten Ufern von Elfie Nadolny



Bebilderte Gedichte und Geschichten von Elfie und Klaus Nadolny

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wahre Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Daniela Nitz

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Zwei Freundinnen von Daniela Nitz (Freundschaft)
eine sehr kurze Geschichte...autobiographisch von Rüdiger Nazar (Wahre Geschichten)
… irgend etwas ist anders, als sonst ! von Egbert Schmitt (Gesellschaftskritisches)