Margit Farwig

Menschen im Hotel II

Menschen im Hotel II

 

An der Rezeption meldet sich ein ziemlich aufgebrachter zukünftiger Gast. Er ist gerade angekommen. „Was er wohl auf dem Herzen hat?“ Diskret dreht sich der Portier um und wirft einen Blick auf ihn. Ein gut aussehender Mann in bester Bekleidung.

„Was kann eine solche Erscheinung wirklich erschüttern? Er sieht gut aus, hat sicher eine hoch dotierte Position, verdient also ausreichend Geld, und scheint dennoch unzufrieden zu sein. Dahinter kann nur eine Frau stecken Schade, immer wieder scheitern Menschen an Beziehungen. Quatsch, was spinne ich da, mich geht das nichts an“, entschlossen schiebt er seine Gedanken beiseite.

Der Gast hat sich beruhigt und verlangt nach einem Zimmer, Einzelzimmer. Der Mann an der Rezeption schaut auf den Zimmernachweis, findet aber nur noch ein Doppelzimmer auf der zweiten Etage. Ohne Diskussion nickt der Gast. Ihm scheint alles egal zu sein, Hauptsache er bekommt ein Zimmer. Er wird in die Liste eingetragen und der Schlüssel wird ihm ausgehändigt.

„Einen schönen Aufenthalt wünscht Ihnen unsere Hotelleitung!“ Flüchtig bedankt sich der Gast und greift resolut nach seiner Tasche, strebt zum Lift und verschwindet darin.

„Diese Frau ist nicht ganz bei Trost, was der wohl einfällt?! Nicht mit mir. Jetzt werde ich ihr mal zeigen, was sie ohne mich ist!“ Nach diesem Ausspruch kehrt seine alte Gelassenheit zurück. Er steigt aus dem Lift, sucht seine Zimmernummer und drückt die Klinke herunter. „Endlich allein! Ein paar schöne Tage werden mir gut tun!“, spricht es – und versinkt in dumpfes Brüten.

Schon wieder stürmt ein Gast, dieses Mal eine Frau, durch die Hoteltür, läuft am Portier vorbei direkt auf die Rezeption zu.

„Der Tag hat es in sich, die Leute sind ja wie aufgezogen. Haben wir denn Vollmond oder treibt der Föhn mal wieder sein Unwesen?“ Erneut schaut der Portier diskret zum Empfang hin. Nervös nestelt die Dame an ihrer Handtasche, greift ins frisch frisierte Haar und besinnt sich. Der Mann am Empfang begrüßt sie zuvorkommend.

„Sie wünschen, gnädige Frau?“

„Ach, ich wünsche nur ein ruhiges Zimmer!“

„Ein Einzelzimmer?“

„Ja, natürlich ein Einzelzimmer!“

„Hätt’ ja sein können, dass Sie jemanden erwarten.“

„Ich erwarte niemanden und will auch niemanden sehen. Also, wie sieht es aus?“

Der Mann am Empfang blättert vor und zurück.

„Da lässt sich nichts machen, wir sind restlos ausgebucht, ich habe gerade das letzte Doppelzimmer an einen einzelnen Herrn vergeben, der auch nur ein Einzelzimmer nehmen wollte. Das tut mir leid.“ Er setzt nach:

„Aber, schauen Sie mal, er hat den gleichen Nachnahmen wie Sie, Steiner, Hannes Steiner. Schad’, dass Sie nicht zusammengehören.“

Gabriele Steiner muss sich festhalten. „Hat sich dieser Kerl hier eingenistet und spielt jetzt den Mann von Welt. Na, warte, Dir werde ich helfen!“ Ein Plan blitzt ihr durch den Kopf.

„Ach, Sie werden es nicht fassen, aber wir gehören zusammen. Da geben Sie mir mal schnell das Bett an seiner Seite, bevor es anderweitig belegt wird!“, säuselt sie entschlusskräftig in seine Richtung.

Der Mann am Empfang vergleicht den Ort, die Straße und die Nummer.

„Bitt’ schön!“ Kaum merklich grinsend übergibt der ihr den zweiten Schlüssel.

„Entweder platzt hier gleich eine Bombe oder es gibt eine Versöhnung nach gutem altem Brauch. Die Versöhnung wäre mir persönlich lieber“, er reibt sich die Hände.

An diesem Tag und Abend sieht er weder Frau Steiner noch Herrn Steiner wieder....

 

© Margit Farwig 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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