Ingrid Grote

TOPP, die Wette – Der Ernst der Liebe...2

DAS ESSEN GEHT WEITER...

 

„Du hast wirklich eine gute Wahl getroffen“, sagt der Proff gerade anerkennend zu Chris.

Huch, was erzählt er denn da? Er meint doch nicht etwa sie? Irma fühlt sich ein wenig verlegen. Es ist natürlich schmeichelhaft, aber viel wichtiger findet sie, dass er Chris gelobt hat.

„Ich habe keine Wahl getroffen“, Chris wendet sich ihr zu und schaut sie zärtlich an, und wie immer, wenn er sie so anschaut, ist sie wie benommen. Was wird das?

Chris nimmt ihre Hand und küsst ihre Fingerspitzen. „Ich konnte gar nicht anders...“

Oh nein Chris, das darfst du nicht tun, nicht sagen, nicht jetzt, ich löse mich auf, ich könnte mich auf der Stelle, nein um Gottes willen nicht jetzt! Aber trotzdem... Irmas Blick taucht für einen Moment in seine Augen ein, und das Verlangen, das sie darin sieht, macht sie vollends fertig.

„Ich muss noch mal in die Küche“, sagt sie leise und löst ihre Hand behutsam aus der seinen. Sie berührt ihn zart am Rücken und geht, in Richtung Küche, es sieht bestimmt aus als würde sie stolpern... Sie spürt instinktiv, dass Chris ihr nachfolgt.

Und so ist es auch. Er nimmt sie in die Arme und drängt sie zur Arbeitsplatte hin. Er schiebt ihr ein Bein zwischen ihre willigen Schenkel, schaut sie atemlos verlangend an. Und Irma fühlte sich dahinschmelzen, ihre Beine kommen ihr vor, als wären sie aus Gelee, und im Bauch hat sie ein komisches Kribbeln. Oh Chris, was tust du mit mir? Sie schlingt die Arme um seinen Hals. Nimm mich bitte, ich gehöre dir! Sie stöhnt auf und biegt ihm willig ihren Körper entgegen.

Natürlich ist er genauso erregt wie sie. Aber sie hofft inständig, dass er mehr Widerstandskraft hat als sie, sie ist ja so schwach... Ihre Lippen treffen sich und verschmelzen miteinander, sie fühlt seine fordernde Zunge in ihrem Mund, sie küssen sich heftig, zuerst leidenschaftlich, aber dann allmählich sanfter, sie beherrschen sich beide, ihre Berührungen werden zärtlich und spielerisch, sie wissen ja, es entgeht ihnen nichts, sie können alles später nachholen, aber trotzdem, schade, schade...

Nach einer Weile lösen sie sich widerstrebend voneinander und schauen sich bedauernd an. „Wir müssen wohl wieder zurück“, sagt Chris, „die warten bestimmt schon auf die Hausherrin...“.

„Hausherrin? Aber ich fühle mich so gar nicht wie eine Hausherrin,“ seufzt Irma.

„Das kannst du aber, Haselmaus“, Chris sieht auf sie herab. „Du weißt doch, dass du meine Herrin bist...“

„Bin ich das?“ Sein Blick macht sie nervös und verlegen. Aber es hört sich herrlich an, so nach Mittelalter und nach Minnesängern. Meine Herrin... Irma fühlt, wie sie errötet. „Chris, das meinst du jetzt aber nicht sadomasomäßig, oder?“

„Ein bisschen schon.“ Chris lächelt sie an. „Nein Quatsch, ich meine es anders. Ich meine, dass du mich besiegt hast.“

„Aber ich hab’ dich doch nicht besiegt, du bist Chris, und du bist doch kein Verlierer!“

„Nein, das bin ich nicht! Ich bin ein Gewinner. Aber hallo, das hört sich ja an wie Muhammad Ali...“ Wieder muss er lachen, und dann sagt er: „Jedenfalls bist du meine Herrin, denn du bist die einzige, die mich besiegen konnte...“

„Wow“, sagt Irma mit schwacher Stimme.

„Und ist doch alles gut gelaufen“, Chris lächelt und berührt mit dem Zeigefinger zart ihre Nase.

„Oh ja, doch...“ Irma zieht die Nase kraus und überlegt. „Sag’ mal, hast du irgendwelche Probleme mit deinem Vater?“

Chris stutzt und sieht etwas verwirrt aus. „Nicht dass ich wüsste“, sagt er dann schließlich.

„Dann hab’ ich mich wohl geirrt.“ Er hat keine Ahnung, denkt Irma verwundert, aber da ist etwas...

„Und weswegen sind wir jetzt in die Küche gegangen?“ fragt Chris sie arglistig.

Irma starrt ihn an. „Upps!“ sagt sie und sieht sich in der Küche um. Vielleicht könnte man ja Servietten mitnehmen, oder... „Was hältst du von diesem Spucknapf? Die Chinesen lieben so was!“ Irma hält triumphierend ein Schüsselchen aus Edelstahl hoch.

„Ein Spucknapf? Genau das haben wir immer schon gebraucht!“

Hand in Hand gehen sie zurück in das neu erschaffene Esszimmer, wo sie sich dann doch voneinander trennen müssen. Irma stellt das Metallschüsselchen auf den Esstisch, der sonst im Keller steht neben dem Billardtisch und sagt: „Da ist er, der Spucknapf. Ich weiß aber nicht, ob man ihn auf den Tisch stellt oder auf den Boden...“

Alle glotzen sie verwirrt an ,aber der Proff kapiert es als erster. „Frag’ am besten den chinesischen Gärtner“, schlägt er vor, alle fangen an zu kichern, und sogar der sehr zurückhaltende Mann von Irene kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

„Sie... äääh DU hast einen chinesischen Gärtner? Kann der auch chinesisch kochen?“

„Bei weitem nicht so gut wie du, Irma. Deine Peking-Gulasch Suppe ist unerreicht“, Der Proff grinst, und es sieht fast so aus, als ob Chris grinst. Die beiden sehen sich wirklich total ähnlich, Chris ist allerdings ein bisschen größer als er. Und schon sind ihre Gedanken wieder bei Chris. Er ist wunderbar und vor allem im Bett...

„Dann gehört dir also der nette Karmann, der immer in der Einfahrt steht“, hört sie wie von weitem die Stimme des Proffs. „Ich hatte mich schon darüber gewundert, weil sonst nie einer dort parkt...“

Irma reißt mühsam ihre Gedanken von Chris’ Körper los und auch von dem, was Chris’ Körper mit ihr anstellen könnte. „Ja, das ist meiner, aber er wird’s nicht mehr lange machen.“

„Durchgerostet?“ stellt der Proff mehr fest als dass er fragt. Er hat anscheinend viel Ahnung von Karmännern.

„Voll durchgerostet! Und das Schweißen ist einfach zu teuer.“ Irma schaut betrübt vor sich hin, sie hängt an ihrem Auto, es ist ziemlich einmalig, wenn auch manchmal recht unbequem und lausig kalt, vor allem im Winter, wenn die Heizung nicht richtig warm wird.

„Was denn, so teuer kann es doch gar nicht sein!“

Ha, der hat gut reden, er ist Professor und verdient bestimmt jede Menge Kohle. „Im Prinzip schon, aber nur wenn man Beziehungen hat.“ Irma sieht Chris zärtlich an, und der nimmt wieder ihre Hand und küsst sie. „Und ich habe gewisse Connections aufgegeben.“ Eigentlich ist Connections ja ein blödes Wort...

„Connections? Was denn für Connections?“

Der Proff ist ja ganz schön neugierig. „Solche, die ich nur durch gewisse Leute hatte“, Irma lächelt, und sie scheint es nicht zu bedauern, dass sie diese Connections nicht mehr hat. Chris scheint das auch nicht zu bedauern, denn er schaut sie liebevoll und mit einem schweren Hauch von Besitzerallüren an. Irma mag es, wenn er sie so anschaut.

Der Proff sieht erst verständnislos aus, aber dann geht ihm wohl ein Licht auf, er überlegt ein Weilchen und verkündet dann schließlich: „Ich habe da eine kleine Werkstatt an der Hand, da machen sie es gut und günstig.“

„Ach wirklich?“ Irma ist überrascht, dass Chris’ Vater sich so für ihren Karmann interessiert.

„Natürlich nur unter der Bedingung, dass ich mal eine Spritztour mit ihm machen darf.“ Der Proff scheint nachzudenken. „Ich habe nämlich mit diesem Auto, nein, natürlich nicht mit diesem Auto, sondern mit einem anderen Karmann meine Frau kennen gelernt...“

„Oh“, sagt Irma erstaunt und fragt sich, ob er wohl Genaueres erzählen wird. Aber er tut es nicht, sondern grübelt versunken vor sich hin. Irma merkt, dass Chris und Irene ihn neugierig anblicken, aber ihr Vater erzählt einfach nicht weiter. Schade, sie hätte so gerne mehr gewusst über seine Frau. Er muss sie sehr geliebt haben, denn er hat nach ihrem Tod nicht wieder geheiratet.

Hoffentlich ist Chris auch so wie sein Vater, und wenn sie mal tot ist, dann bleibt er auch alleine und bindet sich nicht wieder. Oh Mann, was für ein Quatsch, sie sind ja noch nicht einmal verheiratet...

 

Fortsetzung folgt

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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