Andreas Rüdig

Vorfall im Duisburger Lehmbruck Museum

Das Wilhelm Lehmbruck - Museum liegt auf der Crossart Route Moderne Kunst und im Kulturraum Rhein - Maas - Waal.

Das Werk des Duisburger Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881 - 1919) steht am Anfang der Kunstsammlung, die sich über Jahrzehnte zu einer der nach eigenen Aussagen bedeutendsten internationalen Skulpturensammlungen der Moderne entwickelte. Sie schließt Gemälde, Arbeiten auf Papier und Neue Medien ein. Nach eigenen Angaben ist es Ziel aller Aktivitäten, für unterschiedliche Besucherinteressen ein lebendiges Bild von der Qualität und Aktualität moderner Skulptur und ihrer Beiträge zu anderen Kunstgattungen zu vermitteln. "Das hochkarätige künstlerischeKonvolut" von Expressionisten wie Kokoschka, Pechstein, Macke, Jawlensky, Campendonk, Kirchner, Nolde, Feininger, Beckstein, Ernst u. v. m. ergänzt die Skulpturensammlung.

 

600 zum ersten 650 zum zweiten 750 zum dritten. Die Dame mit der Nummer 33,3 erhält das Objekt mit der Nummer 44 1/4.

 

(Dame Nr. 33 1/3) Hat der Auktionator da nicht gerade etwas falsch gemacht? Hätte er nicht dreimal dieselbe Zahl sagen müssen? Aber egal. Ich nehme die Skulptur. Sie paßt so gut in unsere Sammlung. Die Stadt hat`s ja.

 

(der Künstler) Hurra! Ich bin jetzt ein gemachter Mann. Das Lehmbruck-Museum, das wichtigste Museum für zeitgenössische Kunst in der Duisburger Innenstadt, hat ein Objekt von mir gekauft. Damit kann ich jetzt überall angeben.

 

Die Lage des Museums inmitten des zentral gelegenen Kant-Parks ermöglichte im Jahre 1990 dessen Umwandlung in einen Skulpturenpark, in dem heute über 40 Großplastiken internationaler Bildhauer meist situations- und ortsbezogen aufgestellt sind. Die Großskulpturen von Moore, Armitage, Lardera, Rabinowitsch, Abakanowicz, Volten, Karavan (am Wasserbecken) und Reusch vermitteln nach Aussage des Museums zwischen der geometrisch klaren Architektur des Gebäudes und den fließenden Formen der Natur.

(die Skulptur)  Huch! Wo bin ich denn hier gelandet? Mitten in einem Park mit freier Aussicht auf das Publikum! Unter freiem Himmel darf ich Wind und Wetter genießen! Nein. Das möchte ich nicht. Der Winter ist nah. Bei Eis und Schnee werde ich mich doch nur erkälten. Ich muß hinein ins Warme.

Die Wachmannschaft erhielt einen gehörigen Schreck. Da stand doch plötzlich eine Skulptur aus Stahl, Stein, Beton und Porzellan vor der Türe, ohne daß jemand gesehen hätte, wie sie dorthin gekommen war. Ein Teil von ihr bewegte sich rhythmisch im Wind, so daß es sich anhörte, also ob sie gegen die riesige Glastür klopfte und Einlaß begehrt. Was also tun? Gehröte dieses Ungetüm nun dem Haus oder nicht? Lag hier Kunst vor oder nicht? Nein! Mitnichten! Darin war sich das Wachpersonal sehr schnell einig. Dieser häßliche Klotz muß weg. "Ruft die 775511 an. Das ist die Notrufnummer der städtischen Müllentsorgung. Die kommt noch heute Nacht und hilft uns," befahl also Hans-Willi Georgesmann, der Chef der Nachtwächter. "Wir arbeiten schnell und diskret," lautet das Motto des städtischen Müllabfuhr - Unternehmen. Heimlich, still und leise wurde der unansehnliche Brocken einer neuen Bestimmung zugeführt.

 

Das schon heute unter Denkmalschutz gestellte Museum gehört zu den herausragenden Leistungen der deutschen Museumsarchitektur, wie das Museum selbst berichtet. Errichtet wurde der Gebäudekomplex von 1959 bis 1964 von dem Architekten Manfred Lehmbruck, dem Sohn des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck. 1987 kam der Komplex von der Architektengemeinschaft  Lehmbruck / Hansch räumlich verdoppelt werden. Ein von hohen Glaswänden eingeschlossener "Großraum" bietet im Rückgriff auf Mies van der Rohes Stahlskelettbauweise fließende Räumlichkeiten für die Sammlungen der Skulptur und Malerei.

Ob es wohl je aufgefallen wäre, daß da ein Kunstobjekt verschwunden war? Keine Ahnung. Ein lautes Nießen ließ die Müllmänner jedenfalls aufmerken. "Ich habe eine Müllallergie. Bringt mich sofort zurück ins Museum," befahl ihnen eine Stimme. Sie taten es. Und so kam die Skulptur zu ihrem Platz am Mitarbeitereingang...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.08.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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