Verena Montag

Lügen haben kurze Beine!

Und schon wieder komme ich von einem dieser Abende mit „alten“ Freundinnen zurück, wer kennt das nicht, eine nach dem anderen ist nun endlich vergeben und nun ach so glücklich mit ihrem Schatzi – und dann immer diese Frage, DIE eine Frage auf die man im Grunde den ganzen Abend wartet. Und wie lang man sich auch vorher darauf vorbereitet hat, so souverän wie man es die Tage zuvor vorm Spiegel geübt hatte kriegt man es dann doch nicht hin. Wie sollte es auch anders kommen stellte auch heute jemand mir DIE Frage, dieses Mal war es Laura – „Na Lou wie sieht´s bei dir mit der Liebe aus? Auch endlich den Richtigen gefunden?“  Den RICHTIGEN gefunden, was ist das schon für eine Frage, mir wäre es ja schon recht wenn ich die Falschen finden würde oder wenigsten irgendjemand Falschen als Richtigen ausgeben könnte. Jedoch Fehlanzeige – niemand war da in meinem Leben, nix, absolut tote Hose. Nein, so ist es natürlich auch nicht, sicher gibt es den ein oder anderen mit dem ich mich mal auf einen Kaffee treffe, den ich auf einer Party „vernasche“ oder vielleicht auch mal mit nach Hause nehme, aber irgendwie hält es keiner für den ich mich nur ansatzweise mehr interessiere länger wie einige Dates mit mir aus – ganz im Gegensatz zu denen für die ich mich nicht im geringsten interessiere. Die dagegen haben dann die Angewohnheit jede Stund anzurufen um mir nach dem 1. Date ihre Liebe zu bekunden oder sich dann auf jeder Party blicken lassen und mich immerzu umgarnen. Einerseits denke ich mir dann immer das kann doch nur mir passieren aber inzwischen habe ich schon herausgefunden, dank den sehr interessanten und aufschlussreichen Gesprächen mit meinem Bruder Jo und meinem besten Freund Tom, dass sogar Männer dieses Phänomen kennen. Das kann ich mir zwar nur schwer vorstellen da sich Männer meiner Ansicht nach bzw. die Männer in meiner Umgebung über so was keine Gedanken machen, für irgendwas ist die Frau doch immer gut, wenn nicht für die Liebe dann zuminderst für guten Sex, oder einfach nur Sex – aber auch das ist wohl genauso von Mann zu Mann verschieden wie auch andere Frauen sich mit dem selber Problem rumschlagen wie ich. Mein Motto daher – ich bin nicht allein. Gut, damit habe ich mich also abgefunden, das ich nicht zu den Frauen gehöre die von einer Beziehung in die nächste schlittern und dann auch noch immer einen der Richtigen erwischen wie zum Beispiel meine Freundin Julia – aber Julia ist sowieso eine Ausnahme, sie hat schließlich IMMER Glück, und das in jedem Lebensbereich. Ich gehöre zu den anderen Frauen die nun mal keinen Freund haben und das auch schön länger als zwei Jahre und darüber eigentlich glücklich sind. Es ist schön Single zu sein, es läuft alles glatt im Leben, man ist jung, schließlich bin ich doch auch wirklich noch jung, mit 25 steht einem die Welt noch offen. Nun ja, ich fühle mich also so lange gut bis ich wieder von einer dieser Partys zurück komme mit all den glücklich vergebenen Freundinnen. Danach sitze ich, wie auch heute wieder, daheim und denke über mein Leben nach und entweder ich schwelge dann in Erinnerungen an alte Beziehungen, schaue mir alte Bilder an und heule weil früher alles besser war, oder mich überkommt diese absolut verrückte Motivation JETZT endlich den Richtigen zu finden. Dann mutiere ich zur absoluten Flirtmaschine, melde mich wieder bei alten Bekannten, die ja „doch ganz interessant“ waren oder schreibe in Internetcommunities fast wahllos Männer an die ich toll finde. Und eine Woche später hat sich mein Zustand wieder beruhigt, ich bin immer noch single, habe mich wieder damit abgefunden und mich auf andere Gedanken gebracht.

Heute jedoch ist es anders, dieses Mal habe ich den Lauf der Dinge ein klein wenig verändert – dieses Mal wollte ich nicht die „arme“ Lou sein die immer noch single ist die „natürlich“ trotzdem glücklich ist. Die Blicke voller Mitleid mit der „armen“ Lou konnten sie sich heute sparen – Lou ist nämlich jetzt vergeben, für heute zumindest. Schließlich sehe ich Laura, Anna und Clara vielleicht 3 Mal im Jahr, wem fällt da schon auf ob ich denn nun den Richtigen gefunden habe oder immer noch den Falschen nachrenne. Diese kleine Notlüge war noch nicht mal geplant, es kam einfach so aus mir raus. Und es fiel mir noch nicht einmal schwer über meinen imaginären „Schatz“ zu reden, Fantasie hatte ich ja schon immer – „Er ist einfach wundervoll, er heißt Max ist 2 Jahre älter als ich und wir sind so glücklich“ „Oh, wie schön für dich, ENDLICH hast du auch jemanden gefunden, und wo habt ihr euch kennen gelernt?“ Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt beantwortete ich all ihre Fragen. Letztendlich kam dabei also folgende Geschichte heraus: Max war zauberhaft, charmant, gut aussehend, hatte wunderschöne blaue Augen in denen man versinken konnte, er arbeitet als PR-Berater in einer erfolgreichen Werbeagentur und  kennen gelernt hatten wir uns auf der Eröffnungsfeier des neuen Clubs der Stadt. Selbstverständlich hatte er mich angesprochen und mich später auf einen Drink eingeladen aus dem dann im Laufe des Abends mehr wurden genauso wie aus uns im Laufe der Zeit mehr wurde. Jetzt liege ich also in meinem Bett und glaube fast schon selbst daran dass ich glücklich vergeben bin – Max ist mir irgendwie ans Herz gewachsen auch wenn es ihn gar nicht gibt. Schade eigentlich, Max könnte der Richtige sein – mit diesem Gedanken im Kopf schlief ich schließlich ein.

Am nächsten Morgen, pünktlich 7:00 Uhr klingelte mein Wecker, draußen schien schon die Sonne und es sah aus als würde es ein sonniger Tag werden. Meine Laune war dementsprechend gut und ich freute mich auf einen tollen Sommertag. Da ich heute nur bis 16 Uhr arbeiten musste plante ich bereits gleich nach dem Frühstück meiner beste Freundin Marie eine SMS zu schicken um mich für später am See mit ihr zu verabreden, die wenigen Sonnenstrahlen die dieser Sommer zu bieten hatte musste man schließlich ausnutzen. Als ich beim Zähneputzen in den Spiegel sah fiel mir die Geschichte von gestern Abend wieder ein – na dann werde ich mal Frühstück für mich und mein Schatzi Max machen sagte ich vor mich hin und musste lachen. Das musst ich später gleich Marie erzählte die würde sich totlachen. Marie gehört nämlich auch zu der Sorte die den „Richtigen“ noch nicht gefunden hatten und trotzdem ein erfülltes Leben hatte – wir hatten schließlich uns, das musste fürs erste reichen sagten wir uns immer, man kann ja nicht alles haben. Da ich heute etwas länger als sonst im Bad benötigte fiel das Frühstück (mit Max) leider etwas kürzer aus. Spontan entschloss ich mich heute mal das Fahrrad zu nehmen da es zu meiner Arbeit nur einige Minuten waren. Ich summte leise vor mich hin und fuhr los, es war schon morgens herrlich warm und irgendwie kam es mir so vor als wäre auch bereits mehr los auf den Straßen als die letzten Wochen. Kein Wunder bei dem schlechten Wetter wäre ich auch lieber zu Hause geblieben und kaum scheint die Sommer mal wieder strömen alle nach draußen. Völlig in Gedanken versunken fuhr ich an der Isar entlang, München war einfach traumhaft wenn die Sonne schien. Von weitem sah ich auf einmal Laura, meine „glücklich vergebene“ Freundin bei der ich gestern zum Essen eingeladen war. Sie kam mir zu Fuß entgegen und lachte, sie hatte mich wohl schon kommen sehen. Sofort musste ich wieder an Max denken, nicht vergessen du hast jetzt einen Freund dachte ich mir noch und bereitete mich damit innerlich auf das gleich folgende Gespräch vor. Ist ja schon seltsam, da sehe ich Laura, Anna und Clara über Monate gar nicht und kaum lasse ich mir mal eine kleine Notlüge einfallen begegnet mir Laura gleich am nächsten Tag. Kleine Sünden bestraft der Herrgott sofort, sagt meine Mutter immer – sie hat gar nicht so unrecht dachte ich mir. Inzwischen waren es nur noch wenige Meter bis ich bei Laura angekommen war, ich lächelte ihr entgegen und bremste langsam ab – doch dann auf einmal spürte ich einen heftigen Schlag von der linken Seite kommend. Das nächste an das ich mich erinnern kann ist das ich auf einmal im Krankenhaus aufgewachte.

Langsam öffnete ich meine Augen und musste erst einige Mal blinzeln bis ich ein klares Bild vor mir sah – es war eine junge Frau die neben mir auf einem Stuhl saß und mich fixierte, sie sah besorgt aus. Mein Kopf tat weh und ich fühlte mich als wäre ich gerade aus dem Tiefschlaf wachgerüttelt worden, es fiel mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen, es kam mir so vor als müsste mein Gehirn erst hochfahren damit ich auf die in mir befindlichen Daten zugreife kann. Die Frau neben meinem Bett nahm meine Hand und meinte „Lou, wie geht’s dir, wie fühlst du dich?“ In mir machte sich langsam ein seltsames Gefühl breit - mir ging es gut, körperlich denke ich zumindest, ich hatte keine Schmerzen, das war es nicht…vielmehr fragte ich mich was eigentlich passiert war und was noch viel wichtiger ist „Wer ist LOU?“ und „Was mache ich im Krankenhaus?“ Ich starrte die Frau neben meinem Bett einfach nur an und ich denke man konnte mir die Panik die sich in mir ausbreitete ansehen. „Was ist passiert?“ versuchte ich zu fragen, aber aus meinem Hals kam nur ein leises Krächzen, erst beim zweiten Versuch klappte es. „Lou, du wurdest von einem anderen Radfahrer umgefahren und bist dabei in die Isar gefallen, Gott sei Dank hat ein Mann in der Nähe so schnell reagiert und dich aus dem Wasser gerettet, du warst bewusstlos weil du dir den Kopf gestoßen hast. Ich bin so froh das es dir gut geht, Lou!“ Wieder versuchte ich zu sprechen, was mir noch etwas schwer fiel weil mein Mund völlig ausgetrocknet war „Wer ist Lou?“ Die Frau starrte mich erschrocken an und sagte „Na du bist Lou – und ich bin Laura, deine Freundin, was ist denn los, kannst du dich nicht erinnern?“ Ich konnte mich tatsächlich nicht erinnern, so sehr ich auch versuchte auf irgendwelche Erinnerungen zuzugreifen, es klappte nicht, mein Kopf war leer, ich wusste gar nichts.

In dem Moment öffnete sich die Tür und ein Arzt kam herein, als er sah dass ich inzwischen aufgewacht war lächelte er mich an und meinte „Na wie geht es Ihnen, Fr. Nachtmann?“ Noch bevor ich antworten konnte ergriff die Dame neben mir, die wie sie sagt meine Freundin war und Laura hieß etwas hysterisch das Wort „Sie kann sich nicht erinnern, sie weiß nicht wer sie ist – was ist mir ihr?!“ Der Doktor sah nun etwas besorgt aus und trat näher an mich heran „Nun das kann vorkommen, Sie sind bei Ihrem Sturz mit ihrem Kopf auf einem Stein geschlagen, dabei könnte vorübergehend ihr Gedächtnis Schaden genommen haben – jedoch ist das meist nur von kurzer Dauer. Genaueres kann ich Ihnen nach weiteren Untersuchungen sagen Fr. Nachtmann.“

Die weiteren Untersuchungen ergaben leider etwas anderes, die Amnesie könnte bleibend sein, es waren einige wichtige Nervenbahnen beschädigt – aber auch das wäre nicht sicher und würde sich mit der Zeit zeigen. Laura hatte diese Nachricht irgendwie mehr mitgenommen als mich, ich konnte das alles noch gar nicht realisieren, es kam mir vor wie in einem Traum aus dem ich bald erwachen würde. Ich würde erwachen und mich wieder an alles erinnern und alles wäre gut. Die Frau, ich mein Laura – es ist ein seltsames Gefühl das ich sie eigentlich kennen müsste, sah mich immer noch besorgt an. „Der Arzt meinte es würde dir vielleicht helfen wenn ich dir ein bisschen was von dir erzähle, vielleicht erinnerst du dich dann wieder. Also du heißt Laura, wohnst hier in München und arbeitest in einem Ingenieurbüro ganz in der Nähe vom Englischen Garten. Du hast seit kurzem einen neuen Freund namens Max mit dem du sehr glücklich bist, er arbeitet als PR Berater und ihr habt euch bei der Eröffnungsparty vom neuen Club „Gloria“ kennen gelernt.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.08.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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