Pierre Heinen

Kommissar Black – Bitterböses Spiel (II)

Black schlich aus dem Treppenhaus, das im Halbdunkel lag. Er warf vorsichtig einen Blick um die Ecke. Am Ende des schummerigen Flures stand eine Tür offen. Gedämpftes Licht drang ins Dunkel. Der Kommissar duckte sich und lehnte sich an die raue Wand hinter ihm. Was für ein Spiel spielst du? Was willst du? Black erhob sich und lauschte. Er bog in den Flur ein und näherte sich der Tür.

“Was siehst du?” Black identifizierte die Stimme des Mannes im Anzug.

“Nichts”, gab der Nachtwächter nervös preis. “Alles wie vorhin!”

Die Wählscheibe eines Telefons wurde gedreht. Jetzt! Der Kommissar wollte die Tür passieren, als er Blut an der Klinke entdeckte. Bist du verletzt? Black zögerte. Wo sind deine Komplizen? Haben sie mich schon entdeckt? Der Kommissar glitt in den Raum und beobachtete den Bewaffneten, der hinter einem spärlich beleuchteten Schreibtisch saß. Den Lauf seiner Waffe hatte der Mann auf den Kopf des Nachtwächters gerichtet, der mit erhobenen Händen am Fenster stand.

“Ist da die Polizei?”, wollte er hastig wissen. “... Ja? ... Schicken sie sofort Steven Crank in die Golden Yield Bank! ... Ja, der bin ich! ... Steven Crank ist ein Journalist! Ein Freund von mir ... Ich rede nur mit ihm! Ist das klar? ...”

Der Mann legte auf. Er ging geduckt zum Fenster und wagte hinter dem Rücken seiner Geisel einen Blick nach draußen. Du bist es nicht gewohnt mit einer Waffe umzugehen, oder? Das ist kein Spielzeug und du kein Verbrecher.

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Tom betrat das verqualmte Büro des Bankdirektors. Der Mann stand vor einer der vier großen Fensterscheiben und betrachtete Lipptown im Abendkleid. Allein der siebte Stockwerk erlaubte einem über die Dächer der umliegenden Gebäude, bis zum Hafen und zum Meer hin zu sehen. Im bronzenen Aschenbecher auf dem wuchtigen Büro döste eine Zigarre. Einzig zwei Stehlampen kämpften in den Ecken mit der Dunkelheit.

“Endlich!”

Der Grauhaarige drehte sich um und wies den Manager an, die Tür zu schließen. Tom tat dies und stellte sich anschließend mittig vor den Schreibtisch. Der Direktor nahm auf seinem gepolsterten Sessel Platz. Schatten hatten sein Gesicht zerfurcht und eine Fratze hinterlassen.

“Was soll das?”

Der Mann deutete auf den Brief, der vor ihm lag. Tom räusperte sich.

“Ich will ein angemessenes Abschiedsgeschenk”, gestand der Manager. “Sie wollen doch nicht etwa, dass unsere kleinen Betrügereien auffliegen, oder? Wäre doch fatal ... Ich will nicht mehr in dem Business arbeiten. Ich kaufe mir eine ...”

Ein Paar Fäuste knallten auf die hölzerne Arbeitsplatte. Der Direktor sprang aus seinem Sessel.

“Glaubst du ich lass dich so einfach ziehen, Bürschchen?”, fauchte der Grauhaarige. “Du sitzt mit im Boot drin! Verstehst du das? Ist das dir bewusst? Du hast keinen weißen Anzug mehr!”

Der Direktor ließ sich zurück in seinen Sessel fallen. Er öffnete die große Schublade des Büros.

“Und wenn dir dein Gewissen wieder einmal zu schaffen macht, fahr mit deiner hübschen Freundin übers Wochenende in die Berge. Hab Spaß mit ihr! Vergiss deine Sorgen! Vergiss diese Kündigung! ... Wie wäre es stattdessen mit einer Gehaltserhöhung?”

Tom grinste hämisch.

„Ich will bis Ende des Monats eine verdammte Million Dollar, so wie es da steht!“, beantwortete er die Frage kühn. „Nicht mehr und nicht weniger!“

Der Direktor zückte einen Revolver unter dem Schreibtisch hervor und legte ihn neben den Aschenbecher. Tom wagte es nicht sich zu bewegen.

„Waffen können schnell in skrupellose Hände geraten, Tom. Wäre doch ein Jammer wenn deiner Freundin etwas zustoßen würde“, drohte der Grauhaarige trocken. „Findest du nicht?“

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Black atmete tief ein und aus. Er hatte sich hinter einem Aktenschrank versteckt und hielt die Dienstwaffe fest umklammert. Ich brauche eine ruhige Hand dafür. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf sein Gehör. Stehst du noch immer am Fenster? Ein Streifschuss ...

“Wir gehen!”, befahl der Mann barsch und der Kommissar hörte, wie sich die Beiden zur Tür aufmachten.

Das ist zu gefährlich. Ich brauch eine freie Schussbahn ... Verdammt! Wo ist mein Glück? Schatten, die auf dem Boden vorbeiliefen, verrieten Black, dass sie sich nun im Flur befanden. Der Kommissar hielt inne. Wieso willst du mit einem Journalisten sprechen? Was erwartest du dir davon?

“Lassen sie mich gehen wenn dieser Crank auftaucht?”, wollte der Nachtwächter draußen auf dem Flur wissen.

„Vielleicht”, zischte der Bewaffnete. „Vielleicht ...“

Black vernahm das entfernte Surren des Aufzuges. Er riskierte es und verließ das Büro in dem Augenblick, als die beiden Männer vom Fahrstuhl verschluckt wurden. Unbemerkt schlich er entlang der Wand. Nachdem die Tür verschlossen war, richtete der Kommissar der Anzeige darüber seine vollste Aufmerksamkeit. Erdgeschoss! Schon wieder Treppen ...

wird fortgesetzt ...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.08.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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