Pierre Heinen

Kommissar Black – Bitterböses Spiel (III) Ende

Black blieb stehen. Der Schreibtisch ... Der Kommissar schritt zurück ins Büro. Seine jahrelange Erfahrung hatte ihn Eines gelehrt: Plötzlichen Eingebungen immer auf den Grund gehen. Black sah sich das handelsübliche Möbelstück an. Hier hast du gesessen und telefoniert. Dem Polizeibeamten fielen weitere blutige Fingerabdrücke auf. Er drehte das chromierte Tischnamensschild um: Tom Rook, Manager.

Black öffnete die oberste Schublade des Pultes. Dachte ich es mir doch! Du arbeitest hier! Der Kommissar nahm das Bild und inspizierte es im Schein der Lampe. Hübsches Mädchen! An den Mann, der in dem Augenblick mit einer Waffe im Erdgeschoss umherschlich, kuschelte sich eine junge Frau mit schulterlangen braunen Haaren und lächelte in die Kamera. Auf der Rückseite der farbigen Photographie stand geschrieben: Ein Kuss für jeden Augenblick, an dem du an mich denkst! In Liebe, Cynthia. Black verschloss die Schublade. Wenn das kein Glück ist ...

– 0 –


„Sie drohen mir“, schlussfolgerte Tom und ein Lachen entfuhr seiner Kehle.

Der Gesichtsausdruck des Grauhaarigen verfinsterte sich.

„Ich werde mein Lebenswerk nicht aufs Spiel setzen!“ Der Direktor stand auf. „Ich war immer gut zu dir, Tom. Zu gut? Wer weiß das schon. Aber du setzt gerade das Leben von ... Cynthia unnötigen Gefahren aus. Ist dir das bewusst?“

„Lass sie aus dem Spiel, Drecksack!“, zischte Tom und stierte auf den Revolver. „Ich kann auch gleich zur Presse gehen! Ich hab da gute Kontakte!“

„Zu blöd dass du dann arbeitslos wirst. Deine Million ist dann auch futsch ... Keiner in der Branche wird dich einstellen wollen, nicht nach all dem, was du hier mit zu verantworten hast. Du wirst schuften müssen, so richtig hart“, prophezeite der Grauhaarige und beugte sich über den Schreibtisch. Er warf die Kündigung über den Rand der Arbeitsplatte. Sie segelte wie eine Schneeflocke auf den Teppichboden, Tom zu Füßen. „So kommen wir doch nicht weiter, Junge! Keiner von uns. Zerreiß die Kündigung und gut ist!“

Der Direktor griff nach dem Revolver. Tom sah zu Boden. Grinsend hob er seinen Kopf und sah in den Lauf.

„Willst du mich erschießen? Dann wanderst du gleich in den Knast!“

„Heb das verdammte Blatt auf!“, befahl der Grauhaarige so laut, dass Tom zusammenzuckte.

Der Manager bückte sich und tat wie befohlen.

„Verbrenn es!“ Der Direktor zeigte mit der Waffe auf den Aschenbecher. „Ich vergesse die Kündigung und Cynthia gleich mit. Alles bleibt so wie es war! Der Schneeball rollt weiter und irgendwann kriegst du deine Million, versprochen! Irgendwann, kurz ehe unser Spielchen auffliegt!“

Tom schob den massigen Aschenbecher zu sich. Die Zigarre deponierte er daneben.

„Das Spielchen mit dem Geld anderer Leute ...“, dachte der Manager laut und brachte eine Ecke des Papiers zum Qualmen. „Das ist kein Spiel, das ist Betrug!“

Blitzschnell ließ er den verkohlten Fetzen los und schleuderte den Aschenbecher auf den Grauhaarigen. Das Utensil traf den Mann in der Magengegend. Ein Schuss löste sich und eine Kugel bohrte sich in die Decke. Tom nutzte den Überraschungseffekt aus und stürzte sich auf den Direktor. Beide rangen hinter dem Schreibtisch auf dem Boden. Ein zweiter Schuss löste sich.

– 0 –


Black hastete die Treppen hinunter. Im Nu stand er wieder im Erdgeschoss. Die beiden Männer hielten sich in der Nähe des ersten Schalters auf. Jetzt stehst du zwischen zwei Fronten und Cynthia wird mir helfen. Bloß nicht den jungen Mann erschrecken ... Der Kommissar duckte sich hinter einer der unzähligen Pflanzen.

„Gib auf, Tom!“, stellte Black einen ersten Kontakt her. „Du machst alles nur noch schlimmer!“

Der Manager wirbelte herum. Dreh meinen Kollegen ruhig den Rücken zu. Der Kommissar trat hinter dem Grünzeug hervor. Er legte seine Dienstwaffe auf den Marmorboden vor ihm und hob seine Hände hoch. „Ich bin Kommissar Black und kann dir helfen.“

„Du hast keine Ahnung, Bulle! Es ist schlimmer als du denkst!“ Tom presste den Revolver an die Schläfe des Nachtwächters. „Wenn ich mit dem Journalisten geredet habe, dann ...“

Der Mann im Anzug zögerte eine Weile. Zwei Beamte näherten sich dem Eingang. Sie haben mich gesehen. Gut.

„Denk an Cynthia, Tom“, lenkte der Kommissar die Aufmerksamkeit auf sich. „Sie liebt dich! Sie will mit dir glücklich sein!“

Black bewegte sich Schritt für Schritt langsam auf die beiden Männer zu. Der Manager zielte abrupt mit der Waffe auf Black.

„Stop!“

Du zitterst ja ... Der Kommissar blieb stehen.

„Lass den Mann gehen und nimm mich als deine Geisel!“

Der Manager ließ vom Nachtwächter ab. Dieser entfernte sich zuerst langsam, dann lief er zu den Polizisten. Die Glasscherben knirschten. Du hast es nicht mitbekommen. Ein Wagen hielt draußen an und Tom drehte sich instinktiv um. Black nutzte den Augenblick der Verwirrung, als der Manager die Polizisten auf sich zukommen sah.

„Wie ...“, brachte Tom noch heraus, ehe der Kommissar hinter ihm, über ihn herfiel.

Die Waffe schlitterte über den Boden. Black hielt den linken Arm seines Gegners auf dem Rücken fest.

– 0 –


Tagelang hatte die Pleite der Lipptown Golden Yield Bank und der Tod des Direktors unangefochten die Schlagzeilen beherrscht. Entlassungen, Firmenschließungen und Zwangsversteigerungen von Villen und Yachten folgten daraufhin. Das Schneeballsystem mit dem das Vermögen der Wohlhabenden geködert und wieder ausgeschüttet worden war, war wie ein Kartenhaus eingestürzt. Das Geld war zum größten Teil weg.

Der Highscore war geknackt worden. Das Glück ist wieder da. „Black, the pinballman“ grinste. Wo sein Geld lag, wusste er. Im Münzkasten des Flippers. Und da ist es auch gut aufgehoben ...

– 0 – ENDE – 0 –

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Pierre Heinen).
Der Beitrag wurde von Pierre Heinen auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.08.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Pierre Heinen:

cover

Payla – Die Goldinsel I von Pierre Heinen



Auf Payla, der lukrativsten Provinz des Königreiches Lotanko, neigt sich der Sommer des Jahres 962 dem Ende entgegen. Die schier unerschöpflichen Goldvorräte der Insel lassen Machthungrige Pläne schmieden und ihre gierigen Klauen ausfahren. Wer den Winter überstehen will, muss um sein Leben kämpfen, wer über die Goldinsel herrschen will, muss in den Krieg ziehen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Krimi" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Pierre Heinen

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Schürfrecht-Duell 56-21WA von Pierre Heinen (Science-Fiction)
Das Verhör von Klaus-D. Heid (Krimi)
Menschen im Hotel IV von Margit Farwig (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)