Ulla Meyer-Gohr

Satin und ihr Lotterleben

 

Auf meinem Schoß reckelte sich schnurrend ein weißes Halbperserkätzchen.

Unergründliche, bernsteinfarbene Katzenaugen betrachteten mich.Die weiße Pfote der Katzenmutter hielt mich fest. War es Besorgnis ?

   " Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Dein Kind wird es gut bei mir haben !"

Besänftigend strich ich der großen, weißen Perserkatze über das lange, samtweiche Fell.

   " Ja, sprechen sie nur beruhigend auf Satin ein. So faßt sie sicherlich schneller vertrauen. Die Katze ist nicht nur eine gute Mutter, müssen sie wissen," plötzlich erhielt die Stimme der Züchterin einen dunklen Unterton, " auf den Ausstellungen, im In - und - Ausland, erhielt das Tier viele Pokale. Zur Zeit nimmt die Perserkatze den Platz eines Champion ein. - Bedauerlicherweise ist eine Zucht mit dem Tier nicht möglich. Gegenüber , in der Siedlung, liebt Satin einen streunenden, grauweißen Straßenkater. Keiner weiß , wem er gehört, noch woher er kommt. Ich habe alles versucht um dieses Stell-dich-ein zu verhindern. Es ist zwecklos ! Die Katze gebärdet sich wie eine Furie und verweigert sich jedem adäquaten Perserkater. Immer wieder schafft es ihr Gespür Schwachstellen auf zuspüren, die ihr ein Verlassen des Hauses ermöglichen. - Vielleicht werde ich Satin eines Tages sterilisieren lassen müssen !?"

Hilflos hörte ich der unglücklichen Frau zu.

   " Ganz bestimmt werden sie eine Lösung finden," versuchte ich zu trösten.

Unterdessen passierte Satin anmutig das Wohnzimmer und vergrößerte mit der Pfote den Spalt an der Tür. Geschmeidig zwängte sie sich durch die schmale Öffnung und überließ mir vertrauensvoll ihr Junges. Unternehmungslustig tobte der Rest der Katzenrasselbande um mich herum. Die kleinen Halbstarken schienen überall zu sein. Hingen an der Tischdecke , zogen an meinen Schuhbändern oder ließen sich in kleine Raufereien verwickeln. Nur meine kleine Schlafmütze träumte tief und fest auf meinem Schoß.

   " Schon so spät ?" ich blickte zur Armbanduhr," ein langer Heimweg steht mir noch bevor. - Also die Entscheidung ist gefallen. Mein anhänglicher kleiner Schläfer auf dem Schoß soll der Favorit sein.  -  50 Euro erwähnten sie am Telefon ?"

Kopfnicken bestätigte die Richtigkeit. Das schlafende Fellbündel wanderte in eine Transportbox . Nach Abwicklung der Formalitäten verließ ich das Haus . Leise schloß ich die Gartenpforte Ein Aufschrei der Züchterin durchbrach die Abendstille.

   " Hat Satin es wieder geschafft ihrem Lotterleben zufrönen !"

Neugierig blieb ich stehen. Mein Blick schweifte Richtung Siedlung. Eine hastig sich entfernende Satin erspähten meine Augen. Die Perserkatze streifte an Parzellen vorbei. Immer eiliger wurde ihr Tempo. Plötzlich trat ihr ein stattlicher, grauweißer Kater aus dem Dunkel entgegen. Als hätte Romeo auf seine Julia gewartet. Zärtliches Nasestöbern gab es zur Begrüßung. Schmusend und beschnuppernd umkreisten sich die Beiden. Vertraute Zweisamkeit kam auf, die eine lange Beziehung erahnen ließ. Einen Moment wandte Satin ihren Kopf in meine Richtung. Ihre Augen glühten herausfordernd. Das weiße Fell leuchtete in der Abenddämmerung. Stille kehrte ein. Der scheidende Tag verschmolz mit der mondlosen Nacht und hüllte die Liebenden schützenden in einen Mantel des Verstehens. Nur ihr Liebesgesang stand wie ein Klagelied über der Siedlung.                

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