Bianca Hard

Am Ende beginnt ein neues Leben

Die kalte Nachtluft umweht mich. Trocknet meine Heißen Tränen auf dem Gesicht.
Kühlt meine brennende Haut.
Die Sterne funkeln über mir. Schauen auf mich herab. Winken mir zu.
Der Mond taucht mit seinem Glanz alles in ein unwirkliches Licht.
Ich bin fertig mit dieser Welt. Hab zuviel Leid ertragen müssen.
Mein Freund mit dem ich jahrelang zusammenlebte, lachte mir höhnisch ins Gesicht als ihn mit einer anderen im Bett erwischte.
Mir hat es das Herz gebrochen.
Meine Freunde haben sich von mir abgewandt.
Ich habe verzweifelt um sie gekämpft.
Und verloren.
Ich breite die Arme aus und gehe einen Schritt näher an den Abgrund.
Bin bereit, alles hinter mir zu lassen.
Mir ist bewusst dass es ein paar Leuten das Herz brechen wird wenn sie mich finden.
Doch sie sind stärker als ich.
Hoffe ich. SIE werden es überleben.
Ich nicht.
Noch ein tiefer Atemzug. Noch ein kleiner Schritt.
Und nur noch Millimeter stehen zwischen mir und dem Abgrund.
Förmlich kann ich fühlen wie er mich magisch anzieht.
Dieses süße Versprechen auf Erlösung.
Ich hebe meinen Fuß für den letzten Schritt....

„Bist du sicher dass du es willst?“ fragte mich eine dunkle, samtweiche Stimme hinter mir.
Erschrocken drehe ich mich um.
Rutsche ab.

Und falle.
Mein Blickt klebt an der dunklen Gestalt die an der Klippe steht und mich beobachtet.
Große schwarze Flügel ragen hinter der Gestallt auf.
Ich traue meinen Augen nicht.
Das konnte nicht sein.
Doch jetzt war es eh zu spät.
Kein Ton kommt über meine Lippen.
Ich schließe die Augen und lasse es geschehen.
Tränen, rinnen mir Stumm über das Gesicht.
Der Sturz in die Tiefe wollte nicht enden.
Doch plötzlich umschlingen starke Arme meine Talie und halten den Sturz auf.
Ich reise die Augen auf und sehe den Felsigen Boden nur wenige Meter vor mir.
Ein Entsetzensschrei kommt mir aus der Kehle. Verzweifelt klammere ich mich an die starken Arme die mich festhalten.
Doch anstatt aufzuprallen, entfernt sich der Boden mit jeder Sekunde mehr.
„Hab keine Angst. Bei mir bist du in Sicherheit.“ Raunte die Stimme von vorhin an mein Ohr. Eine Gänsehaut breitet sich über meinem Körper aus.
Die Arme die mich umschlingt hielten, wärmen mich auf eine angenehme Art und Weise.
Noch nie habe ich jemanden diese Worte geglaubt. Doch jetzt war es anders.
Vielleicht weil er mich gerettet hat?
Seine Wärme durchdringt meinen ganzen Körper und berührt damit Regionen die noch berührt worden sind.
Sanft stellt er mich auf festen Boden und lässt mich los.
Ich taumle von ihm weg und falle zitternd auf die Knie.
Wie ein Schatten steht er vor mir. Aber doch so real wie der kalte Fels unter mir.
Was ich sehe kann ich kaum glauben.
Große, schwarze Schwingen ragen hinter ihm hervor. Der Mond erleuchtet sein marmorweißes Gesicht. Geheimnisvolle violette Augen sehen mich gebannt an.
„Du bist ein Engel...“ flüstere ich ganz leise mit krächzender Stimme.
„Nein. Nicht mehr.“ lacht er leise und kniet sich grinsend vor mich.
Jetzt erkenne ich die Spitzen Eckzähne. So schnell ich konnte rutschte ich von ihm weg, doch eine Handbewegung von ihm hielt mich auf.
„Du brauchst mich nicht zu fürchten. Jetzt nicht und auch in Zukunft nicht.“
„Wer, Was bist du?“ frage ich voller Angst.
„Ich bin Raffael, ein gefallener Engel. Verstoßen von Gott, weil ich seinem Befehl verweigert habe, dich zu töten. Nun bin ich verdammt dazu Ewig auf der Erde zu wandeln und das Blut der Lebenden zu trinken.“
Ich sehe ihm in seine Augen und sehe die Wahrheit darin.
Langsam streckt er die Hand nach mir aus und ich ergreife sie.
Ich glaubte ihm. Seine Augen blickten mich so klar wie Bergseen an.
Er zieht mich zu sich und ich lasse es geschehen.
Seine Lippen treffen auf meine. Wir versinken in einen Kuss voller Leidenschaft.
„Komm mit mir.“ Flüstert er mir leise ins Ohr als wir voneinander lassen und ich in seinen Armen liege.
„Ja...“ Hauche ich an seinen Hals ohne nachzudenken.
Seine Lippen huschen über meinen Hals, küssen ihn.
Ein kurzer Schmerz durchzuckt mich, der sich aber sofort in brennender Sehnsucht nach ihm entfacht, dann verschwimmt meine Welt.
Das letzte was ich sehe: Seine wunderbaren Augen, die seine Liebe zu mir widerspiegeln.



„Wach auf, mein Engel, wach auf...“ seine samtig weiche Stimme holt mich aus der Dunkelheit. Wie ein Licht am Ende des Tunnels.
Gelockt von seiner schönen Stimme gehe ich dem Licht entgegen und schlage die Augen auf.
Ich liege in seinen Armen er schaut mich lächelnd an.
Sein zärtlicher Kuss bringt mich vollends ins Leben zurück. Ich kann nicht widerstehen und erwidere stürmisch seinen Kuss.
Er lacht leise an meine Lippen. „Langsam meine Süße, meine Liebste. Wir haben alle Zeit der Welt.“ Hielt er mich zurück.
Immer noch in seinen Armen liegend, schaue ich mich um. In der Höhle war es stockdunkel und trotzdem konnte ich alles genau erkennen.
Seine schwarzen Schwingen liegen dicht an seinem Rücken
„Was ist passiert?“ frage ich ihn.
„Nichts was du bereuen müsstest.“ Meinte er und Küsste mich erneut.
Ein wohliger Schauer durchlief meinen Körper. Noch nie hatte ich mich so geliebt und sicher gefühlt. Er ließ wieder von mir ab.
Die Erinnerungen von der letzten Nacht kamen mir wieder in den Sinn.
„Du hast mich gerettet....“ er nickte stumm.
„Warum?“ frage ich.
„Weil ich dich Liebe. Ohne dich könnte ich nicht mehr sein.“ Antwortete er.
Ein sanftes Kribbeln macht sich in meinem Bauch breit und ich fühle eine tiefe Verbundenheit mit ihm. Auch wenn mir immer noch nicht ganz klar war, wer er war.
„Was ist mit mir geschehen?“
Er beobachtet mich mit einem sorgenvollen Blick während er antwortet.
„Ich habe dich zu meiner Gefährtin gemacht. Es tut mir Leid aber ich war zu egoistisch um dich einfach sterben zu lassen. Die Gefahr erschien mir zu groß, das du in nächster Zeit wieder irgendwelche Dummheiten machst.“
Er schaut weg, als ob er sich dessen schämen würde.
Sanft berühre ich mit meiner Hand seine Wange und drehe seinen Kopf wieder zu mir.
Ich erkenne die Angst in ihnen das ich ihn nun verabscheuen würde. Doch ich beuge mich näher zu ihm und küsse seine sinnlichen Lippen.
Er ist sichtlich überrascht darüber, erwidert den Kuss aber fast augenblicklich. Eine nie gekannte Sehnsucht wächst in mir.
Doch dann schiebt Raffael mich von sich und schaut mir tief in die Augen.
„Macht dir das alles keine Angst?“
Zögerlich schüttelte ich den Kopf. Er hob eine Augenbraue hoch und sieht mich fragend an.
„Ich bin deine Gefährtin?“ Aus irgendwelchen Gründen, erfüllen mich diese Worte mit tiefer Zufriedenheit.
„Ja, denn ohne dich ist mein Leben verwirkt. Wenn du stirbst dann wird auch mein Leben beendet sein.“
Seine Worte erschrecken mich. „Dann gibt es für dich keine andere als mich?“ er nickt zur Bestätigung. „Und ich? Was passiert mit mir wenn du stirbst?“
Schmerzvoll verzieht sich sein Gesicht. „Theoretisch kannst du dir jemand anderes Suchen um zu überleben. Doch meistens folgen die Gefährtinnen ihrem Gefährten nach.“
„Kann ich denn nicht auch alleine überleben?“
bedauernd schüttelte er den Kopf. „Nein. Du brauchst das Blut deines Gefährten um nicht zu altern oder Krank zu werden. Dein Körper braucht es um zu überleben.“
„Du meinst das ich Blut trinken soll?“ angewidert rutsche ich ein kleines Stück von ihm weg.
„Ja. Genau das meine ich. Ich weiß das ist alles fremd für dich, aber so schlimm ist es nicht.“
Eigentlich hätte mich das alles abschrecken müssen.
Doch sein Blick sagt mir dass ich ihm wirklich vertrauen kann.
Und das tue ich.
Und wie aufs Stichwort spüre ich den Hunger in mir. Mein Magen knurrt und mein Mund fühlt sich an wie ausgetrocknet an. Raffael schien es zu merken, denn er lächelt. Mit einem scharfen Messer schneidet er sich in sein Handgelenk. Rotes dickes Blut quillt aus der Wunde hervor.
Fasziniert starre ich auf die rote Flüssigkeit. Es war als würde es mich zu sich rufen. Ohne wirklich zu merken was ich tue, nähere ich mich der Wunde.
Ich senke meinen Mund darauf und schmeckte sein süßes Blut auf meiner Zunge.
Mein Verlangen ist geweckt.
Ich sauge fest an der Wunde um noch mehr zu bekommen.
Sein Puls jagt den Lebenssaft direkt in mich hinein.
Mein Blick verschleiert sich.
Mit einiger Mühe zwingt er mich dazu von ihm abzulassen.
„Das reicht fürs erste, meine Schöne.“ Raunt er zärtlich und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Komm mit, ich zeige dir dein neues Leben.“ Er half mir sanft hoch.
Seine starken Arme halten mich fest an sich gepresst.
Fest klammere ich mich an ihn.
Obwohl ich wusste das er niemals zulassen würde das mit etwas geschieht.
Raffael lächelt mich verliebt an und drückt mir einen zarten Kuss auf die Stirn und trägt mich hinfort in eine andere Welt.





 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.09.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Gefühle, Gedanken, Erlebtes und Erträumtes. Worte aus dem Leben gegriffen und in Gedichte und Texte verwandelt.

Silke Burchartz, geboren 1965 in Wattenscheid, ist heute sesshaft in Rees am Rhein.

Mein Leben hatte viele verschiedene Stationen, die mich zum schreiben animiert habe.

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