Ulla Meyer-Gohr

RACHE IST SÜSS !

Mit einem tiefen Seufzer gab der treue Weggefährte, ein alter Renault, seinen Geist auf. Ein verstaubtes Fahrrad wurde aus dem Keller gezerrt.

   " Für den Übergang reicht es !" knurrte Christoph Berg missmutig und stieg auf seinen Drahtesel. Nachdem Mittagessen, in der Mensa des Unigeländes, fand der junge Mann eine Zeitung. Er überflog den Automarkt. Plötzlich fiel sein Blick auf eine Kuriosität.

                       VERKAUFE  NEUES  AUTO  ZU  EINEM  PREIS  VON  50 .-- EURO !

Was musste das für ein sonderbares Vehikel sein ? - Aber die Neugier sollte siegen.

Ein heller, freundlicher Sommertag begleitete Christophs Bereitschaft zu diesem Entschluss. Er verließ  an einem Vorort der Großstadt das Bahnhofsgelände. Ein kleiner Feldweg wurde eingeschlagen.  

   " Ja, das Auto ist noch zu haben. Kommen sie um 16 Uhr. Eine weitere Auskunft kann ich ihnen am Telefon nicht geben. Tut mir leid," äffte Christoph die weibliche Stimme am Telefon nach.Der Hörer wurde aufgelegt.

 Erst jetzt bemerkte der Student, daß er inzwischen auf einem freiem Gelände angekommen war. Eine Graslandschaft lag vor ihm soweit das Auge reichte. Unterbrochen von uralten Baumbeständen, flachwüchsige Ziersträucher und Wiesenblumen überall. Halbverdeckt, eingebettet, lag eine wunderschöne Backsteinvilla mit weißen Fensterrahmen ausgestattet vor ihm. Ein typischer Vertreter der Jugendstilepoche. Dahinter eine Scheune umgebaut zur Reithalle. Eine große Pferdekoppel schloss sich an. Friedlich grasten die Pferde in der Nachmittagssonne. Dieses Idyll löste bei dem jungen Mann Freude und Frieden aus. Er bereute nicht mehr den anstrengenden, lästigen Ausflug auf sich genommen zu haben. Christoph kramte in seinen Hosentaschen zog den eilig bekritzelten Zettel hervor und las.

   " Reitergestütt Tomfort. - Das muste es sein !"

Ein Hund verbellte den Störenfried . In der , sich öffnenden , Tür erschien eine gepflegte Frauengestalt. Sie wirkte seriös, vielleicht etwas zu dunkel gekleidet für die Jahreszeit. Willkommend heißend streckte sich dem jungen Mann eine schmale, graziöse Hand entgegen.

   " Sie müssen Christoph Berg sein. - Mein Name ist Sybille Tomfort !" ohne eine Antwort abzuwarten sprach sie weiter," haben sie unseren Hof gleich gefunden ?" forschende Augen musterten den Jurastudenten.

   " Ja, auf Anhieb !"

   " Fein, - dann wollen wir keine kostbare Zeit verlieren.- Kommen sie mit !" 

   

Sybille Tomfort lenkte ihre Schritte um das Haus herum über einen geplasterten Innenhof, von dem die Stallungen der Pferde abgingen. Im hinterem Bereich machte sie vor zwei geschlossenen Toren halt. Durch Knopfdruck fuhr das rechte Garagentor automatisch nach oben. Die Sonnenstrahlen ließen ein silbernes Metallgefunkel auf der Karosserie entstehen. Vor ihnen stand ein nagelneuer Mercedes der S- Klasse mit allem Komfort. Ungläubig warf Christoph Berg einen forschenden Blick zu der, immer mysteriöser werdenden, Anbieterin.

   " Das muss ein Irrtum sein !"

   " Nein, durchaus nicht, junger Mann !"

   " Bei dieser Anbietung des Luxusautos zum Schleuderpreis muß die Sache einen Haken haben !"

Sybill Tomfort merkte die ernstzunehmende Skepsis. Würde sie jetzt keine plausible Erklärung abgeben, zöge der junge Mann sich zurück.

   " Also gut," seufzte Frau Tomfort und lüftete das Geheimnis.

   " Am Sterbebett meines Mannes bat er mich, den gerade gekauften Mercedes seiner Privatsekretärin zu übergeben. Ich schwieg wie immer. Zwei Jahre litt und mußte ich diese Liaison erdulden. Saß manchen Feiertag und Abend allein in diesem Haus."          

Abgrundtiefer Haß loderte in den sonst so freundlichen Augen der Witwe auf.

   " Da müssen sie verstehen können, daß diese Tat mir ein klein wenig Genugtuung verschafft."

Christoph lief es eiskalt den Rücken herunter.

   " Was mußte diese Frau gelitten haben, um sich zu so einem Racheakt hinreißen zu lassen !"           

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.10.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Gelebte Meeresträume von Gerhild Decker



Die Autorin versteht es, mit Worten Stimmungsbilder zu malen und den Leser an der eigenen Begeisterung am Land zwischen Meer und Bodden teilhaben zu lassen. In ihren mit liebevoller Hand niedergeschriebenen Gedichten und Geschichten kommen auch Ahrenshooper Impressionen nicht zu kurz. Bereits nach wenigen Seiten glaubt man, den kühlen Seewind selbst wahrzunehmen, das Rauschen der Wellen zu hören, Salzkristalle auf der Zunge zu schmecken und den feuchten Sand unter den Füßen zu spüren. Visuell laden auch die Fotografien der Autorin zu einer Fantasiereise ein, wecken Sehnsucht nach einem Urlaub am Meer oder lassen voller Wehmut an vergangene Urlaubstage zurückdenken.

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