Rena Larf

Valentinstag





Ach herrje, schon wieder ein Jahr um und Valentinstag!
Schon wieder der Kampf mit dem Einkaufsmarathon. Bekommt man nichts geschenkt, heißt es, dass einen keiner lieb hat!
Aber was ist mit den vielen geschlechtsspezifischen Geschenken - was ist mit den Krawatten, Strümpfen, Hemden, Pralinenschachteln, Parfums und Dessous - die keiner trägt und keiner braucht?
So ein Geschenk ist doch eher eine Bestrafung als ein Zeichen von Liebe.
Was soll man nach 20 Jahren Beisammensein auch schon noch schenken?
Man hat doch alles durch und wenn man’s recht überlegt, lohnt die Mühe eh nicht mehr!

Zwischen dem Gemecker über Haare im Abflussrohr, Bartstoppeln auf dem Beckenrand und wer, warum und überhaupt zuletzt die Zahnpasta in der Hand hatte, ist der Tag der Liebenden genauso überflüssig wie ein Pickel im Gesicht!
Klingelnde Registrierkassen geben in Euro Auskunft über die Wertigkeit eines Gefühls. Absurde Welt!
Wo ist die Zeit hin, in der eine Berührung, ein Lächeln, ein Kuss das Schönste und Wertvollste für den anderen war? Wo ist die Aufmerksamkeit hin, die in ihrer Selbstverständlichkeit als Normal vorausgesetzt wurde und jetzt einer haarsträubenden Gedanken - und Einfallslosigkeit gewichen ist?
Ach, könnte dieser Tag nicht einfach ausfallen? Außer der Marktwirtschaft würde ihn eh keiner vermissen. Ist ja nicht einmal ein richtiger Feiertag, so mitten in der Woche. -

Dann kommst Du, hast dir heute freigenommen, sagst zu mir: „ Lass alles stehen und liegen und schick’ die Kinder zum Spielen!“
Deine Stimme klingt jung, wie damals, dein Lächeln ist mitreißend und beim Hinaushuschen aus der Wohnung blitzt der alte Unternehmungsgeist von früher in deinen Augen.
Wir fahren in die Stadt zu dem Hochhaus, in dem wir unsere erste kleine gemeinsame Wohnung hatten und fahren mit dem Fahrstuhl bis ganz nach oben.
Dann holst Du aus deiner Jackentasche - wie damals - eine kleine weiße Daunenfeder heraus, nimmst mich in den Arm und schaust mich zärtlich an.
Und deine Worte sind die gleichen wie vor 20 Jahren als wir mit Schlaghosen und Jeans- Jacken und wehenden langen Haaren hier oben standen.
„Ich liebe Dich und möchte für immer mit dir zusammenbleiben. Uns gehört die Welt! Ich lege Dir mein Herz zu Füssen. Und diese Feder schicke ich auf die Reise als Zeichen meiner Liebe zu Dir. Es ist so hoch und so windig - sie wird in 100 Jahren nicht mehr runterkommen!“
Dann küsst Du meine Tränen fort und wir stehen - wie damals - eng aneinandergeschmiegt und lassen gemeinsam unsere Blicke der tanzenden Feder durch die Lüfte folgen.
Ja, verdammt, ich hätte ihn vermisst - diesen Tag der Liebenden!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.12.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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