Lara Rosenthal

Let´s go schnorcheln!

Der Rest des Tages
verging schleppend. Als die Familie abends um acht Uhr wieder zu Hause war
wurde eine Kleinigkeit gegessen, dann sollten Fin und Demian auch schon ins
Bett. Demian starrte noch lange durch das kleine Fenster des Hotels auf das
Meer. Irgendwann hörte er seinen kleinen Bruder im Schlaf reden. „Die Chance
für die Weiterentwicklung von Pickachu liegen Morgen bei 20 zu 340... Die
Wahrscheinlichkeit für Veränderung des Tages bei 2 zu 1 Millionen. Die …“
Demian dämmerte langsam davon. Das letzte was er dachte, war, dass er diese 2
von der 2 zu 1 Millionen eindeutig wahrnehmen musste. Irgendetwas musste er tun.
Dann war er eingeschlafen.

 
Am nächsten Morgen wurde
er wie immer von der fröhlichen Stimme seiner Mutter geweckt. „Jungs aufwachen!
Heute geht’s in ganz viele interessante Städte. Los aufwachen!“ Indem Moment
kam Demian ein Geistesblitz. „Bleib liegen Fin. Wir haben Kopfschmerzen, Sonnenstich.“
Sein kleiner Bruder murmelte träge vor sich hin. „Die Wahrscheinlichkeit, dass
sie das schlucken liegt bei 21 zu 100 Prozent.“ Dann kam ihre Mutter ins
Zimmer. Sie summte irgendeinen alten Schlager vor sich hin, bis sie die beiden
Jungs in ihren Betten liegen sah. „Was ist denn mit euch los? Los aus den
Betten, es ist neun Uhr, der Tag hat schon lange begonnen. Husch, husch, ins
Bad.“ Die beiden Jungs rührten sich nicht. Demian griff sich an den Kopf. „Mum,
mein Kopf fühlt sich an als würde er von einem Elefanten zerquetscht werden!
Ich glaube ich habe einen  Sonnenstich.“
Seine Mutter schaute ihn ungläubig an. Hinter ihr tauchte ihr Mann auf. „Ach
lass den Jungen doch zu Hause bleiben, Marleine. Sie sind doch sonst immer so
tapfer mitgekommen.“ Fin richtete sich auf. „Dann will ich aber auch
hierbleiben.“ Rief er aufgebracht. „Ja du kannst….“ –auch hierbleiben- wollte
sein Vater gerade sagen, da traf ihn der böse Blick seiner Frau. Er starrte sie
kurz an, dann verzog er sich schnell. „Na gut.“ meinte seine Frau, „Bleibt halt
hier, aber beschwert euch nicht wenn ihr euch langweilt.“ Die Jungs nickten
aufgeregt.

 
Wenig später liefen sie
in ihren Badehosen bekleidet am Strand entlang und suchten einen geeigneten
Platz. Der Strand war noch nicht besonders voll, aber Demian sichtete nach
einigen Minuten trotzdem schon ´heiße Bräute´. Sein Bruder hatte sich schon
seine Schnorchelausrüstung angezogen. „Los Demian!“ rief er und hielt Demian
den Schnorchel hin. „Geh du schon mal los!“ meinte der und ging in Richtung
einer Gruppe Mädchen davon. Fin lief, über das Verhalten seines Bruders
kopfschüttelnd, zum Wasser. Als er in das nasse Kühl eintauchte breitete sich
ein Grinsen auf seinem Gesicht auf. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine der
Tussen dich mag beträgt, 0,002 Prozent!“ schrie er seinem Bruder zu, dann
begann er nach einer geeigneten Stelle zum Schnorcheln zu suchen.

Demian hörte seinen Ruf,
sagte zu den Mädels, dass er kurz war erledigen müsste und folgte seinem
Bruder. Als er bei ihm ankam tunkte er ihn soweit unter, dass der Schnorchel
unter der Wasseroberfläche war. Prustend und mit rotem Gesicht tauchte Fin
schließlich wieder auf. „Mann!“ schrie er, „Weißt du nicht, dass 11 Prozent
solcher Aktionen tödlich enden?!“ Demian zuckte mit den Achseln und schwamm zu
der Gruppe Mädchen zurück um ihnen den Rücken einzucremen. Fin beruhigte sich
und begann wieder zu schnorcheln. Als er an einer Felskante vorbeischwamm
bemerkte er einen schmalen Schacht, der in den Meeresboden zu führen schien.
„Demian, hier ist ein Schacht, komm mal!“ schrie er Richtung Ufer, aber sein
Bruder wandte noch nicht einmal den Kopf um, sondern rückte noch näher an eine
dürre Brünette heran. „Demian. Komm!“ schrie Fin nochmal. Diesmal sah Demian
hoch. „Bin beschäftigt!“ antwortete er und als Fin ihm zuschrie, dass es
wichtig sei bekam er von seinem Bruder den Mittelfinger gezeigt. Fin sah das
Mädchen ein Stück von seinem Bruder wegrücken, doch anscheinend konnte er sie
wieder beruhigen, denn wenig später saßen die beiden knutschend ein kleines
Stück von den anderen entfernt. „Aussehen ist alles!“ hatte Demian einmal zu
Fin gesagt und wahrscheinlich achtete die Brünette auch auf nichts anderes als
auf Demians hübsches Gesicht und seine großen Muskeln. Fin drehte sich wütend
um. Der Schacht war zwar einige Meter weit unten, aber er konnte schließlich
die Luft anhalten. Er zog den Schnorchel ab und zog sich in den Schacht. Als er
kaum noch Luft bekam versuchte er wieder aufzutauchen, aber seine Badehose
schien sich in einem rostigen Nagel verfangen zu haben. Fin versuchte sich
loszureißen. In seiner Panik machte er eine rasche Bewegung und sein Kopf stieß
gegen die Schachtdecke. Erspürte den Schmerz, dann umfing ihn Dunkelheit.
Wasser drang in seine Lunge und die letzten Luftblasen platzten an der
Wasseroberfläche. Dann blieb das Herz des kleinen Jungen stehen. Das letzte was
er dachte war wohl, dass er einer der 24 Prozent sein musste, die irgendwo
ertranken.
 




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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.10.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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