„Bitte, bitte verschone mich!“ flehte der Mann vor mir.
„Bitte, ich flehe Sie an! Verschonen Sie mich!“
Da hockt er nun, ängstlich und um Gnade winselnd, vor mir auf dem Boden. Das hätte er sich früher überlegen müssen.
~ ~ ~ ~ ~
„Hände hoch! Keiner rührt sich!“ rief der schwarz verkleidete Mann. Er hatte eine Waffe in der Hand, womit er herumfuchtelte.
Ich hatte Angst, furchtbare Angst.
„Mama, wer ist dieser komische Mann? Warum macht er so was?“ flüsterte ich meiner Mutter zu.
„Schatz, du brauchst keine Angst zu haben. Wir müssen uns ruhig verhalten, dann passiert uns auch nichts.“ versuchte meine Mutter mich zu beruhigen und wich damit auch meiner Frage aus. Wie sollte man auch einen 5- jährigen Kind erzählen, was ein Auftragsmörder ist und was er tut?
„Alle die jetzt ihren Namen hören, setzten sich hin. Der Rest geht in den Nachbarraum und verhält sich ruhig. Mathilde Durr, Bernd Funika...“ als Papa sein Namen hörte zuckte er zusammen. „...Diana Bunau, Felix Bunau, Jane Funika, ...“ Und als Mama ihren Namen hörte schloss sich ihre Hand um meine und drückte sie fest.
„Wir lieben dich Schatz. Bitte vergiss das nicht. Und egal was jetzt passiert, du musst stark bleiben ja? Bitte versprich es mir!“
„Aber Mama, Was -“
„Versprich es mir!“
„Versprochen.“
Ich ging ins Nachbarzimmer. Die Tür wurde hinter mir geschlossen. Ich sah in die traurigen Augen der fremden Leute, die sich in diesen Raum befanden. Eine Frau kam auf mich zu, nahm mich in ihre Arme und sagte: „Komm her. Du musst jetzt stark sein, okay?“ Sie sprach so leise, das nur die Personen, die uns am nächsten standen, es noch hören konnten. Etwas leiser fügte sie dann hinzu: „Ich werde dir helfen deine Eltern rächen zu können.“
Das nächste was ich hörte, waren Schüsse, die im Nachbarzimmer fielen...
~ ~ ~ ~ ~
Das war die letzte Erinnerung, die ich an meine Eltern habe.
Und nun liegt der Mann, der meine Eltern auf dem Gewissen hat, vor mir auf dem Boden und bettelt um Gnade. Wie lange habe ich auf diesen Tag gewartet?
Endlich kann ich Rache nehmen!
„Ich bitte Sie! Verschonen Sie mich. Ich habe doch eine Familie die auf mich wartet.“
Das war mir egal. Ihn hat es damals schließlich auch nicht interessiert, ob er Familien zerstört hat oder nicht.
12 Jahre musste ich auf diesen Tag warten.
Ich habe 12 Jahre lang gelernt, wie man schießt, wie man die eigenen Gefühle unterdrücken muss, um jemanden umzubringen.
Und alles nur um einen einzigen Mann zu töten. Nur um ihn zur Strecke zu bringen bin ich eine Killerin geworden.
Mein Waffe blieb regungslos auf ihn gerichtet.
Seine Augen weiteten sich ein letztes mal, er wusste nun das er mich nicht umstimmen kann.
Das letzte war er jetzt noch hörte war der Schuss einer Waffe.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.10.2009.
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Dem Leben entgegen
von Monika Wilhelm
Zwei sensible Frauen, die sensible Gedichte schreiben. Beide schürfen tief. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Beide schöpfen aus ihrem emotionalen Reichtum und ihrem souveränen Umgang mit Sprache. Dabei entfalten sie eine immer wieder überraschende Bandbreite: Manches spiegelt die Ästhetik traditioneller formaler Regeln, manches erscheint fast pointilistisch und lässt viel Raum für die eigenen Gedanken und Empfindungen des Lesers. Ein ausgefeiltes Sonett findet sich neben hingetupften sprachlichen Steinchen, die, wenn sie erst in Bewegung geraten, eine ganze Lawine von Assoziationen und Gefühlen auslösen könenn. Bildschön die Kettengedichte nach japanischem Vorbild! Wer hier zunächst über Begriffe wie Oberstollen und Unterstollen stolpert, der hat anhand dieser feinsinnigen Texte mit einem Mal die Chance, eine Tür zu öffnen und - vielleicht auch mit Hilfe von Google oder Wikipedia - die filigrane Welt der Tankas und Rengas zu entdecken. Dass Stefanie Junker und Monika Wilhelm sich auch in Bildern ausdrücken können, erschließt an vielen Stellen eine zusätzliche Dimension [...]
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