Heidemarie Rottermanner

Danke


FÜR ALLES

Der Wind pfiff ums Haus und das Herbstlaub kratzte über den Asphalt. Eine dünne Schneedecke lag auf dem Rasen und den abgeernteten Beeten des Gartens.
Im gemütlich eingerichteten Wohnzimmer des Einfamilienhauses, verströmte ein großer, cremefarbener Kachelofen wohlige Wärme.

Eva war schon sehr früh aufgestanden. Rasch erledigte sie die Arbeit in der Küche. Dann eilte sie ins Wohnzimmer. Der Tisch war schon festlich hergerichtet. Wie hübsch alles aussah. Nun stellte sie die Teeschalen auf die leuchtend weiße Tischdecke, zupfte ein wenig an den Blumen in der Vase und entzündete eine Kerze. Der Tee duftete in der Kanne und es roch nach frischen Brötchen.
Eva hastete in das Vorzimmer, im Spiegel kontrollierte sie ihre Frisur und strich die mohnrote Bluse glatt.

Reinhard kam aus dem Bad. Frisch geduscht, rasiert und sein neuestes Hemd angezogen. Er öffnete die Tür zum Wohnzimmer und hielt überrascht inne. Sein Blick glitt zum festlich gedeckten Tisch und zu Eva. Sie sah hübsch aus mit der neuen Frisur und der schicken Bluse. Ach ja, er hatte sie ihr zum Geburtstag gekauft. Eigenartig, dass sie gerade heute diese anzog, achtlos lag sie wochenlang im Schrank.
Reinhard löste sich aus dem Schauen und überreichte Eva einen Strauß roter Rosen.
„Fair gehandelte Blumen, ich habe sie dir extra im Sparmarkt gekauft, wusste ich doch, dass du die anderen nicht magst.“
Liebevoll legte er die Arme um seine Eva und flüsterte: „Zum 25 Hochzeitstag und als Dankeschön für alles.“
Dann zog er den Stuhl heran und setzte sich nieder. „Fein, wie es hier duftet und sogar an mein Frühstücksei hast du gedacht. Käse und Schinken, ein richtig tolles Frühstück.“

Eva lächelte: „Gut, dass ich dich gestern noch daran erinnert habe. Heute hast du Nachmittagsschicht und ich dachte, da wäre morgens genügend Zeit zum gemütlichen Frühstück.“

„Die neue Bluse steht dir gut“, anerkennend blickte sie Reinhard an.

„Mal ganz ehrlich, anfangs gefiel mir das mohnrot nicht wirklich. Aber als ich sie heute Morgen anprobierte, stellte ich fest, die passt ausgezeichnet.“ Eva wischte eine vorwitzige, braune Locke aus der Stirn.

„Sag ich doch. Die junge Verkäuferin, mit den blonden Locken und der tollen Figur hat bezaubernd darin ausgesehen.“

„So, so.“ Eva betrachtete ihren Mann aufmerksam. Breit grinste er und meinte: „Noch immer eifersüchtig!“
„Nun ja, ein kleines bisschen. Schlechte Angewohnheiten bekommt man nur schwer los. Aber ich bin am Üben und es wird von Tag zu Tag besser.“

„25 Jahre, wie schnell die Zeit vergeht. Unsere Buben gehen ihre eigenen Wege.“ Reinhard bestrich seine Semmel mit Butter und Marmelade. Versonnen dachte er an vergangene Zeiten.

Reinhards Blick glitt zur zusammengefalteten Zeitung, aber er widerstand dem Drang, diese zu öffnen. Heute wollte er ganz für Eva da sein. Welche Mühe sie sich gemacht hatte!
„Wohl schon zeitig aufgestanden. Ich hatte keine Ahnung, was du vorhattest, als du gestern so geheimnisvoll gefragt hast, ob ich heute morgens Zeit hätte.“

Eva lachte und legte Kandiszucker in ihren Tee. Wie hübsch sie ist, wenn sie lacht. Wie vertraut ist mir dies alles, und doch fällt es mir gerade jetzt wieder auf, dachte nun Reinhard und sagte laut. „Immer nur in Eile, wir haben wirklich viel zu wenig Zeit für einander. Aber es wäre wirklich schön, wenn wir so ein Frühstück zu zweit und in Ruhe öfters einplanen würden.“

„Abgemacht“, antwortete Eva und setzte sich ebenfalls. Beinahe liebevoll beobachtete sie ihren Mann. Wie
gut er noch immer aussieht, die grauen Haare, seine schlanke Figur. Ach stimmt, er läuft jeden Tag mit dem Hund, tut ihm gut.

„Und ich freue mich, dass du heute Zeit gefunden hast um hier zu sein. Danke für die schönen Blumen, das ist wirklich sehr lieb von dir, du weißt wie sehr ich diese Rosen liebe.“ Leicht legte sie ihre rechte Hand auf seine. Eva spürte die Wärme seiner Finger. „Fünfundzwanzig Jahre. Manches war nicht leicht und all zu oft war es zum Davonlaufen, aber wir haben uns zusammengerauft, unsere Liebe zueinander nie aus den Augen verloren. Aufs Neue haben wir uns stets bemüht, einander nicht einzuengen, uns frei entfalten zu lassen. Danke, Reinhard, für all die Jahre.“ Leicht kamen diese Worte über ihre Lippen.

„Und ich“, Reinhard legte die Arme um seine Eva und küsste sie liebevoll. „Ich bin froh, dass wir beide durchgehalten haben. Nach jedem Streit ein „Verzeih“ fanden und uns trotzdem lieben, jeden Tag auf Neue. Ich wünsche mir noch viele, sehr viele Jahre mit dir, meine Liebe.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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