Yvonne Asch

Jägerin der Nacht *welch ein Theater* Kapitel 9

 

Sie hatte ihre Hand schon auf dem Klingelknopf, als ihr plötzlich etwas richtig klar wurde:
Jemand hatte sie verraten!
Aber wer sollte dies getan haben? Es wusste kaum jemand von ihrem Auftrag, eigentlich nur zwei Personen, nämlich Daniel und John. Es sei denn, John hatte noch jemand anderen mit eingeweiht. So war es bestimmt, es musste ein Mitglied in der Gruppe geben, welches nicht wirklich dicht zu halten schien.
Sie presste ihren schlanken Finger auf den Knopf der Klingel und drückte ihn kurz hinunter, während zeitgleich in der Wohnung ein schrilles Klingeln ertönte.
Doch nichts rührte sich, niemand schien sie gehört zu haben.
„Toll, erst mich hierhin bestellen und dann nicht aufmachen!“, wütend drückte sie noch einmal den Knopf und hielt ihn dann mit aller Kraft gedrückt, als hätte sie Angst, er würde herausfallen.
Schlurfende Schritte waren nun zu vernehmen.
„Ja, Mensch!! Ich komm’ ja schon…“, Sie hörte Johns brummende Stimme im Flur, und sie klang nicht gerade begeistert.

Ein breites Grinsen hatte sich auf Lanas Gesicht gelegt, und nun klingelte sie im Sekundentakt.
Finger locker…Finger fest… Klingel…
Und das ganze wieder von vorne.
Bis ein entgeisterter John fast die Tür aus der Verankerung riss und sie wie ein schnaufender Bulle anstarrte.
„Sag’ mal, sind bei dir noch alle Schrauben locker?!“, fuhr er sie an.
Lana grinste bis über beide Ohren und tippte John ein paarmal an die Stirn, bis er ihre Hand weg schlug und sie nun wirklich genervt, fassungslos und zugleich verwundert anstarrte. „Was wird das?? Hast du dir einen Sonnenstich geholt, oder was ist mit dir los?!“
Lana zuckte mit ihren schmalen Schultern.
„Wollte nur mal sehen ob bei dir noch alle Schrauben locker sind…“, giftete sie zurück, während das breite Grinsen immer noch ihr Gesicht überzog.
„Du spinnst doch! Was meinste, was ich jetzt für Kopfschmerzen habe, nur wegen dir. Einmal Klingeln reicht völlig aus!“
„Anscheinend nicht, du bist ja nicht gerade schnell an der Tür gewesen, lagst bestimmt gerade auf deinen grauen Gehirnzellen und hast nun auch deine restlichen platt gedrückt!“, Lana wusste selber nicht, warum sie ihn gerade so angriff, aber sie verspürte einfach den Drang dazu.
„Was denkst du dir eigentlich?“, war alles, was er nun brummte.
„Dass du ein dämlicher, arroganter, eingebildeter, besitzergreifender Arsch bist!“, nun war ihr Grinsen doch verschwunden, und sie schaute eher sauer und aufgebracht.
„Du kleines Miststück!“, zischte er gerade, als oben eine Tür aufgerissen wurde.
„Haltet endlich die Schnauze, hier wollen Leute schlafen!!“, Johns Nachbar war nicht besonders gut gelaunt. John stierte kurz nach oben, packte Lana dann grob am Arm und schleifte sie mit sich in die Wohnung, wo sie im Flur erst einmal über einen roten Spitzen-String stolperte.
Verwirrt und angeekelt runzelte sie die Stirn, doch noch ehe sie etwas dazu sagen konnte, hatte John sie in seine Küche geschoben, sie auf einen Stuhl verfrachtet und schaute nun zu ihr hinunter wie zu einem unartigen Schulkind.
„Was erlaubst du dir eigentlich?“, fragte er plötzlich völlig gefasst, erst jetzt fiel Lana auf, dass sein Haar merkwürdig zerwühlt war und er sein T-Shirt falsch rum anhatte, außerdem roch er unangenehm nach… na ja… nach Sex, schoss es ihr plötzlich durch den Kopf, und sofort kehrte ihr Grinsen zurück.
„Ich habe dich doch nicht etwa gestört, oder?“, fragte sie ihn dreist..
Er musterte sie abschätzend, natürlich wusste er, sie hatte ihn durchschaut.
Aber er würde sicherlich nicht darauf reagieren.
„Du bist zu früh!“, übersprang er nun einfach ihre Frage.
Lana warf einen gespielten Blick auf ihre Uhr und zog dann eine Augenbraue hoch.
„Nein, tatsächlich! So was aber auch, ich bin ja wirklich zu früh…“, ihre Stimme klang ziemlich gekünstelt.
John fuhr sich durchs Haar, er hatte jetzt wirklich kein bisschen Interesse an diesem blöden Spiel. „Komm’ zur Sache Lana, was willst du jetzt schon bei mir?“.
Leicht sauer und mit wütend funkelnden Augen blickte sie zu ihm hoch, dabei kam es ihm fast so vor, als schaute sie ihn verletzt und zugleich bestrafend an.
„Nur weil ich dein Scheiß Rumgesexe unterbrochen hab’, hast du überhaupt keinen Grund unfreundlich zu werden!“, giftete sie nun in einer wirklich seltsamen Tonart.
Er schaute sie forschend an, war sie etwa eifersüchtig?
„Was ich privat mache, geht dich nun wirklich nichts an, meine Liebe!“, sagte er ruhig.

„Ach nein?? Ich denke schon, schließlich mischst du dich ja auch in meine Angelegenheiten ein!“, sie hatte ihre Stimme überhaupt nicht unter Kontrolle.
Nun war er es, der leicht grinste.
„Lana, meine Süße, kann es sein dass du etwa eifersüchtig bist?“, fragte er wieder ruhig.
Plötzlich stieg ihr die Röte in die Wangen, was dachte der sich nur? Aber wenn es nicht stimmte, was er da von sich gab, warum regte es sie dann so auf?
Sie blitzte ihn nun wütend an.
„Ist mir doch völlig egal, wo du ihn rein schiebst!! Aber erspare mir die Unterwäsche deiner Geliebten! Wenn wir verabredet sind, kann ich ja wohl erwarten, dass dein Flittchen ihre Sachen weggeräumt hat oder sie wieder am Körper trägt!“
„Du bist eifersüchtig…“, murmelte er genüsslich, als plötzlich die Küchentür aufging und eine schlanke und sehr ausdrucksvolle Schönheit hereintrat, sie sah aus, als könnte sie glatt aus einem Märchen entsprungen sein, wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass sie nach einem Mann roch und nach ihrem eigenen Schweiß, ihre schlanke Figur war in ein knappes rotes Nachtkleid gehüllt, und selbst ohne das bisschen Stoff hätte sie nicht heißer aussehen können. Bei ihrem Anblick merkte Lana plötzlich, wie fehl sie sich am Platze fühlte und wie die pure Wut in ihr emporbrodelte.
Sie wusste, wer die Frau war, sie hatte sie schon auf einem Treffen gesehen, wo alle ihrer Gruppe anwesend waren, außer Daniel.
Maria… huschte der Name verächtlich durch ihren Kopf.
„Redet ihr über mich?“, fragte diese gerade mit ihrer zuckersüßen Stimme. Sie lehnte sich verführerisch am Türrahmen an, ihr blondes Haar, war ebenfalls leicht verzaust und machte sie nur noch wilder und attraktiver.
„Ja“, schoss es aus Lanas Mund, warum sollte sie lügen?
„Nein“, sagte John zeitgleich mit kräftiger Stimme.
Maria wickelte eine Strähne ihres Haares um ihren Finger, kam dann mit eleganten Schritten auf John zu, umfasste seine Hüften von hinten und schaute an der Seite vorbei zu Lana.
„Ach, du bist es, unser Fohlen…“
Ihre Stimme, wieso klang ihre Stimme immer wie purer Gesang, Lana saß da wie ein schmollendes Kind.
Fohlen! Dass ich nicht lache… du miese Schlange….
„Ich wusste gar nicht, dass du heute noch vorbei kommen würdest, dann hätte ich dich natürlich anders in Empfang genommen“, sagte Maria freundlich, zu freundlich für Lanas Geschmack.
„Ist doch Johns Wohnung, soll der mich doch anders in Empfang nehmen“, knurrte Lana schon fast.
John genoss es regelrecht, er hatte noch nie bemerkt, dass Lana sich für ihn interessierte, aber wie sie nun da saß und ihr Gesicht verzog, die Arme in einander verschränkt hatte und rumpampte... Sie war sonnenklar eifersüchtig.
„Übrigens, ich finde diese Ohren wirklich putzig“, sagte Maria, sie zwinkerte ihr zu und entblößte mit einem unwiderstehlichen Lächeln zwei Reihen makellos weißer Zähne.
John wusste ,dass Lana jeden Moment ihre Krallen ausfahren würde, wenn noch so etwas über ihre Ohren erklingen würde. Also griff er ein, und kam zum Wesentlichen.
„Hast du das Gemälde im Auto, oder wie darf ich mir das vorstellen?“.

Es fiel Lana schwer, ihren Blick von Marias Händen zu lösen, die immer wieder an Johns Hüfte entlang glitten.
Aber schließlich schaffte sie es doch, und sie blickte John fest in die Augen.
„Tut mir leid, aber du musst dir was anderes in dein Wohnzimmer hängen!“, gab sie zu.

„Was soll das heißen?“, fragte er nicht gerade begeistert.
„Das soll heißen, das ich dein Scheiß Bild nicht habe!“, sagte sie ruhiger, als sie es von sich erwartet hatte.
„Ohh…“, gab Maria unnötig dazu.
„Und warum nicht, wenn ich mal fragen darf?“, John war nun ganz und gar nicht mehr entzückt.
„Weil du oder irgendein anderer die Bullen gewarnt hat! Die haben dort nämlich auf mich gewartet! Komischerweise mit Hündchen, und ich glaube kaum, dass die dort Gassi gehen wollten!“, sagte sie giftig, während sie sich langsam vom Stuhl erhob.
„Dort im Schloss waren also Polizeileute oder wie darf ich das verstehen?“, hakte er nach.
„Wow, der Teilnehmer hat hundert Punkte erhalten…“
„Verdammte Scheiße! Hör’ sofort auf, mich für dumm zu verkaufen! Du Scheiß Miststück!“, schrie er mit knallrotem Kopf, seine Faust knallte wuchtig auf den Tisch nieder, der fast unter seiner Gewalt zerbrach, Maria war erschrocken zur Seite gewichen.
Doch Lana hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt.
Klar, sie hatte gelogen, es war ja nur ein einziger Polizist gewesen, aber ganz sicher war sie sich darüber ja auch nicht, und außerdem würde John sie wegen einem einzigen Bullen auslachen.
John schaute Lana seltsam an, und irgendwie spürte sie, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten, er sollte wegschauen von ihr.
„Wenn da wirklich Bullen waren, dann heißt das, wir haben ein ernsthaftes Problem!“
„Ich lüge nicht!“, verteidigte sie sich sofort.
„Ich glaube dir…“, das war das einzige, was er zur ihrer Überraschung sagte, dann herrschte kurz eine unangenehme Stille.
„Das würde heißen, jemand hat uns verraten, und das kann wiederum nur einer von uns gewesen sein…“, murmelte John.
Lana nickte und schaute kurz zu der blonden Schönheit, diese stand noch immer dort, wohin sie vor Johns Zorn gewichen war, und sie schien ebenfalls über etwas nach zu grübeln.

„Und was ist jetzt mit den Ohren? Was hast du raus bekommen?“, fragte sie nach einigem Überlegen.

John blickte kurz zu ihr hin, und sie wünschte sich, sie hätte die Frage nicht gestellt.

„Das kann warten! Du hast mir ja auch nicht dieses Bild gebracht, geh’ jetzt nach Hause!“, das war’s, mehr kam nicht von ihm. Und als sie zur Tür ging, wie ein in seine Schranken verwiesener Welpe, bemerkte sie den triumphierenden Blick von Maria.

 

Welch ein Theater…  Völlig durcheinander ließ sie den Kopf auf das Lenkrad fallen.

Nichts, gar nichts war an diesem Tag gut gelaufen, und dann hatte sie auch noch so eine Show bei John abgezogen, warum nur? Und wieso hatte sie sich eigentlich drüber aufgeregt, dass er mit einer Frau schlief, das war doch schließlich das normalste auf dieser Welt.

Doch sobald sie auch nur dran dachte, wie die beiden es unbekümmert miteinander trieben, wurde sie wütend und sauer zu gleich.

Sie mochte diese Maria nicht, auch wenn sie noch so freundlich zu ihr war.

Wohin jetzt?

Kraftlos richtete sie sich wieder auf, schnallte sich an und wandte den Kopf zur Straße. Ja, wohin sollte sie denn jetzt? Sie musste jetzt wohl oder übel zu ihrer Mutter, sie hatte es lang genug hinausgezögert.

Es war so unfair von John, ihr nicht zu sagen, was nun mit ihrem Körper passiert war, er wusste es und behielt es einfach schamlos für sich.

 

Fortsetzung folgt

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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