Steffi Lasch

Sternenstaub

Der kleine Uli sass am Fenster und schaute sehnsüchtig nach draussen.  Dicke weisse Flocken fielen vom Himmel.Alle seine Freunde spielten im Schnee. Der Schneemann, den sie bauten, wurde immer grösser. Zu dumm aber auch, dass ihn gerade jetzt eine böse Erkältung erwischt hatte.In eine dicke Decke eingepackt sass Uli in einem Sessel am Fenster.

Längst war der Schneemann fertig. Die Strassenlaternen leuchteten und es wurde langsam dunkel. Alle seine Freunde waren längst nach Hause gegangen. Es schneite noch immer.

Ulis Mutter kam ins Zimmer und stellte eine Tasse mit heissem Kakao und einen Teller mit Plätzchen vor Uli auf den Tisch. Dann zündete sie noch die Kerzen der Weihnachtspyramide an bevor sie den Raum wieder verliess.

Der Kerzenschein verbreitete sofort eine ganz besondere Gemütlichkeit im Raum.

Uli probierte von dem Kakao, aber der war noch ein Bisschen zu heiss. Am Gebäck knabbernd sah er den Figuren zu, die auf der Pyranide ihre Runden drehten. Da waren ein Engel, ein paar Hirten mit ihren Tieren und die heiligen drei Könige aus dem Morgenland, die immer wieder an ihm vorüberzogen. Uli kannte sie alle und hatte ihnen sogar schon Namen gegeben. In der Mitte der Pyramide stand eine Winzige Krippe mit dem Jesuskind und links und rechts davon waren Maria und Josef.

Martina war Ulis Lieblingsfigur. Martina war der kleine Engel, rund mit roten Bäckchen und einem goldenen Reif im Haar. Jedesmal wenn Martina an ihm vorbeikam, sah es aus, als zwinkere sie ihm zu.

Und dann geschah etwas ganz komisches. Uli befand sich auf einmal zwischen den Hirten und ihren Tieren. Vor ihm lief ein Schaf und hinter ihm kam ein Esel.

Anfangs hatte Uli Mühe Schritt zu halten. Die hatten ja alle ein ziemlich hohes Tempo drauf. Aber als sich Martina, die ein ganzes Stück vor ihm lief, umdrehte und ihm zulächelte, kam er auf einmal besser voran. Später konnte er sogar den Esel streicheln. So weich hatte er sich das Fell eines Esels nicht vorgestellt.

Über ihnen spannte sich ein dunkelblauer Nachthimmel mit tausenden von Sternen. Immer wieder beobachtete Uli wie Sternschnuppen fielen. Er erinnerte sich daran, dass man sich etwas wünschen kann, wenn man eine Sternschnuppe sieht. Da schloss er ganz fest seine Augen und sagte in Gedanken seinen Wunsch auf. Als er seine Augen wieder öffnete, stand Martina neben ihm. Sie lächelte ihn an und sagte: "Dein Wunsch wird sich erfüllen." Dann pustete sie leicht über ihre flache ausgestreckte Hand und Uli stand in einer Wolke von goldenem Sternenstaub.

Im nächsten Augenblick sass Uli auch schon wieder am Tisch, vor sich die Tasse mit dem Kakao, der gar nicht mehr heiss war und den Teller, auf dem nur noch zwei Plätzchen lagen. Die Pyramidenkerzen waren nur noch kleine Kerzenstummel und sicher würde die Mutter gleich hereinkommen und sie auspusten.

Wieder kam Martina an ihm vorüber und zwinkerte. Uli bekam ganz grosse Augen, auf dem Tisch glitzerte etwas. Da lag doch tatsächlich ein wenig Sternenstaub . . . oder?

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Steffi Lasch).
Der Beitrag wurde von Steffi Lasch auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.11.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Unsere Welt erstrahlt in vielen Farben - Notre monde rayonne de mille couleurs von Martina Merks-Krahforst



Zweisprachiger Gedichteband (Deutsch / Französisch) von Autorinnen und Autoren zwischen 7 und 22 Jahren aus Deutschland, Frankreich, Lettland.
Die Erlöse aus dem Verkauf gehen an die Peter Maffay Stiftung

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Weihnachten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Steffi Lasch

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Das hölzerne Pferdchen von Steffi Lasch (Besinnliches)
Wunder der Weihnacht von Werner Gschwandtner (Weihnachten)
Das Gespenst von Christiane Mielck-Retzdorff (Lebensgeschichten & Schicksale)