Eva-Maria Herrmann

Warum können Männer nicht so sein wie wir?

Ich bin kurz davor eine Krise zu bekommen, gleich werfe ich mich auf den Boden und schreie.
Warum?
Gerade bin ich vom Einkaufen nach Hause gekommen und als ich jetzt das Haus betrete, falle ich als erstes über drei paar Schuhe. Bevor ich weggefahren bin, war meine Wohnung aufgeräumt!
Auf meinem Weg in die Küche steige ich über die Schulranzen meiner Kinder und dort angekommen, trete ich mitten auf einen Batzen Katzenfutter, den meine Mieze da abgelegt haben muss.
Igitt!
Hätte ich nur nicht gleich an der Türe meine Schuhe ausgezogen!
Angeekelt werfe ich meine Socken in die Wäsche.
Nun werde ich aber ein Donnerwetter loslassen!
Barfuss laufe ich in unser Wohnzimmer, wobei ich mir vor dem Kamin auch noch einen Holzsplitter eintrete.
Fein, immerhin hat mein Mann eingeheizt.
Oder?
Na, zumindest hatte er die Absicht!

Fluchend hüpfe ich, angesichts des Balkens in meinem Fuß, auf einem Bein weiter und fliege prompt über den riesigen Karton, der plötzlich mitten im Zimmer steht.
In einem Wust an Verpackungsmaterial sitzen mein Mann und meine Kinder.
„Mama, schau mal, der Papa hat eine Dolby-Suround-Anlage gekauft.“ Aufgeregt hüpft mein Sohn hin und her.
Ach, deshalb hatte er keine Zeit mich zu begleiten.
„Ich muss Sie nur noch anschließen, dann haben wir einen Super Sound.“
Mein Mann grinst mich an wie ein Kind, bei dem Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag gefallen sind.
Dieser Blick, der sagt: „Hab mich lieb, Männer sind auch nur Kinder!“, lässt meine ganze Wut verrauchen.
„Schatz, du solltest hier nicht barfuss laufen, ich habe vorhin beim Holzreintragen ein paar Späne verloren und noch keine Zeit gehabt sie weg zu kehren.“, meint er noch fürsorglich.
Ich schlucke eine dämliche Bemerkung herunter und bitte meine Kinder den Flur frei zu räumen.

Als ich mir den Splitter entfernt und meine Schuhe angezogen habe, sehe ich mir die Sache noch einmal genauer an.
Auf meinem Wohnzimmertisch reihen sich, anstatt der Tischdecke, die jetzt zusammengeknüllt auf der Couch liegt und meinem Adventskranz, der völlig zerfleddert auf dem Boden steht, 6 Boxen verschiedener Größe und ein Gerät, das wohl die gesamte Anlage steuert.
In den Händen hält mein Mann, ich glaube unsere mittlerweile siebte Fernbedienung.
„Ich kann hier alles anschließen! Fernseher, Video, CD-Player, DVD-Player, Premieregerät und er hat sogar ein Radio! Aber es scheinen zuwenig Kabel dabei zu sein. Ich muss noch mal schnell los und ein paar kaufen.“
Spricht’s, springt auf und weg ist er.

Wenn es um technische Geräte geht, dann kommt meinem holden Gatten nur das Beste vom Besten ins Haus. Vom Akku-Schrauber bis zum Holzspalter und vom MP3-Player bis zur digitalen Videokamera. Alle technischen Errungenschaften für Handwerk und Freizeit haben in ihm einen Abnehmer gefunden.
Dass ich noch das Handrührgerät seiner Mutter benutze, mein Nullachtfuffzehn-Dampfbügeleisen tropft und brav mit Muskelkraft putze, obwohl die Erfindung des Dampfreinigers schon einige Jahre her ist, wen interessiert’s?
Da ist es doch viel wichtiger, wenn im Keller eine professionelle Tisch-Kreissäge steht, an der er in den letzten drei Jahren auch schon drei mal gearbeitet hat.
Schließlich war ich es, die Bilderrahmen haben wollte!

Meine Gedankengänge werden unterbrochen, als mein Mann wieder zur Tür hereinholpert.
„Jetzt habe ich alles, was ich brauche! Und der Verkäufer hat mir auch gleich erklärt, wie ich alles zusammenstecken muss. Alles ganz easy! Gleich haben wir Musikgenuss pur!“

Drei Stunden später, die Kinder haben sich mittlerweile gelangweilt verzogen, sitzt mein Mann immer noch vor seinem neuesten Spielzeug.
Für mich sieht das aus wie 1a-Kabelsalat, aber ich habe ja auch keine Ahnung von Technik.

„Vielleicht solltest du einen Fachmann kommen lassen?“
Wenn Blicke töten könnten, dann hätte jetzt wohl mein letztes Stündlein geschlagen.
„Ich habe es alles richtig angeschlossen. Eigentlich müsste es gehen!? Wahrscheinlich muss ich nur noch das Gerät richtig einstellen.“

Wieder ein paar Stunden später, mittlerweile ist es Mitternacht, wälze ich mich aus dem Bett und tappe ins Wohnzimmer.
„Schatz, meinst du nicht, dass das bis morgen Zeit hat?“
Ein völlig wirrer Blick trifft mich: „Was? Warum? Wie spät ist es denn schon?“
Nach einem Blick auf die Uhr, trollt er sich endlich in unser Schlafgemach.

Drei Tage später hat er es dann geschafft, nach einigen Fahrten ins Fachgeschäft, mehreren Löchern in meiner Wohnzimmerwand (schließlich kann man sich ja mal vermessen)und einer nun nicht mehr schließenden Türe im Fernsehschrank (für die Kabel muss die Rückwand aussägt werden), ist die Anlage nun fertig montiert und einsatzbereit.

Mein Mann öffnet sich feierlich eine Flasche Wein, setzt sich genüsslich auf unsere Couch und dreht die Anlage voll auf.
Die Kinder halten sich die Ohren zu, die Katze sucht erschreckt das Weite und ich höre meinen Tinitus nun auch nicht mehr pfeifen.

Und mein Göttergatte?
Grinst mich an und meint nur: „Geil!“

Männer!
Was soll’s?
Ich gehe jetzt meine neue Bettwäsche auspacken, die ich heute gekauft habe.
Ja, ich weiß! Gebraucht hätte ich sie nicht, aber das Muster war so schön...

Sie erkennen Ihren Mann wieder? Dann seien Sie nachsichtig - er ist ja nur ein zu groß geratenes Kind! Liebe Männer, ihr erkennt Euch selbst wieder? Dann seid nachsichtig mit Euren Frauen, die das nicht verstehen! Liebe Grüße EvaEva-Maria Herrmann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.12.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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