Nika Baum

Die Baum unter Bäumen

Wie jedes Jahr am ersten Sonntag nach Allerseelen findet am Friedhof der Namenlosen am Hafen Wien-Albern eine Kranzlegung statt. Die Fischer bauen ein Floß, befestigen eine schwarze Gedenktafel, deren Inschrift in den Sprachen der angrenzenden Donauländer gehalten ist und schmücken es reichlich mit Blumen. Gleich einer Begräbnisfeierlichkeit wird den, an dieser Stelle angeschwemmten Toten gedacht, die ihre letzte Ruhe auf dem ganz besonderen Ort in Wien gefunden haben.

Immer mehr Menschen finden den Weg zu diesem mystisch anmutenden Gedenkakt und säumen den Weg des Trauerzuges bis zum Ufer der Donau, wo das geschmückte Floß von den Fischern, begleitet von Böllerschüssen, der Donau übergeben wird.

Heute war dieser so besondere Sonntag im November. Wir, mein Sohn und ich, fuhren nachmittags an den Hafen, denn ich wollte ihn diese Kranzlegung, von der ich ihm immer wieder erzähle, selbst erleben lassen. Als wir uns dem Silohafen näherten, merkte ich, dass wir die Übergabe des Floßes an die Donau verpasst hatten. Ich war beinahe froh, denn so blieb es Gregor erspart, meine unendliche Trauer und Verzweiflung zu spüren, die mich jedes Mal überkommt, wenn die Donau symbolisch ihre Toten zurückerhält. Der Trauerzug, allen voran der Pfarrer und die Musikkapelle, war bereits auf dem Weg zum Friedhof um den Gedenkgottesdienst zu zelebrieren, der für mich unvergesslich werden sollte:

Der Pfarrer war als Jugendlicher selbst sehr viel auf diesem Friedhof und dementsprechend authentisch sind seine Worte, seine Predigt. Er spricht von Bäumen, Menschen seien wie Bäume, groß und stark oder klein und schwach. Sie sind mächtig oder zart und zäh, jung und alt, krank und gesund. Es gibt welche mit unscheinbaren Blüten und ebensolchen Früchten, aber auch jene, die prächtig blühen und reichlich wertvolle Früchte tragen.

Ich blicke auf die Bäume, die den kleinen Friedhof umgeben und die Tränen laufen ohne jegliches Zutun die Wangen runter. Da stehe ich, ich die Baum unter all diesen schützenden Bäumen, unter all diesen Menschen, die plötzlich wie Bäume scheinen und fühle mich als Teil des Ganzen, spüre Verbundenheit.

Die Worte des Pfarrers höre ich nur mehr sehr gedämpft, lasse meinen Tränen freien Lauf und bin zutiefst berührt, mein Kind, meinen gesunden jungen Baum, beten zu hören.

(c) nika baum

 

Ich habe mich sehr geplagt, dieses Erlebnis in eine Kurzgeschichte zu bringen, möchte es jedoch weiterhin versuchen, um auch hier Übung zu erlangen und wünsche mir sehr, dass sie mühelos lesbar und verständlich ankommt! Vielen Dank für "Korrektur- bzw. Verbesserungsvorschläge" :)Nika Baum, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.11.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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