Hella S.

Ich hatte so eine schöne Ehe

„Ich hatte so eine schöne Ehe“, sagte der Ehemann als die Frau ihn verließ. Ja, ER hatte. Seine Frau gab alles in der Ehe,sie begrüßte ihn liebevoll, wenn er gestresst von der Arbeit kam, das Essen war fertig, die Kinder im Bett, die Planung für den nächsten Tag stand. Sie hielt alle Unbequemlichkeiten von ihm fern, er brauchte nur noch die Beine hoch zu legen. Jetzt werden viele Männer nicken und sagen: „So ist es gut, so soll es sein.“

Er bemerkte nicht die dunklen Augenringe. „Hol mir mal ein Bier“ „Früher hat er wenigstens bitte gesagt“, dachte SIE ja früher seufzte sie innerlich, da hatte er freiwillig den Mülleimer raus gebracht, er parkt sogar das Auto daneben, ist aber zu müde, ihn zur Straße zu bringen…was sind schon 4 Meter?

Fünf Jahre Ehe und die Partner sind verstummt. Warum spricht sie nicht aus, was sie denkt? Das kommt sicher vielen Frauen bekannt vor, warum reden SIE nicht? Fünf Jahre Ehe und sie hält still, hält alles aus, weil er ja so lange arbeitet, damit Geld ins Haus kommt. Sie arbeitet auch, aber nur halbtags, bis die Kinder wiederkommen. „Nachmittags hat sie ja frei und es sind nur 2 Kinder“, denkt er, „damit kann man doch locker fertig werden.“

„Manchmal versucht sie einen Streit vom Zaun zu brechen, (er hat mal wieder in Gedanken, wie es seine Gewohnheit ist, seine Klamotten auf den Boden geschmissen). „Zieh ich ja morgen wieder an, den Rest kann sie ja wohl mal gerade wegräumen, dann hat sie nachmittags wenigstens was zu tun.“

Er sieht nicht den bitteren Zug um ihren Mund, wie auch, wenn sie ihn anstrahlt, wenn er endlich von der Arbeit kommt. „Können wir nicht mal wieder gemeinsam etwas unternehmen“, fragt sie leise. Es ist so leise gefragt, dass er denkt, sie meint es nicht ernst und antwortet gar nicht.

Eines Tages sieht er sie zufällig an: „Na, sie könnte sich auch mal netter anziehen.“ Nun schaut er ein bisschen, nur ein bisschen intensiver nach den Frauen die ihnen entgegen-kommen. Einmal rutscht ihm der Satz raus: „ Die hat ja einen tollen Busen“ „Silikon, „ sagt sie verbissen. „ Wenn sie sonst nicht redet, über andere Frauen her ziehen und mir den Spaß verderben, das kann sie gut, “ denkt er. 

Er schaut und schaut nach den anderen Frauen während ihr Gehirn anfängt zu arbeiten: Was habe ich eigentlich vom Leben? Wann nimmt er mich mal in den Arm? Was tut er für mich? Wo bin ich geblieben, die immer heitere hübsche Frau…Und dann geht ihr ein großes Licht auf, sie will nicht mehr bis Weihnachten warten, bis er sie mal wieder umarmt, sie hat ihr eigenes Geld und braucht nicht viel zum Leben. Die Kinder sind schon groß und werden bald aus dem Haus gehen, sie haben so wie so immer mehr zum Vater gehalten, er ließ alles durchgehen, so war es für ihn am bequemsten.

Ohne ein Wort, denn diese fürchterliche Ehe hatte sie stumm gemacht verließ sie das Haus.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.11.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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