Pierre Heinen

Tierische Wortgefechte mit den Goldfischen

 

Neulich fragte ich meine fünf Goldfische: „Wie ist es denn so im Wasser? Fühlt ihr euch wohl in eurem Element?“

Einer kam sogleich näher ans Glas geschwommen und blubberte mir sofort was von seinem Vetter, der benehme sich wie ein Hecht im Karpfenteich. Er würde andauernd allen anderen das beste Futter wegfressen und wäre die reinste Made im Speck. Er deutete anschließend mit seiner rechten Brustflosse auf einen der größeren Goldfische.

„Dein Vetter ist aber kein toller Hecht und wie eine Made sieht er auch gar nicht aus“, habe ich ihm flüsternd erklärt. „Er ist nur ein Goldfisch.“

Ich glaub mich tritt ein Pferd!, regte sich jetzt die jüngere Schwester auf, die sich zu ihrem Bruder gesellt hatte. Ich würde wie der Ochs vorm Scheunentor stehen, plapperte sie drauf los. Ich müsste ja nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen und das Füttern revolutionieren, aber ich könnte ja in Zukunft weniger Perlen vor die Säue werfen. Dann entschuldigte sie sich für ihren frechen Ton, sie spreche eben so, wie der Schnabel ihr gewachsen sei.

Als ich ihr klarmachen wollte, dass sie keinen Schnabel besitze, hielt ich inne. Verblüfft stand ich vor dem Aquarium. Wieso rede ich mit meinen Goldfischen?, ging es mir durch den Kopf. Und warum sie mit mir? Und woher haben sie all das Wissen? Ich schaute den Tieren eine Weile zu, wie sie ganz still ihre Bahnen schwammen. Hatte ich mir das eingebildet? Ich näherte mein Ohr wieder dem leblosen Glas.

„Alles in Ordnung?“

Keine Reaktion mehr seitens der Fische. Nichts. Hatte der Vetter etwas von der Unterhaltung mitbekommen? Die anderen gar bedroht? Drehte ich jetzt vollkommen durch?

Der Goldfisch, der vorhin mit mir das Gespräch begonnen hatte, tauchte auf den Grund. Ich folgte ihm vor der Glasscheibe nach unten. Ob ich nun erkannte habe wo der Hase im Pfeffer liege, wollte er wissen. Ich bejahte und ging.

Ab dem Tag verteile ich das Futter immer gleichmäßig auf der Wasseroberfläche und seit dem Tag steht der Abreißkalender mit den Sprichwörtern und Redensarten nicht mehr direkt neben dem Aquarium. Dort habe ich Unterwasseraufnahmen aus dem Roten Meer hingestellt. Im Aquarium kräht kein Hahn mehr nach dem Kalender. Und das ist auch gut so. Stellen sie sich mal krähende Goldfische vor ... ich bitte Sie!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.11.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Sobald der Winter vorbei ist, wird der Kampf um die Goldinsel Payla beginnen. Zwei Reiche werden sich gegenüberstehen und die Welt auf Jahre hinaus in ein Schlachtfeld verwandeln ...
Oder gibt es jemanden mit diplomatischem Geschick, der einen solch blutigen Krieg verhindern kann?

Pierre Heinen, Jahrgang 1979, ist seit frühester Jugend begeistert von Geschichtsbüchern und Verfasser unzähliger Novellen. In Form des zweiteiligen „Payla – Die Goldinsel“ veröffentlicht er seinen Debütroman im Genre Fantasy. Der Autor lebt und arbeitet im Großherzogtum Luxemburg, was in mancher Hinsicht seine fiktive Welt beeinflusst.

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