Wie tausend Diamanten funkelte das Netz der Spinne im gleißenden Sonnenlicht, seine Schönheit blendete mich, so schön war es. Doch trotz aller Schönheit: ein vage Ahnung wollte mich auf Abstand halten. Aber die Schönheit blendete mich, und so kam ich ihm doch zu nahe. Und sogleich biss die Spinne mich, lähmte mich und wickelte mich ein in ihre klebrigen Fäden, so dass ich nimmer entkommen konnte. Ich war erstarrt – gelähmt – und hilflos der Spinne ausgeliefert, die mich langsam und genüsslich aussaugte, bis fast kein Leben mehr in mir war. Und so sehr ich auch mit letzter Kraft noch strampelte und mich wehrte gegen das leise, stille Ausgesaugtwerden: ich hatte keine Chance, meine Kräfte schwanden mehr und mehr, und das Leben wich mehr und mehr aus meinem Körper. Doch kurz vor meinem Tode, wurde ich dem Netz entrissen: die Spinne brachte mich ins Krankenhaus, dass ich wieder aufgepäppelt würde und sie ihr Vergnügen an mir noch verlängern konnte.
Aber das war ihr Fehler: einmal frei und der direkten Umklammerung entronnen, ging ich erst einmal wieder heim, aber die klebrigen Fäden hingen noch an mir und das lähmende Gift hat seine Wirkung noch lange nicht verloren, und so klebte ich immer noch wie gelähmt an der Spinne, die sich dergestalt also nach wie vor an mir laben, mich aussaugen und sich von ihrer Beute ernähren konnte.
Aus meiner größeren räumlichen Distanz nun schaffte ich es zwar, die klebrigen Fäden so nach und nach durchzuschneiden, aber das lähmende Gift wirkt immer noch, und ich suche verzweifelt nach dem Gegengift, das mir mein Leben und meine Lebendigkeit wieder zurück gibt, um deretwegen die Spinne mich ja überhaupt erst als ihr Opfer auserkoren hatte.
Bis heute - Jahre später - wage ich mich nicht in die Nähe der Spinne aus lauter Angst, sie würde meine Starre und Gelähmtheit in ihrer Gegenwart wieder ausnutzen und mich einwickeln mit ihren klebrigen Fäden.
Und ich dachte, es wäre die große Liebe! Das Glitzern, das Funkeln wie Diamanten! Es waren keine Diamanten! Es war keine Liebe! Es war eine tödliche Falle, der ich bis heute nicht wirklich entronnen bin.
Alles Liebe von Sabine J
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.11.2009.
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