Andreas Rüdig

Speyerer Schuh

 

"Unter den salischen Kaisern (1024 - 1125) steigt Speyer zu einem der herrschaftlichen Zentren des Reiches auf. Entscheidend wird die Grundsteinlegung zum Bau des Domes um 1030 durch Konrad II, Domweihe 1061. Dieser romanische Bau mit seiner bis heute unverändert erhalten gebliebenen großartigen Krypta ist Grablege des salischen Herrscherhauses; acht Kaiser und Könige, darunter vier salische Kaiser. Der größte erhaltene und bedeutendste Kirchbau der romanischen Epoche beherrscht bis heute die Silhouette der Stadt.

1076 tritt Heinrich IV von seiner Lieblingsstadt Speyer aus den Gang nach Canossa an. In dieser Zeit verdichten sich in den Quellen auch die Nachrichten über jüdische Einwohner. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts schließlich gehörte die Heilige Gemeinde von Speyer neben denen von Mainz und Worms zu den bedeutendsten Judengemeinden Mitteleuropas. In dem einst weitläufigen jüdischen Gemeindeareal haben sich die Ruine der Synagoge (1104) und das Ritalbad (vor 1120) mit dem Badeschacht in ca. zehn Meter Tiefe erhalten.

1111 verleiht der letzte Salier, Heinrich V., den Bürgern grundlegende Freiheiten. Der erste Schritt auf dem langen Weg zur kommunalen Selbstverwaltung ist gemacht. 1294 endet die bischöfliche Stadtherrschaft. Speyer wird einige der wenigen `Freien Reichsstädte´ des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation´.

50 Reichstage bringen der Stadt nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts steht Speyer einmal mehr im Mittelpunkt des europäischen Interesses. Auf den Speyerer Reichstagen von 1526 und 1529 wird die endgültige Spaltung der römischen Kriche vorbereitet. Die 1893 - 1904 erbaute Gedächtniskirche erinnert an die 1529 in Speyer vollzogene Protestation. 1527 schließlich zieht eine für das Rechtsleben im Alten Reich wichtige Institution in Speyer ein und bleibt bis 1688: das Reichskammergericht.

Mit der Zerstörung der Stadt Pfingsten 1689 wird diese erfolgreiche Epoche Speyerer Geschichte abrupt beendet. Auf Befehl Ludwigs XIV. wird die Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg niedergebrannt. Nur der östliche Teil des Domes, das Altpörtel und wenige Gebäude am Stadtrand bleiben erhalten. Erst zehn Jahre später, 1698, durfen die allmählich zurückkehrenden Bürger mit dem Wiederaufbau beginnen. Trotz aller barocken Neubauten wie dem Rathaus (1712 - 1726) oder der Dreifaltigkeitskirche (1701 - 1717) bleibt der mittelalterliche Grundriß der Stadt mit dem auf den Dom ausgerichteten fächerförmigen Straßensystem erhalten.

Während der Französischen Revolution wird Speyer 1797 Frankreich zugeordnet, gehört ab 1816 zu Bayern und wird Sitz der Bezirksregierung der nun zum Königreich Bayern gehörenden linsrheinischen Pfalz. Das Gesicht der Stadt verändert sich. Der Aufbau des bayerischen Verwaltungsapparat bringt zahlreiche Behörden in das aufstrebende Bayern.

Das Rathaus, ein repräsentativer Spätbarockbau, wurde zwischen 1712 und 1726 an der Stelle der aus dem 15. Jahrhundert stammenden, 1689 zerstörten städtischen Kanzlei und zweier Hausplätze errichtet. Sehenswert im Innern sind vor allem der Ratssaal im Stil des frühen Rokoko, das Ältestenratszimmer und der Trausaal.

Die Dreifaltigkeitskirche wurde als lutherische Kirche nach dem Vorbild der Frankfurter Katharinenkirche zwischen 1701 und 1717 von dem Baumeister J. P. Graber erbaut. Den Innenraum - er besitzt noch weitestgehend die ursprüngliche Ausstattung - schmückt ein reich bemaltes Holzgewölbe. Die Holzschnitzereien an Kanzel, Altar und Emporen von Chr. Dathan sind sehenswert.

Der Holzmarkt diente - ähnlich dem benachbarten Fischmarkt (erwähnt 1290) als Stapel-, Umschlag- und Marktplatz.

Im Westen erhebt sich das durch die `Via triumphalis´ mit dem Dom verbundene Altpörtel, eines der höchsten (55 m) und bedeutendsten Stadttore Deutschlands. 1176 erstmals erwähnt, ist dieses ehemals westliche Haupttor der Stadt heute bedeutendster Teil der ehemaligen Befestigung der Stadt. In seinen unteren Teilen wurde es zwischen 1230 und 1250 erbaut. Das obere Turmgeschoß mit der spätgotischen Maßwerkbrüstung und den Arkadenbögen der Galerie wurde 1512 - 1514 hinzugefügt. Das steile Dach mit der Laterne ist 1708 aufgesetzt worden. Architektonisch besonders reich gegliedert ist die Ostseite des Turmes, die Westseite weist kleine Schießscharten auf. Auf der nördlichen Seite der Altpörteldurchfahrt befindet sich in Form einer eisernen Klammer das Speyerer Normalmaß, der 29 cm hohe Speyerer Schuh, nach dem sich jeder Handelstreibene in Speyer richten mußte.

Der romanische Dom (Grundsteinlegung unter dem salischen Kaiser Konrad II. um 1030) konnte schon 1061 geweiht werden. Nach 1080 bis ins frühe 12. Jahrhundert (um 1106) erfolgen auf Wunsch Heinrich IV. größere Umbauarbeiten und Erweiterungen zu einem der bedeutendsten und größten romanischen Bauwerke Deutschlands. Die Kathedrale des Bistums Speyer - und die spätere päpstliche Basilika - übertraf im 11. Jahrundert in ihren Maßen der hohen Gewölbe alles bisher vorhandene (erstmalige Verwendung des Blendbogensystems und der Zwerggalerie). Nach der teilweisen Zerstörung 1689 beginnt 1772 - 1778 der Wiederaufbau der Langhausjoche in der ursprünglichen Form. Von 1854 - 1858 wurde der Westbau neu errichtet. Besondere Beachtung verdient auch die Krypta, die bis heute unverändert erhalten geblieben ist. In der neuzeitlich angelegten Kaisergruft sind acht deutsche Kaiser und Könige, vier Königinnen und eine Reihe von Bischöfen beigesetzt. Hier befindet sich das Grab Konrad II., der diesen Dom immer auch als Haus- und Grabeskirche des salischen Herrscherhauses gesehen hat," stellt sich Speyer in einer Imagebroschüre selbst vor.

 

 

Hör mal, Anastasius, wir müssen unserem Filius unbedingt neue Schuhe kaufen. Die alten sind schon durchgewetzt. Ich mach das morgen. Einverstanden?

Ja, klar.

Hast du mir überhaupt zugehört?

Nö.

Man merkt`s. Rück endlich das Geld rüber.

 

 

(am nächsten Tag im Schuhladen)

Guten Tag, meine Dame. Kann ich Ihnen helfen?

Ja, das können Sie tatsächlich. Mein Sohn braucht neue Sportschuhe. Was können Sie mir zeigen?

Die Sportschuhabteilung ist da drüben. Welche Schuhgröße hat Ihr Sohn?

30.

(in Gedanken) Oh, oh, die blöde Kuh lebt noch immer hinter dem Mond. Die kennt noch nicht die Maßeinheit "Speyer". (laut) Sie meinten bestimmt 1,1 Speyer?

Nein, ich meinte tatsächlich die Schuhgröße 30.

 

 

(Brief der Stadt Speyer an die Mutter von Blasius)

Sehr geehrte Frau Mutter,

nach diversen Beschwerden der örtlichen Händler über Sie möchten wir Sie darauf hinweisen, daß SIe in der Freien Reichsstadt Speyer wohnen und leben. Gemäß städtischer Verordnung ist das  einzige hier erlaubte Konfektions- und Längenmaß der  "Speyer". Den Speyerer Schuh als Richtmaß können Sie am Altpörtel einsehen. Bitte benutzen Sie in Zukunft im gewerblichen Handelsverkehr die richtigen Begriffe und Längenmaße. Ansonsten sind die Händler berechtigt, eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 10 % des Warenwertes zu erheben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Stadt Speyer

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.11.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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