Wilhelm Westerkamp

In der Stille

 

Sie sangen im Schnee, des kalten Windes entgegen. Eisig läuft das Blut stumpf

über den Schnee. Eulen schreien tief in der Nacht, niemand ist zu sehen oder

zu erkennen -einfach nur Stille. Ich sitze hier im Dunklen, in der Stille der tausend

Träume, könnte ich nur noch weinen oder gar schreien, in die Stille hinein. Lautlos

wie ein Panther könnte ich durch den Schnee schleichen, jetzt als Raubtier. Wilde

Tiere jedoch sind scheu, sie lieben die Stille ganz besonders, denn Geschrei könnte

die Beute verscheuchen und Hunger würde am Raubtier nagen und die Kräfte rau-

ben. Der Schnee jedoch, im Dunklen eine gräuliches Abbild, sucht die gleißende

Sonne um sich in ihrer strahlenden Pracht zu präsentieren. Das Raubtier längst

verschwunden, - ihm liegt die Dunkelheit und die Stille. Wisst ihr, welch spitze

Zähne so ein Raubtier hat? Es könnte auch mit Leichtigkeit einen Menschen über-

fallen und mit Genuss verspeisen. Blut wäre dann am Maul des Raubtieres anhaftend,

welches die Gier des Tieres nach Beute ausdrückt. Das Tier handelt beim Töten in-

instinktiv, der Mensch mit Verstand und „Moral“. Wenn die Dunkelheit sich träge

verzieht, dann kommen die Jäger durch den Wald und das Horn wird geblasen.

Die Jagd hat begonnen, das Tier ist auf der Hut, weiß um die Gefahr. Der Schnee

blitzt bei Sonnenaufgang sein kaltes Grinsen; die Sonne lacht dazu. Der Tod ko-

mmt durch den weißen Schnee, er vermisst das Blut der toten Tiere. Könnte er

weinen, er würde es tun, doch er bleibt still, so still wie die Nacht. Doch es ist

Tag. Er hat die Nacht verschlungen, das „töten“ kann beginnen und der Jäger

folgt seinem „Jagdinstinkt“. Das Tier fürchtet den Mensch, es weiß das der Tag

nicht sein Revier ist, sondern dem Menschen vorbehalten ist. Weint der Jäger, wenn

er seine tote Beute sieht oder ist er im Rausch des Tötens nicht mehr fähig dazu?

Sein Herz schlägt munter den „Todestakt“, keine Träne wird verschwendet, kein

Gefühl des Mitleids wird geäußert. Töten ist eine Faszination wie das“ Dopen“ im

Hochleistungssport“ und was fasziniert, das wird auch gemacht und ohne mensch-

liche Regung in Beziehung auf Mitgefühl. Erregung nur durch das Töten an sich,

der Plus der Jägers ist stark erhöht, er fühlt sich Omnipotent. Töten und Größen-

wahn liegt dicht beieinander; sie küssen sich beinahe. Die Sonne scheint dem Jä-

ger ins leuchtende Gesicht, die Waffe noch in den Händen haltend, die tote Beute

im kalten Schnee liegend. Es ist niemand zu sehen, außer den beiden. Der Tod

kommt in der Stille, ist nicht zu fassen, lautlos findet er seinen Weg zu seinem

Opfer“, welches spürt wie nahe der Tod schon ist. Wäre die Liebe nicht schön,

die goldenen glänzt, die schön wie ein Diamant funkelt und Glücksgefühle erzeugt

und doch so schnell zu Ende sein kann, wie der Tot eines Tieres? Der Tod lacht

sein Lachen, der Jäger stolz auf seine Beute und dabei so nah am Tod, wie noch

nie, wird er jetzt nicht mehr an die Liebe denken. Vielleicht hat der Jäger gewonnen,

wenn er in die blutunterlaufenen Augen des Tieres gierig schaut. Aber der Schnee

wird nicht ewig funkeln, der Tod jedoch für immer sein.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.11.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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