Saschika Kavit

Tränen der Engel(1)- Schmerzende Erfahrung


(Erst wenn man die Eltern verliert, hört man auf Kind zu sein, das Kind der Eltern)
Teil:1 Schmerzliche erfahrung
 
Die Nacht war Sternen klar und die frische Luft herrlich, ich hatte den ganzen Tag damit verbracht gehabt, Den Armseeligen Versuch zu starten einer Freundin bei ihrem Liebeskummer zu helfen, wo ich mich nun, wo ich endlich wieder auf dem Heimweg war mich wohl fühlend streckte und mich nun richtig auf den Weg nach Hause freute. Kaum zu glauben? Genau das dachte ich auch, ich die Lauffaule und mich freuen auf einen Weg, einen Fünfminuten Weg! Aber wirklich das tat ich, denn wenn ich alleine lief träumte ich immer, das war die einzige Zeit wo ich mir das träumen nicht nehmen ließ und es nie nehmen lassen würde!
"Wo hast du dich wieder rum getrieben? Meinst du die Wäsche waschen sich von alleine? " dröhnte mir diese schreckliche stimme, als ich die Wohnungstür öffnete, schon missgelaunt wie immer entgegen. Zusammenzuckend blickte ich in das saure Gesicht meiner Stiefmutter hinein. Die grauen Augen waren herabschauend auf mich gerichtet und ihr mit roten Lippenstift verschönter Mund verzog sich mit dem perfekt gepudertem Gesicht zu einer Grimasse. Am besten einen Hammer nehmen und drauf schlagen, den so etwas konnte man nicht mehr verunstalten, sagte ich mir immer selbst in solchen Momenten, um innerlich zu lachen, den ich war leider total sentimental von Natur aus zu nah am Wasser gebaut, richtig gefühlsangreifbar! Es reichte schon wenn jemand mir gegen über laut wurde, damit ich schon mit den Tränen kämpfen muss, aber das war nicht immer so!
"ich hatte mich verfahren " verengten sich meine Augen, Wut, Hass oder Angst? Ich wusste nicht was meine Augen am meisten ausstrahlten, doch ich wusste das jedes dieser Gefühlen in diesem Moment in mir vorhanden war.
"Ich kann deinen Vater gut verstehen, wieso er dich in ein Heim stecken will!" grinste sie erfreut, voller Egoismus. Vor Schock fehlte mir jedes Wort, meine Augen wurden groß und nun konnte ich kaum noch gegen meine Tränen kämpfen.
"Papa" rannte ich denn Flur entlang, es war zum Glück schon nach fünf, wo er auch schon zu Hause war.
Mein Vater arbeitete immer den ganzen Tag, manchmal dachte ich wirklich dass er wohl möglich mehr mit seiner Arbeit verheiratet war, als mit seiner Frau
"was schreist du denn so?" kam er mir an seinem Zimmer schon entgegen, was ich genau angesteuert hatte.
"Stimmt das? Soll ich in ein Heim?" blieb ich vor ihm entsetzt stehen. Mein Vater seufzte schwer.
"Das ist das Beste für dich, für uns alle!" schaute er mich mit seinen blauen Augen klagend an. In diesen Moment wünschte ich mir nicht seine tiefen blauen Augen zu haben, nicht seine braunen Haare, ich wünschte mir nicht mehr seine Tochter zu sein! Er sagte für uns alle! Sollte das heißen das er mich nicht mehr bei sich haben will?
"Wieso?" kam Hass in mir hoch, auch wenn meine Stimme verzweifelt klang
"Sylvia ist schwanger und eine größere Wohnung finden wir hier nicht und weg ziehen, das kommt für uns alle nicht in Frage, den alle haben hier ihr Leben, ihre Freunde und ich meine Arbeit! " versuchte er zu erklären, ja Freunde, Leben, ich hatte doch auch mein Leben hier oder?
"Und was hat das damit zu tun das ich ins Heim soll? Habt ihr etwa Angst das ich ihre Schwangerschaft gefährde, weil sie mich hasst und vielleicht wegen mir sich aufregen könnte?" nun klang meine Stimme fest und Vorwurfsmäßig. Aus der einst so großen Vaterliebe die ich empfand, war nun nur noch bloßer Hass geworden. In einem Heim bleibe ich vielleicht eins, zwei Jahre, dachte ich mir und wenn ich sie dann wieder nerven würde, was dann?
"Was das mit dir zu tun hat, Jeari? Das neu geborene braucht ein Zimmer! " nun wich mir wirklich jegliche Farbe aus dem Gesicht. Er wollte mich für immer hier raus haben? Seine eigene leibliche Tochter
"Wieso ich? Wieso nicht eines ihrer Kinder? Jeremy ist schon 18, wieso nicht er?" schrie ich schon fast. Mein Vater schüttelte den Kopf.
"Nein du weißt das sie nie eins ihre Kinder weg schicken würde! Eine Mutter liebt ihre Kinder, das müsstest du doch wissen, Jeari" in dem Moment sahen seine Augen so sanft und liebevoll aus. Doch der Schein trügt der einem im ersten Moment erreicht, der Blick galt nicht mir, sondern Sylvia.
"Ja eine Mutter liebt ihre Kinder! Ein Vater nicht? Lieben sie mich also nicht? " er wollte mich unterbrechen, doch ich ließ mich nicht unterbrechen, sprach mit fester und kalter Stimme weiter. Das erste Mal das ich dies tat
"Ja ist gut, ich werde gehen, ja, wenn es ihr Wunsch ist! Wenn sie es so haben wollen Mister. Okay, dann gehe ich und ich schwöre bei Gott, bei alles was mir eins mal heilig wird, ab nun werden sie für mich ein Fremder sein. Nie wieder werde ich sie als Vater oder des gleichen anreden, denn nun werden sie dies auch nie wieder für mich sein! " beendete ich meinen Satz. Ich wusste was er sagen wollte, er wollte fragen wieso ich ihn mit sie anspreche, doch ich denke mal das dies nun erklärt sein dürfte, den einen fremden sprach man so an, ging ich hoch in mein Zimmer, mein vorrübergehendes >noch< Zimmer, dachte ich mir leidvoll.
Als ich die Tür hinter mir schloss, glitt ich innerlich schreiend und schlunzend die Tür herunter und brach vollkommen in Tränen aus. Ich war durcheinander, mein Vater wollte mich nicht, ich war ihm egal geworden, lästig! Der eigene Vater empfand sein einziges Kind als lästig, schrien meine Gedanken immer wieder, was mir die Tränen immer wieder erneut in die Augen schießen ließ. War es denn nicht schon Strafe genug, das meine Mutter tot war? Mein Vater hatte sich danach so liebevoll um mich gekümmert, ich war immer seine kleine kurze, sein ein und alles. Die Hauptsache für ihm war immer, dass es mir gut ging und an nichts fehlte, bis mal jemand zu ihm sagte, das ich eine Mutter bräuchte. Er wollte mir selbst dies geben! Ging mir verschiedenen Frauen immer wieder aus. Schaute wie sie auf mich reagieren und ich auf sie, doch nun? Die für mich bestimmte Mutter, die mein Leben schöner machen sollte, sie hasste mich, behandelte mich wie den letzten Dreck und nahm mir meinen Vater, der mich eiskalt fallen ließ. Da fragte man sich doch echt wo dieser Mann, der eins mein Vater war, hin ist oder? Die Möglichkeit das es zwei verschiedene Menschen sind wäre am nächsten, doch ich kannte meinen Vater und dies war auch mein Vater, nur war in seinem Herzen nun kein Platz mehr für mich.
Der Montag kam dann auch schnell heran, die drei Tage die vergangen sind, kamen mir vor als ob sie nie stattgefunden hätten. Den ich konnte es immer noch nicht glauben, dass ich weg sollte, meine Tränen waren immer noch nicht getrocknet. Meine koffer waren gepackt und ich hatte das Gefühl in einem schlechten Traum zu stecken. Den genau so kamen mir die letzten drei Tage vor, ein schlechter Traum mehr nicht! Doch nun wo ich am Bahnhof stand, die Koffer neben mir und mein Vater neben ihnen, still schweigend auf die Schienen guckend, sah ich das es kein Traum war! Den es wirkte wie zwei Fremde die neben einander bloß verharrten, zufällig am gleichen Bahnhof standen und den anderen nicht beachteten. Mit dem Unterschied das einer von beiden ein gebrochenes Herz besaß und den anderen, den vermeintlich gedachten liebevollen Vater, der er nicht mehr war, bittend im Arm nehmen wollte, bitten will doch endlich wieder seine kleine Tochter zu lieben und zu sagen das alles wieder gut wird, das der Albtraum gleich ein Ende nimmt. Doch das tat es nicht, das Geräusch der Bahn, wie sie langsam zum stehen kam, schnürte mir das Herz zu, doch ich verbot mir jede Träne, wollte nicht weinen und ich würde diesmal auch nicht weinen
"es ist an der Zeit, Jeari" hob er die Koffer an und betrat die Bahn. Der Wind wehte scharf an mir vorbei, zog mein Haar mir ins Gesicht, so das ich für einen Moment nichts mehr sehen konnte. Die Augen vor Leid kurz geschlossen, strich ich mir das lange braune Haar hinter die Ohren, damit ich wieder was sehen konnte.
"Leb wohl Jeari!" hörte ich ihn noch sagen, bevor er die Bahn wieder verließ. Sollte ein Vater einen nicht im Arm nehmen? Und bis dann und dann sagen? Wann auch immer das wieder sehen sein sollte? Sagen das er mich besuchen kommt , mich vermissen wird und lieb hat? Ja eigentlich schon! Doch dieser, mein Vater, er tat es nicht, ging eigentlich Wortlos wenn man das >leb wohl< mit meinen Namen am Ende mal außer Tracht lässt, einfach wieder aus der Bahn heraus, damit unsere beiden Leben von einander trennend.
Kurz lasse ich meinen Blick zu den beiden schwarzen Koffern vor mir gehen, die er auf die Sitze gelegt hatte. Mein ganzes Leben sollte nun dort drin sein? Ein absurder Gedanke oder? Wie konnte das Leben einer Person in zwei großen schwarzen Koffern sein? Ja das würde ich jetzt auch fragen, wahrscheinlich den Mund noch skeptisch verziehen, doch es war so und es ist so, all mein Hab und Gut, alles war da drin, all das was mir nicht weg genommen wurde oder zerstört wurde, den ich besaß nun kein zuhause mehr, das war Vergangenheit!
Er sagte mir das mich von meiner Haltestelle jemand abholen würde und alles weitere erklärt, mich zu dem Heim fahren würde, Heim, dieses Wort lies mich innerlich zittern, ich musste plötzlich daran denken, was ich sagen solle wenn Besuchszeiten sind, eine Ausrede wieso mich keiner abholen tut, wieso ich nicht nach Hause kann oder gar nie besuch bekomme? Vielleicht sagen mein Vater sei schwer krank? Oder auch tot? Nein die Wahrheit, ich müsste die Wahrheit sagen, kullerten mir nun still Tränen über die Wangen, entsetzt blickte mich eine ältere Dame links neben mir mitleidig an. Meine Augen tuten weh, sind sicherlich von den Tränen leicht rot angelaufen, ja das denke ich mal, ein schwaches Lächeln, das ist alles was ich zu Stande bringe, doch es beruhigte die alte Frau! Sie wird bestimmt denken das der Abschied mir nur weh tat, den die Koffer zeigen ja das dies ein Abschied war, doch was würde sie denken wenn sie wissen würde das es ein Abschied für immer ist?
Sie lächelte mich liebgemeint an, wobei sich leichte falten hinter den Augen zusammen zogen und das Lächeln damit noch unterstreichen, so sah es bei meinen Vater auch immer aus wenn er so lieb lächelte, diese kleinen Fältchen!
-Hör auf- verbot ich mir mich selber weiter zu verletzen, es reichte, ich musste mich doch nicht auch noch selber quälen, reichte doch wenn andere es genüge getan haben und nun erst recht tun.
"Ich hasse sie! " zischte ich leise, zu leise als das jemand es gehört haben könnte, ich hasste Sylvia so sehr das ich keinen Ausdruck mehr für fand.
Als die Bahn endlich meine Endstation erreicht hatte, atmete ich noch mal tief durch und wollte mit den Koffern einfach lächelnd aussteigen. Doch wer konnte ahnen das die so schwer sein würden? Ich musste mich richtig ansträngen um diese Dinger überhaupt hoch zu bekommen und noch mehr um rechtzeitig auch aus zu steigen.
Verloren schaute ich durch die Runde als ich die Koffer auf den Boden abstellte. Bis jetzt sah ich niemand der jemanden zu suchen schien, doch halt blieb mein Blick plötzlich an einen jungen Mann hängen, an einen jungen Mann den ich kannte, den ich vor drei Tagen an diesen schrecklichen Tag das erste Mal gesehen hatte.
Und der Schock in unseren Augen zeigte dass jeder von uns überrascht war den anderen nun zu sehen. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.12.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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