Meike Schrut

Das schlecht geschriebene Drehbuch (4.Teil)

Szene 47 noch

Ralph

(ernsthaft)

„Was oder wen siehst du eigentlich in mir?“

Marianne

(zögerlich)

„Damit ich das richtig verstehe: du kannst jetzt diesen harmlosen Kuß nicht erwidern, mit dem ich dich eigentlich um Verzeihung bitten wollte, ja, mir war eben nicht kalt. Jedenfalls nicht nur, eher heiß und kalt zugleich, weil ich dich nicht verärgern wollte. Ich versuche dich zum kürzer treten zu bewegen, weil ich dich liebe, du merkst es nicht einmal und spielst zu gut den Mißtrauischen. Ach, eher nein: den hast du gar nicht nötig zu spielen, du bist auch gegenüber mir mißtrauisch, ganz „tolle“ Sache..“

ERZÄHLER

„Marianne hat sich in Rage geredet und tatsächlich die Wahrheit gesagt. Für sie ist er eben nicht die Figur die er jeweils zu spielen hat. Ihr ist der zu beschäftigte Mann zu wichtig geworden, als das sie zulassen kann, dass er sich stückweise zu Grunde richtet und er ist der Mensch, den sie für den Rest ihrer Tage neben sich haben will. Das ewige Mißtrauen hatte sie einst mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen und sich eigentlich damit abgefunden, dass ihm ihre Gegenwart ziemlich egal sein mußte.“

Sie will sich von ihm lösen, weil ihr die eigenen vor Tränen schimmernden Augen bewußt geworden sind und sie selbst diese kleine Schwäche an sich hasst. Sanft setzt er sie auf das Sofa, lässt sich neben ihr nieder und legt seine schlanke Hand auf die ihrige. Warum ihm der Herzog aus „die Herzogin“ so plötzlich in den Sinn kommt, er weiß es nicht einmal. Im Film kann man jederzeit abbrechen lassen und „diese Szene noch einmal“, genau diesen Moment zurückholen, ab welchem man selbst ahnt, dass man einen Fehler begangen hat. Und wenn dieser Fehler nur in einem falschen Augenaufschlag bestanden hätte. Normalerweise vertieft er sich nicht hinterher in irgendeine Rolle, um sich bei der Figur, die er spielt , sozusagen Rat zu holen, also bei sich selbst. Mariann wartet geduldig, als ahnt sie, dass sie ihn soeben an einer sehr empfindlichen Stelle getroffen hat. Er lässt sich nicht gern den Spiegel vor halten.

Ralph

(unsicher)

„Verzeih, wenn ich erst einmal sozusagen Luft holen muß. Natürlich nehme ich deine Entschuldigung an, kein Problem. Die Definition von Liebe sollte wirklich nicht das sein, was ich als Herzog in „die Herzogin“ von mir zu geben hatte, war also das: in der Art, in der ich Liebe verstehe, wäre dir zu billig und dir gegenüber auch nicht ehrlich. Ich bin kein Mensch, der sich leicht überzeugen läßt, dafür habe ich schon zu viel Seltsames erlebt und dem hat man dann auch schnell das Mäntelchen mit Aufschrift „ich liebe dich“ umgehängt. Wovor ich Angst hätte - wenn ich das Wort Angst in meinem Sprachgebrauch privat zulassen würde und mir ist das Wort schon peinlich genug, dann davor: das jemand mich seelisch ersticken könnte vor lauter „du mußt jeden Tag bei mir sein und ich habe kein Verständnis für..“

Ralph`s Stimme aus dem Off

„Das ich einmal so herum stelzen würde mit Worten, kaum zu glauben. Sie muß denken.. Ja, was denn verflucht.. Was könnte sie denken..“

Ralph

(zögernd)

„Kann ich von dir erwarten, dass du meine ziemlich schlechten Angewohnheiten gelassen hin nimmst und dich nicht einmal beschwerst, wenn ich mal für mich sein muß?“

Marianne

(spöttisch)

„Dann sind wir einander ja nicht all zu unähnlich. Was habe ich von einem Mann, der vor Langeweile fast umkommt, mich kontrollieren will und im Übrigen vielleicht gar nicht treu sein kann?“

Ralph

(neckend)

„Ich hoffe, du würdest nicht bei jedem weiblichen Fan eine Affäre wittern, soll tatsächlich noch sehr junge Frauen geben, die scheinbar vergessen haben, das die Zeit vergeht, auch für mich..“

Sie sieht ihn sehr nachsichtig an...

ERZÄHLER

„Was könnte man den beiden Menschen großartig wünschen.. Marianne wird ihn vielleicht besser kennenlernen wollen oder auch nicht, wird möglicherweise eine andersfarbige statt der rosaroten Brille aufsetzen , aber die Zukunft kann Marianne nicht einmal  in dieser fiktiven Geschichte vorhersehen mit all den anderen Personen an ihrer Seite, ob da nun reale Personen angedeutet wurden oder nicht..Aber an dieser Stelle wird es Zeit für meinen Vorgänger, der sich schon langweilte und mir mehr als einmal das Wort verbieten wollte. Und wieder sei erwähnt, was Richard Burton als Autor in „ der Schrecken der Medusa“ ungefähr sagte: „Ich bin nicht verantwortlich für das, was meine Figuren sagen..“ Es hat einen Dialog auch dazu gegeben, er sei hier aber auch unwichtig.

ERSTER ERZÄHLER

"Bedanke mich ja sehr für den Urlaub, aber nun kann es weitergehen bei mir.

Ralph und Marianne sind so total mit sich beschäftigt gewesen, dass die Drehbuchfragen auch in 2 Tagen etwas zum Erliegen kamen. Dann fällt Marianne ein, was sie im Drehbuch noch gelesen hat..

Marianne`s Stimme aus dem Off

„Madleine`s tote Freundin, die ja die Skizzen lieferte, die man schwerlich entfernen kann aus dem Drehbuch, ohne dass Ralph es mitbekommen würde. Aber gerade die sind nun eben nicht für seine Augen bestimmt. Aus welchem Jahr waren die Skizzen? 2005? Ich habe auch vergessen, ab wann Madleine ganz geschickt die Schreibweise von IHR annahm, der genaue Tag des Unfalls sollte ja unbedingt unter den Tisch fallen und ich ahne auch warum..“

Madleine, die sich mit RF ebenfalls wie Ralph mit Marianne in der riesigen Wohnung von RF aufhalten kann, ohne dass sie einander stören, befindet sich in einem der Wohnzimmer und sieht Marianne fragend an.

Szene 48                                             INNEN - Wohnzimmer in RF`s Wohnung - TAG

Madleine

(verwundert)

„Bist ja ungeheuer tüchtig gewesen, dass du das Drehbuch schon verschlungen hast, es liest sich etwas schwer, oder?“

Marianne

(ratlos)

„Versuch du dann mal, Ralph - wenn er das Buch auch lesen möchte, wovon ich ausgehe - zu erklären, warum wir die ersten 10 Seiten und all das, was SIE dir allein anscheinend mitteilte und was versteckt in Andeutungen garantiert noch irgendwo zu finden ist, entfernen mußten. Er wird die Bemerkungen „um dich zu schonen“ oder „um dir jetzt gerade das Leben nicht schwer zu machen“ mit einem seiner verschiedenen Arten zu lächeln ignorieren und sich das Buch so nehmen wollen, wie es ursprünglich gedacht war: als Liebeserklärung für RF oder für wen denn noch alles..? Die Seiten können wir also nicht verschwinden lassen, aber dann dürfte er das ganze Buch nicht lesen, was also tun..“

Die Frauen haben nicht bemerkt, dass Ralph geraume Zeit mithören konnte, weil er zufällig was im Raum sucht, unbemerkt betrat er den Raum durch eine andere Tür. Die Frauen sprachen leise, aber eben doch nicht zu leise..

Ralph

(neugierig)

„Ich nehme jetzt mal nicht an, dass Ihr beiden Frauen tatsächlich diese Seiten heraustrennen wolltet und mir gesagt hättet: „ja, das hat auch bevor wir es in die Hand nahmen, so ausgesehen..“ Erstaunlich, wie viele Menschen mich unterschätzen. Glaubst du, ich möchte in Watte gepackt werden, Marianne?“

Marianne hört sehr wohl einen beleidigten Unterton heraus und reicht ihm das unversehrte Drehbuch mit den, wie sie findet , überflüssigen Seiten vor der eigentlichen Handlung.

Ralph macht spöttisch eine sehr übertriebene theatralische Verbeugung vor ihr, um seinen Ärger zu verbergen, sieht sich das Buch erst einmal so an: durchschnittlich von der Breite her und wenn es eher durchschnittlich vom Inhalt ist, würde er seine Zeit anderweitig verwenden..

Er legt sich gemütlich hin, halb sitzt er, halb liegt er also auf dem Sofa wie öfters, wenn er sich erste Gedanken machen will.

Ralph`s Stimme aus dem Off

„Verstehe die ganze Aufregung der Mädchen nicht, RF gab es weiter, also hat er es doch auch vollständig gelesen oder etwa nicht?“

Stimme der Schreiberin des Drehbuches aus dem Off

„Liebe Madleine, ich weiß, dass du nur die unfertige Idee mit einigen vagen Andeutungen und Notizen haben wolltest, dann kannst du auch die Hintergründe bekommen, vielleicht kannst du mit den Tips zu „Foto von.. aus dem Jahre ..“was anfangen, ich lasse dich nicht gern im Unklaren..“

ERZÄHLER

„Normalerweise liest Ralph Vorbemerkungen entweder nie oder wenn, dann mit allergrößter Vorsicht und Rücksichtnahme vor dem Absender. Die Zeit bleibt ihm selten, Notizen durch zu sehen, selbst wenn da eine Idee enthalten wäre, die er so nicht gekannt hätte..“

Stimme der Schreiberin des Drehbuches aus dem Off

„Ich weiß, dass der Mensch, der irgendwann mit meinem Zeug was anfangen soll, unmöglich verstehen kann, wie viel Zeit vergangen ist, von dem ersten Satz bis zum letzten. Habe als junges Mädchen Gijom und M. geschrieben, das ist dann ja dann auch mit bei, dazu aber später. Die Fotos habe ich natürlich nicht selbst fabriziert, wieder einmal war das weltweite Netz der beste Ratgeber. Ich verfluche langsam den ominösen Tag, an welchem ich genau jenes männliche Gesicht entdeckte, welches mir schlaflose Nächte bereitet hatte .Ich ärgerte mich über einen gewissen Satz jenes Mannes, der anscheinend nie eine Zeile zu irgendeinem Drehbuch selbst schreiben mußte. Und die Story mit dem magischen Spiegel, der Teile des Mannes mit sich nimmt, den ich mir einbildete zu lieben, begann auch, als ich eben das Foto sah. Hatte dir früher genaue Notizen über die Webseite zukommen lassen, überflüssig es ein 2.Mal zu tun. Deine Zeit muß auch begrenzt sein mit all den tollen Erlebnissen, wünschte, ich könnte ein letztes Mal bei so einem Trip dabei sein. Warum letztes Mal? Nun, mein werter Arzt riet mir zu einer der miesen Therapien, von denen ich mich nie erholen würde, wo nun meine Lebenszeit begrenzt ist, schreibe ich jede verbleibende Minute oder fast. Siehe also diese Zeilen als Mitteilungen aus dem Jenseits an, wenn du magst. Du kennst mich oder kanntest mich: der Gevatter Tod kommt bei mir auf einem Esel angeritten in Gestalt eines sehr lieben Schauspielers, den ich auch verehrte. Ja, Verehrung ist auch das passende Wort für den Mann, dessen Name ich umschreibe, der der auch den anderen darstellte, den Typen ohne Namen. Fand die Story schrecklich langweilig und wenn einem der Bösewicht schon wieder leid tut, war wohl die Rolle eine Fehlentscheidung, nun ja, man sollte seine Mimik im Griff haben, immer..“

Stimme von Ralph aus dem Off

„Nehmen wir mal an, die beiden Frauen und RF wollen an dieser Stelle den Mann als mich erkannt haben. Ja, ich könnte Madleine und Marianne und auch RF ausfragen, bis ich jedes unwichtige Detail herausbekommen habe, Zeitverschwendung und vielleicht auch unnötige Aufregung. Der Typ ohne Namen - der schwarze Lord, steht weder, wer den spielte noch warum die Mimik an der Stelle schlecht war. Sätze habe ich viele gesagt, in jedem Interview unzählige und eben so viele wurden aufgeschrieben. Sie wird etwas in den falschen Hals bekommen haben. Todesverachtung von ihr schon bemerkenswert, zieht über Gott und die Welt her, ob alles echt ist, wird sich noch erweisen müssen..“

Stimme der Schreiberin des Drehbuches aus dem Off

„Er wird sich an dieser Stelle fragen, ob ich ihn etwa gemeint haben könnte, vorausgesetzt, er würde auch nur eine Zeile lesen. Das darf aber nie geschehen, versprich es mir und es ist kein loses Geschwätz, wenn ich gestehe: ich konnte Filme mit ihm entweder noch nicht sehen, habe verschiedene halb gesehen, einen nur einmal, das genügte. Ich mag weinende Männer nicht, wenn sie einem in der Realität auf den Docht gehen und im Film mag es der ganz große Schlussakkord sein. Ganz langsam fühlte ich in mir etwas zerbrechen, einfach so, ich habe den Schauspieler für seine Art leiden zu können oder zu müssen nicht nur geliebt. Ich hasste ihn.. Frage mich nicht warum, finde jetzt selbst keine Erklärung mehr.

ERZÄHLER

„Ralph macht sich langsam auf einem Extrablatt Notizen. Immerhin spielt er immer noch und er hat Spaß an der Arbeit, will die auch weiter haben. Wenn sie ihn so sah und wahrnahm -Hass und Liebe zusammen- möglicherweise empfinden es auch andere so, nur hört er da nicht mehr so genau hin. Er zieht sein Ding durch, gewiß mit einem Fahrplan, den nur er weiß und er will Abfahrt und Ankunft stets allein bestimmen. Die leidende Miene? Wann das genau begonnen hat, weiß er doch selbst nicht mehr, möglicherweise interessieren ihn widersprüchliche Figuren auch wegen ihrer Schwächen und er genierte sich für keine Träne .. Am Anfang..? Wie weit muss er denn zurück gehen, wenn er herausbekommen will, was andere Menschen über ihn denken? Normalerweise hat er diese Zeit eben nicht..

 

Stimme der Drehbuchschreiberin aus dem Off

„Ich habe deine Frage irgendwie schon im Ohr, meine Liebe. Das weltweite Netz versorgte auch mich reichlich mit Infos und obwohl ich für den Mann, (dem ich ja irgendwie das Drehbuch widme, so als Danke für jede meiner Tränen oder für meine Begeisterung, meine Verwunderung wie er sich oft selbst verleugnete, kam mir jedenfalls so vor) Hass und Liebe, besser keine Liebe „nur“ Verehrung empfinde, gestattete ich mir, die Seiten hoch und runter zu betrachten, den jungen und älteren Mann, seine Stimme, seine Mimik, seine Gestik. Man kriecht quasi in so einen Menschen hinein, versteh richtig. Das Puzzle, was er sich mal vornahm (Filmausschnitt), flog nur so herum, das danach vergesse ich so schnell nicht: der alte Mann ( der unvergleichliche Star John Neville, hat man den nicht irgendwann in den Adelsstand erhoben? Wenn nicht, verdient hätte er es, denn: wenn er sprach, meinst du, das alte England lässt seine Stimme ertönen, aber er wurde ja irgendwann Kanadier, da geht das mit dem Adeln nicht mehr so..) hilft dem Kranken wieder ins Haus, damit der sich da drinnen beruhigen kann. War so die einzige Hilfe, die „Spider“ bekam, und er erreichte wohl wieder, was beabsichtigt war: er sollte einem leid tun? Beziehungsweise eben nur die dargestellte Gestalt? Mir wurde unheimlich zumute.. Und noch etwas: das Gefühl wurde immer stärker: richtiges Leben und Darstellung vermischten sich zu sehr miteinander aber er selbst wollte das nie wahr haben..“

 

  Ralph`s Stimme aus dem Off

„Na endlich, die heiße Spur, also wenigstens in „Spider“ konnte ich ihren hohen Ansprüchen genügen, damit dürfte mein werter Name ihre Aufmerksamkeit etwas in Aufregung versetzt haben. Ob das Puzzle nun im Drehbuch stand oder nicht, ist ja jetzt völlig unerheblich. Um Himmelswillen: unheimlich, na, wenigstens was..“

ERZÄHLER

„Ralph merkt sehr wohl, wie er sich innerlich zu wiederholen beginnt und für ihn ein Zeichen, dass das für ihn nicht lustig zu werden scheint. Es kommt auch nur fast Freude in ihm auf, so wie er sich als Spider damals nicht zu amüsieren hatte, eher nach den Arbeiten und in den Pausen. Wenn es nicht so etwas wie „ich fühle mich ja ungeheuer „geschmeichelt„ “ ist, dann ist es schwarzer Humor und eben dieser treibt ihn an, weiter zu lesen..“


STIMME DER SCHREIBERIN DES DREHBUCHES AUS DEM Off

 

„Geliebte Madleine, ich ahne, dass dich diese Anrede nicht beglücken kann, aber wie du sehr wohl weißt, habe ich mein Leben lang sowohl für Frauen wie für Männer heiß empfunden, auch was den SEX betrifft. Du fragst so langweilige Dinge wie: „Ralph als toller Typ in „MIM“.. Will nicht sagen, dass mir dieser Film öde vorkam, im Gegenteil: er hatte nur schön zu sein, und dass ist noch untertrieben - leider - : er war für mich der dunkelhaarige Engel, der mal eben so vorbei schwebte. Wenn der Name Engel für einen Mann passend erscheint, und: verblüffend: selbe Jahr, wie auch „Spider“ fabriziert wurde, wundere dich nicht, dass ich zweimal hinsehen mußte. Ralph hat sich möglicherweise in „MIM“ gelangweilt, oder hat es als Urlaub empfunden, denn er war so, wie die Männer ihn beneiden, Frauen ihn umschwärmten, mag auch in der Gegenwart gelten. Um gleich auf den „englischen Patienten“ zu sprechen kommen - weil es dich interessiert, wie ich meine Gestalten in meinem Drehbuch sehe: auf keinen Fall mit dieser Form von seelischer Grausamkeit. Ein tolles Gesicht mit Maske zudecken, wer kommt auf so eine Idee?!

Wir Frauen brauchen Stunden, um attraktiv aus zu sehen, oder so, wie Männer uns gern sehen. Ralph in dem Drehjahr 1996? Diese Frage beschämt mich, der Mann konnte unrasiert, ungekämmt, ungewaschen vielleicht sogar (um der Übertreibung die Krone auf zu setzen, und du weißt, wie ich normalerweise Übertreibungen hasse..) an der Badezimmertür vorbeilaufen, oder schrägen Blick in den Spiegel, sich unglaublich finden und das stimmte dann immer noch.. Nein, du hältst mich möglicherweise zu recht für überdreht, die Tatsache, dass ich diese Welt in Kürze verlasse, lässt mich Zeilen schreiben, die ich so meine: „MIM“ für mich so toll, weil er endlich mal nicht weinen mußte oder sollte, nur unglaublich attraktiv anzusehen war..“

 

Ralph kann das nun weder amüsant noch schön finden, im Gegenteil. Wer vergleicht denn schon Filme miteinander, den einen mit wenig Aufregung, den anderen, wo er richtig Gas gab? Als seelische Grausamkeit hat er diese Maske nie gesehen, er versteht sicher auch immer noch zu wenig von den Gedanken der Frauen, die sein Gesicht betrachteten..

 

ERZÄHLER

„Seine Reaktion ist denn auch völlig anders, als jemand es erwarten kann, der ihn nicht wirklich kennt: er fühlt, wie dieser Mist seine Gedanken doch zu sehr beeinflusst und er beschließt eben, die Zeilen nur als Mist für sich zu deklarieren. Nein, er fühlt sich weder geschmeichelt, nur genervt und er hätte das Buch in seine Einzelteile zerlegt, wenn er sich nicht erinnert hätte, dass es eben noch mehr beinhaltete. Aber jetzt wirft er es nur sehr unkontrolliert in eine X-beliebige Ecke des Zimmers und hört nur wie nebenbei, dass eine Statue zu Bruch geht, wendet sich aber nicht um, als er das Zimmer verlässt. Normalerweise achtet er auch fremdes Eigentum, nun nicht möglich... Sein unglaublicher Ärger hängt damit zusammen, dass er bei „MIM“ nicht objektiv sein will und kann. Selbst nach all der Zeit nicht. Er hatte diese Arbeit nicht angenommen, um nur schön zu sein und die Frauenherzen zum Klingen zu bringen, das war ihm mittlerweile zu wenig geworden. Wenn nicht sogar egal?!

Seine Gedanken kreisen um die Tatsache, dass es Frauen gab und gibt, immer geben würde, die eben nur das sehen wollten und wollen: den Märchenprinzen, der die Frau seines Herzens aufs Pferd setzte und das war es dann auch schon oder so gut wie.

In der Küche findet er nicht so gleich die Ablenkung, nimmt ein Glas, gießt es mit irgendeinem Saft bis an den Rand voll, sogar ein wenig drüber, dass der ihm über die Hand läuft.. Nervös trinkt er, ärgerlich versucht er sich zur Ruhe zu zwingen.. Glas alle und er natürlich so irritiert , wenn auch nicht mehr ganz so aufgebracht wie zuvor..

Ganz langsam presst seine Hand das Glas zusammen, als wolle er prüfen, wie viel Kraft noch in eben der Hand steckt. Wenige Minuten dauert das, dann zersplittert das Gefäß, Splitter stecken in seiner Haut.. Möglich, dass es schmerzt, er nimmt es nicht wahr.. Kann es möglich sein, dass SIE seine Arbeit bewusst deshalb so runter macht, weil er eben nie in süßen Märchenfilmen dahergeritten kam und diese Absicht auch nicht hat und erst recht nicht gegen Ritter in Turnieren kämpfte, um als strahlender und hinreißender Held vom Platz zu gehen...?

 

Szene 49                                                                     INNEN - KÜCHE - TAG

Madleine

( entsetzt)

„Was ist mir dir los, Mann..!“

Sie mustert ihn erschrocken. Sein Blick ist seltsam leer, das Blut tropft mittlerweile auf den Boden, er macht keine Anstalten, Glas und Blut zu entfernen.

Behutsam tut sie es, verbindet ihm die Hand. Dabei bemerkt sie, wie er langsam zu sich findet. Sie versucht ihn zu bewegen, einfach auf zu stehen, statt dessen zieht er es vor, auf einem Stuhl in der Küche zu bleiben.

 

Ralph

(tonlos)

„Laß mich jetzt für die nächste halbe Stunde in Ruhe, bitte..“

Sie hat Angst, dass er evtl.unter Schock steht. Als habe er ihre Gedanken lesen können, schüttelt er den Kopf, starrt aus dem Fenster..

ERZÄHLER

„Madleine geht zu Marianne, sie suchen beide das Drehbuch, finden es dort, wo er es hingeworfen hat, beseitigen auch die zerstörte Statue. Eine Seite hat er teilweise eingerissen, wie um klar zu stellen, „bis hierher und nicht weiter mit dem Kram..“

Madleine überfliegt die Seite, lächelt auf eigentümliche Weise. Als diese Sätze entstanden, war jene Freundin anscheinend schon nicht mehr unter den Lebenden. Und da Madleine nicht wissen konnte, einmal Umgang mit Schauspielern zu haben, die eben von IHR vorher gnadenlos runtergemacht wurden, schrieb sie tatsächlich in ihrem Stil weiter. Sie hatte sich absolut nichts dabei gedacht, Marianne weiß auch nicht genau, wann jene SIE gestorben war..“

  

Szene 50                                               INNEN - EIN WOHNZIMMER in RF `s WOHNUNG - TAG

MARIANNE

(kurz entschlossen)

 

„Ich gehe nun doch zu ihm, man weiß nicht, was er als Nächstes tun könnte, er muß ziemlich verwirrt sein, wenn das das richtige Wort ist.“

Madleine sieht ihr an, dass sie ihn nicht gern in seinen Selbstbetrachtungen stören will, aber sie sorgt sich zu sehr.

Madleine nickt.

MADLEINE

(gelassen)

„Tu, was du unbedingt tun möchtest, denke schon, dass es das Richtige für ihn ist, er darf sich nicht immer so in sich selbst verkriechen..“

Madleine`s Stimme aus dem Off

„ Er darf auf keinen Fall erfahren, dass viel zu viele Bemerkungen über seine Arbeit von mir stammen. Wenn das geschehen sollte, kann ich mich wohl sehr warm anziehen..“

Szene 51                                                                      INNEN - KÜCHE - TAG

RALPH scheint zu spüren, (oder hört nur das leise Klopfen der Absätze von Frauenschuhen auf dem harten Boden) dass man ihm helfen will und er kann eben jetzt diese Hilfe nicht gebrauchen. Bevor Marianne die Küche betreten wird, bittet er..

RALPH

(etwas unbeherrscht)

„Ist die halbe Stunde schon um, meine Liebe?“

MARIANNE kommt ungerührt nahe genug an ihn heran, um ihm direkt ganz ruhig in seine Augen zu sehen.

 

 

MARIANNE

(betrübt)

„Was ist so schlimm daran, wenn ich dir jetzt helfe..“

Ralph

(aufgebracht)

„Könnt Ihr beiden Euch nicht einfach danach richten, was ich mir jetzt sehnlichst wünsche: meine Ruhe, nur das?!“

Weil ihr der Rücken etwas zu schmerzen beginnt, steht sie auf, tritt aber nur so hinter ihn, dass sie sich gegen einen Schrank lehnen kann.

Marianne

(verdrossen)

„Klingt nicht nach dir. Habe das Gefühl, du bist zu aufgebracht, um jetzt genau zu wissen, was du möchtest..“

Sie legt ihm behutsam die Hände auf die Schultern, spürt, wie diese leicht zu zittern beginnen..

Marianne`s Stimme aus dem Off

„Genau das wollte ich nicht fühlen. Wenn ich recht habe, bricht er entweder gleich zusammen oder denkt sich eine neue Variante aus, wie er mich aus der Küche bekommt..“

Ralph`s Stimme aus dem Off

„Ich kann ihr nichts vor machen. Sie hat sich meine Stimme so oft angehört, meine Mimik und Gestik förmlich seziert. Klar wollte ich vor 2 Minuten noch meine Ruhe. Jetzt steht sie hinter mir, weil sie mir nicht mehr ins Gesicht sehen will, aus Angst, ich könnte in meinen Augen jenes verräterische Glitzern haben. Ich hasse mich für die Momente, in denen ich meine Gefühle zu oft offen gezeigt habe, ist mir nicht gut bekommen. Sie..? Ist mir ihre Rücksichtnahme etwa schon peinlich? Wie hatte sie mal scherzhaft gesagt: „Du mit deinem adligen Blut.. ist dir jedes zu private Gefühl unangenehm? Dann ist dir wirklich nicht zu helfen.“ Natürlich hatte sie provoziert. Ich habe mich mit meinen Urahnen nur nebenher befasst, ob da in der Nähe von Heinrich VIII was geschehen war, wer wollte das heute noch wissen. Und ihre provozierende, freche Art war es erst gewesen, die mich erinnert hatte: nein, Hilfe annehmen? Wozu?“

ERZÄHLER

„Ralph befindet sich wirklich in einer für ihn nur peinlich zu werdenden und deshalb sehr unangenehmen Lage. Marianne spürt und fühlt genau, dass er Hilfe dringend benötigt, nicht nur, weil er zu frieren beginnt, obwohl es in der Küche warm ist. Das „Päckchen„ , was er wieder einmal trägt, besteht aus Stolz, Introvertiertheit, Scheu, und dem Bewusstsein: er will das so überhaupt nicht haben, weil es ihn angeblich kleiner in ihren Augen darstellt. Mitleid provozieren, das mochte im Beruf gehen aber im privaten Bereich findet er dieses Gefühl nur sehr sehr widerwärtig. Und seine körperliche Größe von ca.1.80 Meter : er ist damit sogar geringfügig kleiner als seine besten Freunde und für ihn bedeutet das ebenso wenig wie sein Gesicht aus alten Tagen.

Marianne fühlt, wie er stärker zittert und das ist für sie der Augenblick , wo sie fast gefühllos sagt..

Marianne

(bestimmt)

„Ich kann dich nur bitten, deinen Stolz, Zurückhaltung oder Scheu vor mir mal beiseite zu lassen und dich endlich hin zu legen, du hast es nötig.“

Ihre Stimme hat erregt geklungen, aber sie sieht, dass sie erreicht hat, was sie will..

Ralph

(nachgiebig)

„Ja, du sollst deinen Willen haben, ich werde mich etwas hinlegen, vielleicht vergesse ich dann, dass mich da jemand sozusagen aus dem Jenseits noch aufregen kann..“

ERZÄHLER

Marianne lässt sich ihre Überraschung nicht sogleich anmerken. Er hat diese Seiten nicht nur gelesen, sondern auch so ernst genommen, wie sie vielleicht nicht gemeint sind. An vielen Stellen liest man eher heraus, für wie verehrungswürdig die Schreiberin den Mann gehalten hat. Witzigerweise meint die Schreiberin über das Jenseits: „Wenn mein Lieblingsgott Osiris sein Gesicht hat, muß ich vor dem Sterben keine Angst haben.“ Wie kann sie auch vergessen, dass seit jenem verhängnisvollen Interview etwa 2005 er nicht mehr bereit gewesen ist, in seine Seele blicken zu lassen. Das Jahr 1993 schwebt scheinbar immer noch wie ein Damoklesschwert über ihm und ihr wird fast schlecht bei dem Gedanken an den 22.12., den 28.12. und all die Tage, die sie lieber vergessen würde. Ihre eigene Mutter hatte ihren letzten Lebenstag genau am 27.12.1994 gehabt. Makabere Situation: einen Tag früher, aber ein Jahr später und die beiden Frauen hatten sich nicht einmal gekannt, wie auch.. Sie wird es nicht unabsichtlich vergessen , ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Für sie sind diese Gratulanten eher gedankenlos und haben entweder nie in seinen Lebenslauf gesehen oder eben bei den wenigen offen, aber zu Herzen gehenden Interviews nie genau hingesehen, nie genau zugehört..Interview.2005? Oder doch 2006 erst? Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen: seine ganze Mimik hatte ab einem bestimmten Moment

nur noch unendliche Sehnsucht und Wehmut für sie ausgedrückt.. Und klugerweise hat er diesen Zustand nie mehr öffentlich zugelassen, aber es hatte ihn menschlich gemacht für jene Menschen, die ihm jede Schwäche nicht nur verziehen, sondern sie auch als das ansahen, was sie war: ganz natürlich ..Er mochte sich nur verletzt und vielleicht auch gedemütigt gefühlt haben.

Dazu kam diese oft unheimliche Traurigkeit in JEDEM seiner Filme ab 1993 (und wenn dieser Schmerz scheinbar gespielt war, genau in die Rolle paßte, manchmal passt eben die Traurigkeit nicht hinein: ein wirklicher Bösewicht zeigt keinen fast melancholischen Gesichtsausdruck) hat sie auch aus Fotografien ablesen können, in den vielen Gesichtsausdrücken, die zwar ein Lächeln oder Lachen zeigten, aber es unterschied sich von denen vor dem 28.12.1993 für sie ganz entschieden. Und man hat ihr schon oft bestätigt, dass sie sehr wohl in menschlichen Gesichtern lesen kann.“

Marianne geht mit ihm durch die Wohnung, er will ins Wohnzimmer gehen, um die Couch zu benutzen, sie schüttelt den Kopf.

Marianne

(einfühlsam)

„Das geht jetzt nicht, Madleine wird das Drehbuch noch einmal durchsehen und ich bitte dich, wenn sie es dir gibt, es so anzunehmen, wie es dann sein wird.“

Er nimmt sich keine Zeit für eine Antwort, sie führt ihn ja auch in ihr gemeinsames Schlafzimmer.

Szene 52                                                    INNEN - SCHLAFZIMMER in RF´S Wohnung - TAG

Gerade kann er noch verhindern, dass sie ihm hilft, seine Kleidung abzulegen. Sie hebt entschuldigend die Hände..

Marianne

(peinlich berührt)

„Hatte ich jetzt nicht wirklich vor, verzeih..“

Ralph

(erheitert)

„Habe ich dir schon mal gesagt, dass diese ewigen Entschuldigungen mir das Leben mit dir auch nicht leichter machen, du hattest es vor.. Und ich will das so nicht haben: dass du mir dabei auch noch hilfst! Wie sehr in Verlegenheit willst du mich noch bringen?!“

Er erschrickt , den letzten Satz wünscht er sofort zurückholen zu können, natürlich vermeidet sie das gerade immer wieder. Seine eigene Entschuldigung unterdrückt er aber doch noch, ihm ist jetzt nicht nach Gesprächen, die ins Endlose ausufern können. Ein verlegener Blick würde bei ihm eher albern als gut aussehen, er ist weder 18, knapp drüber oder drunter...

Marianne setzt ein vielsagendes Lächeln auf, dreht sich zur Seite, ist erheitert... Verlegenheit? Du lieber Gott, ein komisches Wort aus seinem Mund. Wie er auf diese Idee kommt ? Ganz kurz schließt sie die Augen und sieht ihn wieder vor sich, als den modernen „Märchenprinzen“ den er so abscheulich gefunden hat...Und das Alter mag da doch echt egal sein.

Marianne

(sorgenvoll)

„Wäre mir lieber, wenn du dich hinlegst und versuchst, etwas zu schlafen.Muß ja nicht lange sein, vielleicht bis du..

Marianne`s Stimme aus dem Off

„den Schüttelfrost oder den leichten Schock oder was immer das ist, los bist. Krankheit ist jetzt überhaupt nicht denkbar bei dir, nicht für mich..“

ERZÄHLER

„Marianne hat ihm immer verschwiegen, dass sie sich das bei ihm nicht vorstellen kann und will . Angst befällt sie, da sie nun annehmen muss, er verwandelt sich in einen recht unleidlichen Kranken, der jedem um ihn herum das Leben schwer machen wird.

Ralph achtet nicht weiter auf ihre Unterbrechung, legt sich hin und ist fast kurz darauf eingeschlafen. Eigentlich hat sie vor gehabt, ihn allein zu lassen um sich mit Madleine zu beraten. Nachdenklich betrachtet sie aber sein friedliches Gesicht und weil sie eben länger bleibt als gedacht, ist nach weiteren 20 Minuten nicht mehr zu ignorieren, dass er sehr wohl noch weitere Hilfe benötigt. Sein Atem geht immer hastiger, gequälter, er öffnet den Mund, sagt irgendetwas , sie versteht ihn nicht, weil er schon fiebert und kurz davor steht, die Besinnung zu verlieren..“

Marianne` s Stimme aus dem Off

„Da haben wir unsere mittlere Katastrophe, RF einigermaßen in Ordnung, jetzt geht es ihm schlechter, soll das ewig so weitergehen..?“

Ralph spürt sehr wohl, wie ihm von Minute zu Minute immer heißer wird, Panik ergreift ihn, nicht so sehr wegen dieser Hitze, sondern weil die Situation für ihn nicht mehr kontrollierbar bleibt. Als misstrauischer Mann liebt er es sehr, akkurat jeden Moment in seinem Leben zu planen, zu gestalten, umzustellen wie es ihm gefällt und jetzt krank im Bett zu liegen gehört ganz und gar nicht in seinen Tagesablauf hinein.Als könne er so etwas ändern, will er auch sofort das Bett verlassen..

Marianne sieht, wie er sich mühsam aufrichtet..

Marianne`s Stimme aus dem Off

„Das würde ich nun nicht unbedingt gutheißen, was denke ich da für einen Unsinn. Der Mann kann jetzt eben mal nicht tun, was er will .....“

Marianne

(beruhigend)

„Du wirst in den sauren Apfel beißen müssen und ein bisschen mehr auf mich hören oder andere, die dir helfen wollen und müssen, zulassen solltest du das aber dann auch, kannst du mich noch verstehen..“

Er hört sehr wohl das leichte Zittern in ihrer Stimme, was bedeutet, dass sie sicher gleich beginnt zu weinen, aber richtig mag er nicht zuhören..

Ralph`s Stimme aus dem Off

„Kleiner, süßer Engel, hast mich immer für unverwundbar gehalten oder was deine Heldentypen noch so an sich haben , sei froh, dass ich eben kein Held bin..“

 

ERZÄHLER

„Mit Mühe und Not schafft sie es, dass bis zum frühen Abend das Fieber so weit gesunken ist, dass er sich allein in der Wohnung bewegen kann. Die beiden Ärzte Pieter und Marie sind zwar schnell erreichbar, aber sie will ihm auch weiterhin jede vielleicht peinlich werdende Situation von vornherein ersparen. Sie fragt sich nicht so sehr warum. Die unangenehme Wahrheit für sie ist ja: er und krank? Er soll in Filmen den Kranken und evtl. auch eingebildeten Kranken spielen soviel er will, aber in der Realität muß das für ihn etwa so schlimm sein, als ob er wieder etwas offen legt. Ja, er kann verhindern, dass man in der Öffentlichkeit seine privaten Gefühle zu sehr wahrnimmt. Aber jetzt kann er eben nicht verhindern, dass man den geschwächten Mann sieht..

Sie registriert kühl , dass sein Appetit gelitten hat, er sein Hemd etwas weiter öffnet als unbedingt nötig und bittet Madleine, ihr die Telefonnummer von Pieter und Marie zu geben..“

Szene 53              

INNEN - WOHNZIMMER IN RF`s WOHNUNG - ABEND

Ralph

(unwillig)

„Wenn das Eure Freunde sind, die nebenbei gute Ärzte wären, unnötig, es geht mir gut..“

Madleine

(friedlich)

„Wie du schon sagst, gute Freunde, die möchte man gern um sich haben und ich glaube, dass Pieter morgen wohin reisen muß oder will..“

Madleine`s Stimme aus dem Off

„Und wieder eine Lüge, die mir leicht fällt, Marianne hat recht, er sieht übel aus und würde sich lieber ein Bein brechen, als zugeben zu müssen, dass er ohne Hilfe jetzt nicht bleiben kann..“

Madleine giebt ihr die Telefonnummer und Marianne ruft aus dem kleinsten Zimmer an, welches nur den Zweck erfüllt, etwas alten Kram auf zu nehmen, seltsamerweise steht hier ein altes Telefon. Marianne greift aber zu ihrem Handy und spricht hastig...

Szene 54                   

INNEN - KLEINSTES ZIMMER - ABEND

Marianne

(erregt)

„Nein, Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Madleine, hier wird Ihre Hilfe dringend benötigt und bringen Sie bitte alles mit, was im Allgemeinen für Krankenpflege gebraucht wird. Entschuldigen Sie die Störung, in RF`s Wohnung natürlich, ich bin etwas durch den Wind..“

Danach setzt sie sich auf eine Kiste mit der Aufschrift „BUM“.

Mariannes Stimme aus dem Off

„Da weiß ich, was ich demnächst auf mache mit RF `s gütiger Erlaubnis natürlich. Herrje, meine Ehrfurcht vor diesen Menschen geht fast ins Spirituelle über..“

ERZÄHLER

„Natürlich ist Pieter nicht erheitert, Marie ebenfalls nicht. Marie packt ihre Reisekoffer, der überfällige Urlaub soll nun morgen losgehen.“

Szene 55   

INNEN - WOHNUNG von Pieter und Marie - Abend

Pieter

(liebevoll)

„Denke mal, bin bald zurück, vielleicht nur blinder Alarm, wenn nicht..“

Marie`s Stimme aus dem Off

„Ja, was dann? Zum Glück wollten wir nur mal kurz zu unserem kleinen Landhaus, ohne Telefon, ohne Fernsehen, ohne Computer.. „

Marie

(lächelnd)

„Ich muß dich ja hinfahren, du hast etwas getrunken..“

Sie machen sich also beide auf den Weg und das erweist sich als Glück. Denn Pieter hat zwar nicht viel getrunken, aber um eine ruhige Hand zu haben, das dauert noch einige Zeit..

Szene 56                                                      INNEN - WOHNZIMMER in RF`s WOHNUNG - Abend

ERZÄHLER

„Es hat sich eine fast unheimliche Stille der Menschen bemächtigt, in der jeder und jede den eigenen Gedanken nachhängt, einschließlich Ralph, der drauf und dran ist, die Wohnung zu verlassen, seine Stimmung verschlechtert sich zusehends.

RALPH

(energisch)

„Ihr seid doch alle überspannt, was soll diese übertriebene Sorge? Es hätte sicher ein toller Abend werden können irgendwo außerhalb der Wohnung, mir fällt die Decke auf den Kopf.“

RF

(ernsthaft)

„Warum regst du dich auf. Wir warten alle auf Pieter und Marie, Madleine und Marianne werden schon gute Gründe haben, warum sie sie her bestellten. Die Frauen tun auch selten was ohne Anlaß.“

Ralph steht sehr langsam auf, das leichte Schwindelgefühl ist in den letzten Minuten stärker geworden und er hat überhaupt keine Lust mehr, besorgte Gesichter zu sehen. RF tritt hinter ihn, legt ihm die Hand auf die Schulter.

RF

(eindringlich)

„Ich habe sicher kein Recht mich einzumischen, aber wenn es dir vorhin schon schlecht ging - ohne ersichtliche Ursache -, solltest du das nicht abwerten. Hier ist auch keiner verrückt geworden, wir machen uns alle große Sorgen um dich..“

Ralph

(unglücklich)

„Das ist es ja, kannst du dir vorstellen, wie ich mich fühle? Die Arbeit kann wegen mir nicht beginnen, hätte durchaus vermieden werden können ....Ich fühle mich einfach nur beschissen..“

ERZÄHLER

„Gerade will RF ihm den Spruch aufdrücken: „Passiert eben alles zum ersten Male...„ als Ralph seinen Kopf plötzlich an ihn lehnt und für mehrere Minuten tonlos weint. RF spürt nur, wie sein Hemd etwas feucht wird, der Mann ziemlich heftig zittert und eben auf seine Art zu verstehen gibt, wie er mit der Situation klar kommt: gar nicht.

RF`s Stimme aus dem Off

„Was soll man in so einem Moment sagen? Am besten gar nichts, sonst kommen die Mädels angelaufen und das wird es sein, was er vermeiden möchte.“

Er zwingt sich also, den Gefühlsausbruch des anderen stumm über sich ergehen zu lassen, obwohl es ihn selbst mitnimmt.

ERZÄHLER

„Marianne sitzt so, dass sie die beiden Männer sehen kann. Merkwürdig ist es schon, dass Ralph plötzlich und scheinbar erschöpft seinen Kopf bei RF anlehnt, sie sagt nichts dazu, wundert sich nur..

Madleine geht zur Tür, als es klingelt und öffnet..

Marie und Pieter bittet sie sofort weiter ins Wohnzimmer.

Marie glaubt auch erst nicht, wen sie sieht. So alt ist sie auch noch nicht und ihr Mann hat sie mehr als einmal damit aufgezogen, dass in einem ihrer Zimmer Poster des Mannes hängen, den sie verehrte und es noch tut, wie es Tausende anderer Frauen taten.. Zögernd reicht sie ihm die Hand.

Ralph

(gefasst)

„Ich hoffe nicht, dass wir Sie aus einer Arbeit herausgeholt haben, wo Sie dringender gebraucht werden.“

Marie` s Stimme aus dem Off

„Es wird hier kaum darum gehen, dass du mal alte Fans kennen lernen willst, das ist also seine Art, die Lage herunter zu spielen, leicht zu durchschauen..“

Mit den Augen bittet sie RF um Erlaubnis, sich den Mann in einem anderen Raum etwas genauer ansehen zu dürfen , denn sie nimmt stark an, dass es nur um diesen gehen kann: als sie seine Hand fühlte, glühte die bereits.

RF nickt und tritt zu ihr, während Ralph erst einmal in eines der Schlafzimmer gebeten wird.

RF

(besorgt)

„Keine Frage, wieso nicht. Und Pieter?“

Marie erklärt ihm schnell, dass Pieter einen kleinen Schwips hat und sie könnten ihren Ruf nicht aufs Spiel setzen, nur weil Ralph diese Alkoholfahne mitbekäme.
 

Als Marie allein aus dem Schlafzimmer heraus kommt, klingt sie nicht sehr zuversichtlich.

Marie

(betrübt)

„Ist gut gewesen, dass man uns gerufen hat, ich könnte RF` s Hilfe benötigen um alles vor zu bereiten, damit Ralph die Nacht einigermaßen vernünftig durchsteht.“

Marie bittet Marianne, im Moment eben mal nicht zu Ralph zu gehen, der würde nicht mitbekommen, dass sie es wäre, sie würde sie schon rufen.

Madleine nimmt die weinende Marianne in die Arme. An Ablenkung ist nun nicht zu denken, Marianne mag sich auch nicht hinsetzen oder beruhigen.

Marianne

(verzweifelt)

„Bei der ganzen Sorge um ihn vergesse ich fast, dass du und RF auch noch da seid, geht es wenigstens RF gut?“

Madleine verschweigt ihr, dass RF ihr kurz mitgeteilt habe, dass Ralph weit mehr seelisch unter der Situation leidet, als er je zugeben würde. Madleine nickt nur sehr höflich.

Marie kommt nach einer Stunde zu Marianne und bittet sie nun doch, ihr Unterstützung besonderer Art zu geben.

Marianne

(verwirrt)

„Was könnte ich tun, was ein Arzt, eine Ärztin nicht tun kann?“

Marie

(sanft)

„Als er kurz zu sich kam, versuchte ich zu ihm durch zu dringen, es müssen ihn Dinge belasten, von denen du vielleicht weißt, da wäre es gut, wenn du nahe bei ihm wärest, um ihn zu beruhigen..“

Marianne geht mit Marie in den Raum, der bereits duftet wie ein Krankenzimmer

 

Szene 57                                            INNEN - SCHLAFZIMMER in RF`s WOHNUNG - ABEND 

 

Er bekommt sehr wohl ab und an mit, dass etwas mit ihm nicht stimmt. So oft er versucht, seinen Kopf anzuheben, so oft wird dieser sacht aufs Kissen gedrückt, also hört er irgendwann auf, sich an zu strengen. Seine Augen sind halb wach, er kann noch immer keine Ruhe finden und das hat nichts mehr mit jenen Seiten zu tun, der Inhalt hörte auf ihn zu interessieren. Er wußte das alles oder hat es geahnt. Marianne setzt sich zu ihm..

Marianne

(sacht)

„Tu mir den Gefallen und vergiss die Arbeit für eine Weile, vergiss auch was du gelesen hast und falsch gedeutet hast. Du benötigst jetzt nur Ruhe, die du vorhin nicht gleich bekommen hattest..“

Ralph

„Ich möchte deine Hand spüren, gib sie mir..“

Sie hört sehr wohl heraus, wie leidvoll die letzten Momente für ihn gewesen sind, seine Stimme klingt zu erschöpft, gerade noch verständlich für sie.

ERZÄHLER

„Ungefähr 3 Tage benötigt er, um das Fieber los zu werden wieder klare Gedanken zu fassen. Die kleine Gemeinschaft aus RF und Madleine, Pieter und Marie und Marianne hat sich in dieser Zeit abgewechselt, so dass jeder schlafen, essen und auch mal raus gehen konnte.

Auf wundersame Art schweißt sie diese Zeit eng zusammen und auch als Ralph fast gesund ist, lassen sie es ihn auch nicht spüren, dass er eine große Belastung für sie darstellte..

Wenn er ihnen dankbar ist, äußert er es nicht umfangreich, wundert sich nur , als ob er innerlich der Meinung ist: diese übertriebene Fürsorge ist auf keinen Fall das, was ein Mann wie er schätzt. Peinlich berührt vermeidet er es nach wie vor, über seine Gefühle zu sprechen..“

Szene 58                                                INNEN - KLEINSTER RAUM in RF`s WOHNUNG - TAG

„Nachdem sich die Lage entspannt hat, zögert man, das Drehbuch überhaupt zur Hand zu nehmen und zunächst fahren Pieter und Marie in den verdienten Urlaub, Ralph bereitet sich auf eine seiner nächsten Aufgaben vor: irgendeine Rolle am Theater, nicht besonders witzig, aber so als Einstieg mehr als angenehm. Er verzieht sich dafür in den Raum im Theater, wo ihn garantiert keiner stören würde. Madleine bleibt mit Marianne und RF in RF`s Wohnung. Eine sehr positive Sache hat die Ähnlichkeit mit dem älteren Ralph mit dem Mann, der RF vorher gewesen ist, dass die immer noch aktive Polizei nur Ralph bis zum Theater hin und zurück verfolgt. Marianne bittet RF, ihr doch zu gestatten, im kleinen Raum mal in die Kiste mit Aufschrift „BUM“ zu sehen..“

RF

(nachdenklich)

„Ist eher was für Menschen, die mit merkwürdigen Erlebnissen konfrontiert wurden, wie Madleine zum Beispiel, jedenfalls nichts für den sensiblen Ralph, also möchte der Inhalt unter uns bleiben!“

Er zieht aus einem Fach innerhalb der Kiste - aus Leder gefertigt - ein Blatt Papier mit Datum:

„13.10.1990“

Madleine

(überrascht)

„Und ich dachte, du hast das Blatt von IHR schon längst entsorgt, weil es ja nicht so 100% ig auf Ralph zuzutreffen scheint, oder?“

RF

(lächelnd)

„Du vergißt, dass sie die dazugehörigen Anmerkungen in das eigentlich grauenvoll geschriebene Drehbuch von Zeit zu Zeit eingetragen hat, je nach Laune. Es dürfte so gut wie alles passen: sie hat seine große Karriere vorhergesehen, sie lebte 1990 nachweislich in einem Gebiet, in dem man sich weder mit Hollywood-Schauspielern noch mit englischen Schauspielern befaßte, die gerade am Theater erfolgreich wurden wie Ralph.. Und weil sich das so irre liest, sind nur wenige Fragmente dieser Vorhersehungen enthalten wie dies Blatt..“

STIMME DER FRAU, DIE DIE BETREFFENDEN ZEILEN SCHRIEB aus dem Off

„Der junge Mann spürte sehr wohl, wie ihn einige Frauen gleichsam anstarrten, ein wenig verschämt sah er zur Seite. Er konnte nicht behaupten, glücklich zu sein, obwohl umschwärmt wegen seiner Schönheit, suchte er doch immer noch die Frau fürs Leben. Wie nebenbei besah er sich die angesagteste Braut der ganzen Party, wie alt mochte sie sein: 27? Souverän und lässig wirkte sie, bei allem was sie tat, war Eleganz mit im Spiel. Ihr dunkles schweres Haar wirbelte sie nach hinten..“

Madleine sieht sehr wohl Mariannes Kopfschütteln und lacht.

Madleine

(überzeugend)

„Du solltest dir angewöhnen, dass man jede Zeile auch anders lesen kann und sollte, sogar das Datum 13.10.1990 ist von Wichtigkeit. Es geht hier nicht um die Frau, es geht um den jungen Mann, auf ihn bezieht sie sich. Nun schwarz stimmt nicht beim Haar, aber am 13.10.1990 ist Ralph noch exakt 27 Jahre jung, vielleicht schreibt sie als Ablenkung, wenn du andere Worte wie Schönheit, souverän, lässig nimmst: kann man alles auch für Ralph nehmen für seine späteren Jahre. Punkt Glück: kann man bei ihm auch nicht sicher sein, weder 1990 noch Jahre danach. Das Seltsame aber kommt hier im anderen Abschnitt, ..“

STIMME DER FRAU, DIE DIE BETREFFENDEN ZEILEN SCHRIEB aus dem Off

„Treten Sie doch ein, mein Lieber. Sie sind gewiß einer der aufdringlichen Reporter, aber heute will ich eine Ausnahme machen..“ „Sie irren, ich bin Schauspieler.“ Sie lachte. „Ach ja, nun erkenne ich sie wieder..“

Madleine

(erläuternd)

„Ich versuche das so zu deuten: wenn sich ein Schauspieler noch nicht ständig im Rampenlicht aufhält, Film gemeint nicht unbedingt Theater, wird er also mit unter nicht als Schauspieler erkannt, deshalb der Satz von ihr:“Ach ja, nun erkenne ich sie wieder.“ Möglich, dass sie ihn also am Theater mal gesehen hatte. Und seine Zeit mochte doch erst 1991 begonnen haben, da irre ich mich also nicht. Später beschreibt sie seine Eigenschaften, wie sie sie vom Gesicht ablesen konnte und oftmals traf das zu..Für mich klingt das verschiedentlich sehr nach Ralph.“

(an dieser Stelle weiter)

Marianne

(anzweifelnd)

„Wünscht man sich hier nicht was herbei? Sie hätte einen anderen jungen Mann meinen können, woanders, sie hat nicht einmal die Stadt genannt, in der er damals wohnte..“

Madleine

(stur)

„Sie schrieb SF-Geschichten und diese hatten mitunter einen Drang danach, Liebesromane zu werden, je nachdem, ob sie verliebt war oder nicht. Ja, es hat irgendwann einen Mann gegeben, der zu alt war, von dem hat sie nicht ständig geschwärmt aber das schlecht geschriebene Drehbuch (es beinhaltet viel Phantasie, die eben ins Märchenhafte übergeht, war alles schon einmal da) ist mit Anmerkungen übersäht, die auf Ralph hinweisen, was er tat oder hätte tun können. Und da er eben zu berühmt schon war, wurde das in eine SF-Welt versetzt und er trug auch nicht seinen richtigen Namen, oder?“

Marianne

(verwirrt)

„Der Name Ralph stimmt, aber den Nachnamen hat sie je nach Laune verändert, auch RF steht hier..?!“

Madleine

(dumpf)

„Ja, man könnte den Eindruck bekommen, sie hat auch unser jetziges Treiben in gewissen Punkten vorhergesehen, Ralph hat genau an der richtigen Stelle aufgehört und die Seite teilweise eingerissen, hat ihn wohl ziemlich genervt, das alles zu lesen, was nicht für ihn mehr bestimmt war. Keinen Menschen sollte man so beleidigen, ob berühmt oder nicht..“

ERZÄHLER

„Obwohl Madleine selbst Textstellen schrieb, die sie nun kritisiert, tut sie aus gutem Grund so, als fände sie genau das schlecht, auch um keinen Verdacht zu erregen.“

Marianne

(nachdenklich)

„Der Film „Maid in Manhattan“, der ihn offenbar später nicht mehr so interessierte - um es vorsichtig auszudrücken - und da er eben diese Seite als Anlaß nahm, mit dem Lesen des Buches aufzuhören: man kann einen Menschen nicht beleidigen, für die Art wie er seine Arbeit tat. Und wo lese ich hier beleidigende Worte? Wie sollte sie wissen, dass er sich von gewissen Arbeiten distanzieren würde? Sie hat sicher nicht jede Pressemeldung damals verfolgt. Die Form der Kritik - die eben keine ist, sondern eher eine Hymne oder Schwärmerei - hat er nicht ertragen, aber nach all den Jahren?“

Madleine

(nervös)

„Der Film war zu sauber, zu rein, vielleicht fühlte er sich genötigt, gerade Actionfilmrollen anzunehmen, um nicht in das Schubfach „Märchenprinz“ hineingestopft zu werden. Er hat sich ja nicht in eine Schablone hineindrücken lassen und daher rührt wohl seine Berühmtheit bis in die jetzige Zeit. Ach ja: berühmt, muß das ein schlechtes Wort sein?“

Marianne

(verdutzt)

„Nicht wenn man berühmt, berüchtigt in einem Atemzug nennt und ich habe schon lange aufgehört, über seine private Vergangenheit nach zu denken..“

RF hat den Dialogen der Frauen nur mit halbem Ohr zugehört. Er sieht auf die Uhr und beschließt Ralph anzurufen, ob er ihn vom Theater abholen soll.

RF geht in der Hand sein Handy, zum Wagen und ruft von diesem aus an..

Szene 59                           INNEN - FAHRZEUGINNERE - TAG

RF

(fröhlich)

„Ralph? Hatte eben den Wunsch verspürt, dich abzuholen, mache mich jetzt auf den Weg, da du sowieso bald kommen würdest, in Ordnung?“

RALPH

(ärgerlich)

„Finde ich hervorragend, kannst mir dann gleich erklären, warum mir eine Menge Polizisten vor den Füßen quasi herumspringen. Als ich einen von ihnen ansprach, meinte der doch, das sei zu meiner - also deiner - Sicherheit.. Was geht hier verdammt noch mal vor?“

RF

(erschrocken)

„Du wirst mich für durchgedreht halten, aber ich muß dir das alles erklären in Gegenwart eines bestimmten Kriminalkommissars und Madleine, die kennt sich mit so einem Kram aus, lass mich jetzt schnell losfahren und keine Aufregung..“

ERZÄHLER

„Während RF also in einiger Aufregung los fährt, ist im Theater Folgendes geschehen: der sagenhafte Fall des weiblichen Fans, der sich angeblich wegen RF das Leben genommen hatte führte einst zu Zusammenkünften von anderen Fans, die ähnlich fühlten. Aber: es gibt weder ein offizielles Grab mit Sarg oder Urne oder sonst einen Platz für die Frauen, die sich erinnern wollen. Das Theater und auch die Filmstudios, wo RF zu finden ist, ist auch zum Anlaufpunkt für jene Menschen, die mit der Vergangenheit nicht gut klar kommen und dem Star die Schuld geben, obwohl er die eindeutig nicht hat. Ralph kann nun absolut nichts dafür, dass er jetzt wie der ältere RF aussieht und verwechselt wird, „zwischendurch“ hat er noch er selbst zu sein.. Die Polizei wundert sich zwar, als man in der Wohnung von RF mehr Betrieb hat als vorher, da aber nach wie vor ein Überwachungsauftrag besteht, verfolgt man nun ohne es zu wissen den falschen Mann, auch am Arbeitsplatz..

Szene: 60       INNEN - SAAL im THEATER - TAG

Ralph nach der Probe mit ihm in einer der ersten Reihen vor der Bühne..

 

Ralph`s Stimme aus dem Off

(verstimmt)

„Ist irgendwie keine spaßige Situation. Publikum ja, aber nicht so bei den Proben und nicht diese unauffällig sein wollenden Leute mit ihren kleinen Mikrofonen, was gibt es hier großartig zu bereden?“

Auch seine Kollegen bekommen die Unruhe mit, versuchen aber sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, eine ältere Kollegin kommt auf Ralph zu, stutzt..

Sarah

(irritiert)

„Ihr seid Euch so unglaublich ähnlich, du und RF, dass man oft nicht weiß, wen man jetzt vor sich hat.. Ich nehme an, du weißt, was die Polizei hier macht? Gibt es wieder Ankündigungen am Jahrestag ihres Todes?“

Ralph hebt unwissend die Hände, wirkt etwas durcheinander, das Telefonat mit RF hat ihn eher nervös gemacht. Gut , dass er jetzt nur noch die Arbeit der anderen beobachten kann oder will, um sich ein zu stimmen. Klar macht ihm seine Tätigkeit nach wie vor Freude, aber wenn nebenher Unruhe entsteht, ist das belastend.

ERZÄHLER

„RF erscheint etwas außer Atem, wird ja nicht als RF erkannt, er ist jetzt ein junger Schauspieler, den man als Bekannten von Ralph wahrnimmt...

Ralph entscheidet sich doch, mit RF in seinem großen Aufenthaltsraum zu verschwinden, als sie eben von jenem Kriminalkommissar aufgehalten werden, der einst die Fotos in RF`s Wohnung gelassen hat..“

Szene 61                                                     INNEN - einer der FLURE im THEATER - TAG

KRIMINALKOMMISSAR

„Gestatten Sie, meine Herren F. und..? Den jungen Mann glaube ich zu kennen, komme aber eben jetzt nicht auf seinen Namen..“

RF grinst spöttisch, schnell einen Namen ausdenken?

RF

(lässig)

„Ralf van den Bergen, im letzten Studienjahr an der Hochschule für Künste.“

Der Kommissar nickt nachdenklich, dann sehr ärgerlich. Er hat das sichere Gefühl, man will ihn hier veralbern.

„Nun, da wir jetzt das Problem haben: Sie sind also van den Bergen, vor mir Ralph oder wer ist es: RF? Nach welchem Künstler muß nun gefahndet werden? Ich denke, wir können das alles sehr leicht lösen. Sie geben mir einfach Ihre Identifikationskarten, wir probieren sie an den Türen zu Ihren Aufenthaltsräumen aus und wir haben wenigstens die Gewißheit, dass wir nicht nach einem Mann fahnden, den ich jetzt vor mir sehe. Unser Spezialist für unglaubliche Fälle hat mich aufgeklärt: im Kreise der Hellseherinnen und Wahrsagerinnen geht das Gerücht um, RF sei wieder 30, ist dem so?“

Ralph

(seelenruhig)

„Kann ich nicht wissen und erinnert doch sehr an ein tolles Märchen..“

KOMMISSAR

(erregt)

„Guter Mann, ich höre da nur eines heraus: Sie nehmen das sicher beide nicht gerade ernst und weigern sich , Ihre Identifikationskarten ausprobieren zu lassen? Dann möchte ich Sie beide aufs Revier bitten ohne Aufsehen..“

Ralph kommt nicht mehr dazu, die Situation auf zu klären, bittet aber telefonieren zu können.

Kommissar nickt gelassen.

Kommissar

(tonlos)

„Steht Ihnen beide frei, Ihre Anwälte an zu rufen, obwohl ich den Sinn nicht verstehe, rufen Sie also an, wen Sie wollen und derzeit haben Sie natürlich mehr als einen Anruf frei.Erwarte Sie beide in einer Stunde auf dem Revier..“

Er verabschiedet sich fürs erste sehr höflich und Ralph sieht RF ziemlich konsterniert an, hätte gern etwas mehr seiner Wut Ausdruck verliehen, beherrscht sich mühsam.

Ralph

(wütend)

„Habt Ihr die Güte, mich aufzuklären, warum ich jetzt anscheinend wieder nicht durchweg arbeiten kann? Kann sich nur um einen grandiosen Blödsinn halten, wer glaubt denn an Übersinnliches ..“

ERZÄHLER

„Ralph erinnert sich an seinen ersten Tag zusammen in der kleinen Runde bei Marianne. Das mit dem jungen Mann, der ihm ähnlich sieht, als er eben in jenem Alter war, hat er für einen Scherz gehalten, denn an Magie und andere mysteriöse Sachen glaubt er nicht. Er hat aber mitgespielt, um die anderen nicht vor den Kopf zu stoßen, jene, die an Seelenwanderungen und dergleichen mehr glauben. Einen gütigen Gott kann es für ihn aus bestimmten Gründen auch nicht geben..“

RF

(amüsiert)

„Ich denke schon, dass du dir wegen deiner und meiner Arbeit keine Sorge zu machen brauchst, heute am Abend wirst du auf der Bühne stehen, wenn wir das bei der Polizei klären konnten..“

Ralph

(entspannter)

„Was eigentlich? Du kannst mir nicht vor machen, dass du RF bist, der vor Tagen 60 Jahre alt war. Ich habe mir das gefallen lassen, weil ich durchaus Sinn für Humor habe, aber wenn die Polizei einem hier den Nerv raubt, geht das entschieden zu weit. Also was ist los?“

RF

(fröhlich)

„Habe es dir schon gesagt oder versucht zu erklären, an die Hypnose habe ich vorher auch nicht so recht glauben können, es sind aber Dinge zwischen Himmel und Erde geschehen, die mich etwas tiefer hineinblicken ließen als je zuvor. Du steckst zu sehr im Hier und Jetzt fest, als dass du dir Seelenbegegnungen einfach vorstellen könntest. Madleine hat mir ein Tor geöffnet, welches ich bald wieder durchschreiten will, und sei es nur, um eben mal kurz bei meiner Mutter Rat zu holen..“

Ralph

(wenig überzeugt)

„Na schönen Dank für diese Idee von dir, wir müssen uns beeilen, die Mädels einpacken und dann zum Revier fahren und die Zeit sitzt einem auch im Nacken, also jetzt bitte keinen Unsinn mehr, verstanden?“

RF hebt die Schultern, nicht sein Problem, wenn der andere Mann nicht zu überzeugen ist. Reisen in die Vergangenheit mittels Hypnose werden ja oft genug als verrückt angesehen , aber zu viele Tatsachen sprechen dafür, dass die Seele eines Menschen nicht einfach nach dem ersten Tode verschwindet im Nichts..

ERZÄHLER

„Als die beiden Männer die Frauen bitten, sie aufs Revier zu begleiten, ahnt Madleine, dass sie von nun an noch mehr aufpassen muss, was sie wem sagt. Marianne und sie setzen sich hinten ins Auto, die beiden Männer vorne, alle schweigen sich aus, RF lächelt ein wenig mysteriös und Ralph spielt mit dem Lenkrad herum, als könne er so seine Verärgerung über dies seiner Meinung nach unnütze Herumfahren vertreiben.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.12.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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