Yvonne Asch

Jägerin der Nacht *der dunkle Schatten* Kapitel 15

 

Ihre Augen funkelten ihn wütend an, John hatte sie achtlos wie einen Gegenstand auf das Sofa geworfen und betrachtete sie nun so merkwürdig, sie konnte seinen Blick nicht deuten, war er lüstern?
„Du hast keinen Respekt, und du weißt nicht, was gut für dich ist! Aber ich werde dir schon noch zeigen, was dir gefällt…“, seine Stimme klang so furchtbar anders, er machte ihr Angst.

„John, lass mich bitte!“, sagte sie fast flehend, doch stattdessen sah sie nur, wie er seine Boxer Shorts ein Stück hinunter zog und sein bestes Stück preisgab.
Ihre Augen weiteten sich vor Angst, er bluffte, er konnte dies doch nicht ernst meinen, er würde ihr dies doch nicht antun oder? So war er doch nicht!
Innerlich lachte etwas in ihr, eine Stimme kicherte vor sich hin, war es ihr Verstand, der sie auslachte?
Sei nicht albern du dummes Ding! Natürlich wird er dich jetzt nehmen, ob du es willst oder nicht, und er wird nicht gerade sanft mit dir umgehen. Du denkst doch nicht wirklich, dass er dich liebt! Hahaha! Da kannst du ja genauso behaupten, es gäbe den Weihnachtsmann und den Osterhasen!
„Nein…“, murmelte sie völlig aufgelöst, er würde ihr dies nicht antun, so war er einfach nicht, er scherzte doch gerade nur.
Doch als er sich zu ihr aufs Sofa hinunterfallen ließ und seine Shorts noch immer auf halb Acht hingen, da wusste sie, er würde nicht scherzen, er hatte ganz was anderes im Sinn, und es lähmte sie schier.
„John, nicht…“, stammelte sie, doch er schien ihre Worte gar nicht wahr zu nehmen sondern drückte sich nun zwischen ihre Beine. Sein ganzes Gewicht lag auf ihrem Körper, und sie fühlte, wie er sein aufgerichtetes Glied an sie presste.
„Geh runter von mir!“, schrie sie nun außer sich und versuchte ihn von sich weg zu drücken, doch der Alkohol machte sie so schrecklich schwach und ungeschickt. Sie spürte, dass er viel zu stark für sie war, und sie fühlte sich so hilflos. Wie konnte er ihr so etwas nur antun? Wie konnte ein Mensch überhaupt jemanden so etwas antun?

Sie stöhnte qualvoll auf, als er in sie eindrang, nicht zärtlich, nicht sanft, sondern grob und schnell, es bereitete ihr furchtbare Schmerzen, und in diesem Moment schaltete sie ab, sie ließ sich fallen, fallen in eine andere Welt, wo das was er ihr gerade antat sie nie erreichen konnte….

Tore schaute auf das junge Mädchen herab, die Augen der Kleinen waren leer und trotzdem weit aufgerissen, so als hätte sie den Teufel persönlich gesehen. Das erschütterte ihn, er war zwar durch seinen Beruf abgehärtet, aber trotzdem ging ihm so etwas sehr nahe. Sie war doch noch ein Kind!
„Woran ist sie gestorben?“, fragte er die Kollegen ernst und konnte seinen Blick nur schwer von diesen Augen lösen, die panisch ins Leere blickten.
Sein Kollege der auf die fünfzig zuging, zuckte mit den Schultern.
„Herzstillstand!“, sagte die junge Beamtin, die gerade neben die Männer getreten war und das Mädchen anschaute, als wäre es einfach nur ein Stück Fleisch, welches sie gleich genau untersuchen würde.
Für ihr Alter war sie schon sehr weit gekommen, und sie war auch sehr gut in ihrem Beruf, dafür sah sie auch nicht sehr gut aus, Tore musste kurz schmunzeln, es gab doch noch Gerechtigkeit...
„Was mich hier wundert, ist genau dieser Herzinfarkt. Soviel ich weiß, war sie sehr sportlich und gesund, und für ein Mädchen von gerade mal siebzehn Jahren ist so ein Herzstillstand doch schon recht merkwürdig!“, sagte die Frau leicht grübelnd.
„Gestern hatte man ihr doch das Bild gestohlen, wenn ich mich nicht irre?“, warf Tore ein und schaute noch immer das tote Mädchen an.
„Ja, stimmt…“, murmelte die Frau.
„Na ja, vielleicht hat sie sich ja deswegen so aufgeregt dass es zu dem Herzstillstand kam!“, fuhr Tore fort: „Ihre Mutter hat mir erzählt, dass sie sehr an dem Bild hing, sie hat fast ein halbes Jahr gebraucht, um das Bild fertig zu malen. Es war wohl so eine Art Hilfe für sie, um den Tod ihres Pferdes besser verkraften zu können, sie besaß wohl nicht sehr viele Freunde, und das Pferd war sozusagen der Ersatz dafür.“
„Warum klaut man nur so ein Bild, es ist doch vollkommen wertlos!“ Tores Kollege seufzte kurz auf.

„Immerhin sieht es gut aus!“, sagte Tore. Allerdings verstand er selber auch nicht, warum sich jemand strafbar machte für ein Bild, das keinen hohen Wert besaß.

Der Regen hatte ihre Kleidung völlig durchnässt, und dicke Tropfen liefen an ihren Wangen hinab, doch sie war dankbar für den warmen Sommerregen, der ihre Haut auf eine merkwürdige Art und Weise sanft streichelte, er zeigte ihr, dass sie noch da war, dass sie noch existierte, dass sie noch nicht tot war! Anderseits hasste sie den Regen, denn sie fühlte ihn so deutlich auf ihrer Haut, dass sie wusste: Sie schlief nicht! Sie träumte nicht! Sondern sie war hellwach, und das was gerade passiert war, war die schreckliche, eiskalte Wirklichkeit.
Obwohl es Sommer war und die Sonne gerade aufging, fröstelte sie, und sie zitterte am ganzen Körper. Eine Stunde lief sie nun schon zu Fuß die Straßen entlang, und sie hatte nur ein bestimmtes Ziel vor Augen, ganz fest vor Augen.
Der Schmerz der noch immer zwischen ihren Beine brannte, brachte sie fast um den Verstand, und an liebsten wäre sie breitbeinig gegangen, doch sie wollte niemanden auch nur ahnen lassen, was sie heute durchlebt hatte. Sie schämte sich so schrecklich, sie fühlte sich so furchtbar dreckig und schuldig. Ja! Lana fühlte sich schuldig, für etwas, wofür sie doch nichts konnte, doch trotzdem hatte das Wort ‚schuldig’ sich unerbittlich in ihrem Kopf eingenistet, und es wollte einfach nicht daraus verschwinden.
Kraftlos und erschöpft erreichte sie das kleine Häuschen, kein einziges Lichtlein brannte darin, und kein Lebenszeichen drang aus ihm heraus. Daniel schlief wohl noch, aber sie brauchte ihn doch jetzt so furchtbar dringend.
Mit zitternden Händen klopfte sie vorsichtig an, einmal, zweimal – aber nichts passierte, während ihre leeren Augen die Tür fixierten wie eine Katze die Maus.
Dann fing sie plötzlich an, wie wild auf das Holz ein zu hämmern. Daniel, Daniel, Daniel! Sie brauchte ihn jetzt einfach, er sollte ihr diese furchtbaren Schuldgefühle nehmen!
Und dann endlich ging die Tür auf, und ein verschlafener und verkaterter Daniel stand vor ihr und sah sie verwundert an, doch noch ehe er etwas zu ihr sagen konnte, war sie ihm um den Hals gefallen und hatte sich an ihn geklammert, wie ein Kind, das sich an seine Mutter klammerte, wenn es furchtbare Angst hatte.
Erst stand er überrumpelt da, doch dann schloss er sie in seine Arme und streichelte ihr sanft über den schweißnassen Rücken.
„Was ist denn los?“, fragte er vorsichtig flüsternd, doch dann spürte er, wie sie auf einmal anfing zu zucken und sie schließlich in Weinkrämpfe ausbrach, die ihren ganzen Körper kontrollierten, während sie sich an ihn klammerte.
Ohne zu überlegen hob er sie hoch, schloss mit dem Fuß die Tür und trug sie in das unaufgeräumte Wohnzimmer, wo er sie ganz sachte auf das Sofa legte und in eine dicke Wolldecke wickelte.
„Lana, Schätzchen! Was ist denn los?“, versuchte er es noch einmal.
Es brauchte eine ganze Weile, bis sie aufhörte zu weinen, Daniel kochte ihr in der Zwischenzeit einen Tee, stellte ihr Schokokekse vor die Nase und rubbelte mit einem Handtuch vorsichtig ihr Haar trocken, er fragte sie nicht noch einmal, was los war, sondern kümmerte sich nur um sie, bis sie sich etwas in seinen Armen beruhigte und ihren Kopf auf seinen Schoss legte, während er ihr sanft durch das Haar fuhr. Erst jetzt wagte er es noch einmal, sie zu fragen, und was er als Antwort bekam, versetzte ihm einen riesigen Stich ins Herz.
Ungläubig starrte er auf die gegenüberliegende Schrankwand, wo schon lange mal wieder Staub hätte gewischt werden müssen...
„Er hat was?“, murmelte er fassungslos vor sich hin, und es war fast so, als würde etwas in ihm zusammenbrechen. „Nein, Schätzchen, das kann nicht sein, du musst….“
Er stockte, ja, was musste sie? Sich irren? Sich dies nur eingebildet haben? War er denn blind? Sie lag völlig verstört hier auf seinem Sofa und hatte nur die Worte ‚John’ und ‚Vergewaltigung’ herausgebracht. Und er? Er wollte ihr wirklich sagen, sie müsse sich irren?
Aber das konnte nicht John getan haben, nicht sein John, nicht der John, der einmal sein bester Kumpel gewesen war.
Verblasste Erinnerungen holten Daniel ein. Wie John damals gewesen war und wie er sich verändert hatte. Damals, da hatte John alles nur Erdenkliche für seine beiden Kinder getan, er hatte nächtelang durchgearbeitet, um ihnen ein schönes Weihnachtsfest bereiten zu können, er hatte jede Woche seine Großmutter im Altersheim besucht, und er hatte Frauen geholfen, die von Kerlen dumm angesabbelt wurden. Wo war dieser John nun?
Er war damals ganz anders gewesen, und Daniel wusste natürlich, woran es lag und warum John sich so verändert hatte.
Der Dämon, nur er machte John stark und verschaffte ihm die ewige Jugend, aber dafür verlor er langsam seine Seele, und sein Verhalten wurde immer skrupelloser. Es fing damit an, dass ihm seine Kinder scheißegal wurden, dass er seine Großmutter nur noch einmal besuchte, um ihr Haus zu erben und dass er Frauen nur noch als Gegenstände für seine Lust betrachtete, er hatte seine Kinder verloren, sie wollten ihn zwar sehen aber er scherte sich einen Dreck um sie – und jetzt, jetzt hatte er eine Frau vergewaltigt und ihr für immer einen dunklen Schatten in ihrem Herzen verschafft. Er war nicht mehr der John von früher, sondern er wurde allmählich zu dem Dämon in seinem Inneren!
Und Daniel bekam auf einmal schreckliche Angst, würde er auch so werden? Und die anderen mit ihm? Würde er zu einem Monster werden? Immerhin steckte auch in ihm ein Dämon.
Nein, er wollte nicht so werden wie John, er wollte nicht so ein Monster werden!

Tore starrte gedankenverloren auf sein Frühstück, die Augen der Kleinen wollten ihn einfach nicht mehr loslassen, sie waren so voller Panik gewesen und dann fiel ihm noch etwas ein, dieses Mädchen auf dem Spielplatz, hatte es nicht von seiner Großmutter erzählt? Und war die nicht auch kurz nach dem Raubüberfall gestorben?
Hingen die beiden Fälle vielleicht zusammen? Und Moment mal, da war noch etwas Seltsames passiert! Dieser reiche Mann, dem eine teure Kette und Familienfotos gestohlen wurden, er hatte mehr um die Fotos als um die Kette getrauert, was war eigentlich aus dem Fall geworden? Hatte man ihn etwa zu den Akten gelegt?
Tore hatte kein Verlangen mehr nach dem leckeren Frühstück mit dem Rührei und den frischen Brötchen, welches er sich eben noch voller Appetit bestellt hatte.
Jetzt spukte ihm ganz etwas anderes durch den Kopf, er legte einen Zwanzigeuroschein auf den Tisch, winkte der Kellnerin zum Abschied zu und verschwand aus seinem Stammlokal.

Tore hatte schnell die Adresse des Mannes herausbekommen, zum Glück lag es nur ein paar Kilometer weit weg. Und während der Fahrt dorthin überlegte er sich schon die Fragen, die er der Familie gleich stellen würde.

Das Haus lag tief versteckt im Wald, es wirkte wie ein verwunschenes Märchenschloss, und es sah sehr einladend aus.
Tore parkte das Auto am Eisentor des Hauses, er klingelte an und sagte seinen Namen auf Wunsch in die Gegensprechanlage, dann öffnete man ihm.
Eine asphaltierte Straße führte durch die Gartenanlage zum Hauseingang, und dort stand bereits eine Frau in der großen geschnitzten Tür, sie trug das altmodische Kleid eines Zimmermädchens. Hübsches Ding, wie Tore fand, aber noch sehr jung, vielleicht zwanzig?
Tore stellte sich vor und fragte nach dem Herrn des Hauses, doch die Angestellte schüttelte traurig den Kopf. „Tut mir leid, aber der Herr ist leider vor kurzem verstorben“, informierte sie Tore.
Irgendwie wunderte das Tore überhaupt nicht, alles passte, und dieser Fall ähnelte haargenau den anderen beiden Fällen.
„Darf ich dann mit seiner Frau sprechen?“, fragte er vorsichtig.
Sie nickte, und er folgte ihr in das riesige Haus hinein, alles sah sehr reinlich aus, und es roch angenehm nach Hühnchen.
„Störe ich etwa beim Essen?“, fragte er die junge Frau, die ihn durch die Zimmer führte.
„Nein, das Essen wird nur gerade zubereitet, es wird erst Punkt dreizehn Uhr serviert!“, erklärte sie ihm und blieb dann vor einer Tür stehen.

Sie klopfte sanft an, und eine freundliche Frauenstimme bat sie hinein. Das Zimmermädchen, so nannte Tore sie im Geiste, trat allein in den Raum und schloss die Tür hinter sich.
Wenig später öffnete sich die Tür wieder. „Sie können nun hereinkommen“, sagte das Zimmermädchen und lächelte ihn aufmunternd an.

Als Tore auf einem der grünen Sessel Platz nahm, genau der Witwe gegenüber, da beschlich ihn auf einmal ein beklemmendes Gefühl, die Frau wirkte sehr kraftlos und zerbrochen, sollte er ihr wirklich diese Fragen stellen und sie wieder daran erinnern? Er musste es aber doch tun… Vorsichtig räusperte er sich.
„Es tut mir leid, dass ich wieder alles aufwühlen muss, aber ich würde gerne wissen woran Ihr Ehemann gestorben ist?“, begann er sanft.
Sie schloss kurz ihre Augenlider, als wolle sie tief in sich gehen. „Er hat einen Herzinfarkt erlitten…“, gab sie schließlich zur Antwort.
Wie die Kleine…
„Das tut mir wirklich leid, es muss furchtbar schwer für Sie gewesen sein“, er wusste einfach nicht, wie er weiter vorgehen sollte. Aber es half alles nichts...
„Ist Ihnen davor etwas bei Ihrem Mann aufgefallen? Irgendetwas Merkwürdiges?“, fragte er vorsichtig.
„Ja...“, ihre Stimme klang zögernd. „Er hat behauptet, man verfolge ihn. Er meinte, etwas würde auf ihn lauern. Es hat mir Angst gemacht, das was er mir erzählt hat, und nun, nun ist er tot, wie kann das möglich sein?“, fragte sie nun Tore mit zittriger Stimme.
Schatten etwa?
„Ich weiß es leider nicht, aber ich möchte Ihnen helfen, glauben Sie mir. Dafür muss ich aber noch etwas wissen, tut mir leid.“, er hielt inne und musterte die Frau, die noch immer etwas zitterte.
„Hat er von Schatten erzählt?“

Die Frau sah plötzlich auf und schaute Tore mit einem seltsamen Blick an. „Woher wissen Sie das?“, fragte sie irritiert...

 

Fortsetzung folgt

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.12.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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