Wie schön, Carola ist wieder da. Sechs Tage war sie auf Yogafortbildung. Sechs Tage lief kein Radio in der Küche. Sechs Tage Frühstück im Stehen an der Arbeitsplatte vor dem Küchenfenster, mit einem Haferl Tee, zwei Scheiben Knäckebrot, dünn mit Butter bestrichen und nebenbei in der Tageszeitung geblättert. Kein Frühstückstisch decken und danach wieder ab- und die Spülmaschine einräumen, dafür sich gleich in der früh aufs Radl setzen und die herrliche Morgenluft genießen, ein Tagesablauf ohne feste Regeln, Mittagessen irgendwann mit Obst und einer Scheibe Brot, kein Kochaufwand, dafür im Garten gewerkelt, bis die Sonne auf dem Rücken brennt, Arbeiten rund ums Haus, soweit fällig oder notwendig und überhaupt in seinem Tun und Handeln, vom abendlichen Zwang des Gießens all ihrer im Garten verteilten Topfpflanzen mal abgesehen, völlig frei und auf sich selbst gestellt mit dem erhofften Ergebnis: mehr als ein Kilo abgenommen. Hoffentlich bleibt es weg.
Nun ist sie wieder da und ich stelle ihre Schuhe auf die Ablage im Korridor, nachdem ich in der Diele darüber gestolpert bin, trage ihren Koffer in die erste Etage zum Ausräumen und später den leeren Koffer zurück in den Keller, nehme den Verschluss der von ihr geöffneten Bionadeflasche vom Küchenschrank, lege den Flaschenöffner zurück in die Schublade, nehme mit spitzen Fingern ihr Tempotaschentuch vom Stuhl und werfe es in den Mülleimer, ordne die etwas zerfledderte Tageszeitung und lege sie zurück in den Stapel der Zeitungen der Vortage, stecke das Schnurlose zurück in die Ladestation, nachdem sie mir anhand der Sprachboxaufzeichnungen bewiesen hat, dass sie „ich bin´s“ und nicht „spinnst?“ bei ihren vergeblichen Bemühungen, mich zu erreichen, gesagt hatte, hebe das Bonbonpapier vom Boden auf und stelle das Kästchen mit den diversen Arzneien zurück in den Schrank, schließlich ist sie nicht nur etwas erschöpft, sondern auch erkältet und mit leichten Kopfschmerzen zurückgekommen, hustet, schnäuzt sich und geht bald zu Bett, wo sie lange vor mir einschläft.
Am nächsten Morgen endlich wieder gemeinsames gepflegtes Frühstücken und weil es Sonntag ist, mit Brötchen und einem weichgekochten Ei. Das darf es nur einmal in der Woche geben von wegen des Cholesterins und so, sagt sie.
Und während ich mich mit Hingabe vor dem Spiegel im Bad von meinen Bartstoppeln befreie, fragt sie hinter mir: „Sind das Finger- oder Zehennägel in der Badewanne? Willst Du die zusammenkehren oder wegspülen“?
„Lass sie bitte, wo sie sind“ sage ich gequält. Wortlos nimmt sie den Duschschlauch in die Hand und spült meine Schandtaten durchs Abflussloch.
Alles Kleinigkeiten, oder?
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.12.2009.
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