Wilhelm Westerkamp

Das Verständnis vom Leben

 

Das Schöne, zieht den Menschen an, sie staunen, auch wenn der Schnee vom Himmel

kräftig fällt. Die Kälte durchdringt den schönen Schein, ihn zu Verdrängen, scheint sein

Anliegen zu sein. Jung und Alt, schön und häßlich, wandeln in dunklen Kanälen, schlei-

chen nur kurz an die Oberfläche,- sie wollen nicht erkannt werden. Masken tragen, das

Antlitz verbergen. Wer würde schon seine private Seite fremden Leuten an den Kopf

werfen? Der Mensch ist von Natur aus Scheu, er gibt nicht alles preis, ist neugierig und

manchmal heiter und froh, doch die Tränen sind nah, so nah wie die grenzenlose Reali-

tät. Bei Männer soll Erfolg "sexy" machen und die Damenwelt ist davon entzückt. Das

Leben kann sein wie ein reißender Fluß, der alles gierig nimmt, mit der Gewalt der Na-

tur und der "Schöpfer" lacht nur dazu, sein hämisches-geniales Lachen, das die Erde

zum Beben bringt. Ist Gott die Rettung? Oder soll ich bloß heftig lieben? Wenn die Kä-

lte meine Fingerkuppen streichelt, wird mir warm und kalt zugleich. Ich bin erregt: Glück

vereint zum Weinen! Bin ich nun wirklich glücklich? Oder ist es nur ein vorübergehender

Schauer von Emotionen, der wie Wind hastig um die Ecke weht? Wir werden in das Le-

ben hinein katapultiert und wieder hinaus katapultiert(Max Frisch). Ja, wir haben nur ei-

ne begrentze Spieldauer, dem sind wir uns bewusst. Das einzige was uns Gewiss ist, ist

der Tod. Goethe konnte den Tod nicht leiden, selbst beim Begräbnis seines "Freundes"

Schiller, war er nicht unter den Anwesenden. Selbst er konnte den Tod nicht entschlü-

sseln, auch wenn er mit seinen beeindruckenden Gedichten, nahe dran war. Kinder da-

gegen, haben die Schönheit der Unschuld wie ein Raubtierbaby, dass wenn es ausge-

wachsen ist, die Unschuld gewichen ist, jetzt als Raubtier dem Trieb des Tötens folgt,

ohne jede Gnade. Der Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt hat einmal gesagt, wir

wären alle "gefährliche Raubaffen". Man denke nur daran, wenn man etwas verliert,

das einem gehört, dann wird man fuchsteufelswild und will es wieder haben. Eine 

Schnecke, die sich langsam und ruhig am Boden bewegt, wird solche Machtansprüche

des Menschen nicht kennen, dennoch lebt sie auf Erden, wie wir selber auch. Wo ist

da der Unterschied? Es ist wie im Nebel. Man sieht nur schemenhaft, zu wenig ist zu

erkennen, es ist einfach zu komliziert. Selbst ein Jahrhundertgenie wie Mozart, der das

absolute Gehör hatte, das Musikgenie, stand sich oft im Wege und war bis zu seinem

Lebensende unglücklich. Wer also zu viel weiß, der wird nicht unbedingt glücklich, so-

ndern trägt Trauer sein Leben lang. Das Älter werden vertreibt die äußere Schönheit

wie ein Spuk, doch die Weisheit quält sich in die grauen Zellen der einsamen Seele

und älter und älter wird der Mensch. Todes nah taumelt er dem Ende entgegen, ein

letzter Glücksstoß reitet auf seinen alten Zellen und sie erlöschen und mit ihm Glück

und Trauer. So Mensch, werde endlich frei!

 

 

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