Maria Thermann

Es wird langsam Zeit (Teil 4)

 

Joseph Moore lud einen riesigen Korb mit Kirschen im Weinkeller ab. „Was ist denn in dem Fässchen dort? Vielleicht ein edler Tropfen vom Vorjahr? Was für eine Lese das war! Dieses Jahr wird’s bestimmt noch besser; bei all der Hitze in den letzten Wochen werden die Trauben einen besonders guten Wein hergeben, nicht wahr?“ beschwatzte Joseph den Händler Thurston Senior.

 

Er legte seinen Arm jovial um die Schultern des alten Händlers und schob ihn vor sich her, um möglichst schnell in die tieferen Gewölbe des Weinkellers zu gelangen. Thurston ließ sich nicht lange bitten. Die Gaststätte Wounded Hart Inn war einer seiner besten Kunden. Bevor sie im nächsten Keller verschwanden, blickte Joseph zurück und zwinkerte seinem Korb zu, der gleich beim Eingang stand. Der Korbdeckel hob sich ein wenig und zwei intelligente Augen blinzelten aus den Kirschen hervor. Joseph grinste und beeilte sich, Thurston Senior einzuholen, der sich gerade lauthals über die Einfuhrsteuer beklagte.

 

Giles kletterte aus dem Korb, steckte sich eine Handvoll Kirschen in die Hosentaschen und borgte sich eine der Fackeln, die an den Wänden des Kellergewölbes in gusseisernen Klammern steckten. Es war kühl im Gewölbe und roch nach Eichenfässern, gärendem Bier und Mäusedreck.

 

Er schlich sich die Treppe hinauf und horchte. Alles war still. Giles lief auf Zehenspitzen den dunklen Gang entlang bis er an der Tür ankam, die John Cook ihm beschrieben hatte. Er öffnete sie vorsichtig und äugte in Thurstons geräumiges Warenlager. Das Lager war vom Boden bis zur Decke mit der letzten Lieferung gefüllt, die Thurston Junior von Kapitän James Thrower und seinem Steuermann Nicolas Mott bekommen hatte. Giles bewegte sich behutsam zwischen den Kisten und Säcken, die am Eingang aufgestapelt standen und begann, systematisch nach den Gütern zu suchen, die John ihm beschrieben hatte, nämlich alles, was einer besonders hoher Einfuhrsteuer unterlag. Am anderen Ende des Lagers arbeitete ein verdrossener Lagerverwalter. Giles behielt ihm im Auge und bemühte sich, so lautlos wie möglich durch die Reihen der Stapel zu schleichen.

 

Er fand ziemlich schnell wonach er suchte. Seiden und Brokatballen, Gewürze und edle Öle waren in Kisten versteckt, deren Beschriftung auf Schafwolle oder Sackleinen aus Wales verwies. Giles schlich sich wieder aus dem Lager in den Gang zurück und von dort durch das Wohnhaus an der Magd vorbei, bis er endlich in den Räumen von John Cook anlangte. Er lauschte an der Tür des Arbeitszimmers.

 

        „Merkwürdig, Samuel, meine Salbe hilft sonst immer sehr schnell. Haben Sie den Verband vielleicht zu früh abgelegt?“ John untersuchte Samuels entzündete Hand. „Vielleicht war das Gewebe zu grob und hat die Haut noch mehr gereizt. Geben Sie mir doch mal eben die Bandage, damit ich’s mit diesem Wollstoff vergleichen kann, den ich heute gekauft habe.“

 

        Samuel zog seine Hand ruckartig fort und stand auf. „Machen Sie keinen Aufwand, Doktor. Ist nur ne kleine Wunde. Ich wäre überhaupt nicht gekommen, wenn mein Vater nicht darauf bestanden hätte.“ Samuel steckte die Hand tief in seine Hosentasche und wandte sich zum Gehen.

 

        „Ein bisschen muss ich meine Patienten schon um Mithilfe bitten! Setzen Sie sich doch noch einmal, ich mache einen neuen Verband drauf.“

 

        „Habe keine Zeit mehr für Ihre Quacksalberei!“ Samuel drehte sich schroff um und verließ die Praxis. Er knallte die Tür so heftig hinter sich zu, dass die Teller in der Anrichte nur so klirrten. John hörte wie Samuel im Hof eine Magd anbrüllte.

 

        „Sie haben ihn gehen lassen, dieses mörderische Vieh!“ prustete Giles heraus, als er einen Moment später aus einer Nebenkammer in die Praxis schoss.

 

        „Wir haben noch einen langen Weg vor uns Giles, bevor wir vor dem Richter Anklage erheben können. Hast du etwas herausgefunden?“

 

Giles berichtete von der Schmuggelware im Warenlager und auch, dass Rob Palmers Mutter bestätigt hatte, ihr Sohn sei einige Tage vor seinem Tod mit dem alten Elias Ross zum Fischen hinausgefahren.

 

        „Dann wissen wir, was wir zu tun haben. Sage Joseph und Inman Junior bescheid und haltet euch für heute Nacht bereit.“ John sah den Jungen ernst an. „Keine Heldentaten, Giles! Wir wollen nur beobachten, wo und wie die Waren an Land kommen. Die Abrechnung werden wir der Bande später präsentieren, wenn wir vor den Richter gehen.“

 

        „Aber könnten wir nicht…ich meine, wir ertappen sie erst auf frischer Tat und…dann zeigen wir’s ihnen!“ Giles blickte unschuldig in Johns Gesicht. John schüttelte den Kopf. „Also schön, wir lassen sie leben…aber könnten wir ihnen nicht wenigstens ein klein wenig wehtun, bevor wir sie dem Henker übergeben?“ Giles nahm ein Messer vom Tisch und fuchtelte damit so wild herum, dass er beinahe John an Stelle der Schmuggler enthäutet hätte.

 

„Nein Giles! Wenn wir alle Beweise beisammen haben, werde ich den Richter und den Sheriff informieren. Die Schmugglerbande wird büßen müssen, aber wir werden das Gesetz nicht brechen, nicht wahr, Giles?“ John sah den Jungen streng an und ergriff sein

Handgelenk. „Versprochen, keine Heldentaten?“

 

        „Ich schwöre beim Bauch der Tante Gimingham.“ Giles nickte kleinlaut und John nahm ihm das Messer ab, bevor Giles ihn zu seinem eigenen Patienten machen konnte.

 

Einige Stunden später lagen Giles, John Cook und Inman Junior auf ihren Bäuchen im hohen Gras versteckt am Strand. Ein blasser Mond stand am Himmel, die See war ruhig. Leichter Nieselregen fiel auf die Verschwörer herab. Der breite Strand lag verlassen, aufgestellte Netze flatterten im Wind, ein Hund bellte irgendwo in der Dunkelheit. Die Fischer würden nicht vor Tagesanbruch zurückkehren.

 

        „Hoffentlich lassen die Schmuggler uns nicht die ganze Nacht warten.“ Inman Junior wickelte einen langen Wollschal fester um seinen Hals. „Wochenlang Hitze und ausgerechnet heute muss sich das Wetter ändern.“

 

Von den Torffeldern im Hinterland wehte ein kühler Wind über die Dünen hinweg und blies Giles eine Ladung Sand ins Gesicht.

 

        „Ich hasse Sand! Ich kaue schon seit einer halben Stunde auf nichts anderem mehr!“ Wie zum Beweis spuckte er mindestens einen Esslöffel voll Strandsand aus. „Ein Schlückchen Bier zum Runterspülen wär’ jetzt nicht schlecht.“

 

John griff in seine Jackentasche und zog eine kleine Flasche hervor. „Hier, versuch mal diese Medizin.“ John grinste. „Hausgemacht, hilft garantiert gegen jedes Zipperlein. Der Herr Doktor weiß schon was seinen Patienten gut tut.“

 

Giles zog den Korken heraus und schnüffelte. „Hm, die Hausmarke der fetten Tante Gimingham. Einen besseren Holunderlikör findet man nirgendwo!“ Er nahm einen tiefen Schluck und unterdrückte einen Rülpser. „Wenn doch nur endlich was passieren würde. Meine Füße schlafen schon ein vom langen warten.“

 

        „Wo bleibt Joseph? Habt ihr ihm gesagt, wo wir sein werden?“ John hatte auf Verstärkung durch den Wirt gehofft.

 

        „Och, der hatte noch was zu erledigen, wird aber bald hier sein, Sir.“

 

        „Es wird auch langsam Zeit, Giles. Er wird ja nicht ausgerechnet heute Nacht bei der Wittwe Mackley aufwarten, hoffe ich!“

 

„Freundschaft zu schließen braucht auch seine Zeit.“ Giles kicherte.

 

„Joseph könnte sich das Flirten für unseren Siegeszug zum Richter aufheben, finde ich!“ John blies in seine kalten Hände. „Die Frau des Richters kann sich auch sehen lassen!“

 

        „Seht mal, dort drüben auf dem Wasser. Bewegt sich dort nicht was?“ Inman Junior zeigte mit dem Finger auf einen Punkt am Horizont. Ein schwarzer Schatten glitt kaum merkbar auf den Strand zu.

 

        „Schwer zu erkennen, wer es ist.“ Giles pustete den Sand von der Linse des Fernrohrs. „Vielleicht sind’s die Schmuggler, aber es könnte auch ein harmloses Fischerboot sein. Warten wir bis es näher kommt!“

 

        „Pst, ich hab was gehört.“ Inman Junior stieß Giles mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Dort drüben, hinter der Düne.“

 

Eine Gestalt glitt von der Düne auf den Strand und rannte lautlos auf die Netze zu. Der Unbekannte duckte sich hinter das Wrack eines Ruderbootes. Einige Minuten vergingen. John und die Jungen hielten den Atem an. Plötzlich erhob der Mann hinter dem Ruderboot seinen Arm und wedelte ein weißes Tuch durch die Luft. Eine zweite Gestalt bewegte sich langsam über den Dünenrand. Der zweite Mann zerrte an einer Leine. Nach und nach kamen mehrere Esel über den Rand der Düne.

 

Der schwarze Schatten auf dem Meer kam näher. Der Mann hinter dem Wrack zündete eine Laterne an und schwenkte sie dreimal durch die Luft. Draußen auf der See blinkte zur Antwort ein Licht kurz auf. Der zweite Mann war inzwischen mit den störrischen Eseln auf halbem Weg beim Wrack angelangt.

 

        „Hörst Du? Ein Ruderboot!“ flüsterte Giles in Johns Ohr. John nickte und äugte über ein vertrocknetes Seetangknäuel. Ein kleinerer Schatten löste sich vom Schwarz des Meeres und kam auf den Strand zu. Leises Plätschern verriet den gleichmäßigen Ruderanschlag der Matrosen, die das Boot an Land steuerten.

 

        „Keine Heldentaten!“ raunte John in Giles’ Ohr. Die drei Verbündeten drückten sich noch tiefer in den Sand und lauschten. Stimmen drangen vom Strand zur Düne herauf. Befehle wurden mit Flüsterstimme gegeben. Das Ruderboot war am Wrack angekommen und wurde an Land gezogen. Der Bug wurde über den Sand gezerrt und John bekam eine Gänsehaut, als er das Knirschen der zermalmten Muscheln hörte.

 

Die Matrosen luden Kisten vom Ruderboot und die beiden Männer trugen sie zu der Esel Karawane. Die Tiere scheuten und die Verschwörer  hörten wie eine Peitsche auf einem Rumpf niederfuhr. Das gepeinigte Tier brüllte und der Mann fluchte leise. Nach etwa einer viertel Stunde hatten die Männer das Boot entladen und die Güter waren auf den Lasttieren aufgeladen worden.

 

        „Es wird langsam Zeit!“ Giles stieß John mit dem Ellenbogen an und rollte die Augen. Im blassen Licht des Mondes zeigte er auf einen zweiten Schatten, der unaufhörlich auf das Ufer zustrebte.

 

        „Es wird langsam Zeit für was?“ fragte John verwundert.

 

Giles zog eine verbeulte Kindertrompete aus seiner Jackentasche. Bevor John ihn daran hindern konnte, stand Giles auf und blies mit aller Kraft hinein. Ein ohrenbetäubendes Quietschen erklang. Es fuhr John durch Mark und Bein. In der Dunkelheit hätte man die Trompete für den Schrei einer Hexe halten können. Inman Junior hielt sich die Ohren zu. Giles traten Tränen in die Augen vor lauter Anstrengung.

 

Die Männer am Strand waren augenscheinlich nicht von Giles’ Spielkunst begeistert. Sie stoben auseinander, die Matrosen stürzten sich auf das Boot und schoben es ins Meer. Die beiden Männer versuchten, die verschreckten Tiere an der Flucht zu hindern. Ballen und Kisten fielen von den Satteln, einer der Männer wurde von einem Esel getreten.

 

„Gut, hat das arme Tier sich wenigstens rächen können!“ Giles gönnte sich eine kurze Pause vom Blasen.

 

„Los, wir müssen herausfinden wer die Männer sind, sonst ist alles verloren!“ John fluchte und humpelte den Abhang hinunter. Sein Gehstock versank im tiefen Sand und behinderte seinen Fortschritt.

 

Von einer tiefen Mulde im Strand lösten sich plötzlich einige Schatten und liefen auf das Geschehen zu. Jemand schrie Befehle. Es war der Sheriff!

 

Einige Matrosen sprangen ins Boot und versuchten aufs Meer zu entkommen. Der vom Esel getretene Mann lag am Boden, sein Begleiter rannte in wilder Panik den fliehenden Tieren hinterher. Der verletzte Mann rappelte sich auf und schlug um sich, traf John Cooks Gehstock und warf den Arzt um. Der wütende Schmuggler stürzte sich auf den Gerichtsmediziner und hieb mit Fäusten auf John ein. John versuchte, unter den Hieben fort zu kriechen, aber in der Dunkelheit konnte er seine Krücke nicht finden, ohne die er sich im tiefen Sand nicht aufrichten konnte.

 

„Elendiger Schnüffler! Dir werd ich’s zeigen!“ Das Gesicht des Mannes war vermummt, aber John erkannte die Stimme. Es war Samuel Thurston. „Jetzt wirst du meine Medizin zu spüren bekommen!“

 

Samuel ergriff John am Hals und drückte Johns Gesicht unbarmherzig in den Sand. John versuchte sich zu befreien, aber der Druck auf seinem Nacken zwang sein Gesicht so tief in den Sand, dass ihm die Luft ausging.

 

 

Die schattenhaften Gehilfen des Sheriffs rannten lautlos über den Sandboden und stürzten sich ins Handgemenge mit den Matrosen. Der Sheriff verfolgte den flüchtenden Schmuggler und die Tiere. Thurston und John kämpften allein beim Wrack.

 

Plötzlich rannten zwei weitere Schatten über den Strand zum Wasser. Einer der Schatten, ein Schmächtiger mit einem wilden Haarschopf, packte Thurston am Kragen und schleuderte ihn zu Boden. Der zweite Angreifer versetzte ihm einen Tritt ins Gesicht. Samuel versuchte wieder aufzustehen, aber seine Angreifer ließen sich auf den Schmuggler fallen. Ihr gemeinsames Gewicht setzte Samuel außer Gefecht. Eine kleine Faust schlug ihm so hart auf die Nase, dass ihm das Blut heraus quoll.

 

        „Gut gemacht, Jungs! Danke.“ John keuchte. Er befingerte sein zerdrücktes Gesicht.

 

        „Nicht der Rede wert, Sir. Wir hatten ja versprochen nicht die Helden zu spielen!“ Die Sommersprossen in Giles’ Gesicht tanzten von Ohr zu Ohr.

 

        „Beim nächsten Mal ignoriert bitte meinen Rat!“ John hustete und spuckte eine Ladung Sand aus. „Spielt die Helden so viel ihr wollt!“

 

        „Jemand hat Sie aber ganz schön zugerichtet, fürchte ich.“ Giles wies auf Johns blutiges Gesicht. „Ich empfehle kalte Wickel für die Beulen und Tante Giminghams Geheimmedizin gegen den Staub in der Kehle!“ Giles reichte John die Flasche mit dem Holunderlikör. Inman Junior nahm seinen langen Schal ab und fesselte Samuel die Hände. Dann nahm auch der Junge einen Schluck von der Medizin.

 

        „Nur für den Fall, dass ich mich ohne den Schal erkälten sollte.“ Inman Junior schmatzte und rollte den Likör genüsslich auf der Zunge.

 

Vom Meer ertönte eine schrille Pfeife und Ruderschläge verkündeten die Ankunft weiterer Männer des Sheriffs. Im Boot stand Joseph neben Kapitän Bradley, der sein Schiff für diese Aktion zur Verfügung gestellt hatte. Sowohl an Land wie auf See waren die Schmuggler in die Falle getappt. 

 

        „Joseph, ich dachte schon, Sie hätten bei einem gemütlichen Stelldichein die Zeit vergessen!“ John rappelte sich auf und blickte den Wirt vorwurfsvoll an. Joseph reichte ihm seinen Gehstock. „Nicht auszudenken was den Jungen hätte zustoßen können…ich bin doch für die Kinder verantwortlich.“

 

        „Giles hat gesagt, ich soll auf Sie aufpassen!“

 

        „Ach, hat er das?“

 

        „Aber ja doch. Der Sheriff und seine Männer sind meine Stammkunden! Da brauchte ich nur um einen kleinen Gefallen zu bitten.“ Joseph strahlte. „Haben Sie gesehen, wie ich dem Absolon einen Nasenstüber verpasst hab? Der hat sich glatt hingesetzt!“

 

        „Die Heldentat müssen wir unbedingt der Wittwe Mackley erzählen, meinen Sie nicht, Sir?“ Giles zwinkerte John zu. Selbst im fahlen Mondlicht leuchteten Josephs Ohren rot auf.

 

        „Unbedingt. Wird ihr gut tun, von der Gefangennahme der Mörder ihres Sohnes zu hören. Könnten Sie mir diese Aufgabe abnehmen, Joseph? Wenn ich mich gesäubert habe, werde ich zu den Palmers gehen und Giles wird sicherlich bei der Familie Hall berichten wollen.“

 

        „Erm…nun ja, vielleicht könnte ich…ich meine, die arme Frau muss ja auch mal auf andere Gedanken kommen. Es wird ein Schock sein, das ist sicher. Man sollte ihr vielleicht ein wenig Medizin geben, meinen Sie nicht?“ Joseph beäugte die Flasche in Johns Hand. „Ich selbst könnte auch eine kleine Stärkung gebrauchen.“

 

        „Hier, Spezialmedizin.“ John reichte Joseph den Holunderlikör. „Hilft gegen Schock, Beulen, Erkältung, trockene Kehle und ganz besonders bei bevorstehenden Heiratsanträgen!“

 

„Ja aber…soll ich’s wirklich wagen?“ Joseph spielte mit der Schnur an seinem Wams und scharrte mit dem Stiefel im Sand. Dann griff er die Flasche und nahm einen tiefen Schluck. Er schüttelte sich, seufzte tief und eilte davon.

 

        „Man sollte meinen, ein Mann der den fetten Absolon ausgeschaltet hat, würde sich nicht vor einer kleinen Wittwe fürchten!“ John lachte.

 

Kapitän Bradley gesellte sich zu ihnen. „Wurde langsam Zeit, dass diesen Schurken das Handwerk gelegt wurde. Die machen es ehrlichen Kapitänen schwer im Geschäft zu bleiben.“ Er wies auf Kapitän Thrower und Nicolas Mott, die gerade vom Sheriff zusammen mit Magistrat Absolon abgeführt wurden. Samuel hatte man auf einen Esel gebunden. Der Magistrat hielt sich ein blutiges Taschentuch vor die Nase.

 

„Sind Sie wegen der Geschäftschädigung durch die Schmuggler bei der Aktion mit dabei?“ John sah den Kapitän fragend an und reichte ihm die Likörflasche.

 

        „Ach wo, Giles hat gesagt ich soll auf Sie aufpassen!“ Bradley erlaubte sich ein seltenes Lächeln. „Hat sich auf hundert Jahre Deckschrubben verpflichtet, wenn ich heute helfe.“

 

„Ich hoffe Sie werden den Bengel daran erinnern!“ John klopfte den Sand von seiner Hose und vermied damit, Bradley ins Gesicht zu sehen. „Und halten Sie ihn bitte nie wieder zum Trompetenspiel an. Mir rauschen jetzt noch die Ohren.“

 

„Das Tröten Signal war seine eigene Idee! Damit ärgert er immer die Matrosen, wenn sie beim Landgang zu viel getrunken haben. Aber es trifft sich gut, dass wir uns sehen. Ich wollte Sie fragen, ob Sie Thomas Blythe ein wenig in der Medizin anweisen könnten. Er muss ja jetzt an Land bleiben wegen seines gebrochenen Beines. Hat sich immer um Unfälle und Krankheiten der Mannschaft gekümmert. Vielleicht sollte er von einem Fachmann Unterricht bekommen, bevor wir auf große Fahrt gehen. Ich komme für die Kosten auf?“ Bradley sah John erwartungsvoll an. John hielt dem Kapitän die Hand entgegen. Der ergriff sie und schüttelte sie herzlich.

 

„Kapitän, ich sollte auf der Good Intent anheuern! Mir ist die Mannschaft schon richtig ans Herz gewachsen!“ John lächelte und sah den Jungen zu, wie sie halfen die Esel einzufangen.

 

„Beim Bauch der Tante Gimingham, es wird auch langsam Zeit, dass sie zur Familie gehören!“ rief Giles und blies noch mal kräftig in die Tröte. Die Esel stoben auseinander und die Männer des Sheriffs fluchten.

 

        „Hör sofort mit dem Unfug auf, Gimingham!“ brüllte der Kapitän. „Hilf beim Frühstück und dann Deck schrubben, aber ein bisschen plötzlich!“

 

John hielt sich die Ohren zu und folgte lachend dem Kapitän. Sarah Hall, 15 Jahre alt. Ermordet. Wir werden dich nicht vergessen. Ruhe in Frieden, Kind.

 

Ende

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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