Paul Rudolf Uhl

Kriegsverbrechen


 

Meine Generation hat vom 2. Weltkrieg ja nicht mehr viel abbekommen, aber umso mehr lese ich mit Entsetzen, was damals gelaufen ist. Von unserem Erlebnis auf Kreta, wo die deutsche  Wehrmacht im Kedros-Gebirge ganze Dörfer ausgerottet hat und wo die Bitternis darüber sogar noch bis in dieser Generation weiterlebt, habe ich in meinem Reisebericht ja schon erzählt.

Nun schreibt der „Spiegel“ in seiner Ausgabe Nr. 23/03 darüber, wie deutsche Soldaten in Griechenland auf Befehl des Führers unter Italienern gewütet haben:

„Vor 60 Jahren haben Deutsche Gebirgsjäger (die Truppen aus Mittenwald) auf der Insel  Kephallenia  etwa 5000 italienische Soldaten getötet“ – Wie kam es dazu?

 

Als im Sommer 1943 der italienische „Duce“ und Vertragspartner Hitlers, Benito Mussolini, abgesetzt wird, erklärt die neue italienische Führung den Austritt aus dem Kriegsbündnis mit Berlin.

 

Das OKW ordnet daher an, die von italienischen Truppen besetzten Territorien (dazu gehörte die Insel Kephallenia) sofort zu besetzen und italienische Truppen, die mit Aufständischen gemeinsame Sache machten, zu entwaffnen, die Offiziere nach Gefangennahme standrechtlich zu erschießen. Auf Kephallenia lag die gut 11000 Mann starke italienische Gebirgstruppe „Aqui“ unter General Gandin. Dieser weigerte sich, die Waffen niederzulegen. Er würde Weisungen nur vom italienischen König oder von der neuen Regierung entgegennehmen.

Hitler tobte, warf die Mittenwalder Truppen nach Griechenland und befahl, mit größter Härte vorzugehen und wegen des feigen und verräterischen Verhaltens der Italiener, keine Gefangenen zu machen.

Es gab daher eine Blutorgie ohnegleichen: allein bei der Ortschaft Troianata wurden 900 Soldaten mit Garben  aus Maschinenpistolen  liquidiert. Der „Spiegel“ berichtet wörtlich über eine Aussage des Feldkaplans Formato:

 

Es gab kein Entweichen... Man lief, weg, überholte sich, stürzte, zertrat sich gegenseitig und bildete schließlich einen zuckenden Haufen. Aus ihm sprudelten Bäche von Blut, aber nicht alle waren tot... Noch immer hörte man Röcheln und Stöhnen. Da dachten sich die Deutschen einen grausamen Trick aus: sie Schrieen: „Hier sind  Sanitäter, wer noch am Leben ist, soll hervorkommen!“ Nach einiger Zeit krochen etwa 20 Menschen unter größter Anstrengung hervor, blutig, verletzt, verängstigt... Mit einer MG-Salve wurden die restlichen Überlebenden getötet..

 

Später hatte Hitler den Befehl wieder abgemildert. So wurden „nur“ noch General Gandin und 137 seiner Offiziere von einem Standgericht zum Tode verurteilt und auf der Landzunge Agio Theodori, wo heute das Mahnmal steht, erschossen.

 

Wie kommt es dazu, dass Soldaten solchen Befehlen gehorchen? Die Angst, wegen Gehorsamsverweigerung vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, ist es wohl in erster Linie – aber einigen könnte es auch Spaß gemacht haben. So schreibt der Spiegel: einer der deutschen Soldaten rühmte sich, alleine mindestens 150 Italiener erledigt zu haben... Jagdfieber, Lust am (erlaubten) Töten?

Mein Gott, was ist der Mensch für ein schlimmes Tier! – Nein - Tiere tun so etwas nicht, sie töten nur, um zu Fressen. Tiere sind also wohl die besseren Menschen...

                                                                                                                      Paul Uhl

 

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