Hardy Schneck

...und es war Sommer

                                   ...und es war Sommer

"Christel glaubt dich zu kennen"stand auf meiner Profilseite in dem Forum "Wer-kennt-wen". Christel, was für eine Christel? Ich schrieb zurück:"Hi Christel, weiß im Moment nicht, wo ich dich einordnen könnte, mach mich schlau, bitte". Es dauerte auch nicht lange und prompt kam es zurück:"Sagt dir Sommer 1961, Schwimmbad Oberwerth, Koblenz, das Girl aus Hamburg was?" Ich bekam einen Stich im Herz, mein Magen zog sich zusammen. Ich schrieb zurück:"Die Christel, wirklich, das gibt es doch nicht!" Sie war meine erste große Liebe...                                                                                                                                               Sommer 1961, ein Samstag  im Juli. Die Sonne brannte vom Himmel, als ich meinen Campingbeutel packte um ins Schwimmbad zu fahren. Wir hatten uns verabredet. Wir, das waren zwei Freunde und ich.Wir trafen uns am Eingang des Bades. Schnell hatten wir unsere Mopeds abgestellt und dann gings hinein. Ein schöner Liegeplatz war schnell gefunden. Die Decken wurden ausgebreitet und dann ging es auf "Bräuteschau". Die Stuyvesant zwischen den Lippen, das Päckchen mit Feuerzeug und nicht zu vergessen, den Kamm im Bund der Badehose, das Transistorradio auf volle Pulle "Radio Luxemburg" und last not least die verspiegelte Sonnenbrille auf der Nase, war der letzte Schrei, so stolzierten wir durch das Bad. Im Radio sang gerade >Ricky Nelson< sein "Hello Mary Lou" als es geschah! Ein schwarzhaariges Girl saß am Beckenrand und ließ ihre Beine im Wasser baumeln. Ich sah sie an, sie erwiderte meinen Blick und frech wie ich war, setzte ich mich neben sie. "Radio Luxemburg"?fragte sie mich lächelnd. "Na klar", antwortete ich und gemeinsam hörten wir uns den Song an. Meine beiden Kumpels waren indess weiter geschlendert, was mir nur recht war. Ich fragte sie, wo sie her käme und sie erzählte mir von ihrer Heimatstadt Hamburg und dass sie hier ihre Sommerferien bei einer Tante verbringen würde und dass sie keinen Freund hatte und 15 Jahre alt wäre und amerikanische Musik liebe. Wir schwammen, alberten herum und endlich lud ich sie auf eine Cola in das Restaurant ein. Auf dem Weg dorthin ergriff ich, wie zufällig ihre Hand- und sie erfaßte meine. Mein Herz schlug wild. So ein hübsches Mädchen hatte ich noch nie. Wir tranken unsere Cola, rauchten Zigaretten und gingen dann in Richtung Rhein. Hier setzten wir uns und es kam, wie es kommen mußte! Wir küssten uns! Niemals zuvor und niemals danach war ein Kuß für mich so schön, wie dieser von Christel! Ich roch den Duft ihrer Haare und spürte, wie ihr Herz pochte. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag zusammen. Es war ein wunderschöner Tag. Als es Abend wurde, fuhr ich sie mit meinem Moped zu ihrer Tante. Sie hielt mein Transistorradio in der Hand und "Da doo run run" erklang. Bis heute denke ich immer an diese Szene, wenn ich das Lied höre.

Wir trafen uns von da an jeden Abend. Ich war so verliebt. Sie schenkte mir eine Locke, die ich mit einem roten Bändchen in meiner Geldbörse verstaute. Die Tage verannen wie im Fluge. Dann mußte sie wieder nach Hause. Ich nahm mir einen Tag Urlaub, um sie zum Bahnhof zu begleiten, wo ich auch ihre Tante kennen lernte. Mit Tränen in unseren Augen und einem langen Kuß trennten wir uns. 

Jahre schrieben wir uns Briefe, gesehen haben wir uns aber nicht mehr. Irgendwann lernte ich andere Mädchen kennen und dann verloren sich unsere Spuren bis...ja bis jetzt auf "wer-kennt-wen". Wir schreiben uns des öfteren und sie erzählte mir, daß sie 1968 geheiratet hätte (genau wie ich) und einen Sohn bekam. Ihr Mann verstarb 1989 an Krebs und seit 1996 lebe sie mit einem Lebensgefährten zusammen. Heiraten wollte sie nicht mehr. Wir tauschten Fotos unserer Familien und sie sieht immer noch bezaubernd aus. Sie hatte Sporlehrerin studiert und arbeitet als Trainerin in einer Jugendsportgruppe. Irgendwann will sie mich besuchen kommen, ich bin gespannt. ...und es war Sommer...

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.01.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Wenn erst ein laues Lüftchen weht,
das sich naturgemäß dann dreht
und schnelle ganz geschwind,
aus diesem Lüftchen wird ein Wind,
der schließlich dann zum Sturme wird,
und gefahren in sich birgt-
Dann steht der Mensch als Kreatur,
vor den Gewalten der Natur.
Der Mensch wird vielleicht etwas klüger,
seinem Sturmwind gegenüber.


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