Peter Vyskovsky

Barcelonas jährliches Handy-Fieber

 

Mitte Februar ist es wieder soweit. Barcelona, um diese Zeit sonst begehrte, aber nicht überlaufene Touristenmetropole, mutiert für eine Woche  zum Babylon der Mobiltelefonie.

Keine Kammer bleibt frei, denn aus allen Erdteilen pilgern mehr als 50.000 Experten und Branchen-Insider zum weltgrößten Kongreß der Branche.
Glatte zwei Stunden und mehr brauchte man im Vorjahr für die paar km vom Flughafen in die Stadt, wenn man überhaupt ein Taxi ergatterte. Denn Provinz- und Stadtverwaltung, ja selbst der Tourismus wurden überrascht vom globalen Run auf diese Messe, die man erst im Vorjahr 2006 von der Filmstadt Cannes übernommen hat, welche für die Massen an Handyprofis schlicht und einfach nicht mehr genug Platz fand. Auch Show-Zelte am Strand und Bustransfers aus Grasse und Nizza  nützten nichts.

Das 1996 mit knapp 6000 Messeteilnehmern gestartete Ding wurde einfach zu groß für Cannes. Siemens charterte 2003-2005 sogar ein Kreuzfahrtschiff und verlegte Technologie-Ausstellung und Gästebewirtung, vor dem Stadtzentrum Cannes ankernd, machtbewusst aufs Meer. Aber das ist inzwischen Geschichte, wie die legendären Handyparties an der Cote Azur.

Boomregionen  schon seit 2007 mit am Roundtable

Highlight des ersten Tages ist jeweils der Roundtable der Big Players, an welchem sich Vodafone, Hutchison, T-Mobile Telekom, Telefonica etc. mit Nokia, Motorola, Sony Ericsson und Co. versammeln, um sich mal auf offener Bühne (und natürlich hinter den Kulissen) die Meinung zu sagen und neue Trends anzudeuten.

Voriges Jahr saßen zudem China Telecom und ein Repräsentant Indiens am Tagungstisch, das Faktum belegend, daß es längst nicht mehr um die paar Hunderttausend Europa-Mobiltelefone geht, sondern um die riesigen Mengen außerhalb unseres Kontinents. Abenteuerlich etwa, zu welchem Minipreis Motorola im Vorjahr eine Ausschreibung der ITU von 100.000 Geräten für die Bildungspolitik in Afrika gewonnen hat. Dort setzt man in der Wissensverbreitung via Internet aufs Handy, weil es deutlich billiger kommt und einfacher strukturiert ist als der PC.

Jagd nach dem ARPU

Die Netzwerkbetreiber wiederum lechzen nach neuen Anwendungen, denn mit Telefongesprächen allein lässt sich längst nicht mehr genug verdienen. ARPU heißt das Zauberwort, das Wachstum kennzeichnen soll: Average Revenue per User (monatl. Durchschnittseinnahmen pro Telefonabonnent). ARPU soll wieder steigen - aber wie ? Mit Kurzsport-Video oder Nachrichtenspots ? Mit Pop-Musik oder Hörbüchern ? Mit Games oder gar Gambling wie bei den Japanern ?  

In diesem Sinn ist der Event in Barcelona längst glanzvolle Medienmesse, inzwischen auch von Hollywood entdeckt, das präzise neue Distributionskanäle für seine alten Schinken - und neue Videoformate - wittert. Ein US-Nebenveranstalter wirft sogar die  Barca-Stars mit ins Geschehen und verspricht dem globalen Publikum ein Mobile Entertainement-Workshop samt Late Night Party im legendären Nou Camp-Stadion.


Wenn Sie wegen Gaudi, dem Dom, dem bunten Treiben auf den Ramblas oder anderen kulturellen Highlights hierher kommen wollen, dann buchen Sie eine Woche früher oder später zu ganz attraktiven Winterpreisen und vermeiden die verrückten Raten für die glubalen Tagungsteilnehmer ...


Was soll Ihr Handy morgen können ?

 

Angesichts aktueller teurer Windows- Releases und Abschaltung analoger Fernsehsender hierzulande fragt man sich überhaupt, ob man noch irgendein anderes Gerät braucht, außer dem geschenkten Handy seines Netzbetreibers. Solange der Wettbewerb so heiß ist wie bisher, werden wir unser Nullhandy wohl weiterhin bekommen, auch wenn die Netzbetreiber immer lauter murren. Aber aufhören damit - traut sich heute keiner.  


Dieser Artikel wurde, wie erwähnt, 2007 geschrieben. Heute ist der Weltkongress in Katalonien’s Hauptstadt noch größer, noch bedeutender und tagt ab 15.Februar. Das Internet ist längst fixer Bestandteil der Handywelt, Cloud Computing, AppStores und das Match Apple gegen Nokia sind die Top Themen 2010.

 

Reden Sie mit !

 

Ihr Handy  ist heute schon Terminmanager, Reiseagent, Info-Lieferant, Networker, Sorgentröster, Musikspender, TV-Ersatz, Kamera, Web-Suchstation, Landkarte, Entertainer und digitale Geldbörse. Irgendwie ist es ein Schweizermesser des digitalen Zeitalters. Nach Barcelona sind wir jedenfalls  alle wieder ein Stück schlauer. Schreiben Sie mir hier, was Ihr Handy demnächst können sollte und was die Branche besser wegzulassen hätte.

vy 2007/10     telewalker@gmx.eu

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.01.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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