Harry Schloßmacher

aLIEBES-ODYSSEE zur PETRA Albrecht und Wetter-Fee MAIRA Rothe

(Modernes Märchen)

 

 

Es war einmal vor nicht all zu langer Zeit im schönen Rheinland ...

 

... Harry schaute wieder fern und wollte schon den Fernseher ausmachen, weil er hundemüde war und sein Bett lockte. Er hatte gezappt und gezappt und landete zufällig bei einer Sendung, die er kaum kannte: "WDR Aktuell". Die Beiträge interessierten ihn weniger, die blonde Moderatorin schon mehr. Sie hatte zweifellos eine starke Ausstrahlung, so daß er keine Müdigkeit mehr verspürte. Aber erst die Nahaufnahme von ihr, ließ ihre umwerfende Schönheit erkennen. Wie bei der Entdeckung des womöglich ersten Radiosignals Außerirdischer, kam ihm gleich ein kräftiges "Wouw" !!! über die Lippen. Ein außergewöhnlich hübsches - top gestyltes - Gesicht, umgeben von einer langen, blonden Haarpracht, brannte sich augenblicklich und unwiderruflich in sein Langzeit-Gedächtnis ! Daß ein Mann eine solche Frau unbedingt kennenlernen möchte, ist natürlich naheliegend und fast zwangsläufig. Aber nach dieser Sendung hat Harry   Petra  ALBRECHT   (so hieß die TOP-Lady) nicht mehr im TV gesehen! Nicht mehr bei "WDR Aktuell" und auch nicht in ihrer Haupt-Moderation beim "Landesstudio Düsseldorf". Es war wie verhext und beinahe unheimlich: Die Schöne aus Remscheid war einfach nicht mehr fernzusehen.

 

 

"Was machen?" spricht Zeus ...

 

Zunächst ärgerte sich Harry, daß er die Sendung mit Petra nicht sofort aufgezeichnet hatte. Aber wer konnte denn ahnen, daß Sie seitdem dort nicht mehr zu sehen ward ?

Und es war nicht nur beim TV wie verhext. "Wenn der Prophet nicht zum Berge geht, dann muß der Berg eben zum Propheten kommen"... heißt es so schön. Harry machte sich also auf nach Düsseldorf und versuchte, ihr dort an vermuteten Stellen zu begegnen. Doch auch hier Pech auf der ganzen Linie: Wo immer er ihr auch auf den Fersen war - manchmal sogar ganz dicht - hieß es: "Die Petra ist schon gegangen."

 

Es war - wie gesagt - fast schon unheimlich und wie verhext. Verhext...verhext - Harry wollte fast schon das Handtuch werfen, da wurde ihm gottseidank klar, daß er sich ja in einem Märchen befand. Und dann hätte er ja die Möglichkeit ... einfach eine gute Fee zuhilfe zu rufen. Geil, dachte er noch, das versuch ich jetzt auch. Er hatte gehört, daß dies aber nur draußen bei Vollmond und zur Geisterstunde gelingen kann. Also wartete er... und als der Zeitpunkt da war, rief er auf der Straße laut nach der Guten Fee. Er rief und rief bis alle Straßenbewohner wach wurden, ihn zunächst nur beschimpften und dann mit allen möglichen Gegenständen bewarfen. Er wollte schon wieder das Handtuch werfen, als tatsächlich die Fee über ihm erschien. Harry und die Straßenbewohner waren total verdutzt - so eine märchenhafte Erscheinung hatten sie noch nie gesehen.

 

"Können wir nicht zu mir gehen, das geht den Leuten ja nichts an," sprach er zur Fee.

"Lieber Harry, das geht leider nicht," antwortete die Märchenfee, "aber wir werden auch hier draußen unter uns sein können." Und mit einem Schlag flogen alle Gegenstände, die Harry ereilt hatten, mit voller Wucht auf ihre Besitzer in den Fenstern zurück. Die schrien vor Schmerzen und knallten ihre Fenster zu.

"Siehst du, Harry, jetzt sind wir alleine. Was hast du denn auf dem Herzen?"

 

"Icheee ... eeehhh ... möchte nur eine bildschöne Frau kennenlernen. Habe alles versucht, ihr zu begegnen; doch es will einfach nicht gelingen. Sie arbeitet bzw. moderiert beim WDR. Habe wie jeck und blöde an den Sender gemailt, gemailt + gemailt !! Doch niemand hat geantwortet - die Lady selbst schon mal garnicht ! Ein klitzekleines Foto aus dem Netz habe ich von ihr als Hintergrundbild am Computer-Monitor - es ist alles, was ich von ihr habe."

 

Fee: "Ja, Harry, das ist wirklich ein schweres Los! Könnte dir helfen, aber das geht nicht zum Nulltarif. Jede Aktion von mir hat ihren Preis und ich kann dir den noch nicht mal vorhersagen. Du müßtest also sozusagen die Katze im Sack kaufen. Und höchstens drei Wünsche hättest du insgesamt frei! Überleg es dir also gut."  

Harry: "Fürchte, ich habe keine andere Wahl. Muß Petra unbedingt wiedersehen, sonst werde ich noch kirre. Also beginnen wir am besten gleich, liebe Märchenfee."

Fee: "Nun gut, Harry. Du gehst jetzt wieder in deine Wohnung und wartest ab, bis etwas geschieht." Und schon verschwand die Fee himmelwärts.

 

 

Ein Traum wird wahr !

 

Harry wartete und wartete...und schlief irgendwann ein. Dann träumte er und träumte...und plötzlich saß er mit vielen Erwachsenen in einem Unterrichtssaal. Ein Lehrer erklärte irgendetwas an der Tafel. Wo bin ich denn hier? Er schaute sich um und sah zunächst nur Männer...wo er auch hinblickte nur Geschlechtsgenossen. Dann ganz hinten, in der letzten Reihe letzter Platz...Petra (Albrecht) !  Er eilte auch gleich zu ihr, während der Lehrer laut hinter ihm herrief. Am Platz angekommen, war Petra wieder weg. Sie verschwand gerade durch die Türe. Er hinter ihr her, raus aus dem Gebäude bis zur City. Petra machte Weitsprünge wie ein Känguruh und dann suchte Harry sich in der großen Menschenmenge der Innenstadt jeck und blöde. Schließlich hat er sie doch noch entdeckt und steht plötzlich vor der so Gesuchten. Er sprach sie an ... und wurde wach.

 

Harry dachte nur: So ein Mist! Jetzt hatte ich endlich Kontakt...und dann war es nur ein Traum. So war das mit der Guten Fee aber nicht gedacht. Ok, werde noch einen Tag abwarten.

Nachts träumte er wieder heftig und erneut war er im gleichen Klassenraum. Diesmal war es aber eine Lehrerin und nur Frauen folgten dem Abitur-Unterricht (Zweiter Bildungsweg). Ist schon komisch, dachte er im Traum.

Die Lehrerin: "Wie schön, daß sich hierhin auch ein Mann verlaufen hat. Er ist zwar nicht angemeldet, aber wir dulden ihn als Gasthörer."

Harry schaute sich um und erntet nur Gelächter und Gekicher. Er wollte schon die Mücke machen, als er links neben sich in das herrliche Antlitz von Petra Albrecht sah! Erneut Wouw !  Wouw ! ! und nochmals Wouw ! ! ! 

Petra gleich süß lächelnd zu ihm: "Du bist aber auch ein komischer Vogel."

Harry total verdutzt: "Endlich, Petra, endlich bist du da ... Wieso komischer Vogel?"

Petra: "Wieso meinst du schon mal, daß die ganze Klasse dich auslacht?"

Harry: "Keine Ahnung, nicht die geringste."

Petra: "Tja, wenn man schon zur Weihnachtszeit mit ner Zorro-Maske rumläuft. Das ist verdammt originell..."

Harry: "... oder bescheuert."

Und denkend: Wenn das stimmt - ganz schön peinlich.

 

Vorbei an der aufgewühlten Frauen-Klasse eilte er zur Toilette. Tatsächlich, eine Zorro-Maske! Er wollte sie schnell abnehmen, aber es ging nicht.

Verdammter Mist, so kann ich doch nicht unter die Leute. Wieso geht das Scheißding nicht wieder runter?! Aaahhh, ich verstehe, das ist der Feen-Preis für den Kontakt zur Petra. Aber ich träume doch ... und bald wird der Spuk wohl zu Ende sein.

 

Dann zwackt ihn jemand am Arm. Das habe ich aber gut gespürt! Ob ich doch nicht träume ??

Petra: "Hör mal, du komischer Vogel. Was willst du eigentlich von mir?"

Harry: "Das sag ich dir, wenn du mich nochmals kneifst - aber möglichst heftig."

Petra: "Du hast ja Sachen an dir, bist wirklich seltsam. Aber ich tu dir mal den Gefallen."

Harry: "Das tut echt weh!"

Petra: "Du wolltest es ja so."

Harry: "Tja, danke dir - jetzt erst weiß ich, daß ich nicht...mehr... träume. Das ist dann wohl das Werk der Märchen-Fee. Sie hat meinen Traum diese Nacht wahrhaftig werden lassen. Und bezahlen soll ich ihn mit der Zorro-Maske, die ich wohl ständig anbehalten muß.

Petra: "Was faseltst du da von einer Märchen-Fee und wieso kannst du die Maske nicht ablegen?"

Harry: "Tja, hhmmm, das erzähle ich dir gerne irgendwo, wo es gemütlicher ist als hier auf der Herren-Toilette und wir auch mehr Zeit dazu haben."

Petra: "Dann sag mir zumindest, was du denn überhaupt von mir willst? Ich kenne dich ja garnicht!"

Harry: "Tja, ehh, du bist bildschön...und ehhh...hast mich total fasziniert...im Fernsehen. Und eehhh...jetzt möchte ich dich näher kennenlernen...wie das in solchen Fällen ja durchaus üblich ist. Und eehhh, das ist eigentlich alles."

Petra: "Also, mit dieser Maske geht schon mal garnichts! Ist doch lachhaft, daß du sie nicht entfernen kannst. Komm mal näher."

 

Etwas später Petra: "Tatsächlich, die ist wie auf die Haut geklebt...womöglich gar in ihr fest verankert. Sowas habe ich auch noch nicht gesehen. Wie kommst du nur daran?"

Harry: "Wie ich schon sagte, die liebe Märchenfee..."

Petra: "Das macht mich langsam schon neugierig. In deinem besonderen Fall mache ich mal eine Riesenausnahme. Aber nur, damit uns Leute nicht wegen deiner Maske blöde anmachen. Wenn du also willst und kannst, dann kommst du morgen - gegen 18.00 Uhr - zu mir. Hier ist die Adresse auf der Visitenkarte. Aber - wie gesagt - nur deshalb, weil ich neugierig bin und wir unbelästigt sprechen wollen. Und bilde dir ja nichts anderes darauf ein. Hast du verstanden?!" 

Harry lächelnd und ganz zufrieden: "Ay ay, Käpt'n! Dann bis morgen!" ...

 

 

Oder ist es nur ein Alp-Traum ?

 

Am nächsten Tag, etwas vor 18.00 Uhr ...

 

... Die Haustüre steht offen und Harry sucht Petra's Wohnung. Das müßte sie sein. Harry klingelt und wartet. Da sich nichts tut, schellt er erneut. Das geht so eine Zeitlang weiter, bis es ihm zu bunt wird. Wenn die nicht da ist - den Termin nicht einhält - das wäre ja nicht zum aushalten, sinniert er. Und weiter: Die Wohnungstür ist nicht ganz zu, bin mal so dreist und schau nach, ob sie wirklich nicht da ist. Er ruft ihren Namen, dann schleicht Harry, der Maskierte, durch sämtliche Räume. Seine Gedanken: Die ist tatsächlich nicht da! Das muß ich erst mal verkraften und mach es mir etwas gemütlich. Vielleicht kommt Petra ja gleich. Die Zeit verrinnt, es tut sich aber nichts. Harry's Gehirnaktivität: Dann schau ich noch etwas Fernsehen und bin dann wieder weg. Er hat keine Probleme mit der Bedienung und zappt. Dann traut er seinen Augen nicht: Petra auf dem Bildschirm! Verdammter Mist, dann kann sie ja nicht hier sein. Sie moderiert jetzt life die "Aktuelle Stunde" beim WDR. Das ist also keine Aufzeichnung - sie ist tatsächlich im Landesstudio Düsseldorf!

 

Der Genervte steigt auf sein Fahrrad und fährt wie ein geölter Blitz Richtung Studio. Er kennt den Weg ziemlich, übersieht jedoch einen großen Stein und stürzt mit dem Rad. Er erwacht in einem Krankenhaus und weiß garnicht mehr, was geschah und warum er jetzt hier ist.

Harry: "Schwester...eehhh...was soll das, warum bin ich hier?"

Krankenschwester: "Sie sind mit dem Fahrrad gestürzt und haben eine Gehirnerschütterung. Wir halten sie zwecks Beobachtung bis morgen hier und dann können sie gehen, wenn es keine Komplikationen gibt. Aber, was haben sie für eine Maske, die läßt sich ja auf normalem Wege nicht entfernen. Wir könnten sie höchstens wegoperieren, wenn sie wollen."

Harry: "eee...emm...besser nicht! Womöglich seh ich danach noch schlimmer aus. Vielleicht im Stile mißratener Schönheitsoperationen. Und außerdem ist das der Preis, den ich für eine wichtige Gegenleistung zahle. Bei dem ich mich nun aber frage, ob er es noch wert ist."

Krankenschwester: "Wenn sie meinen." Und mit dem Gedanken, der spinnt doch wohl, verläßt sie das Zimmer.

 

Wieder zuhause hat Harry das Gefühl: Fee und Petra verarschen mich wohl. Das will ich aber jetzt wissen. Die Gelegenheit ist günstig, gleich ist Geisterstunde und Vollmond haben wir auch. Draußen ruft er wieder laut nach der Märchenfee, bis alle Straßenbewohner wieder in ihren Fenstern hängen. Aber keiner wagt es diesmal, ihn zu bewerfen. Dafür gibt es jede Menge Beschwerderufe. Die Fee hat aber auch wieder eine Leitung, denkt Harry noch.

Plötzlich von oben mit lieblicher Stimme: "Was gibt's, warum hast du mich wieder gerufen?"

Harry: "Ja, ich muß schon sagen, daß ich enttäuscht bin. Laufe die ganze Zeit mit dieser dämlichen Maske herum, die mir nur Ärger bringt. Aber Petra konnte ich noch immer nicht richtig kennenlernen."

Fee: "Nur Geduld, mein Lieber, das wird schon. Ist ja alles nicht so einfach. Nur Geduld." Und schon war sie wieder entschwunden.

 

Harry träumte zwar erneut jede Nacht von seiner Heißgeliebten, aber der Durchstoß zur Realität klappte nicht mehr. Zumindest bis jetzt nicht. Seine Geduld wurde dann noch auf sehr harte Proben gestellt:

Zunächst bekam er die Kündigung als Fahrrad-Kurier, weil der Chef ein ewiges Maskengesicht seinen Kunden nicht mehr zumuten wollte. Und nicht viel später das gleiche auch beim Vermieter, weil er als Stellenloser die Miete nicht mehr voll zahlen konnte und sich natürlich auch Mieter über die Dauer-Maske beschwerten. Harry wollte jetzt alles auf eine Karte setzen und fuhr erneut zur Petra. Vielleicht habe ich ja unangemeldet mehr Glück? Und tatsächlich: Seine Angebetete war nicht nur da, sie bot ihm auch freundlich Einlaß. Sie hatte vielleicht ein schlechtes Gewissen, weil sie ihn seinerzeit versetzt hatte. Jedenfalls lauschte die TV-Moderatorin gebannt seinen Worten, als er von den Ereignissen um die Fee-Erscheinungen erzählte. Es schmeichelte ihr nun auch, daß jemand sovieles auf sich nahm, nur um sie kennenzulernen. So wollte die frühere Freie Autorin (Tageszeitungen) und Gerichts-Reporterin es auch nicht zulassen, daß Harry demnächst auf der Straße sitzen würde ...

 

Harry's Gedanken, nachdem er sogar bei ihr wohnte: Da hat die Fee doch noch Wort gehalten. Danke, Fee, danke! Aber, wie heißt es so schön: "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben." Es ging nämlich nur ein paar Wochen gut, dann hatte die Zorromaske auch Petra geschafft und Sie setzte Harry doch noch vor die Tür!

 

 

Harry's  2. Chance - wo ist die TV-Lady denn jetzt schon wieder ? ?

 

In seiner Not rief er dann wieder die Fee herbei und bat sie um eine zweite Chance:

"Liebe Fee, ich hatte zwar sehr spät guten Kontakt zur Petra, aber die Maske auf meinem Gesicht hat wieder alles zunichte gemacht! Petra Weg, Wohnung weg und keine Arbeitsstelle mehr ! Zudem immer das "Spießrutenlaufen" und Gelächter, wenn Leute mich mit der Zorromaske gesehen haben. So etwas geht nur an Karnevalstagen... Langer Rede kurzer Sinn: Ich möchte, daß die Maske wieder entfernt wird und gleich eine neue Petra-Aktion starten, mit einem neuen Preis. Schlimmer kann der ja wohl nicht sein."

Fee: "Nun gut, dies ist ja ein Gesamt-Paket, so werte ich es als einen Wunsch. Durch den neuen Preis wird der alte natürlich hinfällig, die Maske also automatisch entfernt  Dies wird geschehen, sobald ich fort bin. Danach hättest du nur noch einen Wunsch frei. Dann viel Erfolg!"

Diesmal mit einem lauten Knall und raketenschnell schoß das Märchenwesen wieder himmelwärts.  

 

Wieder zuhause rannte Harry sofort zum Spiegel. Gottseidank, endlich wieder ein normales Gesicht und bestimmt wieder Chancen bei Petra. Bin nur gespannt, ob es dieses Mal wieder einen langen Kontakt-Zirkus gibt ...

 

Nein, jetzt lief alles anders. Anscheinend hatte die gute Fee tüchtig dazugelernt. Er brauchte nun nicht mehr nächtelang darauf zu warten, bis Träume Wirklichkeit wurden! Bereits am nächsten Tag saß er ratzfatz in einem Uni-Hörsaal unter lauter Germanistik-Studenten. Erst ne Abiturklasse, jetzt bereits im Hörsaal - das kann ja nur noch besser werden. Aber wenn ich hierhin gebeamt wurde, dann macht es nur Sinn, wenn auch Petra anwesend ist. Also wird Harry, der ewige, einsame Sucher nicht nach einer Oase und Wasser Ausschau halten, sondern nach der TV-Lady spähen. TV ist ihr Job - wieso sollte sie dann aber hier sein? Vermutlich studiert Petra noch nebenbei. Und da, was sehen meine trüben Augen? Ganz oben sitzt sie! Dann action! Nichts wie hin.

 

Nur noch ein paar Meter, dann hätte er sie keuchend erreicht. Die Nebenbei-Germanistik-Studentin würde staunen, wenn er ihr ohne Maske in die Augen blickt. Vielleicht zunächst garnicht erkennen? Hier müßte sie ja nun sein. Harry blickte in der letzten Reihe ganz oben aber nur in fremde Gesichter. Was soll das denn wieder? Habe Augen wie ein Adler und ich habe sie ganz deutlich hier gesehen. Geht diese Scheiße wieder los? Er muß wieder runter, damit er in die Gesichter schauen kann. Von hier oben sieht er fast nur Haarschöpfe. Dann auf ein Neues.

 

Bescheuert! Jetzt sitzt sie in der ersten Reihe. Gleich bin ich bei ihr - werde sie besser nicht mehr aus den Augen lassen. Noch ein paar Schritte und dann geschah das Unglaubliche: Petra löste sich förmlich in Luft auf!

Verdammter Mist, das ist keine liebe Fee, das ist schon eine Sadistin. Ich soll wohl hier rauf und runter hetzen.

Kaum gedacht, hörte er über sich ein nettes Lachen.

Märchenfee: "Entschuldige bitte, aber das macht einfach Riesenspaß! Auch wir Feen wollen ja etwas zu Lachen haben."Und schwuppdiwupp war sie wieder weg.

Harry´s Denke: Ja, so ist es halt im Leben...des einen Leid des anderen Freud. Dann gibt ja hier wohl nichts mehr - höchstens Feen-Belustigung. Also mach ich die Mücke.

 

Er rannte die Tür raus und einer Studentin der Germanistik + Politik-Wissenschaft geradewegs in die Arme:

"Nicht so stürmisch, mein Lieber! Fast hätten sie mich geküßt."

Harry stand unmittelbar vor Petra!: "Wäre wirklich nicht schlimm, Petra, mein Engel. Im Gegenteil, ich sollte es schnell nachholen."

Petra: "Kennen wir uns denn so gut?"

Harry: "Schau mich bitte richtig an!"

Petra: "Ich glaube es nicht - die Zorromaske! ... ist weg. Wie hast du das denn geschafft?"

Harry: "Connections! Reine Connections! Gute Beziehungen zu Fabel-, pardon, Märchenwesen."

Petra: "Dann laß dich nochmals anschauen - so gefällst du mir schon viel besser."

 

Das Ende vom Lied: Petra nahm ihn nicht nur mit nach Hause - er durfte auch wieder dort wohnen bleiben. Mehr noch - viel mehr sogar: Die beiden verstanden sich in der nächsten Zeit so gut, daß sie sogar heirateten.

Originalton Harry am Tag danach: "Das war die schönste Hochzeitsnacht meines Lebens !"

Braut Petra gleich: "Und wieviele davon hast du schon genossen, du Schlingel?"

Gatte Harry lachend: "Laß mal zählen ... an 10 kann ich mich zumindest noch erinnern ... soll ich weiter nachdenken?"

Petra herzelte ihn mit den Worten: "Das könnte dir so passen, du Lügenbaron. Was meinst du...wieviele Nächte der Art ich denn erlebt habe?"

Harry: "Zumindest 10, denke ich !"

Und herzhaft lachend gingen beide wieder ins Bett ...

 

Dann gab es  - o Wunder ! - auch Nachwuchs: Ein Mädchen und ein Junge. Petra und Harry waren überglücklich.

Doch Harry fragte sich immer häufiger, welchen Preis er denn dafür zu zahlen hätte. Hatte die Fee den womöglich vergessen? Das wäre ja super! Oder kommt das dicke Ende noch?

Er sollte es demnächst erfahren ...

 

 

Das ist keine Gute Fee - es ist ein Höllenweib !

 

Ein herrlicher Sommer-Sonntag !

 

Petra: "Wir sollten das schöne Wetter ausnutzen und alle an einen See oder ins Strand-Bad fahren."

Harry: "Gute Idee - dann machen wir uns auch gleich fertig und raus in die Sonne."

Im Strand-Bad:

Petra: "Ich sag dir ehrlich - wenn du weiter so zunimmst, fahre ich mit dir nicht mehr ins Bad!

Harry: "Das ist mir auch zu blöde. Du weißt, daß ich ganz normal esse...und trotzdem bekomme ich Rundungen wie eine Frau. Weiß bald auch nicht mehr, was ich dagegen tun soll."

Petra rückt näher ran: "Und ganz im Vertrauen. Wirst es wohl auch schon selbst bemerkt haben. Dein bestes Stück ist auch nicht mehr, was es mal war. Von 20 cm keine Spur mehr! Hast du nicht auch den Eindruck, daß er immer kleiner wird?"

Harry: "Gut, daß du es ansprichst...wußte nicht, wie ich es dir sagen sollte. Natürlich habe ich es mit Entsetzen festgestellt."

 

Wochen später, nachdem Harry aussieht wie eine Frau, sein "Maxi" zunächst zum "Super-Mini" wurde und jetzt gar einer "Muschi" gewischen ist ...

Harry zu Petra: "Also, das ist offensichtlich erneut eine heftige Linke der Fee. Ich soll zur Frau werden. Das ist also der verdammte Preis, der mich doch noch erwischt hat. Wüßte nicht, was schlimmer ist: Dauernd mit einer Maske rumzulaufen oder vom Mann zur Frau zu werden... Beides sind sehr harte Sachen. Und ich bin auch nicht gewillt, dies auf Dauer hinzunehmen. Werde wieder die Fee rufen müssen, für meinen 3. Wunsch."

Petra: "Tu das - so geht es ja nicht weiter."

 

Vollmond ... Mitternacht ... Harry ruft auf der Straße laut nach der Märchenfee.

Straßenbewohner:

"Geht das schon wieder los!"

"Immer dasselbe Lied - was hat er denn jetzt wieder für Probleme?"

"Aber, das ist er ja gar nicht - das ist ja eine Frau!"

Als die Fee erscheint, legt Harry gleich los: "Sieh mich an! Bin jetzt eine Frau - das geht schon mal garnicht!"

Fee: "Tja, alles hat eben seinen Preis - hab dich ja gewarnt."

Harry: "Möchte jetzt meinen letzten, meinen 3. Wunsch äußern. Und zwar möchte ich wieder zum Mann werden"

Und zack, war er wieder der Harry wie früher.

Die Fee: "Da hast du deinen Wunsch! Und den Preis kann ich dir auch gleich nennen." Die Fee kichert böse und lacht teuflisch: "Du wirst Petra und die Kinder niemehr wiedersehen. Ist das nicht herrlich?"

Und ehe Harry seinen Schock zeigen und die Fee beschimpfen konnte, war die auch schon außer Sichtweite.

 

Wieder zuhause, war er natürlich stocksauer und maßlos enttäuscht. Das war keine gute Fee, das war schon ein Höllenweib. Er war heilfroh über die gute, schnelle und schmerzfreie Geschlechtsum- bzw. zurückwandlung, aber daß er dafür Petra und die Kinder niemehr wiedersehen darf, ist eine neue Katastrophe ! !   

Einerseits faßt Harry wieder Tritt: Er hat seine Stelle als Kurier-Radfahrer wieder besetzen können und auch eine neue Wohnung bezogen. Andererseits muß er in seiner Freizeit den "Petra-family-Kummer" immer aufwendiger betäuben, mit Alkohol, Tabletten und Fast food. Dies wird ihm eines Tages zu bunt, auch, weil Alkohol und Gewichtszunahme seine Arbeitsstelle wieder gefährden. So wird ihm immer klarer, daß er so nicht weiterleben kann und erneut zu Kreuze kriechen muß. Es bleibt ihm wohl nichts anderes übrig, als die "Höllen-Fee" noch einmal um Hilfe zu bitte. Vielleicht geht sie ja doch noch darauf ein und der Preis würde erträglicher.

 

 

Der Weisheit letzter Schluß:

TV-Wetterfee  Maira - eine ebenfalls bildschöne Frau

 

Vollmond...Mitternacht...draußen. Diesmal ist er wenigstens so schlau und sucht sich eine unbelebte Straße, wo ihn keiner bewerfen oder zuhören kann. Auf mondlichtdunkler, einsamer Landstraße schreit er sich lange Zeit die Lunge aus dem Leib. Dieses Biest will doch nicht mehr kommen, denkt er noch und ist Minuten später auf dem Heimweg...langsam...tieftraurig. Ihm ist bewußt, daß er nun keine Kontakt-Chance mehr hat. Einfach Aus-die-Maus.

Eine laute, bekannte Stimme zerreißt unerwartet seine Lethargie !:

"Habe überlegt, ob ich überhaupt erscheinen soll - denn tuen kann ich für dich nichts mehr, wie du weißt. Jedoch, dann sah ich diese traurige Gestalt unter mir...und das berührt sogar eine sadistisch-helfende Fee, zu der du Haßliebe empfindest. Wie gesagt, ich kann beim besten Willen nichts mehr tun...womöglich aber eine Kollegin von mir. Da kannst du dein Glück versuchen. Sie ist nebenbei Wetter-Fee und reagiert nur auf den Spruch:

 

"Ohje, oh je - es liegt zuviel Schnee !

Drum hilf mir schöne Wetter-Fee."

 

Du wirst wohl oder übel vor dem Bildschirm jeder TV-Wetterfee dieses sagen...so lange, bis du Resonanz bekommst. Die wahre Fee wird auf dich eingehen. Noch Fragen?"

Harry: "Alles klar! Das läßt ja wieder hoffen. Danke dir vielmals, meine Haßliebe!"

Fee: "...und viel Erfolg!"

 

Vor dem Fernseher zappt Harry dann Wetterberichte mit hübschen Wetterfeen an. Mal sind sie im liebesroten Kleid ("Lady in red") und mal im "Kleinen Schwarzen" - jedenfalls immer elegant + ladylike.

Bei jeder spricht er die Losung

 

"Ohje, oh je - es liegt zuviel Schnee !

Drum hilf mir schöne Wetter-Fee."

 

Bei vielen tut sich nichts. Urplötzlich materialisiert eine wunderschöne Wetterfee aus dem Fernsehgerät, nachdem sie ihre Ansage beendet hat. Harry - total nervös und sehr angenehm überrascht - bittet sie, doch Platz zu nehmen.

Maira ROTHE, die wunderschöne Wetterfee: "Du hast die geheimen Worte gesprochen, was kann ich für dich tun?"

Harry: "Das ist eine längere Geschichte..."

Fee Maira: "Macht nichts. Habe Zeit - leg einfach los." 

Die Wetter-Fee, als er fertig ist: "Du hast bereits soviel Pech gehabt...damit es ein Ende nimmt, werde ich keinen Preis für meine Hilfe verlangen. Dafür hast du bei mir aber nur einen einzigen Wunsch frei ! Überlege ihn dir reiflich ... "

 

Oh welch ein Anblick ! Harry ist von der Nebenbei-Wetter-Fee Maira fast genauso fasziniert wie von Petra und es reift ein neuer Wunsch in ihm:

Möchte mit Petra, meinen bzw. unseren beiden Kindern und mit dir, Wetter-Fee, glücklich zusammenleben.

Maira  ROTHE : "Selbst ich bin jetzt verdutzt! Du kennst mich doch garnicht."

Harry: "In meinem Wunsch heißt es ja auch "...glücklich zusammenleben". Dann aber brauche ich dich nicht lange kennenzulernen und zu prüfen, weil wir ja so oder so gut harmonieren würden. Und dein Äußeres ist ja ohnehin vom feinsten, sag ich mal."

Maira: "Ja, ganz schön clever. Vielleicht auch für mich nicht schlecht - wollte meine Haupt-Beschäftigung ohnehin an den Nagel hängen und nur noch Wetter-Fee sein. Und Kinder kann ich auch nicht bekommen, das würde sich ja dann bei der patchwork-Familie gut kompensieren. - Das ist wohl ein Foto von Petra und den Kindern?"

Harry: "Ja, aus unserer glücklichen Zeit."

Maira (Rothe) : "Nun gut, werde uns den Wunsch erfüllen und mich gleichzeitig in das Abenteuer "Normal Mensch sein" stürzen."

 

Mittlerweile hat Harry zwei Sektgläser bereit gestellt. Sie prosten sich gegenseitig zu:

"Dann auf unsere schöne neue Zukunft!"

Mit einem Schlag stehen auch Petra und die Kinder im Raum und alle begrüßen gemeinsam das 

 

HAPPY  END

 

 

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(c) Januar 2010 by  Harry Schloßmacher

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.01.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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