Christiane Mielck-Retzdorff

Wie flüssige Schokolade

 

 

Die Mittagssonne brach durch die Wolken und erweckte in den Efeu umrankten alten Gemäuern den Glanz längst vergangener Tage. Wohlig wiegten sich die Linden im Wind, unter denen einst opulent gekleidete Fräulein dem Zauber ihrer Sommerliebe hinterher geträumt hatten. Kutschen hatten damals die Gäste auf dem Sandweg um das Rasenrondell zu dem Herrenhaus chauffiert, wo nun zwei Geländewagen parkten.

 

Es war ein würdiger Ort für die traditionsreiche Schleppjagd, bei der in gewohnter Manier rot berockte Männer und elegante Reiterinnen, teilweise im Damensattel, der hetzenden Meute folgten. Doch war die Jagd auf Tiere in dieser Art lange verboten in Deutschland. So ersetzte heute eine Losung, die aus einem Kanister eines Vorreiters tropfte, die Fährte, der die Hunde folgten.

 

Laura half ihren Eltern den Imbisswagen auf den zu erwartenden Ansturm von Jagdteilnehmern und Zuschauern vorzubereiten. Gegrillte Würstchen waren ihre Spezialität und wurden bei solchen Veranstaltungen gern genommen. Nebenan bauten Angestellte eines Getränkegroßhandels Bierstand und Sektbar auf, während die Rasenfläche mit langen Holztischen und Sitzbänken ausgestattet wurde.

 

Mit dem Auftauchen des ersten Pferdeanhängers, der noch im Blickfeld des Guts auf einer Wiese seinen Parkplatz fand, machte sich eine erwartungsfrohe Stimmung breit. Und schnell entwickelte sich auf dem ganzen Gelände Betriebsamkeit.

 

Pferde entstiegen trampelnd ihren Transportfahrzeugen, Pfleger bürsteten sie noch mal über und bandagierten sie. Sättel wurden gebracht, Reithut und Gerte bereitgelegt, noch manches Plastron gebunden. Die meisten Reiter kannten sich und begrüßten sich wie Freunde. Es war eine sportliche und doch illustre Gesellschaft die hier zusammen kam. Die Teilnehmer achteten deutlich auf Etikette.

 

Der Duft der würzigen Mecklenburger Bratwürste lockte schnell die ersten hungrigen Besucher an den Imbiß. Früher hatte Lauras Vater die Würste selber in seiner Metzgerei hergestellt, doch vor einigen Jahren hatte er sie verkauft und war nach Hamburg gegangen, um mit einem Imbisswagen einen Neuanfang zu wagen. Bei dem Entschluß mag nicht ganz unwesentlich gewesen sein, dass Laura in dieser Stadt Jura studierte und die Familie so näher zusammen war.

 

Die ersten Reiter hoch zu Ross promenierten in Gruppen um das Rondell, als Laura über den Rauch der Würste hinweg eine große, stattliche Gestalt in rotem Reitrock auf einem kräftigen, dunkelbraunen Wallach entdeckte. Ihr Herz und ihr Hirn durchfuhr ein Blitz, der die Zange zum Wenden der Würste ihren Händen entgleiten ließ. Die Blicke ihrer Eltern folgte dem ihren. Auch sie starrten sekundenlang auf den Mann, der flankiert von zwei jungen Damen munter plaudernd wenige Meter vor ihnen vorbeiritt.

 

Seine Haltung zu Pferde war souverän und lässig, und unter dem schwarzen Zylinder, der sein volles Haar krönte, zeugte sein Gesichtsausdruck von großer Selbstsicherheit, ja beinahe vornehmer Arroganz. Das anerkennende, dezente Kopfnicken einiger Begrüßungen aus der Ferne ließen ihn als anerkanntes Mitglied der Jagdgesellschaft erkennen. Aus den Gesichtern der jungen Damen strahlte ihm unverhohlene Bewunderung entgegen. Jemand reichte ihm ein Jagdhorn, und die Teilnehmer sammelten sich für den Beginn der Schleppjagd.

 

Laura hatte den Freund ihrer Jugend sofort erkannt. Schon damals machte er eine gute Figur auf den wenig edlen Pferden, die auf dem Bauernhof seiner Eltern noch zu gelegentlichen Arbeiten herangezogen wurden. Dort hatte auch Laura das Reiten gelernt. Fröhlich waren sie zusammen über Stock und Stein galoppiert, bar jeder Furcht und getragen von der vergnügten Freiheit der Jugend.

 

Solange Laura denken konnte, war sie in Lennart verliebt gewesen. Da er aber fünf Jahre älter war als sie, beschränkte sich sein Interesse an ihr eher auf brüderliche Zuneigung. Er schätze ihre sprühende Intelligenz und ihr hilfsbereites, freundliches Wesen. So verbrachten sie viel Zeit miteinander, und es war wenig verwunderlich, dass die Menschen in dem kleinen Dorf annahmen, sie seinen ein Paar. Lennart schien das auch sehr recht zu sein, so konnte er sich den Avancen der anderen jungen Mädchen im Dorfe erwehren.

 

Lennart hatte sich in seinem Heimatort nie zuhause gefühlt. In ihm tobte schon in der Grundschule ein Streben nach anderen Welten, das ihn stetig antrieb, mehr Wissen in sich aufzunehmen. Die Kleinbürgerlichkeit und Duldsamkeit seiner braven Eltern und der anderen Dorfbewohner war ihm zuwider. Er sah seinen Platz in der Welt der Mächtigen und Reichen. Mit kaum 20 Jahren verließ er endgültig sein Elternhaus.

 

Laura hatte nie wieder etwas von oder über ihn gehört, und nur gelegentlich schlichen Erinnerungen an die sorglosen Zeiten auf Wiesen, an Bächen und bei der Rast unter schattigen Bäumen, wo sie als Kinder die Welt neu erfunden hatten, durch ihre Träume. Doch ihr Studium, neue Bekanntschaften und ihr Freund Marcel nahmen schnell den bedeutendsten Platz in ihrem Leben ein.

 

Da sich nun alles auf die Anfangszeremonie konzentrierte, konnte Laura den Imbisswagen verlassen und sich unter die Zuschauer mischen. Es zog sie magisch zu Lennart, der konzentriert der Ansprache des Masters folgte. Die Meutehunde schnüffelten erwartungsfroh um die Pferdebeine herum. Auch den Reittieren war die Spannung auf die bevorstehende Jagd anzumerken. Lennarts Pferd tänzelte nervös, was er geschickt mit Gewicht und Zügeln ausglich. Als er nach seinem Jagdhorn griff, entglitt ihm seine Gerte. Reflexartig huschte Laura hin, hob sie auf und reichte sie ihm.

 

Lennart erkannte die Gefährtin seiner Jugend sofort, stutzte aber nur kurz und bedankte sich dann höflich wie bei einer Fremden. Der missbilligende Blick der Reiterin neben ihm, machte Laura deutlich, wie unpassend sie mit der langen weißen Schürze über ihrer Jeans aussah. Ungerührt hob Lennart das Horn und intonierte, begleitet von anderen, das Aufbruchsignal.

 

Laura war bestürzt darüber, dass Lennart kein einziges Wort für sie gefunden hatte. Es schien sogar, als sein ihm diese Begegnung peinlich gewesen. Die Ungezwungenheit und der Idealismus, die Laura so an ihm geliebt hatte, waren verloren.

 

Lauras Eltern hatten die Szene beobachtet, schwiegen aber dazu. Zu dritt nutzten sie die Pause bis zur Rückkehr der Jagdgesellschaft und tranken einen Kaffee an den Tischen auf dem Rasen. Während die Eltern wegen der zahllosen Teilnehmer und Zuschauer über das Ausreichen der Vorräte sprachen, hing Laura stumm ihren Gedanken nach. Bilder wirbelten in ihrem Kopf umher und Worte platzten aus ihrer Erinnerung: „Deine Haare liegen wie Wellen aus Schokolade auf deinem Rücken. Wenn sich meine braunen und deine blauen Augen ansehen, ist das wie Erde und Himmel.“ Und dann der Tanz auf dem Schützenfest, bei dem Lennart sich so leichtfüßig bewegt, sie dabei fest im Arm gehalten hatte und beide ganz selbstverständlich zu einer Einheit verschmolzen waren. Dabei wurde Laura bewußt, dass der Anblick von Lennart Gefühle in ihre hervorgerufen hatte, die lange in der Gefangenschaft der Vernunft vegetiert hatten und nun mit schmerzhafter Kraft in das Licht der Wahrheit drängten.

 

Nach den Anstrengungen der Jagd fanden die Würste reißenden Absatz und Laura blickte in viele zufriedene Gesichter und hörte lobende Worte. Dabei zeigten einige Männer ein deutlich über den Genuß von Speisen hinausgehendes Interesse an der jungen, attraktiven Frau. Die durch den erfolgreichen Ritt und das kühle Bier angeregten Gemüter flirteten recht direkt aber immer noch stilvoll mit Laura.

 

Sie genoß diese Aufmerksamkeit, besonders als sie bemerkte, dass Lennart das Geschehen möglichst unauffällig, aber mit wachsendem Interesse, verfolgte. Manchmal kostete es ihn geradezu Mühe, den Worten seiner wechselnden Gesprächspartnerinnen zu folgen. Die Blicke, die er Richtung Imbisswagen warf, spiegelten mehr und mehr sein Missfallen wider, was Laura dazu anregte, ihre Verehrer noch weiter zu ermutigen.

 

Erst mit Einsetzen der Dämmerung zerstreute sich die gutgelaunte Gesellschaft. Während ihre Eltern den Imbisswagen aufräumten und die Abfahrt vorbereiteten, schlenderte Laura über das ruhende, verwaiste Gutsgelände. Eine Amsel sang ihr Abendlied in einer mächtigen Eiche und geschwätzige Schwalben fingen die letzten Insekten aus der Luft, bevor die Nacht zum Schlaf aufrief. Erfüllt von den Erlebnissen des Tages ging Laura träumend vor sich hin und fand sich schließlich auf der Wiese wieder, wo einsam ein Pferdehänger parkte, an den gelehnt Lennart die untergehende Sonne beobachtete.

 

Sie sahen einander an, und das Lächeln in ihren Gesichtern verwandelte sie wieder in die unbedarften Kinder, die sie einst gewesen waren. Es bedurfte keiner Worte, nur der Betrachtung der Sonne, die in prachtvollem Rot den Tag verabschiedete.

 

Lennart wand sich zu Laura und sah sie andächtig an.

„Du bist sehr schön geworden“, sagte er und Laura errötete.

Das entlockte Lennart ein Lächeln wie Laura es von ihm kannte, offen, ehrlich und auf eine beschützende Art liebevoll. Dann verfinsterte sich seine Miene plötzlich.

„Ich muß jetzt los“, erklärte er, nahm Lauras Hand, verbeugte sich und hauchte einen Kuß auf ihren Handrücken. Während das Gespann in einer Staubwolke das Anwesen verließ, spürte Laura noch immer ein Brennen auf ihrer Hand und in ihrem Herzen.

 

Lauras Eltern war die Verwirrung ihrer Tochter nicht entgangen. Bei einem Glas Wein zum Ausklang des Tages wollte die Mutter nun ein Geheimnis preisgeben:

„Lennart will nichts mehr mit den Menschen aus seiner alten Heimat zu tun haben.“

„Wie kommst Du denn darauf“, wollte Laura sogleich wissen, obwohl auch sie diesen Verdacht hatte.

„Bei unserem letzten Besuch in unserem Dorf hatte ich die Gelegenheit mit Lennarts Mutter allein zu sprechen. Der selbstgemachte Likör lockerte ihre Zunge, und so schüttete sie mir ihr Herz aus. Ich mußte aber versprechen, es niemandem zu sagen, denn sie wollte nicht, dass es in dem klatschsüchtigen Dorf Gerede gibt.“

„Oh, Gott, was belastet die arme Frau Grabow denn so“, fragte Laura besorgt.

„Lennart will schon seit seinem Weggang nichts mehr mit seiner Familie zutun haben. Er hat den Kontakt vollkommen abgebrochen und reagiert weder auf Anrufe noch auf Briefe.“

Laura war sichtlich schockiert.

„Aber warum denn? Seine Eltern sind doch so nette und fleißige Leute.“

„Er hat ihnen gesagt, er führe jetzt ein neues Leben, in dem Leute wie sie keinen Platz mehr hätten“, antwortete Lauras Mutter mit Mißachtung in der Stimme. „Seine Herkunft von einem mecklenburgischen Bauernhof ist ihm wohl peinlich.“

„Aber ihr Geld hat er noch eine ganze Weile genommen“, mischte sich der Vater ein.

„Aber Du weißt doch, die Grabows würden ihren Lennart nie im Stich lassen“, verteidigte die Mutter

„Dieser Gernegroß hat es nicht verdient, dass sich überhaupt noch jemand um ihn kümmert“, empörte sich der Vater. „Der wird ja sehen, was er von seinen feinen Freunden hat, wenn er mal in Not ist.“

 

Weder die Begegnung mit Lennart, noch die Erlebnisse auf der Wiese, noch die Worte ihrer Eltern gingen Laura aus dem Kopf. Doch mit großem Eifer setzte sie ihre Studien fort und bestand das zweite, juristische Staatsexamen summa cum laude. Während der ganzen Zeit verfolgte sie auch die Karriere von Lennart, der oft als begehrter, vermögender Junggeselle mit wechselnden Begleiterinnen Einzug in die Tagespresse fand. Er schien ein glückliches Händchen mit Geldanlagen zu haben, erhielt Zugang zu der besseren Hamburger Gesellschaft

und schmückte sich seinem Image entsprechend mit großen Wagen, teuren Reisen und exklusiven Hobbys.

 

Lauras Beziehung zu Marcel war, wie sie meinte, am Prüfungsstress zerbrochen, und überhaupt nahm die Beschäftigung mit Rechtsproblemen mehr Raum in ihrem Leben ein als die Pflege von Freundschaften. Das bescherte ihr den Erfolg sofort nach dem Studium eine Anstellung in einer renommierten Anwaltskanzlei zu bekommen, denn sie galt schon während ihres Studiums als überdurchschnittlich kompetent in Fragen des Wirtschaftsrechts.

 

Eines Morgens verkündete einer ihrer Chefs, dass man ihr nun ihren ersten eigenen Fall übertragen würde, den sie ganz allein zu bearbeiten hätte. Laura, obwohl recht selbstbewußt, war schon etwas mulmig, denn meistens ging es bei derartigen Fällen um ziemlich viel Geld. Und es machte sie auch stutzig, dass ihr die Akte kommentarlos auf den Schreibtisch gelegt wurde. Das schürte in ihr den Verdacht, dass die anderen Rechtsanwälte damit nichts zu tun haben wollten.

 

Laura erschrak bis ins Mark, als sie den Namen auf der Akte las. Schon die Schlagzeilen der Zeitungen hatten sie beunruhigt, aber sie wußte ja, dass vieles davon Strohfeuer waren. Nun schienen sich die Gerüchte zu einer Wahrheit zu verdichten. Gegen Lennart Grabow wurde wegen Betrugs ermittelt, und die Presse freute sich auf ein Schlachtfest. Es stand ebenfalls zu vermuten, dass die zahlreichen Freunde aus reichen Tagen sich bereits auf dem geordneten Rückzug befanden oder sich gekonnt in Szene setzten, in dem sie Öl auf das Feuer gossen. Laura hörte auch noch ihren Vater sagen, dieser Großkotz hätte es nicht besser verdient.

 

Laura beschloß erstmal ihre Arbeit gewissenhaft zu machen und die Akte zu studieren, die bereits die vorläufigen Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft enthielt. Lennarts Unschuld ließ sich daraus nicht herleiten, denn eine betrügerische Absicht war deutlich zu erkennen, wenn man es von der moralischen Seite sah. Aber ihr Professor hatte immer gesagt, wer sich mit Moral auseinandersetzen wolle, solle Theologie studieren und nicht Jura.

 

Es kam Laura zugute, dass sie schon in der Vergangenheit Lennarts Aktivitäten beobachtet hatte, soweit sie den Zeitungen oder dem Internet zu entnehmen waren. Und sie hatte schon da so manchen Winkelzug entdeckt, den man entweder als geschickt oder als betrügerisch werten konnte. Je länger sie sich damit beschäftigte, desto sicherer war sie, dass sie Lennarts Kopf würde aus der Schlinge ziehen können.

Dem zwingend notwenigen Gespräch mit dem Mandanten Lennart Grabow stand Laura mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits hatte sie positive Nachrichten für ihn, die sie sonst noch niemandem mitgeteilt hatte, doch andrerseits fürchtete sie sich vor dem arroganten Schnösel, der ihr vielleicht gleich gegenüber sitzen würde.

 

Das Überraschungsmoment war auf Lauras Seite, denn offensichtlich hatte die Kanzlei versäumt, dem Mandanten den Namen seiner Anwältin mitzuteilen. Lennart stand also in der Tür und starrte Laura hinter ihrem Schreibtisch verständnislos an. Er zeigte sich in einer geradezu rührenden Hilflosigkeit. Laura erhob sich und ging lächelnd auf ihn zu.

„Guten Tag, Lennart. Was schaust Du so? Du hast doch immer gesagt, dass aus mir mal etwas wird.“

Lennart entspannte sich ein wenig, drückte ihr kräftig die Hand und setzte sich in den Sessel auf der gegenüber liegenden Seite des Schreibtischs. Dann schwiegen beide. Die längst vergangenen, gemeinsamen Erlebnisse schienen vor beider Augen vorbeizuziehen und verflüchtigten einen Moment Zeit und Raum. Dann sahen sie sich an, und Laura erkannte, dass der Frohsinn und die Lässigkeit aus Lennarts Gesicht verschwunden waren, dafür Erkenntnisse und Enttäuschungen tiefe Narben hinterlassen hatten. Wieder schien es ein fremder Mann zu sein, dem sie nun begegnete.

„Muß ich ins Gefängnis?“ begann Lennart das Gespräch mit resignierter Gleichgültigkeit in der Stimme.

„Eher nicht, Du wirst mit einer hohen Geldstrafe davon kommen“, erklärte Laura in dem Wissen, dass sie auch das verhindern konnte.

„Da ich kein Geld mehr habe, wird es wohl doch auf Gefängnis rauslaufen“, stellte er emotionslos fest.

„Du könntest Dir doch welches leihen.“

„Von wem denn? Meine Eltern würden mir sicher helfen, aber nach dem, was ich ihnen angetan habe, werde ich sie niemals darum bitten.“

Laura kam es vor, als wäre sehr viel in Lennart gestorben, vor allem seine Selbstachtung. Das schmerzte sie, hatte sie doch aus den Akten erkannt, dass Lennart auch ein Opfer der Gier der anderen geworden war. Wie ein Geblendeter war er durch die Welt der Reichen und Schönen geirrt und hatte den Weg verloren. Als Anwältin konnte sie ihn retten, aber wie sollte sie den wunderbaren Lennart zurückholen, den sie einmal gekannt hatte?

„Du kannst doch wieder von vorne anfangen“, schlug Laura bewußt optimistisch vor.

Vielleicht war es ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten oder nur der Wunsch sich jemandem zu öffnen, der ihn nun von seinen Plänen erzählen ließ.

„Ich gehe nach Uruguay“, verkündete er mit neuer Kraft in der Stimme. „Erinnerst du dich noch an Nikolas, den Sohn von Bauer Mirksen? Ausgerechnet zu dem habe ich die ganzen Jahre den Kontakt gehalten. Er lebt schon lange in Uruguay und hat dort eine Hazienda. Ich hab ja Ahnung von Landwirtschaft und kann bei ihm arbeiten. Irgendwie bin ich richtig erleichtert bei dem Gedanken.“

Nun strahlte Lennarts Gesicht und Laura erkannte wieder das Kind, den Jungen und den Mann, die ihr Herz immer berührt hatten.

Lennarts Ausdruck wurde wieder ernst.

„Immer noch Haare wie flüssige Schokolade“, sinnierte er verträumt.

„Und wenn sich unsere Augen treffen berühren sich Himmel und Erde“, flüsterte Laura.

„Begleitest Du mich nach Uruguay“, fragte Lennart zärtlich. „Dort können wir reiten, am Fluss sitzen und abends den Sternenhimmel beobachten.“

„Ich habe doch kein Staatsexamen mit summa cum laude gemacht, um in Südamerika als Bäuerin zu arbeiten“, erklärte Laura und wußte im selben Augenblick, dass sie log.

                        

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.02.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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