Fritz Lenders

... Radtour um den Plattensee ( 230 km Folter ) Nacharbeit

... 2007,  Juni oder Juli...

Wir hatten ein paar Tage frei. Also könnte es schön sein,ein paar Tage Urlaub am Plattensee zu verbringen, ein bischen abschalten ( bestimmte zumindest meine Frau... ). Na schön. Es war ja auch wirklich immer sehr angenehm und ich fühlte mich dort am Balaton  wohl. Der ungarische Zweig meiner Familie, besitzt dort unten, bei Balaton Fenywes ein nettes, kleines Ferienhaus. 2 Minuten vom See entfernt. Wenn es die Termine zulassen, treffen wir uns ab und zu dort unten und verbringen ein paar nette Tage zusammen.

Meine ungarischen Verwandten sind ruhige, angenehme Menschen, ich mag Sie gerne. Zuvorkommend und freundlich, bemüht sich meistens die ganze Familie um mein Wohl.

Sie sind Alle sehr bewegungsaktiv und machen gerne Ausflüge. Mit dem Rad !! Kostet nicht viel und fördert die Gesundheit. Gut. Habe ich ja auch nötig... Aber O.K.  meistens ist es ja wirklich lustig, einen kleinen Ausflug zu unternehmen.

Meine Schwägerin und meine Frau planten zusammen, eine Fahrradtour rund um den Plattensee. Strecke ca. 230 km, Fahrtzeit etwa 2 Tage.

Übernachten würden wir in einem ehemaligen Ferienareal aus der komunistischen Ära. Vergleichbar mit einer Jugendherberge. In damaligen Zeiten verbrachten manchmal Familien oder Schulklassen, aber auch größere und kleinere Firmenbelegschaften Ihre Urlaube dort. Eine riesengroße Anlage. Größer als Alles, das ich bis Dato gesehen hatte. Und super günstig.

In Ungarn ist das Leben äußerst hart. Niedrige Verdienstmöglichkeiten, hohe Preise.

Demzufolge ist meine Schwägerin sehr sparsam. Sie verwaltet sozusagen das Geld ihrer Familie und alle fügen sich Ihren Entscheidungen. Geld für unnötige Sachen wird nicht zum Fenster rausgeworfen.

Start. Meine Frau und ich, hatten sehr gute Mountainbikes. Das meiner Frau war rot und recht gut, meines hatte eine dezentere gelbe Farbe ( sah wesentlich besser aus ) und war von der Technik auch besser. Leichter zu fahren. Die ersten 20 km durfte ich mich meines Rades erfreuen und mich selber zum damaligen Kauf beglückwünschen. Anschließend hat mir meine Frau mein Rad weggenommen  und Ihr rotes Bike vor die Füße geworfen. Wie entzückend. Also durfte ich mich die restlichen 210 km, mit dem Fahrrad meiner Frau anfreunden. Warum wundert mich das jetzt nicht ?? Frauen eben.

So nach ungefähr weiteren 30 km wagte ich es, mal anzufragen, ob eine kleinere Kaffeepause bei einem netten kleinen Kaffeehäuschen, machbar wäre. Na gut, ich fragte nicht sondern wollte...

Wie gesagt : SPARSAMKEIT !!

Wenn ich vorgeschlagen hätte, die beiden Neffen ( Zwillinge 12 Jahre alt ) für eine Satansmesse zu opfern, wäre der Effekt warscheinlich gleich gewesen. Gut. Also kein Kaffee, aber mein Gedächtnis ist das eines Elefanten und ich bin äußerst rachsüchtig.

Bin dann ein bischen beleidigt voraus gefahren, Vorsprung zur Gruppe etwa 10 Minuten. Mein Schwager hat mich tröstend begleitet. Hinter Kestely ist ein kleines Flugfeld für Motordrachen. Die Flugzeit beträgt ungefähr 10 Minuten, ist sehr interessant und kostet so um die 20 Euro. 

Mein Schwager schaute begeistert  die Drachen an. Ich hab Ihn 10 Minuten lang bequatscht und Ihm den Mund wässrig gemacht, wie toll es sei und daß man so etwas einmal in seinem Leben gemacht haben muß. Hab solange gehetzt und gestichelt, bis er sich in einen Drachen gesetzt hat und einen Flug bezahlte. In dem Augenblick, als er mit dem Flugführer startete, kamen meine Frau, die Schwägerin und die Neffen den Berg runtergeradelt.

Sie fragten mich, wo Tomas ( mein Schwager ) sei?  Schweigsam deutete ich nach Oben. Sagen konnte ich nichts, weil mir mein Zwerchfell schlimme Schmerzen bereitete. Wenn man das Lachen unterdrücken will, können sich gewisse Spannungen im Zwerchfellbereich, zu leichten Schmerzen auswirken. Beim grüngefärbten Hassgesicht meiner Schwägerin, hatte ich furchtbarste Krampfanfälle in der Körpermitte...!  Huuuuuhu, mir ist direkt eine Träne runtergelaufen. Als mein Schwager gelandet ist, war er anschließend 10 cm groß ( mit Hut ) und durfte nicht mehr mit mir vorausfahren. Der Blick meiner Frau hätte mich warnen sollen. Nach etwa120-130 km hatten wir die erste Etappe geschafft. Zwischendurch hatte ich mich erdreistet, mir an einem völlig überteuertem Eisstand eine Waffel Eis zu leisten und wegen dem ausstehendem Mittagessen auch noch beleidigt zu sein, weil ich bei jeder , zu passierenden Gaststätte, ein Magenbrummen hörte. Hab ja zwischendrinn ohnehin mein Futter bekommen.

Jedenfalls waren wir in der Anlage angekommen. Riesengroß. Die Zimmer waren typische Herbergszimmer. 8-10 Betten pro Raum. Toiletten und Duschen, ganz hinten, ganz unten. Egal. Mir brannten die Muskeln, jeder Knochen klapperte, mein Hintern fühlte sich an wie ein fremdes, an den Rücken getackertes Stück Fleisch. Meine Familie wollte ein bischen rumgehen, die Anlage anschauen, irgendwo unten, eine Pizza esssen und zum See gehen. Ich nicht, ich wollte schlafen oder meinetwegen auch ein bischen sterben.  Jedenfalls würde ich mich nicht mehr von meinem Bett wegbewegen.

Ich lag schon so etwa 1 Stunde im Selbstmitleid gebettet auf meiner Liege, als mein Neffe mit einer halben Pizza daherkam. Krisztina ( meine Frau )  hätte Ihn raufgeschickt, mir was zum Essen zu bringen. Eigentlich hatte ich schon Hunger. Nahm also das kleine Nichts von Pizza und schlang Sie mit 3-4 Bissen runter. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß meine Frau Ungarin ist, scharfes Essen demzufolge gewohnt ist und überdies auch noch äußerst nachtragend sein kann. FLUGFELD....

Ich spürte ein leichtes brennen. Nein. Es war Feuer. Hiiilfe. Feuer in meinem Mund. flüssiges Magma, aus dem Munde rinnend. Flammen aus der Nase züngelnd. Toll. Und ich hatte nichts zum Trinken da. Mußte wie der Teufel runterrennen zur Dusche.

Bis dahin war mir nur bewußt, daß Kamele viel trinken können. Jetzt weiß ich, daß mir die Kamele in verschiedenen Beziehungen ziemlich nahe waren.Ich war noch 2 mal unten. Und dann noch ein paar mal, weil ich dauernd pinkeln mußte, wegen meinem Wasserbauch.

Pizza Diabolo sollte man in Ungarn meiden. Meine Frau ist später dann mal raufgekommen und hatt mich grinsend gefragt, ob es mir denn gut ginge. Ja, ja Krisztina. Ganz gut sogar.... 

Die Rache ist mein. Morgen ist ein neuer Tag....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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