Heidemarie Rottermanner

Verrückt

 

 

 


Mutlos und verzweifelt setzte sich David auf sein Bett. Die Gedanken in seinem Kopf spielten Ringelspiel. Er überlegte hin und her. Wo hatte er sein winziges Notizbuch versteckt? Wann hatte er zuletzt darin geschrieben? Doch die Erinnerung daran, war fortgewischt. Er konnte keinen einzigen klaren Gedanken fassen.
Hosen- und Jackentaschen hatte er vergeblich durchwühlt, Kästen und Kleidungsstücke umsortiert, doch das winzige Buch blieb verschollen.

Irgendwo da draußen wartete ein süßes Mädel auf seinen Anruf. In seinem Notizbuch stand ihr Nachnahme und die Handy Nr. „Ich werde verrückt, da begegne ich der Frau meines Lebens und ich Trottel verschlampe meine Aufzeichnungen. Das kann nur mir passieren!“

Grübelnd raufte sich der junge Mann die Haare und seine Gedanken wanderten viele Stunden zurück … als er …
Mit seinem Rucksack bepackt aus dem Zug stieg. Rasch eilte er in Richtung Parkhaus um mit seinem Auto nach Hause zu fahren Am Weg dorthin kam er an einem Bier Pub vorbei. Sein Magen meldete Hunger. Zögernd blieb er stehen, öffnete die Tür und trat ein. Um 10 Uhr morgens war nicht viel los. Es roch verführerisch nach Schnitzel und Pommes. Dem Fräulein an der Theke gab er seine Bestellwünsche durch, nahm sein Getränk und stellte sich wartend an einen der Stehtische. Von hier aus hatte er durch die Glaswand einen guten Ausblick auf die Straße. Drei junge Frauen standen vor der Tür, etwas unentschlossen redeten sie auf einander ein um schließlich das Lokal zu betreten. Während sie zu Theke gingen, füllte sich der kleine Raum des Lokals mit weiteren Gästen.
Nun stand David nicht mehr alleine an seinem Tisch, die drei Mädels hatten sich zu um gesellt. Genüsslich verspeisten sie ihre Leberkäse Semmeln, tranken ihren Apfelsaft und unterhielten sich lebhaft miteinander. Davids junge Nachbarin beteiligte sich kaum an dem Geschnatter, sie ließ ihren Blick durch das Lokal schweifen um schließlich bei David hängen zu bleiben. Verstohlen taxierte sie das blasse Gesicht, die dunkle Brille und seine schlanke Gestalt.
Sonnenstrahlen schlüpften durch die Glasfront und wärmten den Raum. „Endlich mal Sonnenschein, das Grau in Grau nervte mich allmählich“, sagte die junge Frau leise mit warmer, hell klingender Stimme und blickte David fröhlich an.
„Mir ist es auch so ergangen, überhaupt in der Stadt ist der Winter schrecklich. Überall schwarzverkrustete Eisflächen und Schneehaufen“, antwortete der junge Mann.
„Kommst du auch von Wien“, fragend blickte die junge Frau seinen prall gefüllten Rucksack an. „Ja, direkt von der Uni. Freu mich schon auf das Wochenende. Endlich raus aus der Stadt. Ich heiße David und du?“
„Sabrina. Mein Zug kam vor 15 Minuten hier am Bahnhof an. Studiere an der Uni in Wien Germanistik, 3. Semester und du?“
„Medientechnik, 4. Semester.“
Schnell verflogen die Minuten und David musste sich von Sabrina verabschieden. Doch bevor er das Lokal verließ, um zum Parkhaus zu eilen, hatte sie mit ihrer zierlichen Handschrift Telefon Nr. und Namen in sein winziges Notizbuch gekritzelt.

Die süße Kleine, mit den rotblonden, langen Haaren und den dunkelblauen Augen. Sie ging ihm nicht mehr aus dem Sinn und wenn er seine Notizen nicht fand, würde er das liebe Mädel nicht wiedersehen.

Schwer seufzend raufte sich David noch immer seine Haare und beschloss schlafen zu gehen. Es war kurz vor Mitternacht, eine weitere Suche würde um diese Zeit keinen Sinn ergeben. Vielleicht hatte er am nächsten Morgen einen klaren Kopf.
Rasch lief er nach unten. Sein Zimmer befand sich im Obergeschoß des elterlichen Hauses, und eilte ins Badezimmer. Seine Eltern und Geschwister waren gemeinsam unterwegs und noch nicht heimgekehrt.
David wusch sich und putzte fein säuberlich die Zähne. Dann schlüpfte er in seinen Pyjama und ging zurück in sein Zimmer.
Bevor er in den Tiefen seines Bettes in das Reich der Träume eintauchte, fiel ihm eine Begebenheit ein.
Seine Mutter hatte vor Monaten ein ähnliches Missgeschick erlebt. Sie war mit ihrer Aerobic Gruppe in der Turnhalle der Schule, dort trainierte sie mit ihren Mädchen für einen bevorstehenden Auftritt. Da schon eine andere Turngruppe zuvor die Halle betreten hatte, benötigte sie ihren Schlüssel für das Eingangstor nicht. Nach Abschluss ihres Trainings wartete schon die nächste Truppe auf Einlass in die Halle.
Einige Tage später suchte die Mutter den Schlüssel für die Turnhalle. Doch dieser blieb verschwunden. Selbst eine großangelegte Suche danach, blieb ergebnislos. Der Schlüssel war unauffindbar.
Herrjemine, das würde Zores geben. Nun musste sie dem Schuldirektor ihr Missgeschick beichten und ihn um einen neuen Schlüssel bitten.
Sie litt Höllenqualen.Nach all der verzweifelten Suche, erinnerte sie sich schließlich an die guten Ratschläge ihrer Mutter. Diese hatte immer den heiligen Antonius um Hilfe gebeten, wenn sie wieder auf der Suche nach verlorenen Gegenständen war. Und siehe da, es half und der Schlüssel tauchte auf. Er war im Seitenfach ihres roten Rucksacks.
Diese Ereignisse erzählte sie ihrem Mann und den Kindern, als alle gemeinsam zum Mittagessen versammelt waren.
David hatte damals mitleidig seine Mutter belächelt und gemeint. „Das ist purer Zufall, du hattest halt Glück und Heilige, na weißt, das glaube ich einfach nicht.“ „Wenn du meinst“, antwortete seine Mutter. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er mir geholfen hat.“

Nun dachte David wieder an diese kleine Geschichte. Sollte er, oder lieber doch nicht! Ach was soll es, er musste niemanden davon erzählen. Er nahm all seinen Mut zusammen und bat den unbekannten Heiligen um seine Hilfe, und schlief endlich ein.

Früh am Morgen, stieg er gutgelaunt aus dem Bett, kurz zuvor hatte er sich noch einmal bittend an den hl. Antonius gewandt. Da fiel sein Blick auf …. den Rucksack. Du meine Güte, wie konnte er nur das winzige Innenfach vergessen. Beinahe wäre er über seine achtlos auf den Boden hingeworfenen Bücher gestolpert, als er zu seinem Rucksack hechtete. Er öffnete diesen, griff in das Fach und spürte sogleich sein winziges, graues Notizbuch. Vor Freude hätte er am liebsten einen Indianertanz veranstaltet, doch seine Geschwister und die Eltern schliefen noch, also hieß es leise sein. Schnell blätterte er in den Seiten und las folgenden Eintrag: Sabrina Hochfellner Tel. Nr. 0680….
Stunden später tippte er die Nummern in sein Handy, es läutete und eine helle, warme Frauenstimme fragte: „Hallo David, hast du dein Notizbuch endlich gefunden!“ „Woher wusste die süße Kleine von seinem Missgeschick!“ Und im Stillen bedankte er sich aufrichtig bei einem gewissen Herrn … dem Heiligen Antonius, Wiederbringer verlorener Sachen.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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In einem Land, fern und unbekannt,
leben Wichtel und Elfen,
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