Fritz Lenders

... unsere Arbeit im GERÜSTBAU ...

... immer wieder muß ich an die Zeit denken, als wir Alle noch Angestellte waren.                                     Peter, mein Sauna und Rußlandfreund, Christian sein Bruder, Conny und Klausi, meine Brüder und ich.

Wir arbeiteten in München, bei einer Gerüstbaufirma.  Unser Chef war ein humorloser Mensch, mit Magenproblemen. 

Logisch...

Wir waren die einzigen Angestellten, da sind gewisse Magenprobleme wahrscheinlich schon das kleinere Übel. Obwohl wir in unserem Beruf sehr gut waren, vielleicht sogar zu den Besten zählten. Jede Menge Rekorde, die nie mehr einzuholen sind, gingen auf unser Konto. Unser Chef hat sicher gut mit uns verdient, allerdings wird einiges an Geld, bestimmt für seinen Therapeuten draufgegangen sein.

1983.. eine wunderbare Zeit. Unsere Zeit !

Gerüstbau ist kein Beruf für Zuckerbäcker, aber wenn man die notwendige Kraft und Härte erreichte, war dieser Beruf voller Spaß und Abenteuer. Jedenfall`s  für uns.

Wir sind, wie fast jeden Tag, mit unserer üblichen Verspätung ins Lager reingedonnert. Unser Chef, mit seinem grünen Gesicht, voller Zorn im Dreieck springend, erwartete uns mit Blitzen in den Augen..

Unsere giftgrünen LKW`s waren bereits aufgeladen und brauchten Aktion. Vermutlich waren wir in jedem Teil von München bekannt, denn üblicherweise fuhren wir immer mit allen 3 Lastwägen auf die Baustellen. Und es war nie all zu leise und schon gar nicht unauffällig.

Während Peter den Abfall aus der Fahrzeugkabine entsorgte ( mittels einem Schubkarren !! ) versuchte mir unser Chef  .. FELIX.., den Auftrag zu erklären. 

Wir sollten in der amerikanischen Kaserne die Schule und eine Garage einrüsten.  In dem Moment sprang hinter Ihm, Peter aus dem LKW, mit dem Fahrzeugschein in der Hand. Er wedelte hinter Felix damit rum und schnitt Grimassen. Ich durfte auf keinen Fall lachen, da unser Boss doch keinen Humor hatte. Schwieriges Unterfangen. Peter begann ein kleines Liedchen zu trällern : Felicitas, la,la,la,la, Felicitas...

Was wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, Felix hieß in Wirklichkeit Felicitas, es gab damals so ein nettes Lied, das gerade aktuell war. Natürlich bin ich in diesem Augenblick fast zusammengebrochen, was unseren Arbeitgeber wieder mal zu einer größeren Dosis Maloxan ( Magenmittel )veranlasste.

Er flehte mich an, den Auftrag einigermaßen ruhig auszuführen, da wir schon letzte Woche eine Beschwerde von Roberto Blanko ( dessen Villa wir eingerüstet hatten ) kassieren mußten und auch in der Grundschule von Heimstetten eine Rüge bekommen hatten.  Naja, sie können aber auch kleinlich sein..

Wir fuhren im Konvoi Richtung Amerikanisches Gelände..  

Im Kasernenbereich wurde das Schulgelände renoviert, viele Sachen wurden einfach raußgerissen und entsorgt.  1983.. Amerika war damals Deutschland noch ein schönes Stück voraus. Mit Allem..

Wir begannen also unsere Arbeit. Das Schulgebäude war schnell eingerüstet, die Garage war ein kleineres Problem, weil wir über das Dach zur anderen Mauer hin eine Konstruktion bauen mußten. Eine Abstützung des Daches war erforderlich. Da wir nicht ins Gebäude der Garage reinkonnten, schlugen Conny und Christian ein Loch in das Dach und fertig. Naja.. Die Beiden wieder mal .Immer kurz und bündig. Jedenfalls konnte die Abstützung gebaut werden. 

Zwischendrinn sagte ich zu Klausi, er solle mal im Schulbereich schauen, ob was zum Trinken zu finden wäre. 

Kurz darauf kam er mit einem ganzen Einkaufswagen voller Coca-Cola Dosen wieder heraus. Er hatte sie in einem Schrank des Büros gefunden, das noch nicht ausgeräumt war.

Komisch. Die Büchsen hatten nicht den üblichen Zip-Verschluß sondern die, für uns damals noch total unbekannten Knickverschlüße. Na Toll. Noch nie gesehen. Peter nahn sein Ratsche und schlug einfach auf den Verschluß. Irgendwie ging es solala. Aber insgeheim dachten wir, es handelte sich um eine Fehlproduktion.  Wir haben es trotzdem getrunken. Im Hinterkopf eine grausame Vergiftung erwartend.

Klausi sagte, daß drinnen , im Gebäude Alles raußgerissen wurde. Woraufhin Peter und Conny reingingen und kurz darauf mit je einem Schiebewagen zurückkamen. Peter hatte auf seinem Wagen einen Videorekorder von einer Größe, die ich noch nie gesehen hatte. Conny hatte auf seinem Wagen eine komplette Computeranlage.

Wie groß war allerdings die Enttäuschung, als ich Ihnen sagen mußte, daß die Geräte, mit der, für Amerika üblichen, niedrigen Voltzahl betrieben wurden und somit für den normalen Gebrauch wertlos seien. Enttäuscht fuhren Sie Ihre Beute zurück.

Wenigstens hatten wir Cola im Vorrat. ( Wenn auch mit merkwürdigen Verschlüßen ). Etwas später kam Felix wie ein Teufel um die Ecke geschoßen.

Seine Hufe scharrten im Gleichkang seines Teufelsschwanzes hysterisch über den Asphalt. Sabbernd, Gift und Galle spuckend,  tobte er im Dreieck durch die Gegend.

Das Gerüst am Schulgebäude war O.K... aber die Garage war die Falsche. Und das Dach war zusätzlich, auch noch kaputt.

Schön. Und Peter sang wieder sein neues Lieblingslied... Felicitas, la,la,la,la, Felicitas...

1983.. eine wunderschöne Zeit. Und wir haben jeden Tag etwas anderes erlebt. Ich muß ein Buch drüber schreiben, sonst gehen die ganzen wunderbaren Erlebnisse verloren...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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